Kinderfotos im Netz

Heute gibt es von mir mal ausnahmsweise keinen Rant, sondern ein paar Gedanken zu einem Thema, das ich seit ungefähr 2 Jahren immer wieder im Kopf rumgeistert, nämlich dem Thema Kinderfotos und wie man die im Netz verwendet.

 

 

 

"Ein Kind hat sehr selten etwas davon, wenn dessen Fotos im Internet veröffentlicht werden. Es dient nahezu immer dem Spaß anderer, meistens dem der Eltern.

Quelle: http://www.keine-kinderfotos.de

 

Das Internet vergisst nie. 

Diesen Satz hat ja schon jeder einmal gehört, der auch nur ansatzweise mit dem Internet zu tun hat. Nur was heißt das überhaupt? 

„Googelt“ einmal euren Namen. In Anführungszeichen. Was findet ihr da? Wenn ihr bisher vorsichtig im Netz wart, dann recht wenig. Da wir hier aber unter Bloggern, Twitterern, Facebook-Nutzern und anderen Netz - Affinen Menschen sind, sicher eine ganze Menge. Bei mir ist es: Diverses, das ich jemals bloggte, beruflicher Werdegang durch mein Xing-Profil, die allseits bekannte Freunde-Suchmaschine die ehemalige Schüler in Relation setzt, Facebook-Kontakte und Erwähnungen, öffentliche Posts, Bilder aller Form und Farbe aus mindestens 1 Jahrzehnt Netzgeschichte, eher mehr. Und dies nicht nur von mir, sondern durchaus auch von Parties, Firmenevents, alten Liebschaften und vielen anderen Kleinigkeiten. 

Und jetzt überlegt euch einmal, dass diese Bilder ziemlich sicher niemals verschwinden werden. Google vergisst nicht. Alle Daten, die dort vorhanden sind, bleiben auch dort und können so lange die Suchmaschine aktiv ist, von jedem auf diesem Planeten gefunden werden. 

Nun gehen wir also mal 15 Jahre weiter. Eure Kinder sind wohl gerade aus der gröbsten Pubertät raus - meinen geht es hoffentlich so - und es geht langsam um Beziehungen. Und nun stellt euch mal vor, ein potentieller Partner ist gut im Netz unterwegs, und kann auch mit Suchmaschinen umgehen und dann? Genau. Er/Sie findet die Töpfchenbilder von eurem Schatz, die Bruchlandung in der Schlammpfütze, das Einschlafen im Spinatteller, oder was auch immer man als Elternteil so toll findet und knipst. 

Dummerweise geht der Trend dabei auch zu mehr Bildern, denn nie war es einfacher, in jedem Moment ein Bild vom Kind zu machen als aktuell. Der Technik sei dank ist das Smartphone ja immer zur Hand und kann ein super Bild machen. Somit ist jede Spinatschnute, jeder Sturz in den Matsch, jede Rotznase, jeder Windelinhalt natürlich sofort festgehalten.  

Das allein ist nicht schlimm, denn dann muss man immer noch loslegen und das Bild irgendwohin veröffentlichen. Dann aber beginnt das Szenario, dass auch die peinlichsten Bilder Jahre später für jeden auf dieser Welt auffindbar sind. Durch Zufall oder anhand von konkreten Daten und Suchen. 

Bevor ich aber zu weit abschweife - das kann ich gut - hier der Punkt, auf den ich eigentlich hinauswill: Es ist letztendlich so, dass euer Kind sein eigenes Recht am eigenen Bild habt. So lange das Kind nicht in der Lage ist, das selbst zu entscheiden, tut ihr das. Und - immerhin seid ihr die Eltern - ihr solltet das nicht in eurem Interesse entscheiden, weil ihr gerade stolz seid, das Kind niedlich, gerade total witzig oder sonst etwas, sondern im Interesse des Kindes. 

Ihr solltet für das Kind entscheiden. Also: Möchte es nun mit dem Kopf in der Brötchentüte auf Facebook gepostet sein? Sein erster Töpfcheninhalt gehört auf jeden Fall zu den Dingen, die Niemand von sich online sehen möchte. Weder heute noch in 20 Jahren. 

Ich glaube, wir haben einen einigermassen guten Mittelweg gefunden. Keins der von uns veröffentlichten Bilder lässt das Kind wirklich erkennen, es fehlt immer mehr als die Hälfte des Gesichtes, meist es nur der Hinterkopf oder ähnliches. Sind wir unsicher, ob es doch zu genau ersichtlich wird, besprechen wir uns und verzichten notfalls auch auf das Bild.

Dabei würde ich allen so gern Bilder meiner Kinder zeigen, denn sie sind großartig so und ich bin nahezu jede Minute unglaublich stolz auf sie, und das darf im Prinzip auch jeder. Nur sind das eben meine Belange, und nicht die des Kindes. Also muss ich meine Bedürfnisse an der Stelle zurückstellen. 

Puh, also bin ich doch weiter abgeschweift als notwendig. Die Moral der Geschichte: Denkt bitte 2 mal nach, bevor ihr eure Kinder postet. Würde das - dann ältere Kind - dieses Bild im Netz sehen wollen von sich? Könnte das Bild dem Kind irgendwie schaden später? Sei es bei Bewerbungen oder sonst etwas? Wenn ihr das wirklich ausschliessen könnt, dann, und nur dann solltet ihr das Bild veröffentlichen. 

Abgesehen von dem Beweggrund den ich habe, gibt es auch noch die große Keule, Menschen im Netz, die Dinge von Kindern wollen, an die niemand hier denken mag. Allerdings versuchen auch diese, sich überall dort rumzutreiben, wo Kinderbilder und Geschichten publiziert werden.

Die finden sich tatsächlich auf Facebook in der bundesweiten Mami-Gruppe, lesen Blogs von jungen, stolzen Eltern und ähnliches. Das Thema aber möchte ich nicht weiter vertiefen an der Stelle, ich erwähne es nur der Vollständigkeit halber. Denn die Beweggründe dort und das Resultat erwecken in mir ein Bedürfnis meine Kinder keine Sekunde mehr allein zu lassen und sie von allem zu isolieren, bis sie in der Lage sind, auf sich selber aufzupassen. Lassen wir das also erst einmal. 

 

Wie haltet ihr das mit den Bildern eurer Kinder? 

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