Freie Entwicklung für mein Kind oder Anpassung an die Gesellschaft?

Ihr habt ja mitbekommen dass sich meine große Tochter schwer tut mit der Kindergarten Eingewöhnung und wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, macht das einem Teil von mir Angst, auf den ich nicht gerade stolz bin. Denn ich wurde früher gemobbt (von Lehrern und Schülern) und hatte es generell schwer in Gruppen. Will ich sie deshalb unbedingt in die Form pressen, in die ich nie gepasst habe? Es geht hier um Überlegungen zu einem alternativen Lebensweg...

 

 

Eigene Ängste und Kindheitsprobleme

Ich hatte es ja schon erwähnt, ich hatte es selbst nicht so leicht. Ich war ein sehr introvertiertes Kind und übrigens auch gar nicht lustig. Jetzt glaubt mir das keiner, der mich erst kennenlernt, vermutlich wie früher keiner geglaubt hätte, dass ich mal so selbstbewusst wirken kann. Ich habe irgendwann selbst die Kurve gekriegt und mich sozusagen trainiert, ich habe etwas Soziales studiert, um Menschen zu verstehen, aber es war nicht der einfache, gerade Weg. Deshalb denke ich oft, dass ich meine Kinder davor schützen möchte, nur negative Erfahrungen zu machen oder gebrochen zu werden so wie ich - und deshalb dachte ich wäre es das Richtige, sie auf das schwierige System Schule vorzubereiten.

Deshalb habe ich auch mit mir zu kämpfen gehabt, als meine Tochter so geklammert hat und eben nicht so forsch war wie alle anderen Babys, die wir kennen lernten. Als sie in den Kursen nur gebrüllt hat und die scheinbar alles sabotiert hat, was nicht in ihren Babyalltag gepasst hat. Autofahren, Einkaufen, Besuche, alles schwierig bis kaum möglich. Mit zwei Jahren ist sie mir panisch auf den Arm gesprungen, wenn sie fremde Leute gesehen hat. Und ja, wir sind viel draußen gewesen und haben auch den Turnverein besucht, es gab eben immer wieder sehr ängstliche Schübe. Und ich bin eigentlich keine ängstliche Helikoptermutter, ich bin eher eine die auch mal wegschaut und darauf baut dass sie das schon hinbekommt. 

Vorbereiten, nein, coachen wollte ich sie, damit sie zurecht kommt. Am besten zwei, drei verschiedene Sportkurse damit sie auch ja nicht im Sportunterricht vom Lehrer fertiggemacht wird, möglichst selbstbewusst und unabhängig soll sie sein damit sie sich bei anderen Kindern behaupten kann - also viel in Gruppen gehen. Dachte ich. Ansonsten wusste ich ja ein wenig über Bindungstheorie und habe ihr viel gegeben, sie nicht weinen lassen, sie getragen und gehalten, getröstet und bin ihr entgegen gekommen und tatsächlich sie wurde und wird immer selbstbewusster, auch ohne Abhärten. Wenn wir jetzt mit anderen Kindern auf den Spielplatz gehen, muss ich sie suchen gehen. Sie kann toll spielen und ist ein sehr empathisches und verträgliches Kind, hat aber Probleme mit Konkurrenzverhalten. Ok, könnte auch am Alter liegen. Eigentlich bin ich aber sehr sehr stolz auf ihre Entwicklung und denke, dass sie wenn sie so weiter macht ein glücklicher Mensch werden kann.

 

Kindergarten - Vorbereiten auf das Leben in unserer Gesellschaft?

Jetzt soll sie also in den Kindergarten und es klappt nicht so wie es die Erzieher gern möchten. Es gab den ersten Knick und wir machen nun eine Pause von fast 1,5 Wochen, danach werde ich weiter sehen. Wenn die Erzieher uns machen lassen mit der Eingewöhnung wird sie dort ankommen, aber wenn sie den Druck verstärken und mich überreden wollen, dann habe ich mittlerweile auch kein Problem mehr damit, zu sagen, ok dann bleibt sie zuhause. Das war vorher nie eine Option für mich, aber ich bin mir in einem ganz sicher: ich werde sie da nicht brüllen lassen und ihren Willen brechen. Diesen Weg bin ich vorher nicht gegangen und das werde ich auch jetzt nicht. 

Und bevor sich jemand angegriffen fühlt: ich meine nicht dass es scheiße ist wenn Kinder generell beim Abschied weinen. Das ist der Trennungsschmerz. Ich meine es ist scheiße wenn das Kind nicht richtig eingewöhnt ist und man es dann resignieren lässt bis es nicht mehr weint. Ich habe oft von Erziehern gehört dass es Kinder gibt die bis zu einem Jahr brauchen bis sie sich wohl fühlen und spielen. Wenn man arbeiten muss und keine Oma oder Tagesmutter parat hat (oder wen auch immer) ist das natürlich nicht zu ändern aber wenn ich eben nicht muss?

 

Und jetzt kommt die für mich radikale Erkenntnis: wird mein Kind vielleicht doch selbstbewusster und glücklicher wenn ich sie frei aufwachsen lasse?

Ich hätte den Gedanken vielleicht auch ganz allein denken können, aber es hätte länger gedauert und wäre nicht so stark daher gekommen. Nein es mussten erst andere Leute kommen, die diesen Weg gehen und die mich beeindruckt haben. Im Internet bin ich auf den Blog Urnaturaen gestoßen - die beiden Jungs wachsen ohne Kindergarten auf und sollen im Bestfall auch zuhause beschult werden. Erst dachte ich, boah voll öko aber mutig - und dann habe ich mir überlegt, dass die Kinder bestimmt mal saucoole und selbstbewusste und individuelle Jugendliche (und Erwachsene) werden die das ganze Gemobbe nicht nötig haben und die sicherlich auch nicht gemobbt werden. Kann also nicht total falsch sein.

Dann habe ich mich näher mit Julia von Die gute Kinderstube ausgetauscht - wir treffen uns ab und zu privat und haben viele Gemeinsamkeiten festgestellt, zum Beispiel Langzeitstillen und viele andere Erziehungseinstellungen. Zusammen mit Mo träumen wir auch mit den dazugehörigen Männern von einer Kommune; alle sind tolerant und individuell, die Kinder toben herum und wir helfen uns gegenseitig. Vielleicht wird es ja irgendwann mal mehr als ein Traum für ein paar von uns, wer weiß. Aber diese warmherzige liebevolle Art, wie alle miteinander und vor allem mit den Kindern umgehen, die ist einfach unglaublich inspirierend. Und Julias Tochter, die sich sogar selbst gegen den Kindergarten entscheiden durfte, ist das coolste und selbstbewussteste Kind das ich je gesehen habe. Klar das ist auch eine Temperamentsfrage, aber ich sehe keinerlei Nachteile, weil sie nicht in die gesellschaftliche Form gepresst wird. Sie soll übrigens später auf eine Schule gehen, in der freies Lernen möglich ist, sehr spannend.

Und jetzt sehe ich, dass es vielleicht doch einen alternativen Weg gibt zu dem, meine Tochter ängstlich darauf vorzubereiten, irgendwie in der Gesellschaft klarzukommen. Vielleicht ist nicht mein Kind verkehrt, sondern das System, in das es reingepresst werden soll. Viele kommen sicher gut damit klar, aber zu welchem Preis? Und vor allem zu welchem Preis für meine Tochter? Müsste sie ihre Individualität aufgeben, ihre ganz andere Art, mit allem umzugehen? Sie ist jetzt schon ein richtiger Freigeist und macht alles auf ihre Art, sie sieht aus wie eine kleine verrückte Künstlerin mit rosa Kleid, Pudelmütze und dreckigen nackten Füßen. Eine meiner Freundinnen nennt sie immer das "Bullerbü Kind", weil sie so ein wildes freies Wesen ist, das einfach glücklich ist und auch mit nichts spielen kann. Wer weiß wo das Leben sie hinbringt, und es ist meine Aufgabe sie bestmöglich zu begleiten.

Ich brauch Hilfe: was steht mir mit Mama Body über...
Mein Cousin ist mein Vorbild und transsexuell.

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