Genderscheiß vs. reale Ängste. Ich will meine Mädchen stark machen

Das Thema ist aktueller denn je: in einem Land, in dem Frauen rudelweise begrapscht werden, in dem ein berühmtes Sternchen vergewaltigt wird und das Gericht ihr nicht glaubt, in der sexuelle Übergriffe weniger bestraft werden als beispielsweise Diebstahl, ziehen wir kleine Mädchen groß. Wir schenken ihnen genderneutrales Spielzeug, lesen ihnen Pippi Langstrumpf vor, sagen ihnen, sie können mal alles werden, was sie möchten. Und gleichzeitig haben wir eine scheiß Angst davor, dass sie später mal solche Übergriffe erleben. Mir geht es zumindest so - denn wie so viele Frauen habe ich auch nicht die besten Erfahrungen gemacht.

 

 

Mädchen werden anders erzogen als Jungs 

Bei Stadt-Land-Mama habe ich vor kurzem gelesen: Verrücktes Frauenbild. Warum unsere Mädchen keinen Schutz, sondern Selbstbewusstsein brauchen. Lisa regt sich darüber auf, dass gerade Männer einen übertriebenen Beschützerinstinkt für ihre Mädchen entwickeln und ihnen so kein Vertrauen in die eigenen Kräfte vermitteln. Ich erlebe das auch bei vielen Bekannten oder Fremden; mehr aber fällt mir auf, wie Jungen erzogen werden. Da freut sich der Papa, wenn der Sohnemann ein Mädchen von der Rutsche schubst, der Kumpel auf der Bank johlt Beifall. Über wilde Jungs wird lobend gesprochen, während ein Mädchen als biestig und zickig deklariert wird. Mädchen sollen süß und lieblich sein, gern basteln, malen und Puppen kämmen, Jungs spielen Auto, Bagger und Lego. Wer aus der Rolle fällt, wird schnell in eine Schublade gestopft.

Mein Lieblingsbeispiel ist ein 2jähriges Mädchen, das "seltsamerweise" auf Traktoren steht und eher wild ist, dafür nicht so viel spricht. "Die ist wie ein Junge" oder "Da kann der Papa mehr mit ihr anfangen". Kotz. Macht mich fucking traurig. Mein eigenes Mädchen ist jetzt 3,5 Jahre alt und zu meinem Leidwesen steht sie auf alles, was glitzert, rosa ist, auf Puppen, Ponys, Malen, Basteln, aber auch auf Klettern, Bauen und im Wald spielen. Unterm Strich eher girlymäßig, und manchmal frage ich mich schon, ob ich "was falsch gemacht" habe. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich versucht habe, ihr alles mögliche an Spielzeug anzubieten, und einen Jungen hätte ich genauso erzogen. Liebevoll und bindungsorientiert. Aber wenn ich ganz ehrlich zu mir selber bin, habe ich schon auch diese Ängste im Kopf, dass es Mädchen schwieriger haben als Jungen... 

 

Wie kann ich mein Mädchen stark machen? Ist das überhaupt notwendig?

Und da komme ich wieder mit meinen Ängsten an. Leider ist es doch so, dass unsere Gesellschaft (oder Kultur?) Frauen sexualisiert wahrnimmt. Das fängt schon in der Pubertät an. Wenn man sich an die Teeniezeit zurückerinnert, fängt das doch ziemlich schnell an, mit dem Jungs - und - Mädchen - Ding, oder? Da wird geflirtet, Rollen eingenommen, Jungs sind die Aktiven, Mädchen werden erobert und so weiter. Ich persönlich habe schon Angst davor, dass es meinen Mädchen mal so ergeht wie mir. Ich bin an einen falschen Typen geraten, der mich echt mies behandelt hat, und zack, hatte ich jahrelang Probleme deswegen. Es hat ewig gedauert, bis ich darüber hinweg war, manipuliert und wie ein Stück Fleisch behandelt zu werden. Aber der bessere Weg, meine eigenen Kinder zu schützen, kann nicht sein, sie in Watte zu packen und ihnen alle Erfahrungen zu ersparen. Oder potentielle Verehrer mit einem Baseball Schläger aus dem Hausflur zu jagen.

Wie man seine Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen kann, hatte ich schon mal zusammen gefasst. Was die absolute Basis eines starken Kindes ist, daran kann man nämlich schon ab der Geburt arbeiten: Urvertrauen ist das Stichwort. Das Kind muss sich geborgen und sicher fühlen, es muss lernen, dass es ernst genommen wird und seine Bedürfnisse erhört werden. So entwickelt sich ein gesundes Selbstvertrauen. Kinder, die von Anfang an gebrochen werden, die lernen, dass sie keine eigenen Grenzen haben dürfen, wissen auch später nicht, wie sie sich abgrenzen können. Und ja, jetzt wird es hart, da gehören auch keine erzwungenen Küsschen durch die Verwandtschaft dazu. Das kann der ein oder andere gar nicht hören, ich weiß - aber Selbstbestimmung ist, dass jedes Nein gehört und akzeptiert wird.

Es ist nicht einfach, aber irgendwie müssen wir uns zunehmend mit unserem kulturellen Erbe auseinandersetzen, das unsere Gesellschaft nach wie vor dominiert. Dazu gehört auch die Themen Hausfrau versus Karriere, Vereinbarkeit und in wie weit Väter zur Verantwortung gezogen werden sollten. Wir sollten als Eltern unsere eigene Vergangenheit reflektieren, wie wir in der Erziehung beeinflusst werden und ob das für unsere Kinder Sinn macht oder nicht. Wir müssen uns darüber klar werden, dass es immer wichtiger wird, Jungen und Mädchen zu starken Persönlichkeiten zu erziehen, die aus den alten Mustern ausbrechen können und vielleicht endlich wirkliche Gleichberechtigung erschaffen werden, denn ganz ehrlich, das ist uns und vorhergehenden Generationen noch nicht wirklich gelungen. 

Für mich heißt das aber auch: weg von der "modernen Angst vor dem Genderscheiß". Vielleicht sind diese Schubladen auch zu klein, als dass sie wirklich helfen, über den Tellerrand zu schauen. Wenn das Kind gerade ein solches Thema hat, soll es das ausleben, und es wird ihm nicht helfen, wenn ich ihm eine grau angezogene Puppe ohne Gesicht hinhalte, wenn es doch lieber mit Barbies oder Bagger spielt. Ja, wir alle haben Ängste, und viele Ängste haben einen realen, wichtigen Hintergrund. Aber anstatt uns hinter Plattitüden und Schutzmauern zu verstecken, sollten wir die Augen aufmachen und die Muster wirklich sehen, die vorhanden sind. Und dann überlegen, was wir damit anstellen.

Meine kleine Me Time oder: ohne Kaffee geht nichts...
WoW Gildentreffen vs. 2KC Bloggertreffen

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting