Frauen, erzieht eure Söhne zu besseren Männern

Momentan gibt es wieder eine schicke Blogparade zum Thema #aufAugenhöhe. Auslöser war ein Beitrag von Papa Online, der der Meinung ist, Frauen sollten doch den Männern sagen, was im Haushalt zu tun sei denn sie könnten es einfach nicht sehen, allein schon genetisch bedingt... Was ich davon halte? Nicht viel!

 

"Das bisschen Haushalt..." - Bildrechte: 2KindChaos

Lieber Papa Online, das ist doch nicht dein Ernst?!

Er hat da so einen netten offenen Brief geschrieben, an seine Frau und gleich zum Ausdrucken für alle anderen Männer. Dass Männer gar nicht faul sind, sondern vermutlich aus genetischen Gründen betriebsblind für sämtliche Aufgaben in und um den Haushalt sowie Kinderbetreuung. (Ächt jetzt?) Und nein, im Namen aller Männer, er würde sich nicht bevormundet fühlen sondern wäre dankbar für den ein oder anderen weiblichen Hinweis, was denn zu tun sei. Und dann auch noch mit der Aufforderung, einen direkten Satz zu formulieren und keinen, den man irgendwie überhören könne. (Hmm!) Die Frauen sollen also sich nicht nur über alles Gedanken machen, was sie sehen, die Verantwortung übernehmen für Kind, Haus, Hof und Hund, sondern dem Mann auch noch präzise Anweisungen geben, wie wo und wann eine Aufgabe zu übernehmen ist, sonst kann der arme Kerl ja nichts dafür...

Nicht nur für mich sondern für die meisten Frauen klingt das nach: Verantwortung abschieben, bloß keine Gleichberechtigung, auf Blöd stellen damit man nichts machen muss (eine Strategie die ja oft von Männern angewendet wird und die leider auch zumeist funktioniert). Ganz besonders toll sind ja dann auch die Kommentare unter dem Text, in denen sich die Männer für den Brief bedanken, sich gegenseitig ein wenig mitleidig auf die Schulter klopfen und im Akkord schniefen, wie schwer sie es doch mit ihren Frauen haben, die sie ja nie so wirklich verstehen wollen. Natürlich gibt es auch einige Ausnahmen, die zumindest nicht so ganz d'accord mit dem Papa Online sind, aber das ist wohl eher die Ausnahme...

Warum sich ein Mann nicht auf Kommunikationsproblemen ausruhen dürfen sollte

Also mal angenommen es ist wirklich so, dass Männer keinen Blick dafür haben, wenn die Spüle überquillt, das Kind nach Exkrementen riecht und die Waschmaschiene ausläuft. Ist es dann wirklich die ultimative Lösung, sich zurückzulehnen und zu sagen "Hey Baby, du weißt ja, ich bin da genetisch etwas defekt und kann einfach nichts gegen meine blinden Flecken machen. Sag du mir doch was ich machen soll."? Allein die Vorstellung ist ja wirklich reizend. Abgesehen davon, dass es nicht gerade der Traum einer jeden Frau ist, sich ein weiteres Kind zuzulegen, das sie erziehen soll, ist es (verzeiht die Jugendsprache) der Mega Abtörn, wenn man so einen Dödel im Haushalt hat. Wer will einen starken, gleichberechtigten Partner im Haushalt, der Beziehung und der Familie haben, bitte Hände hoch, Ladys. Klar gibt es auch Frauen, die ihre Männer gern verwöhnen, ihnen die Chipskrümel unter dem Arsch wegsaugen und ihnen das Bier wohl temperiert bringen, aber auch die sind (denke ich jetzt mal) nicht der Regelfall.

Und was die Kommunikationsprobleme zwischen Mann und Frau angeht, klar, die gibt es unbestritten. Aber dann die ganze Verantwortung auf das Weib abzuwälzen kann eine Lösung sein, sollte es aber nicht. Hey Männer, seid ihr echt solche Whimps? Will ich nicht glauben!! Sei schlau, stell dich dumm - wohl eher, gell? Und dann möchte ich auch bitte den Mann sehen, der das geil findet, wenn die Frau in klaren, einfachen Befehlssätzen mit ihm redet und er springt dann sofort und erledigt seine Aufgabe. Danach gibts dann ein Leckerli. Das heißt, in der SM Szene ist das wohl gang und gäbe, aber auch hier stelle ich mal die gewagte These in den Raum, ist das nicht der Regelfall und Sinn und Zweck einer Beziehung auf Augenhöhe.

Mädels, Butter bei die Fische: sind wir mit Schuld am Genderkack?

Und um das Thema abzurunden und nicht nur Männerbashing zu betreiben, muss auch folgender Punkt genannt werden: wer hat diese Männer (mit)erzogen? Na? Richtig, eine Frau. Eine Mutter. Wer kennt es nicht, der mit einem Bruder aufgewachsen ist "Du bist ein Mädchen, du hilfst im Haushalt." oder "Du bist kein Junge, du brauchst nicht lernen wie man den Rasen mäht." Klar war das die Gesellschaft, Kultur und so, aber ist das heute so viel anders? In einer Welt, in der junge Mütter sich fragen, ob sie ihrem Sohn eine Puppenküche schenken dürfen oder eine Puppe? Ist das nicht komisch für einen Buben? Und wenn man ihm auch noch aus einer Laune heraus die Fingernägel lackiert, wird er dann nicht schwul? Alles schon gehört, mein voller Ernst!

So sehr ich in diesem Artikel nun schon Phrasen gedroschen habe, möchte ich doch auch darauf hinweisen, dass ich das Thema irgendwie traurig finde. Ja, es macht mich betroffen. Gleichberechtigung ist noch ein weiter Weg, und er fängt im Kleinen an. Bei unseren Söhnen, aber auch bei unseren Töchtern. Wenn wir ihnen mitgeben, dass das eben nicht genetisch bedingt ist sondern dass jeder alles können darf, aber nicht muss, gibt es hoffentlich doch in der nächsten oder übernächsten Generation Paare, die wirklich gleichberechtigt sind und sich auf Augenhöhe begegnen können. Ich bin mir sicher, es gibt sie auch jetzt schon, aber sie sind eben die Ausnahme. Da ist ein Umdenken erforderlich, das jeden Einzelnen betrifft und es macht da wenig Sinn, aufeinander einzudreschen oder Konflikte zu schüren. Ab und zu mal innehalten und nachdenken, ob man sich wirklich zum Horst, Mammutjäger oder Mutter der Nation machen will und dann tief durchatmen...

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