Wochenbettambulanz ist ein Witz! Herr Gröhe, das Wochenbett kann man nicht einfach abschaffen!

Nun, da dieses Thema nicht spurlos an uns vorbei gehen sollte und es mich einfach nicht kalt lässt habe ich mal meine Gedanken dazu verfasst. Es gibt einen Politiker, einen Mann, welcher den Vorschlag brachte eine Wochenbettambulanz einzuführen. Natürlich nur für Frauen die sonst keine Hebamme finden. Irgendwie widerspricht sich dieses Wort sich schon in selbst... Wochenbettambulanz. 
 
 
 
 

Was ist ein Wochenbett? Kann man das überhaupt abschaffen?

Hier ein Auszug aus Wikipedia was man unter dem Wochenbett zu verstehen hat:

"Als Wochenbett oder Kindbett (lat. puerperium) bezeichnet man die Zeitspanne vom Ende der Entbindung (Geburt) bis zur Rückbildung der schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen, was typischerweise sechs bis acht Wochen dauert. Während dieser Zeit erholt sich die Mutter von Schwangerschaft und Geburt.“
 
Dies und genau dies sollte in frischgebackene Mutter tun. Sich Zeit nehmen, sich verwöhnen lassen, ihr Kind kennenlernen und sich erholen.
 
Dazu gehört auch eine gute Betreuung. Eine verlässliche Betreuung durch eine Hebamme, welche sich um die Mutter und um das Baby kümmert. Eine Person die Ratschläge hat, tröstet, aufmuntert, versorgt, gut zuredet und die Mutter und ihr Kind kennt.
 
All das wird es aber nicht mehr geben. Stattdessen soll eine frischgebackene Mutter sich bei Fragen an eine Wochenbettambulanz richten. Eine Sprechstunde, die einmal die Woche stattfindet. Für die besagte Mutter das Haus verlassen muss, sich in ein (verkeimtes) Wartezimmer begeben muss, um sich Ratschläge geben zu lassen von jemandem, der weder sie noch ihr Baby richtig kennt. Keine heimelige Atmosphäre, kein Schutz. Eine Mama mit einem kleinen Menschen, der wenige Tage oder Wochen alt ist, den sie noch nicht richtig kennt, vielleicht nervös ist, weil sich alles eben noch nicht eingespielt hat, wird quasi dazu gezwungen, unterwegs zu sein. Stress, für beide Seiten. Körperliche Verfassung hin oder her.  
 
 

Wochenbettambulanzen sind fahrlässig

Eine Mutter, die frisch entbunden hat, ist verletzlich, nicht nur was die körperlichen Verletzungen der Geburt betrifft. Viele Mütter kämpfen mit den Hormonen, sind übernächtigt und schlicht noch nicht bereit dazu sich der Welt in dieser Phase zu stellen.
 
Das grenzt an Fahrlässigkeit, eine Mutter in diesem Zustand zu zwingen sich Hilfe zu holen, außerhalb von ihrem geschützten Heim. Zumal viele Mütter genau in dieser Phase kaum dazu kommen oder es schaffen, sich nach Hilfe umzusehen, man ist viel zu beschäftigt mit diesem neuen kleinen Menschen und allem drumherum. 
 
Stillprobleme, Wundversorgung, Babybetreuung dies alles muss geleistet werden, von einer Person, die dafür ausgebildet ist und die Mutter und Kind kennt. Dieser Punkt ist wichtig, eine solche Verbindung beruht auf Vertrauen. Sind wir mal ehrlich, wer hätte Lust mit einer fremden Person über Probleme beim Wochenfluss beispielsweise zu reden?
 
Ich hatte kein Wochenbett bei meiner zweiten Tochter, ich musste mich täglich mit frischer Kaiserschnittnarbe in die Klinik begeben. Das ist schrecklich, unter Schmerzen das Haus zu verlassen. Das kann man doch nicht verlangen, als Standard voraussetzen, es auch noch abtun als eine gute Tat, frei nach dem Motto besser als keine Betreuung. Einer Mutter, der nun mutwillig die ruhige Zeit des Wochenbettes genommen wird aus Gründen, die für mich schlicht nicht nachvollziehbar sind, welche gezwungen wird, ihr Wochenbett zu unterbrechen, um das nötigste abzuklären zu lassen, mir scheint heute ist nichts mehr heilig. Und Kostengründe dürfen so was rechtfertigen. Man ist körperlich so fertig und es darf nicht sein, dass diese Betreuung auf diese Weise stattfinden soll.
 
Ich würde behaupten, das grenzt fast an Körperverletzung, einer Mutter das zuzumuten. Wenn es nicht möglich ist, heute diese wichtige Zeit Mutter und Kind zum ankommen zu geben, daheim und geborgen, was stimmt da nicht mit unserer Gesellschaft. Diese wichtige Zeit so niedrig anzusiedeln, ihr absolut keine Bedeutung zukommen zu lassen, das ist einfach falsch. 
 
 

Was hätte ich getan?

Wie dankbar, gerade bei meiner ersten Tochter, war ich meiner Hebamme. Ich konnte sie anrufen und sie kam immer wenn Not war. Bei Stillproblemen half sie, und so was muss sofort geschehen, nicht erst Tage später. Sie nahm mich in den Arm, wenn ich nicht weiter wusste, und sie war einfach da, sie war vielmehr als eine Hebamme für mich, sie war Vertrauensperson. 
 
Was wenn eine Mutter krank ist? Eine Infektion entwickelt, einen Milchstau oder eine Wochenbettdepression? Wer hilft ihr dann? Zeitnah, zuverlässig und liebevoll?
 
 
 

Wenn man keine Ahnung hat dann sollte man...

Lieber Herr Gröhe, Sie sollten sich mal mit ihrer eigenen Mutter, Frau oder Müttern aus ihrem Umfeld unterhalten. Sie sollten sich mal von der magischen Zeit des Wochenbettes berichten lassen, mal mit Hebammen sprechen und sich Babys ansehen, diese kleinen Bündel, die so schön sind, aber einer frischen Mama auch so viel Sorge bereiten können.
 
"Isst mein Baby genug? Nimmt es gut zu? Warum hat es so rote Haut? Wie bade ich es am besten? Warum tut mein Becken weh? Ich habe Fieber, meine Brüste schmerzen, wieso? Mein Baby schreit die ganze Zeit, mache ich etwas falsch? Wie temperiere ich die Flasche richtig? Welche Farbe sollte mein Wochenfluss haben? Meine Narbe eitert, was soll ich tun? Ich weine so oft, ist das normal? Die Augen meines Babys verkleben, wie kann ich helfen? Wie oft sollte mein Baby Stuhlgang haben?"
 
Viele Fragen kommen plötzlich und man will sie besprochen haben. Und das nicht erst Tage später. Mit einer Ambulanz ist dies einfach nicht gewährleistet.
 
Für Sie vielleicht lächerlich aber für Eltern sind genau dies existentielle Fragen. Und die möchte man weder mit Kinderarzt noch Gynäkologe besprechen, diese Fragen will man einer Person stellen, die man mag, der man vertraut.
 
 
 

Mit wem soll eine Mama eine schlimme Geburt verarbeiten, wer soll ein Trauma erkennen?

Ja, dieser „Dienst“ soll zusätzlich stattfinden, mögen sich nun einige Stimmen erheben. Gedacht für Frauen, die keine Hebamme finden. Aber das ist der Punkt, kaum noch Mütter finden eine Betreuung im Wochenbett. 
 
Dies ist keine Lösung. Nicht mal eine Übergangslösung Daraus leite ich, dass dies früher oder später zum Standard wird. "Keine Hebamme, Pech, aber wenden Sie sich doch dorthin." Das ist es nicht was Eltern wollen oder brauchen, da kann man ja gleich google befragen, das wäre genauso anonym. 
 
Wir wollen Hebammen die ihren Job ausüben können und ihrer Berufung nachgehen können ohne Existenzängste zu haben, ohne von kosten für Versicherung aufgefressen zu werden. So viele Gelder fließen, für alles, wieso ist es aber nicht möglich bei diesem Punkt mal Unterstützung zu leisten. Es muss etwas geschehen!
 
Eure Ami
 
 
 
Mo hatte übrigens auch zu dem Thema gebloggt: WochenbettAMBULANZ - der Praxistest im Rückblick
 
 
 
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