Surprise - Kinder sind auch Individuen!

Also es gibt da etwas, was mir sehr auf dem Herzen liegt. Oder wie ein Stein im Magen. Ich höre immer wieder, seit Peanut auf der Welt ist, was ich tun und was ich lassen soll, das kennen vermutlich so gut wie alle NEuEltern. Und was mich bis heute belastet, ist, dass sie eben ein sensibleres Kind ist, das eben nicht genauso tickt wie alle anderen. Nein, ich sollte besser sagen, es belastet nicht mich, sondern alle Welt lastet es mir an - ich als Mutter habe versagt.

 

 

Soziale Ängste und Gruppendruck

Wer kennt es nicht - sitzen die kleinen Racker sauber, höflich und wohlerzogen am Tisch, wird den Eltern gratuliert, wie wohlgeraten die Erziehung verlaufen ist. Aber wehe, das Kind tanzt aus der Reihe. Also, irgendwie aus der Reihe. Am wenigsten schlimm ist da wohl, wenn die Kinder wild und laut sind, das ist dann höchstens ein wenig nachlässig gewesen. Die Beobachter können in Ruhe tuscheln, was die Eltern wohl versäumt haben und dass das bestimmt so Hippies sind, die nicht nein sagen können. Selber Schuld.

Aber was, wenn das Kind wirklich ein klein wenig anders ist? Damit meine ich vor allem die Kinder, die eher ängstlich sind, die bei den Eltern klammern, die nicht lächeln und Antwort geben, sich vielleicht auch nie in größeren Gruppen akklimatisieren können. Peanut ist so ein Kind. Sie braucht Vorhersehbarkeit, und die ist in großen Gruppen nicht gegeben. Sie hat Angst vor wilden Zweijährigen, die auf sie zustürmen, während größere Kinder sie faszinieren. Wir waren in ihrem dritten Lebensjahr ziemlich lange in einer Turngruppe, und sie ist Woche für Woche auf meinen Arm gesprungen, wenn ein Kind auf ihr Turngerät geklettert ist. Es hat nicht lange gedauert, da wurden entweder ich oder andere Begleitpersonen darauf angesprochen, was denn bei ihr "los sei", was "nicht stimme". 

 

Jedes Kind entwickelt sich nach einem individuellen Plan

Ich muss aber auch sagen, das Klammern und die Ängste sind auf dem Weg der Besserung, wenn man es so nennen möchte. Sie spielt mit Kindern, die sie gerade kennen gelernt hat, sie verschwindet aus meinem Blickfeld, sie haut gern mal ab weil sie die Freiheit genießt, sie will alles selbst machen, ist gern auch mal allein bei der Oma oder bei einer Freundin. Und im Kindergarten kann sie ihre Bedürfnisse äußern, sagt auch mal was sie nicht mag oder spricht vor anderen im Morgenkreis. Nicht das klassische sozialphobische Bild, oder? Und trotzdem wird mir immer wieder angekreidet, dass ihre Fortschritte nicht schnell genug seien, obwohl ich ihre Entwicklungssprünge gigantisch finde und wahnsinnig stolz auf sie bin.

Wieso, frage ich mich, wird so ein Druck auf Kinder ausgeübt, sich völlig gleich zu entwickeln? Das fängt ja bei den Babys schon an, wenn die Mamas in den PEKIP Gruppen die Entwicklungstabelle auspacken und wehe, dein Baby ist kein Überflieger, vielleicht sogar ein Spätzünder. Oh no - Mitleidsalarm. Ich war vor einigen Wochen mal mit Little Pea, ihres Zeichens coolste Sau des Universums, in einer Krabbelgruppe und sah eine Mama mit einem Klammerbaby, das mich so sehr an Peanut erinnerte, dass ich sie ständig anstrahlen musste. Und die Mutter entschuldigte sich ständig für ihr Baby, sie sei eben ängstlich, sie wisse auch nicht was sie noch machen solle, und essen wolle sie nicht, schlafen sowieso nicht... und wie sehr sie sich freute, als ich sagte - kenne ich, macht doch nichts. Alles gut. Das berührt mich bis heute, wenn ich daran denke.

 

Mama ist sowieso schuld

Die Gesellschaft scheint nicht zu akzeptieren, dass jedes Kind ein Individuum ist. Jedem Erwachsenen wird ein eigener Charakter mit eigenen Vorlieben zugestanden. Der eine ist sportlich, der andere kann gut musizieren, der nächste steht auf Zahlen, kann sich gut unterhalten, ist witzig, kann das ABC rülpsen, ihr wisst was ich meine. Aber Kinder? Nix da! Tabelle raus, ran an die Häkchen. (Abgesehen davon dass es jede Gruppierung besser weiß, was das Richtige ist...) Und dann kommt da eben ein Kind, das keine Rampensau ist und die Eltern treten es nicht hart aber herzlich aus dem Nest, sondern lassen es eben noch ein bisschen drin sitzen. Die warten, bis es neugierig ist, genug Wärme getankt hat und alleine fliegen will. Weil eben noch kein Teenager im Familienbett geblieben ist. (Oder egal welchen Attachment Parenting Vergleich ich jetzt nehme.) 

Die Deutschen (oder die Europäer?) haben so eine scheiß Angst davor, dass ihre Kinder nicht schnell selbstständig genug sein könnten, dass sie alle möglichen Maßnahmen treffen. Die unliebsamste meinerseits ist ja der krasse Druck, der auf Andersdenkende aufgebaut wird. Und ich wette, das wird noch schlimmer, wenn es an die Schule geht... schade eigentlich, sollte so eine Kindheit nicht doch irgendwie Spaß machen?

Mein #WIB: Großelternaction und ganz viel Draußen
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