Der Fall Edathy - und die Angst als Mama vor Pädophilen

Gestern Morgen um 10 Uhr war es so weit: Sebastian Edathy wurde im Kinderpornoprozess freigesprochen. (Wer möchte, kann die Chronologie hier in Kürze nachlesen.) Wie perfide dieses Urteil ist und wie es einem ganz subjektiv als Elternteil eines Kindes geht, darüber geht es heute in diesem Beitrag ebenso wie das Thema: wie kann ich mein Kind vor sexuellem Mißbrauch schützen?

 

"Screenshot" - Bildrechte: heute.de

 

Die widerliche Doppelmoral unserer Gesellschaft

Der ganze Fall Edathy hat etwas Klebriges an sich, man fühlt sich irgendwie schmutzig wenn man genauer darüber nachdenkt: das soll einer "unserer" Politiker sein, dem wir (manche mehr, manche weniger) unser Regierungsmandat zugesprochen haben? Natürlich ist es naiv, zu denken, dass Politiker bessere Menschen sind, oder dass sie weniger pervers sein könnten als der Durchschnittsbürger. Aber sie sollten es sein! Sie sollten die massive Verantwortung spüren, die auf ihren Schultern lastet, die Verantwortung die sie für ganz Deutschland und irgendwie auch ein stückweit für die Welt mittragen, und vor allem sollten sie sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Ist das wirklich zu viel verlangt? Das miese Gefühl schleicht sich vor allem auch deshalb ein, weil er anfangs von seinen Parteigenossen Schützenhilfe bekommen hatte - ist der weiße politische Deckmantel wichtiger als das Vorgehen gegen Pädophilie?

Seltsam erscheint auch der Deal, den Edathy mit dem Gericht eingegangen ist: eine Erklärung vom Anwalt vorlesen zu lassen und dafür als freier Mann das Gericht verlassen? Mit läppischen 5000€, die er an den Kinderschutzbund Niedersachsen zahlen soll? Er selbst bezeichnete die Erklärung übrigens nicht als Geständnis:

Sein Verfahren sei ohne Verurteilung eingestellt worden. "Ich weise darauf hin, dass ein 'Geständnis' ausweislich meiner heutigen Erklärung nicht vorliegt. [...]  Eine Schuldfeststellung ist damit ausdrücklich nicht getroffen worden", betont er. Quelle: heute.de

Laut heute.de schienen alle Beteiligten nach der verlesenen Erklärung erleichtert, den Prozess endlich beenden zu können. Und vermutlich wird Edathy jetzt erst einmal von der Bildfläche verschwinden, die Affäre auch aus politischen Gründen schnell unter den Tisch gekehrt...

Wieviel sind Kinder in unserer Gesellschaft wert? Ängste einer Mutter

Der Besitz von Kinderpornographie ist strafbar und wird entweder mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet. Wer Kinderpornos dreht, muss mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren rechnen. Es erscheint lachhaft, wie einfach sich Edathy aus der Sache herauswinden konnte. Natürlich ist sein Ruf ruiniert, privat und politisch. Aber er scheint keinerlei Reue zu empfinden, wehrt sich nach wie vor mit Händen und Füßen gegen seine Schuld. Allein die Aussage, es handle sich "nur um Dateien" - dass aber eine getätigte Vergewaltigung beziehungsweise ein Mißbrauch hinter jedem Bild, hinter jedem Video steckt, interessiert ihn nicht.

Auch hier wieder meine Frage, ob es sehr naiv ist von mir, von der Politik, unserer Gesetzgebung, zu erwarten, unser Kostbarstes zu schützen?

Jedes Mal, wenn ein Fall von Pädophilie durch die Medienmaschinerie läuft, empfindet man als Elternteil massive Angst, die teilweise auch in Panik ausarten kann. Ich kenne das auch, zumal ich auch schon als Kind Angst vor Fremden hatte. Mit der Geburt eines eigenen Kindes wird man verletzlich, denn was man bei sich selbst vielleicht ertragen könnte, treibt einen an den Rand des Wahnsinns, wenn man befürchten muss, dass dem eigenen Kind etwas zustößt. Natürlich ist es im Umkehrfall auch kontraproduktiv, permanent Angst zu haben und direkt jeden zu verdächtigen, der potentiell dubioses Verhalten zeigt (wie zum Beispiel als Erwachsener allein in der Kinderecke des Schwimmbades sein). Man muss sich Gedanken machen - wie wirkt diese Angst auf das Kind, und was braucht es, um sich im Notfall selbst schützen zu können...

Wie kann ich mein Kind präventiv gegen sexuellen Mißbrauch schützen?

Die hauptsächlichen Gefahren für ein Kind kommen aus dem näheren Umfeld! Jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder siebte bis achte Junge ist laut Statistik Opfer von sexuellem Mißbrauch. Die Täter: aus Freundes- und Verwandtenkreis. Auch die Videos mit Kinderpornographie werden meist im familiären Umfeld erstellt oder von Tätern, die sich das Vertrauen der Kinder erschlichen haben.

Ganz wichtig ist es, dass man seinem Kind Selbstbewusstsein vermittelt, es ernst nimmt und ihm gestattet, eigene Grenzen zu ziehen. Sexuelle Gewalt beginnt schon, wenn das Kind einem Verwandten ein "Küsschen geben" muss, obwohl es das nicht will. Damit vermittelt man: Erwachsene dürfen über deinen Körper bestimmen. 

Zum Thema Selbstbewusstsein gehört auch, dem Kind nicht von Anfang an den Willen zu brechen, es zum Beispiel nicht zu zwingen, den Teller leer zu essen oder sie bei Schmerzen nicht ernst zu nehmen ("Das tut doch nicht weh."). Auch hier vermittelt man dem Kind, dass es kein Recht auf Selbstbestimmung hat und seine Eigenwahrnehmung nicht richtig ist. 

Wichtig ist es auch, Aussagen des Kindes ernst zu nehmen wie zum Beispiel "Ich will nicht mehr bei Opa schlafen" oder "Onkel Herbert ist blöd". Kinder drücken sich nicht eindeutig aus, unter anderem auch deswegen, weil ihnen die Täter oft Angst gemacht haben und sie sich nicht den Eltern direkt anvertrauen können.

Man kann auf einige Zeichen des Kindes achten wie zum Beispiel sexualisiertes Verhalten: in der Öffentlichkeit entblössen und anfassen, vermehrt über Genitalien reden oder Abwehr bei der Körperpflege zeigen.

Verdächtig sollte es einem vorkommen, wenn das Kind einen erwachsenen "Freund" hat, der nicht altersgerechte Geschenke macht (für eine Fünfjährige mehrere Lippenstifte oder ähnliches).

Man sollte dem Kind immer vermitteln, dass man für es da ist und ihm glaubt. Wichtig ist es auch, ihm ausdrücklich die "Erlaubnis" zu geben, über das Erlebte zu sprechen und ihm zu vermitteln, dass es keine Schuld trägt.

Ein ganz wichtiger Punkt ist auch die altersgemäße Sexualerziehung. Ein Kind sollte wissen, wie nackte Erwachsene aussehen, aber auch, dass es sich nur im vertrauten Kreis ausziehen darf, dass es weglaufen soll, wenn sich ihm Fremde zeigen oder es Fremde anfassen soll. Und natürlich auch auf das eigene Gefühl zu hören, nichts zu machen, das es komisch findet.

Bei älteren Kindern gehört auch die Medienerziehung dazu; Stichwort Chatrooms oder Lifestreams. Am besten immer mal wieder dem Kind über die Schulter schauen, aber auch präventiv darüber reden was alles passieren kann und vor allem sich niemals mit Fremden treffen lassen.

Mehr Tipps und Infos findet ihr in den Quellenangaben:

http://www.onmeda.de/sexualitaet/paedophilie.html

http://www.gegen-missbrauch.de/kinderpraevention

http://www.buendnis-fuer-kinder.de/rat-und-tat/info-a-tipps/121-informationen-2-v15-121

http://www.urbia.de/magazin/kindergartenkind/erziehung/missbrauch-wie-sie-ihr-kind-schuetzen-koennen

http://www.mobile-elternmagazin.de/erziehung/probleme/details?k_onl_struktur=385570&k_beitrag=684965

https://www.elternimnetz.de/kinder/erziehungsfragen/medien/internet.php

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