Sind Stiefmütter richtige Mütter? Was macht einen überhaupt zur Mutter?

Letztens bekam ich von Susanne Petermann, ihres Zeichens Stiefmutter und Autorin im gleichnamigen Blog, eine Einladung zur Blogparade Das macht mich zur Mutter. Die Intention ist klar - sie möchte Stimmen sammeln, bestenfalls dahingehend, dass auch Stiefmütter oder Adoptivmütter (Liste bitte selbst fortsetzen) "richtige" Mütter sind, aber wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich da doch mal drüber nachdenken... 

 

 

Moralische Ansprüche und emotionale Auflehnung

Zum einen möchte ich allen etwaigen Stiefmüttern, Adoptivmüttern, Pflegemüttern und so weiter sagen: moralisch gesehen, so rein vom Kopf her, würde ich sehr gern sagen - klar, wir sind alle Mütter. Jede, die sich längere Zeit um ein Kind kümmert und dabei mütterliche Gefühle entwickelt, oder eben die Mutter vertritt, ist irgendwie "auch" Mutter. Ich kann mir auch vorstellen, wenn ich ein Pflegekind aufnehmen würde über mehrere Jahre, dass ich mich irgendwann auch wie dessen Mutter fühlen würde, aber ein Teil von mir wüsste eben doch, es ist nicht mein Kind, nicht so wirklich. Es gibt da draußen Mama und Papa (auch wenn die Eltern tot sind oder sich nicht kümmern).

Ja, ich gebe es zu, ich fühle es nicht, dass man als Ersatzmutter die richtige Mutter so wirklich ersetzen kann. Vermutlich ist das auch nicht der Anspruch der Stiefmütter (ich zähle jetzt nicht immer alle anderen möglichen auf, man möge es mir nachsehen) - oder doch? Fühlen sie sich nicht zu recht zurückgesetzt, wenn die leibliche Mutter oder deren Kinder sagen, du bist nicht die richtige Mutter, egal wie sehr sie sich reinhängt und sich bemüht? 

 

Der Unterschied: ein eigenes Kind (im Bauch) zu spüren macht einen zur Mutter

Wow, ich fühle jetzt schon den Shitstorm aufziehen. Ich möchte gerade auch etwas ganz anderes schreiben, weil ich niemanden beleidigen oder provozieren will, aber ich traue mich jetzt mal, meine ehrliche Meinung zu schreiben. Und nein, mir geht es nicht um die Klickzahlen, die sind auch ohne Mittelfinger zufriedenstellend. Bevor ich schwanger war, hätte ich den Artikel sicherlich auch ganz anders geschrieben, ich schwöre es. Aber es ist definitiv etwas anderes, wenn man mal ein Kind im Bauch hatte. (Und deswegen sind auch Frauen mit Sternenkindern "richtige" Mütter...)

Dieses überwältigende Gefühl, dass da ein Mensch in meinem Bauch wächst, das sind nicht nur ein paar Bindungshormönchen, die man als Startkick mitbekommt. Das verändert einen grundlegend, als Mensch. Zeigt mir eine Frau, bei der das nicht irgendetwas verändert hätte. Und ja, ich kenne auch Frauen, die zuerst Stiefmutter waren - die auch sagten, sie "haben" die Stiefkinder "lieb" - und dann hatten sie ihre eigenen Kinder und bemerkten den Unterschied. Es ist immer ein Unterschied zwischen leiblichen Kindern und Stiefkindern, egal wie sehr man sich bemüht - man kann nichts dafür. Es ist die Erfahrung der überwältigenden Liebe zum eigenen Kind, das den Unterschied macht. Man kann auch andere Menschen (anderer Leute Kinder) lieben, aber es ist eben nicht diese grenzenlose Liebe, das wahre Wunder der Mutterschaft.

 

Wer ist jetzt die "bessere" Mutter?

So und jetzt kommen wir wieder an den Punkt, wo die Emotionen etwas abebben. Ja, eine Stiefmutter kann die bessere Mutter sein für ein Kind. Ja, eine Pflegemutter kann sich möglicherweise besser kümmern, besser versorgen, bessere Chancen bieten, vielleicht sogar besser lieben als die leibliche Mutter. Manche Kinder haben es in Stieffamilien besser. Oder beim Papa. Oder im Heim. Ein Kind nur auszutragen heißt nicht, dass man es automatisch besser macht. Die Fragestellung war, was einen zur Mutter macht. Für mich macht es eben den Unterschied, das Kind ausgetragen zu haben. Die Mutterrolle kann natürlich jede/r geeignete Mensch übernehmen, auch ein Mann. Dann hat er oder sie natürlich auch das Recht, sich Mutter zu nennen. Sich wie die Mutter zu fühlen. Ich finde es dann auch falsch, dieser Person die Bezeichnung vorzuenthalten oder das Gefühl zu geben, sie könne nie das Level der Mutter erreichen.

 

Was denn jetzt - schizophrener Artikel oder wie?

Ich würde sagen, ja. Der Artikel ist mega schizophren. Weil es das Thema auch ist. Ich finde tatsächlich beides richtig, also die Aussage - jede/r kann die Mutter(rolle) sein (haben), aber gleichzeitig empfinde ich, dass die (biologische) Mutterliebe etwas ganz anderes ist. Übrigens habe ich auch, seit ich Mutter bin, eine riesige Demut vor allen anderen Müttern und Vätern (leiblich oder nicht), denn ich weiß jetzt, wie schwierig es ist, dauerhaft ein Baby oder Kind in der Familie zu haben, anstatt sich nur stundenweise darum zu kümmern (ich war vorher u.a. Heimerzieherin mit vielen tollen pädagogischen Tipps und Ansichten). 

Ich möchte also mit diesem Artikel niemandem absprechen, eine tolle Mutter zu sein, wie auch immer sie oder er dazu gekommen ist. Aber ich will sagen, dass es durchaus nicht nachzuvollziehen ist, selbst ein Kind im Bauch gehabt zu haben, denn das ist das Abgefahrenste, was man als Mensch erleben kann. Das verändert einen als Mensch, tiefgreifend, lässt einen anders fühlen, denken, sein. Aber das ist nur meine Meinung, ich bin gespannt auf eure.

Von der eigenen Entspannung überholt: Geburtsberic...
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