Kann der Staat unsere Kinder besser erziehen? Meine Antwort auf die Hetzrede gegen die Herdprämie

Von Anfang an war das umgangssprachlich "Herdprämie" genannte Betreuungsgeld umstritten und das ist es bis heute. Jüngst hat die Frankfurter Rundschau einen regelrechten Hetzartikel darüber geschrieben, dass sie endlich abgeschafft werden soll... und ich frage mich: geht's noch? Was sind denn da für Aussagen verwurstet?

 

"Fällt ein Kind ohne professionelle Fremdbetreuung automatisch in den Brunnen?" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Fremdbetreuung ist nicht automatisch Frühförderung

Die Prämie bekommt, wer sein Kleinkind von den Altersgenossen fernhält und der kompetenten Betreuung und Förderung qualifizierter Erzieherinnen entzieht. Ist das nicht absurd? Quelle: fr-online.de

Man könnte ja meinen, dass alle Eltern, die das Betreuungsgeld annehmen, bildungsarme Unterschichtler, davon natürlich viele Ausländer oder unsoziale Geldgeier sind, die sich von den 150 Tacken einen schönen Lenz machen, während ihre Kinder an Mamas Rockzipfel hängen und sozial, emotional und mental komplett verblöden. Ich finde es schlichtweg menschenfeindlich und rassistisch, solche Aussagen in den Raum zu werfen - und davon abgesehen auch komplett an der Realität vorbei! 

Es geht mir nicht darum, zu pauschalisieren, welche Betreuung für unter Dreijährige besser geeignet ist (im Gegensatz zur FR Autorin), denn Argumente Für und Wider gibt es auf beiden Seiten. Aber zu behaupten, dass Kinder, die von ihren Eltern betreut werden, keinerlei Förderung erhalten, ist schlichtweg falsch. Ebenso ist es falsch, alle Erzieher und Betreuungseinrichtungen als die automatisch beste Wahl hinzustellen. Gerade bei so kleinen Kindern kommt es noch mehr auf die Beziehungsqualität an - und wenn wir ehrlich sind ist es in den meisten KiTas der Fall, dass Personalmangel herrscht, der Personalschlüssel nur auf dem Papier super aussieht und die Realität ein ganz anderes Bild zeichnet.

Natürlich gibt es auch tolle Erzieher und tolle Einrichtungen, aber ebenso gibt es tolle liebevolle Eltern, die mit ihren Kindern Kurse besuchen, Sozialkontakte ermöglichen und schon mal allein durch eine sichere Bindung einen guten Weg in die Welt ebnen. 

Herdprämie = Frau am Herd?

Wie schon erwähnt gibt es für Kritiker und Befürworter der Herdprämie gute Argumente, und niemand streitet ab, dass es sicherlich in einigen Fällen die bessere Wahl wäre, die Kinder fremdbetreuen zu lassen. Aber gleich mit den Knüppelargumenten Bildungsarmut und Frauenfeindlichkeit anzukommen, finde ich doch etwas übertrieben. Schließlich schimpft die Autorin ja auf die Möglichkeit, die Kinder an Großeltern abzudrücken, arbeiten zu gehen und Geld zu kassieren - etwas, das sicherlich einige emanzipierte arbeitswillige Frauen in Anspruch nehmen.

Ich kann mir beim besten WIllen nicht vorstellen, dass eine Frau sich sagt, es sei doch lohnenswerter, für 150€ zuhause zu bleiben anstatt arbeiten zu gehen - wohl eher ist das eine kleine Unterstützung, die die ohnehin schmale Haushaltskasse entlasten kann, aber sicherlich kein Gehalt zu ersetzen vermag. Und wieviele Eltern rechnen dreimal nach, wieviel sie arbeiten müssen, um einen KiTa Platz für 400€ und mehr zu bezahlen und noch so viel zu erwirtschaften, dass es sich auch lohnt, auf das eigene Kind zu verzichten?

Wer entscheidet, was das Beste für Kinder ist?

Natürlich kann jeder frei wählen, aber der Staat darf Vater oder Mutter keinen Anreiz bieten, lieber zu Hause beim Kind zu bleiben. Die Vorstellung, dass das Kleine nur an Mamas Rockzipfel gut gedeiht, ist unzählige Male widerlegt und muss endlich ganz raus aus den Köpfen. Quelle: fr-online.de

Das ist im Übrigen mein Lieblingszitat und Abschluss des Artikels. Da möchte man der Autorin mal sagen, dass sie sich rein logisch gesehen widerspricht, denn: wo ist die Wahl, wenn es kein Betreuungsgeld gibt, das ein wenig Entlastung bietet? Wenn das Betreuungsgeld tatsächlich abgeschafft und auf die Gehälter der hochgepriesenen Erzieher(innen) umgelegt werden sollte, erhöht sich nur der Druck des Staates auf die Eltern von heute. Wirklich dafür sorgen, dass ein Elternteil nicht arbeiten geht, können 150€ sowieso nicht - es trifft dann hauptsächlich die ganz Armen, die jeden Cent zusammenkratzen müssen und die auch dann ihre Kinder nicht in die KiTa geben können, weil die Plätze einfach zu teuer sind. 

Was also ist da die soziale Gerechtigkeit? Wer entscheidet für mich und meine Kinder, was das Beste ist? Und was kommt vor allem als nächstes? KiTa Pflicht, am Besten ab einem halben Jahr, damit Mama nicht zu lange vom Beruf fernbleibt? Staatliche Kontrollen, nicht mehr nur anhand der U-Untersuchungen, sondern ähnlich wie die Schulpolizei, die die Kinder aufsammelt, die zu lange "am Rockzipfel hängen"? Um dem ganzen mal eine utopische Krone aufzusetzen: am Besten werden Babys nur noch von ausgewählten "Spendern" ausgetragen und dann direkt vom Staat großgezogen, damit auch ja nichts mehr schief laufen kann. 

Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht sagen, dass ich auf der Herdprämie bestehe und sie für das Non Plus Ultra der Sozialen Gerechtigkeit halte, das würde wirklich zu weit führen. Mir geht es vor allem darum, in welcher Art und Weise über die Menschen diskutiert wird, die das in Anspruch nehmen, was die Regierung ihnen angeboten hat und auch um die Familienfeindlichkeit, die aus all diesen Argumenten hervorsticht. Eltern wird jegliche Handlungs- und Entscheidungskompetenz abgesprochen, sie werden sogar als schlechtmögliche Lösung für Kinderbetreuung gesehen - und das unter dem Deckmantel von Emanzipation / Fortschritt / was-auch-immer. Ein Trend, der mir ehrlich gesagt Angst macht...

Bald sind wir zu viert. Von der Nestbaupanik
Wie bereite ich mein Kleinkind auf das Geschwister...

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting