Die Entwicklung meines (High Need) Sohnes von 0 bis 6 Jahren

Ich heiße Stella, bin 27 Jahre alt und verheiratet. Wir haben zwei Söhne, T. (geboren im November 2011) und J. (geboren im April 2014), die unterschiedlicher eigentlich nicht sein könnten. T. ist unser Sorgenkind, er nimmt irgendwie alles mit, was es so gibt, atopisches Ekzem, Enurie, oppositionelles Trotzverhalten, Impulskontrollstörung usw. Das Leben mit ihm ist sehr fordernd (für ihn und uns) und bringt mich bisweilen arg an meine Grenzen. 
 
 
 
 
 
J. hingegen ist ein relativ „einfaches“ Kind, der zwar einen sehr ausgeprägten Willen hat und entsprechend wie aus dem Lehrbuch trotzen kann, aber gegen den Großen ist er im Handling trotzdem direkt easy: da folgt eine logische Reaktion auf eine Aktion und ich hab nicht das Gefühl, ich hänge völlig in der Luft und kann eigentlich nur raten, was das Kind jetzt braucht oder was ich tun kann, um die Situation zu verbessern.
 
Interessanter Weise passt mein Großer trotzdem nicht ins eigentliche high-need-Schema, aber dafür ich! ;) ich hab lange überlegt, ob wir da eigentlich richtig dazupassen, aber ich hab beschlossen, ich schreib dir trotzdem. Ein nicht Lehrbuch-High-Need-Kind, das aber trotzdem irgendwie high-need ist und eine high-need Mama, wie sie im Buche steht…
 
 

Die Babyzeit mit meinem Großen war - gelinde gesagt - ein eisiger Überlebenskampf.

Ich war von seiner Geburt schwerst traumarisiert und musste irgendwie erst lernen, selber mit mir klar zu kommen, hatte daneben aber ein Baby, das sich zwar altersgerecht entwickelte, aber irgendwie doch immer anders, als man es erwartet hätte. Er hatte eine de-facto nicht existente Frustrationsgrenze, was zur Folge hatte, dass er sich zB erst mit knapp einem halben Jahr überhaupt zu drehen begann. Einmal versucht, nicht sofort geklappt, laaaaaange nicht mehr probiert, dafür gab es unglaublich viel Geraunze und Unzufriedenheit, ohne dass ich ihm wirklich helfen konnte. Dann folgte auf das Drehen das Sitzen, nicht das Krabbeln, das kam erst mit zehn Monaten. Dafür hat er sehr sehr früh geredet, eigentlich ohne vorher viel gelallt zu haben. „Mama“ zB kam erst in seinem Wortschatz vor, als er schon eine ganze Reihe anderer Sachen benennen konnte und sogar Zweiwortsätze gebildet hat.
 
Zudem war die ganze Babyzeit geprägt von Dauerraunzen. Er hat selten richtig gebrüllt, dafür aber den ganzen lieben langen Tag vor sich hingeraunzt… dagegen fand ich dann den Kleinen mit seinen allabendlichen Schreistunden direkt entspannend. Es hat mich in den Wahnsinn getrieben, nichts tun zu können, nie zu wissen, was ihm denn eigentlich fehlt, was er will/braucht. Getragen wurde er nicht gern, generell war kuscheln oder Nähe nicht seins. Das war unglaublich schwer, denn ich hätte das Kuscheln mit ihm so dringend für das Bonding gebraucht, aber naja. Es ist letztlich nicht sein Problem, sondern meins.
 
ER war eigentlich immer unzufrieden, ob ich ihn jetzt getragen habe oder nicht, machte da nicht so viel Unterschied. Schlafend ließ er sich gut ablegen, geklammert hat er gar nicht, im Gegenteil, ich hatte manchmal das Gefühl, er ist bei allen anderen glücklicher.
 
ICH war da wohl laut meiner Mama ganz  anders, ich war sofort wach, wenn sie mich ablegen wollte bzw war auch nur bei ihr zufrieden, nichteinmal mein Papa „durfte“ mich halten/tragen.
 
 

Stillen hat bei ihm überhaupt nicht geklappt

(durch eine Störung bei mir, das wusste ich aber damals noch nicht), ich hatte ihn bisweilen sechs Stunden am Stück an der Brust und er hat nur so vor sich hingenuckelt und kaum etwas bis garnichts getrunken, kaum hab ich ihn von der Brust genommen, fing das Suchen und Schreien wieder an. Das ging über Wochen so, er hat kein Gramm zugenommen, ich war körperlich wie seelisch völlig am Ende und so sind wir dann auf die Falsche umgestiegen. Ich hab nach Bedarf gefüttert, was allerdings irgendwie ein ziemliches Problem wurde, da er teils stündlich trinken wollte, dabei/danach sehr viel gespuckt hat und sich eigentlich nur mit der Flasche trösten hat lassen. Wie ein Stillkind eben auch stillt, wenn es unruhig ist, ohne dass es Hunger hat. Beim Stillen ist das ja wunderbar, aber mit Flasche ist es halt schon was anderes. Da können die Hersteller noch so viel auf die Per-Nahrung schreiben, dass sie wie Muttermilch gegeben werden kann, es ist eben keine Muttermilch. :( 
Entspannt hat sich das Ganze schlagartig mit der ersten Beikost und heute ist er ein Esser, der sehr gut weiß, was er gerade braucht.
 
Ich hingegen war beim Stillen wohl sehr unkompliziert, hatte von mir aus einen vier-Stunden-Rhythmus (jaaaa, es gibt solche Babys, mein Kleiner war auch so einer. Meine Mama hätte mich gern öfter gestillt, da sie viel Milch hatte und ein paar Mal knapp vor der Brustentzündung war, aber ich wollt nicht. Uhrwerk eingebaut. Zum Nuckeln hatte ich allerdings einen Schnuller). Ingesamt wurde ich 18 Monate lang gestillt.
 
 

Mein Großer hat eigentlich als Baby immer recht gut geschlafen, auch wenn das Einschlafen selten unter zwei Stunden gedauert hat.

Er hat immer bei mir geschlafen und es war oft so, dass ich vor ihm geschlafen habe. Durchgeschlafen hat er so mit knapp fünf Monaten. Kritisch wurde das Schlafen so etwa mit einem Jahr, ab da war häufiges nächtliches Aufwachen mit teils ausgedehnten Wachphasen normal. Verschlimmert wurde das ganze dann zusätzlich durch den starken Juckreiz durch sein Ekzem, gegen den erst ganz ganz heftige Medikamente geholfen haben. Bis kurz nach Neujahr diesen Jahres, war also an Durschlafen nicht zu denken. Jetzt bekommt er wie gesagt Medikamente und schläft besser, braucht aber jetzt dafür extrem viel Nähe von mir. Er schläft nicht nur neben mir, er liegt auf mir, was mit seinen mittlerweile 20kg nicht mehr so richtig witzig ist.
 
Ich war eine extrem schlechte Schläferin, meine Mama ist regelmäßig mit mir im Tuch durch’s nächtliche Wien spaziert. Sobald sie stehen geblieben ist, war ich wach. Mehr als vier Stunden Schlaf pro Nacht hat sie also in den ersten zwei Jahren nicht bekommen. Bis ich beinahe erwachsen war, konnte ich nicht alleine schlafen, weil ich nachts Angst hatte. Meine Mama hat das zum Glück nicht gestört, dass ich bei ihr im Zimmer geschlafen hab, denn ich weiß nicht, wie ich das sonst gemacht hätte. Bis heute kann ich ganz schlecht alleine (also ohne meinen Mann) schlafen und fühl mich am wohlsten, wenn ich weiß, dass noch jemand im Haus wach ist. 
 
 

Hatte ich ein Schreibaby?

Schwierige Frage. Ich hatte ein Raunzbaby und fand das sehr belastend. Diese Phase dauert eigentlich bis heute an, wurde aber so mit drei Jahren deutlich besser. Geholfen hat nichts und ich weiß bis jetzt nicht im Detail, was los war. Ich denke, er war vom Kopf einfach immer schon weiter als körperlich und dadurch unzufrieden.
 
Mein Kleiner war dafür -nach Definition- ein Schreikind, er hat bis er vier Monate alt war abends gebrüllt wie am Spieß. Anfangs hat das von etwa 16:00 oder 17:00 bis 23:00 gedauert und wurde dann immer kürzer. Er musste einfach erzählen und wollte auch gar nicht beruhigt werden. Ich hab ihn im Arm gehalten (manchmal mit Ohropax) und hab versucht, einfach da zu sein, bis wieder alles gut war. Den Rest des Tages war er sehr entspannt und so waren für mich die abendlichen Schreistunden eigentlich ganz gut erträglich.
Ich selbst war laut meiner Mama kein Schreibaby, zumindest nicht, solange ich von ihr getragen wurde. Wurde ich das nicht, hab ich aber offenbar gebrüllt, bis ich blau war. Was, so meine Mama, durchaus in dem Zeitraum passieren konnte, den es gebraucht hat, damit sie aufs Klo gehen konnte.
 
 

Mein Großer war, wenn er bei mir war, eigentlich meistens schlecht gelaunt. Hat viel geraunzt. Sobald andere Leute da waren, war er happy. 

Ein bestimmter Wesenszug, der sich bei ihm abgezeichnet hat, war wahrscheinlich seine sehr geringe Frustrationsgrenze. Er hat einmal etwas probiert, es hat nicht funktioniert, schwupp, Kind probiert es nie wieder. (okeee, nie wieder ist übertrieben, aber sehr lange nicht mehr). Demnach hat er sich auch erst sehr spät gedreht, gekrabbelt ist er überhaupt erst mit knapp zehn Monaten. Er wollte es aber natürlich trotzdem und das hat ihn halt dauerraunzen lassen. Ich konnte ihm nix recht machen. Dazu war er noch nie der Meister der Ausdauer, dh Spielzeuge/Spiele/Spaziergänge waren nach spätestens fünf Minuten uninteressant. 
 
Generell war ihm lieber, je mehr Action um ihn herum war. Bei Familienfeiern oder so war alles cool. Er war immer sehr offen anderen gegenüber und es hat ihm absolut nichts gemacht, von einem zum anderen gereicht zu werden. Bei mir bleiben wollte er nicht. Seine Hauptbezugsperson war meine Mutter, also seine Oma. Sie war auch diejenige, die ihn die erste Stunde nach der Geburt gekuschelt hat. Bis heute ist die Beziehung sehr eng!
 
 

Interessanterweise hätte ich meinen Großen in seiner Babyzeit niemals als hochsensibel bezeichnet, da ich das selber bin und er halt irgendwo das genaue Gegenteil war.

Rückblickend weiß ich, dass sich Hochsensibilität halt auch anders äußern kann, nämlich sehr viel lauter und zerstörerischer und mit (scheinbar) mehr Selbstbewusstsein. 
 
Als leicht zu überreizen hätte ich ihn als Baby nie beschrieben. Wie schon oben beschrieben, je mehr Action, desto besser. Was allerdings gar nicht ging, waren Situationen, in denen ich neben ihm (auch unter anderen Leuten) etwas machen wollte. So hatte ich in der Schwangerschaft noch die Illusion, ich könnte mein Studium weitermachen, aber das war reines Wunschdenken. Schnecken. Gar nix konnte ich. Kaum war ich in der Vorlesung, hat er gemault. Weder Schnuller, noch Stillen, noch Flasche, noch herumtragen, noch Spielzeug haben genutzt. Nichteinmal draußen am Campus spazieren gehen. Da hatte er schon Lunte gerochen. Auch mich mit Studienkolleginnen (ua seiner Taufpatin) bei ihnen zuhause treffen und Projekt weitermachen war unmöglich. Oder auch nur mit einer Freundin plaudern. Länger als fünf Minuten ging es nie gut. Bis auf eine denkwürdige Ausnahme: Projektpräsentation, er war knapp über drei Monate alt. Beim Vorbereiten (also Brote schmieren): Gebrüll. Beim Präsentieren war alles super. Und er bei mir in der Trage. Ja, es gab sie, die Sternstunden der studierenden Mama! ;)
 
 

Reaktionen des Umfelds

Wie er dann da war, durchaus positiv, vorher waren die Vorbehalte halt enorm. Ich war allein, noch im Studium etc. Mir wurde oft vorgeworfen, ich hätte mir das alles zu einfach vorgestellt und so war es dann wohl auch. Wobei ich mich immer noch frage, was gewesen wäre, wenn entweder mein Großer ein weniger anspruchsvolles/von seinen Ansprüchen besser zu mir passendes Kind gewesen wäre oder die Geburt anders gelaufen wäre und ich nicht schwerst traumarisiert in meine Mutterschaft gegangen wäre.
 
 

Grenzen, Stress und Strategien

Puuhhh. Meine Grenzen… manchmal hat es sich so angefühlt, als würde ich nur aus Grenzen bestehen. Das schlimmste (also das, was mir den meisten Stress bereitet hat) war wahrscheinlich sein Dauerraunzen, das ich einfach nicht ergründen konnte. Ich hab bis zum Ende der Babyzeit weder herausgefunden, was ihm so überhaupt nicht gepasst hat (rückblickend denke ich, es war einfach die Frustration darüber, dass er nicht alles so konnte wie er wollte/er mit Rückschlägen nicht umgehen konnte) noch, wie ich ihm hätte helfen können. Hilfe anbieten bei dem, was er grade versucht hat, war unmöglich, da er dann sofort das Interesse verloren hat bzw richtig wütend geworden ist. Kuscheln wollte er sowieso seine ganze Babyzeit hindurch nicht (außer er war krank. Das waren, so gemein das jetzt klingt, meine schönsten Momente in seiner Babyzeit, weil er dann die Nähe zugelassen hat und wir einfach stundenlang kuscheln konnten, was ihm ja sonst sofort zu fad geworden ist). 
 
Strategien hatte ich nicht wirklich. Ich hab versucht, meinen Tag möglichst gut zu strukturieren, aber das war auch nicht so richtig das wahre. Letztlich war er viel bei meiner Tante, die zwei Häuser weiter wohnt und ihn unglaublich gerne bei sich hatte (sie hat selber keine Kinder) und da war er auch sehr glücklich. Immer noch bin ich hin- und hergerissen zwischen einem furchtbar schlechten Gewissen, weil ich ihn so viel „abgeschoben“ hab und dem Wissen, dass ich das erste Jahr ohne diese Hilfe schlichweg nicht überlebt hätte. 
 
Schwierig war auch, dass er sich so ganz anders entwickelt hat, als alle Babybücher das gesagt haben bzw auch anders als gleichaltrige Babys. Ich möchte nicht sagen, dass er langsamer war, es war nur anders. Reihenfolgen, in denen Babys etwas lernen zB waren bei ihm einfach anders. Er konnte -nur so als Beispiel- sehr früh allein sitzen, wenn man ihn hingesetzt hat (was er ausdrücklich wollte), aber drehen, robben, krabbeln? Nope. Er konnte sich aber problemlos vom Sitzen wieder auf den Bauch legen (und dann motzen), also hab ich ihn gelassen, immer die Vorwürfe der Babyfachwelt im Ohr, dass das Sitzen eigentlich der letzte Schritt ist usw. Ich konnte mit niemandem ein schönes Erlebnis teilen, weil immer gleich die Belehrung kam, wie sehr ich meinem Kind schaden würde. Und nachdem er eh so unzufrieden war und ich so absolut kein Gefühl dafür hatte, was er braucht (Bauchgefühl, my ass! Erzählt das mal Müttern, die ihrem Körper und ihrer Psyche nach der Geburt ersteinmal beibringen müssen, dass sie nicht (mehr) in Lebensgefahr sind und man ihnen das Baby auch nicht einfach so wegnehmen kann), haben mich diese Aussagen einfach so unsagbar verunsichert.
 
 

Kleinkindzeit und Besonderheiten im Vergleich zu anderen

War er ängstlicher? Nein. Als Kleinkind definitiv noch nicht. Die Eingewöhnung und eigentlich fast die gesamte Zeit bei der Tagesmutter, zu der er ab seinem ersten Geburtstag gegangen ist, waren unproblematisch. Angst hatte er auch eigentlich vor nix, ganz im Gegenteil. Großes Thema war damals Gefahren zu erkennen bzw zu sehen, wo es vielleicht doch klüger ist, der Mama zu folgen. 
 
Interessant war aber auf alle Fälle, wie er auf die Geburt seines kleinen Bruders reagiert hat. Schon in der Schwangerschaft war ich irgendwie auf meinen Babybauch reduziert, der wurde gestreichelt, abgebusselt und pausenlos wurde vom Baby geredet. Gleichzeitig hat er aber da das erste Mal begonnen, meine Nähe aktiv zu suchen. Nach der Geburt war es eigentlich recht entspannt. Also Eifersucht war eigentlich kein Thema (jetzt von den üblichen „der hat, ich will auch“-Situationen einmal abgesehen, aber das wär ja irgendwo schon abnormal, wenn das nicht so gewesen wäre), nur begann dann (da war er 2,5) halt die Zeit, in der ich mit ihm irgendwie wirklich nicht mehr weiterwusste und langsam die Hoffnung, verloren hab, dass sich das auswächst (womit ich auch recht hatte).
 
Er war unglaublich aktiv, ohne dass man seine Aktivität aber mit Bewegung hätte irgendwie befriedigen können. Gleichzeitig war er -und ist es bis heute- ein unglaublich autonomes Kind. Für ihn gab es keine Regeln, keine Konsequenzen. Was ihm in den Kopf gekommen ist, wurde so auch sofort gemacht, ganz egal, wie oft ich erklärt hab, dass es gefährlich ist und auch warum. Er akzeptiert auch kein nein, auch nicht meine persönlichen Grenzen. Damals wurde das immer, wenn ich versucht habe, das anzusprechen nur gemeint, normales Trotzalter. Nur wenn ich das mit anderen Kindern verglichen habe, dann hat sich da halt schon gezeigt, dass da mehr ist. Aber da hieß es dann nur, man solle nicht vergleichen, Kinder seinen eben Lebewesen. (ja, danke, das weiß ich selber auch, aber ihr vergesst scheinbar, dass Mütter selbiges auch sind!)
 
Gab es Auffälligkeiten beim Essen? Nein. Er hat eigentlich brav alles gegessen und das auch durchaus sehr „schön“. Der kleine Bruder matscht da bis heute mehr! Er hätte aber auch matschen dürfen, aber ich hatte manchmal das Gefühl, er wollte sich die Finger nicht schmutzig machen, was meine Mama sehr schmunzelnd mit „das hat er von dir!“ kommentiert hat.
 
Das Schlafen wurde mit dem Beginn des Kleinkindalters zunehmend problematisch. Grade das Einschlafen war oft ein stundenlanger Kampf (natürlich begleitet) und die Nächte unruhig. Er war unglaublich müde, aber es war, als wollte er sich selber wach halten bzw aktiv vom einschlafen abhalten. Das wurde besser, als er dann keinen Mittagsschlaf mehr gemacht hat, aber nur kurzfristig. 
 
Temperamentsfrage - war er schlecht gelaunt? Definitiv, ja. Er war entweder schlecht gelaunt oder hat Blödsinn gemacht, den er dann sehr lustig gefunden hat, aber halt nur er. Also Sachen wie hauen, zwicken, beißen, Sachen kaputt machen etc. Er war aber sprachlich immer schon sehr weit, also es war definitiv keine alternative Kontaktaufnahme/Kommunikation. 
 
War er sensibler? Immer noch nicht. 
 
Wie hat das Umfeld reagiert? Langsam hat sich da dann die Stimmung geändert, also bei denen, die mit ihm in Kontakt waren. Immer mehr Leute haben uns gemieden, was mir persönlich sehr wehgetan hat, aber was ich auch verstehen kann, denn entspannt war so ein Treffen nie. Ich bekam so oft zu hören, ich müsse ihm dieses oder jenes abgewöhnen. Nur beim wie, wusste halt keiner was.
 
Die anderen, die bei denen ich mich ausgeheult hab, haben das immer nur als normal abgetan, als Reaktion auf’s Geschwisterchen (nein, zum Kuckuck, das war es definitiv nicht!). Allgemein hab ich mich unglaublich alleingelassen gefühlt in der Situation.
 
Grenzen und Strategien? Stress war alles. Wirklich alles. Strategie hatte ich immer noch keine, außer möglichst Kraft zu tanken an der unproblematischen Zeit mit dem Kleinen und hoffen, dass der nächste Tag besser wird. Und die Nächte genießen, wenn er im Schlaf gekuschelt hat. Das war unsagbar heilsam und absolut überlebenswichtig!
 
 

Spätere Kinderzeit und Besonderheiten im Vergleich zu anderen

 
Mein Großer wird jetzt im Herbst sechs, und seit etwa einem Jahr zeichnet sich ein ganz neuer Trend ab. Er ist immer noch wild, tut immer noch meistens das, was er will (also nicht was er will und darf, sondern den Rest. Einfach abhauen zB. Des Nachts das iPads klauen. Dem Kleinen was wegnehmen. Der Katze was nachschmeißen. Sowas halt), aber jetzt wird er plötzlich ängstlich, werden ihm Situationen schnell zu viel, klammert er extrem an mir. Ist er auf der einen Seite unglaublich bemüht, es mir recht zu machen und leidet selber total unter seinem Verhalten und auf der anderen Seite fehlt ihm einfach jegliche Impulskontrolle. Da kann es der Kopf noch so sehr wissen. Es ist unglaublich anstrengend, zumal ich wieder schwanger bin und der Kleine auch das Trotzalter voll auskostet und immer noch mittendrin steckt und eigentlich mehr Aufmerksamkeit bräuchte, als ich ihm geben kann. 
 
Aber, und das ist das große aber, es ist unglaublich, wie er, der Große, sich entwickelt. Ich bin so stolz auf ihn. ich weiß es nicht, was da in seinem kleinen Köpfchen oder seiner Seele schief gegangen ist, was es ist, was es für ihn so schwer macht, Regeln zu akzeptieren, Grenzen anderer Leute zu erkennen und zu respektieren. Ich weiß nicht, warum er es sich so hart erarbeiten muss, was scheinbar allen anderen in die Wiege gelegt wird. Aber er arbeitet und das find ich unglaublich bewundernswert. Er ist noch so klein, eigentlich sollte er sich mit sowas nicht auseinandersetzen müssen. Aber da hat er halt das große Pech, mich als Mama zu haben und nicht eine, die alles, was ihr Kind macht, automatisch toll findet. Ich mein diesen Satz jetzt tatsächlich nicht ironisch, sondern wirklich, er hat es mit mir schwer. Aber ich kann halt auch nicht aus meiner Haut (und möchte es auch nicht, weil ich meine Prinzipien nicht ohne Grund habe und die auch nicht über den Haufen werfen will. Man hat auch eine Verantwortung seine Umwelt gegenüber find ich).
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