Offener Brief an Geschäfte für Kinderspielzeug und -Kleidung

Liebe Marketing-Entscheidungspersonen von Kinderläden,

Ich will im Folgenden erklären, warum ich persönlich es super cool finden würde, wenn Ihr Eure Kleidung nicht mehr in Mädchen- und Jungenabteilungen unterscheiden würdet.

 

Blüten in blau und rosa

 

Meine Tochter Tiffy ist vier Jahre alt und seit letzten September im Gender-Wahn! Wenn sie in einen Spielzeugladen geht, dann sieht sie sofort, wie er sortiert wurde und ob eine Kategorisierung nach Mädchen- und Jungenspielzeug vorgenommen wurde. Und obgleich sie sich eigentlich für das Thema Bauen mit Baupsielzeugen, wie Baggern und Kränen sehr interessiert, genau wie für Polizei-Autos, Hubschrauber und Feuerwehrwagen, kommen diese Spielsachen für sie nicht mehr in Frage, sobald sie erkennen kann, dass sie im Jungen-Bereich stehen.

"Dafür interessiere ich mich nicht Mama, das ist nur für Jungs!" erklärt sie mir.

Ich möchte nicht, dass sie sich in ihren Interessen so beschneidet, weil sie denkt, sie müsse sich ihrem Geschlecht gemäß verhalten. Ich möchte, dass sie ganz ohne schlechtes Gefühl mit Baggern und Feuerwehrautos spielt, genauso wie mit Puppen. Und ich möchte auch nicht, dass sie denkt, dass es Jungen nicht zusteht mit Puppen zu spielen.

Aber die konsequente Sortierung von Spielzeug und das dazugehörige Marketing kommt auch bei einem vierjährigen Kind schon mit aller größter Deutlichkeit an. Ich habe immer sehr bewusst darauf geachtet eine Kategorisierung von Gegenständen, Tätigkeiten oder Eigenschaften nach Geschlecht zu vermeiden.

Ich habe mit großer Sorgfalt eine Kita ausgewählt, in der ebenfalls darauf geachtet wird: Jedes Spielzeug ist für jedes Kind und jede Farbe ist für jedes Kind! Denn: Jedes Kind soll die gleiche Chance haben sich gemäß seinen Interessen und Fähigkeiten zu entwickeln, unabhängig vom Geschlecht!

Wenn ein Kind das Gefühl vermittelt bekommt, dass ihm auf Grund seines Geschlechts bestimmte Spielsachen nicht zustehen, nicht zu ihm passen, dann werden diese Chance beschränkt und Talente und Potentiale vergeudet.

Kinder im Alter zwischen 3 und 6 sind in einer entscheidenden Phase ihrer Identitätsfindung und entdecken genau in diesem Alter die Bedeutung des Geschlechts, nämlich was von ihnen erwartet wird, weil sie ein Mädchen oder ein Junge sind. Ich möchte, dass meinem Kind so viel wie möglich offen gehalten wird. Wenn Tiffy mich fragt: "Bin ich ein Mädchen oder ein Junge?" dann antworte ich: "Was möchtest du denn sein?"

Aber innerhalb von einem dreiviertel Jahr Gender-Wahn in der Kita hat Tiffy schon allerhand gelernt über Erwartungen, die an das Geschlecht gebunden sind. Auslöser des Gender-Wahns ist übrigens ein Junge in ihrer Kita, der sich für Mädchenspielzeug und Mädchenkleidung interessiert und dessen Eltern das furchtbar finden. "Rosa und rot, das sind Mädchenfarben! Sowas darfst du nicht tragen!" sagen sie ihm. "Blau ist eine Jungenfarbe oder grün oder grau oder schwarz. Such dir sowas aus!"

Dieser kleine Junge, nennen wir ihn Johannes, ist nicht einmal vier Jahre alt. Er trägt diese Anforderungen nun in eine Kita-Gruppe, die bezüglich Geschlecht bislang immer harmonisch war und in der jedes Kind spielen und tragen durfte, was es wollte, ohne dafür irgendwelche negativen Kommentare von den anderen befürchten zu müssen.

Und wisst Ihr was der gar nicht lustige Witz daran ist? Johannes hört wegen der Zurechtweisungen seiner Eltern mitnichten auf sich für Mädchensachen zu interessieren. Aber die Idee, dass diese Trennung zwischen Mädchen und Jungen, Mädchenkleidung und Jungenkleidung, Mädchenfarbe und Jungenfarbe, Mädchenspielzeug und Jungenspielzeug sehr bedeutend ist, die bringt er nachhaltig in die Gruppe. Sie wird ja gestüzt durch das, was die Kinder auch an vielen anderen Stellen sehen, zum Beispiel Spielzeug-Geschäften, Kleidungsläden oder auf Werbeflächen.

In einer Kita da streiten sich Kinder um Spielzeug, JEDEN TAG und JEDE STUNDE. Sie lernen in diesen Konflikten darüber zu sprechen und sich nicht um die Spielsachen zu prügeln. Sie lernen verschiedene Argumente kennen, mit denen man im Konflikt versuchen kann zum eigenen Vorteil zu agieren. Und bevor Johannes in die Kita kam, waren die Argumente: "Ich hatte das zuerst.", "Du hattest das schon so lange, ich bin auch mal dran.", "Können wir nicht tauschen?", etc. Aber jetzt ist ein neues Argument in das Spiel der Kinder gekommen: "Das ist Mädchenspielzeug/Jungenspielzeug, damit darfst du gar nicht spielen!"

In der Kita gibt es eine Verkleidungskiste. Die ist sehr beliebt. Die Kinder lieben die langen Kleider und die Klapperschuhe. Aber plötzlich ist da das Argument: "Du darfst das Kleid gar nicht anziehen, das ist nur für Mädchen!".

Mein Kind kommt Heim und erzählt mir: "Der Johannes hat heute ein Kleid angezogen, aber das darf der gar nicht!"

Ich antworte: "Wieso darf der Johannes denn kein Kleid tragen?"

Tiffy sagt: "Weil Kleider nur für Mädchen sind! Und rosa auch!"

Plötzlich möchte Tiffy keine blauen Kleidungsstücke mehr tragen. Und dann auch keine grünen Kleidungsstücke. "Das sind Jungenfarben!" erklärt sie mir.

Ich finde wir sehen hier sehr deutlich, dass alles zusammenspielt. Die deutliche Trennung zwischen Mädchen- und Jungeskleidung in Mädchen- und Jungenfarben verweist bereits auf Mädchen- und Jungenspielzeug. Und Mädchen- und Jungenspielzeug steht wiederum in Zusammenhang mit den Interessen, die Kinder entwickeln und pflegen. Und diese Interessen setzen sich über die Kindheit hinaus fort in ihre Jugend und schließlich in ihre Berufswahl.

Weiterhin kommt dazu, dass durchaus nicht jedes Kind sich mit dem Geschlecht identifizieren kann, dem es nach der Geburt zugeordnet wurde. Und es gibt Kinder, die sich mit keinem Geschlecht wirklich identifzieren können. Es gibt Kinder, bei denen nach der Geburt kein eindeutiges Geschlecht festegestellt wurde. All diese Kinder haben eine faire Chance verdient. Sie haben es vor allem verdient in einem Umfeld aufzuwachsen, das frei ist von Mobbing und Diskriminierung.

Mir ist klar, dass alle Eltern die Wahl haben für ihre Kinder - seien sie nun Jungen oder Mädchen - Kleidung zu kaufen in welcher Abteilung auch immer sie möchten. Und darum geht es mir auch nicht. Es geht mir nicht um die Freiheit der Eltern, sondern es geht mir um die Freiheit in den Köpfen der Kinder! Es geht mir darum die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder ein Stück zu vergrößern. Weg mit dem Gender-Wahn, jedes Kind kann tragen, was es möchte, ohne darauf achten zu müssen, ob es zum Geschlecht passt! Wäre das nicht wunderbar?

Ich hoffe, dass ich Euch mit meinen Gedanken einige Anregungen geben konnte, warum die Aufhebung der Trennung zwischen Mädchen- und Jungenspielzeug und -kleidung doch eine ganz gute Idee ist.

Viele liebe Grüße

Eure Esme

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