Und was, wenn es dich treffen würde? Mein Statement zu Flüchtlingen #bloggerfuerfluechtlinge

Ich möchte mich nicht damit aufhalten, darüber zu schreiben, wie peinlich ich es finde, dass es ausgerechnet in unserem Land so viele Hater gibt, und ich werde auch nicht darüber schreiben, wie sehr wir von anderen Kulturen profitieren könnten. Denn sind wir mal ehrlich: das, was wirklich zieht bei den Menschen, ist ein ganz einfaches Argument: was, wenn es dich treffen könnte? Das ist einerseits traurig, andererseits aber durchaus nachvollziehbar. So sind wir Menschen wohl gestrickt, ein wenig simpel und immer um das eigene Überleben besorgt. Seien wir mal etwas nachsichtig, denn immerhin könnte unsere Genkombination noch aus Steinzeiten stammen.

 

 

Und vielleicht ist das auch das Einzige, was zählt: es kann jeden von uns treffen! Die vermeintliche Sicherheit unserer Zeit lässt uns faul und fett und selbstzufrieden werden. Uns passiert ja nichts. Wir sind hier im schönen Europa, mitten im Herzen sogar, was soll hier passieren? Im schlimmsten Fall werden wir mal arbeitslos und müssen Sozialhilfe kassieren. Nein, im schlimmsten Fall werden wir mal Opfer von Kriminalität und Unfällen, aber hey, die Prozentzahlen sind zu vernachlässigen. Ok, manchmal passieren so Sachen wie bei Je suis Charlie, aber da hockt man halt ein paar Abende mit flauem Gefühl in der Magengegend auf dem Sofa und dann ist es wieder vergessen. 

Dann gibt es da die armen Schweine in Syrien, Äthiopien, Somalia, Afghanistan und wie die Länder alle heißen, die wir meist nur von der Landkarte her kennen. Ok, blöd für die, aber müssen die jetzt alle herkommen? Klar, nur die Wenigsten sind so scheiße im Hirn, dass sie anderen das Verrecken oder das Leben im Elend wünschen, aber dennoch - teilen wollen sie nicht. Könnte man ja am Ende selbst etwas abgeben müssen, das geht doch nicht. Die armen Leute, das sind die aus dem Fernsehen, in den Nachrichten, und da sollen sie auch bleiben, bitteschön, damit wir weiter auf unseren Sofas sitzen können mit unserem flauen Magengefühl und dem beruhigenden Gedanken, dass das ganz weit weg ist und uns nichts angeht.

Scheiße, ich geb es zu: auch ich hab es mir oft auf dem Sofa gemütlich gemacht und mich gefreut, dass ich das nicht miterleben muss. Aber ich würde nie so weit gehen, zu sagen: blöd für euch aber Hilfe sucht euch bitte woanders. Oder gar nicht. Selber Schuld wenn ihr dort geboren seid wo es nicht so schöne Sofas und Europolitik gibt. An dieser Stelle möchte ich zu einer Runde Fremdschämen anregen.

Unsere vermeintliche Sicherheit ist genauso egozentrisch wie sie trügerisch ist. Jeder kann jederzeit Opfer eines Gewaltverbrechens werden, oder eines Unfalls, oder vielleicht wirft doch mal jemand eine Bombe auf unser gemütlich eingesessenes Sofa, wer weiß das schon. Eben, keiner. Aber man sollte zumindest wissen, dass es jederzeit möglich ist. Und sobald dieser Ausnahmezustand eintritt, ist niemand mehr sicher - die Menschen laufen Amok, die Gesetze werden ausgehebelt und jeder kämpft um das eigene Überleben. Und dann wären wir selbst ganz froh, wenn woanders auf der Welt jemand auf dem Sofa sitzt und sich denkt, hey, wir sind doch alle Menschen und müssen zusammenhalten. Und das nicht nur denkt, sondern aufsteht und uns die Hand reicht. Nicht nur im übertragenen Sinne.

 

Das Thema Flüchtlinge ist schwer umstritten; die einen trauen sich mit Hasskommentaren um sich zu schmeißen, die anderen gehen auf die Straße und helfen. Was aber ganz dringend notwendig ist: Flagge zeigen. Für die Flüchtlinge. Zum Glück gibt es tolle Aktionen wie #1000MalWillkommen und die gute alte menschliche Solidarität, die man in Zeiten wie diesen tagtäglich unter Beweis stellen kann. Eine ganz wunderbare Geschichte aus ihrer Familie hat Andrea Harmonika zum Besten gegeben - dringende Lese (und Heul-) Empfehlung. Auch die persönliche Geschichte von Béa Beste ist spannend und berührend zugleich.

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