Elternblogs sind nicht politisch?! Was wäre, wenn ich es der Gesellschaft recht mache

Es gab da letztens in der Frankfurter Rundschau diesen Mittelfinger - Artikel, der sich darüber verlustierte, dass Hausfrauen bloggen würden, eine geleckte Realität präsentieren und sich selbst dabei zelebrieren, wie sie in der gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit versacken. Naja, so ähnlich jedenfalls. Ihr könnt es auch selbst nachlesen: Hippes Heim, Glück allein. Das bringt mich als Mama, die ihr Leben für die Kinder umgekrempelt hat, natürlich ein wenig zum Sinnieren über die politische Bedeutungslosigkeit meines virtuellen Lebens und wie zur Hölle ich es endlich (!) wieder allen recht machen könnte. Damn! (Achtung, Spuren von Sarkasmus.)
 
 
 

 

Wegen der Kinder arbeite ich zuhause - und trete der Emanzipation in den Arsch

Mutter zu werden, hat mich noch mal alles neu überdenken lassen. Ich habe einfach nicht damit gerechnet, dass es so schwierig werden würde. Dass das nämlich gar nicht so ist wie im Fernsehen. Mein Baby ließ sich nicht den halben Tag im Stubenwagen ablegen und schlief auch nicht nach zwei Tagen durch, oh no! Es war dann eher wie in einem Comedy Film, wo die Mutter total versumpft und das Baby ihr so richtig auf der Nase rumtanzt. Nur leider habe ich im Gegensatz zum Film nicht die Kurve gekriegt. Normalerweise spielt sich das ja nach wenigen Wochen (oder Tagen) wieder ein. Also im Film. Ich war nach einem Jahr Elternzeit wieder in Teilzeit arbeiten (ich Loser, auch nicht im vorherigen Job) und hatte dann echt Probleme mit meinem heulenden Kind.
 
Tja, und jetzt, mit zwei Kindern, da hab ich das dann direkt mal sein lassen und bin zuhause geblieben. Nicht, weil mein Partner so viel verdienen würde (leider), sondern weil ich von zuhause arbeite. Sehr unglamourös und auch eher so Existenzminimum, aber es klappt. Ich bin da auch noch stolz drauf, weil ich mir das ganz alleine aufgebaut  habe, aber wisst ihr was - ich sollte mich schämen! Denn wozu sind Frauen eigentlich auf die Straße zum Protestieren gegangen? Bestimmt nicht, damit ich jetzt wieder hinter dem Herd verschwinde, Bullerbü inszeniere und mit meinem erbärmlichen Leben noch mehr Mütter davon abhalte, arbeiten zu gehen und sie motiviere, sich lieber um ihre Brut zu kümmern. Bäh! 
 

 

Wie kann ich es endlich der Gesellschaft recht machen? Ein kleines Gedankenexperiment

Also zum einen habe ich ja mein Soll erfüllt und sogar mehr als 1,4 Kinder zur Welt gebracht. Ich habe sozusagen den Papa und mich als Steuerzahler ersetzt. Jetzt sollen sich die beiden zukünftigen Steuerzahler auch endlich mal auf den Weg machen, wertvolle Mitglieder des Wirtschaftssystems zu werden. Ich stopfe sie also in den Kindergarten, der sie am meisten abhärtet, damit sie bloß nicht denken, dass irgendetwas in diesem Leben dazu da ist, um mal zu Faulenzen.
 
Anpassung, Leistung, das ist es, was zählt. Das können die auch schon in ihrer Windelbuxe lernen. Right? Und wenn ihnen das schwer fällt, verdammte Axt, dann ist es umso wichtiger, dass sie das durchziehen. Zum einen hat es ja auch uns nicht geschadet und zum anderen bereitet sie das dann optimal darauf vor, sich in der Wirtschaft später mal zu behaupten. Was wünsche ich meinen Kindern? Eine volle Geldbörse! Und was noch? Dass sie gut gehorchen können! 
 
Äh. Momentchen mal. Es ging doch um politische Relevanz, oder? Da war ja was. Der Vorwurf war ja eher an mich gerichtet. Ich werde also mein scheiß dämliches Eltern Blogazin einstampfen, das braucht eh keine Sau. Ich nenne es Eltern Bildungsblog und werde ab sofort alle paar Tage ein Update schreiben zur aktuellen politischen Lage. Im In- und Ausland, versteht sich. Und damit ich mich nicht so blamiere, werde ich vielleicht ein Fernstudium in Politik erwägen. Das ziehe ich mir rein, wenn meine Kinder abends um 19 Uhr schon schlafen, weil der Kindergarten sie so fertig gemacht hat, dass ich keine Zeit mehr mit ihnen verbringen muss.
 
Geil! Endlich Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Andere Eltern zu bilden nämlich. Das sehe ich als meinen persönlichen Auftrag. Wer es wagt, seine Gedanken ins Netz zu stellen, der sollte wenigstens irgendeinen Mehrwert bieten. Da ich vorher nämlich nur rosarote Bilder meiner perfekt gestylten Wohnung oder meines glamourösen Lebens gezeigt habe sowie schicke Backrezepte und Nähtutorials (die für niemandem irgendeinen Mehrwert darstellen)... ach nee, hab ich ja nicht mal.
 
Ich habe eher über mein belangloses Hausfrauen, äh, Homeoffice Hausfrauen Mom Leben berichtet und über Erziehung philosophiert. What the heck?! Interessiert doch niemanden. Oder vielleicht schon, aber das sollte es nicht. Keiner sollte sich Gedanken über die eigenen Kinder machen, wie man die am besten groß kriegt oder wie die die Welt so sehen. Kinder sind nämlich voll unpolitisch und außerdem kriegen Eltern das eh nie hin. Legen wir doch einfach Erziehung und Bildung in die Hände des Staates und engagieren wir uns mehr für die Erziehung und Bildung unserer Mitmenschen. Das ist wenigstens nicht so retro.
 
 
PS. Wer wissen will, wieso das Bloggen über Kinder doch verdammt politisch und wichtig ist, darf gern bei Geborgen Wachsen nachlesen. Oder bei Infemme. Oder bei Frische Brise. Ich hätte das nie so gut schreiben können, dafür gibts von mir eine geballte Ladung Sarkasmus.
 
Love & Peace,
 
eure Frida
Dreirad ohne Pedale. Unser supercooles Toddlerbike...
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