Eva erzählt von ihrem Schreibaby, das zum empathischen Kleinkind wurde

Ich bin Eva, 33 Jahre alt und Erzieherin von Beruf. Ich lebe mit meinem Schatz und unserem Schnüpperle (Kindername wird hier nicht verraten) in Rheinland-Pfalz, Nähe Mannheim. Unser Sohn wurde im Frühling 2013 geboren und ist jetzt gute 3,5 Jahre alt. Außerdem wohnt bei uns noch eine Katze. Seit unser Sohn 1 war, arbeite ich wieder in meinem Beruf, von nix kommt eben leider nix. Wir gehen gerne gut essen und verreisen unglaublich gerne. Allerdings sind mein Schatz und ich keine Freunde des ständigen Kind - Abschiebens. Wenn wir dann mal frei haben, dann möchten wir unsere Zeit als Familie verbringen, das ist für uns absoluter Luxus. Bei mir wurde vor einigen Jahren Epilepsie diagnostiziert, aber dazu könnt Ihr hier mehr lesen.
 
 
 

 

Wie war die Babyzeit mit Deinem Kind? Welche Besonderheiten gab es im Vergleich zu anderen Babys? Was empfandest Du besonders schwierig?

Puh, gleich drei Fragen auf einmal ;-)
 
Unsere Schwangerschaft verlief nicht ganz so normal. Ich hatte Vorwehen und musste frühzeitig ins Krankenhaus. In dieser Zeit hofft man natürlich, dass alles gut geht. Schnüpperle kam dann drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt, genau zwischen meinem und dem Geburtstag seines Papas. Aufgrund meiner Krankheit und der verkehrten Lage im Bauch kam er per Kaiserschnitt zur Welt. Aber die Geburt war wirklich das Wundervollste, was ich in meinem Leben erlebt habe.
 
Als er dann da war, war ich so unendlich glücklich. Er ist wirklich ein absolutes Wunschkind. Im Krankenhaus hatte ich ein Einzelzimmer und konnte immer die ganzen anderen Babys schreien hören. Unser Kind hat einfach nur geschlafen und war zufrieden. Auch in den ersten zwei Wochen zuhause klappte alles so unglaublich gut. Ich war so glücklich und hätte jeden Tag die ganze Welt umarmen können.
 
Nach den ersten drei Wochen war dann das heile Leben schlagartig vorbei. Unser Kind fing immer mehr zu weinen an, welches immer stärker und heftiger wurde, bis er jeden Tag und jede Nacht nur noch schrie. Er war durch fast nichts zu beruhigen und konnte nur auf dem Arm oder beim Stillen schlafen, und dann auch immer nur kurzweilig, bis er wieder aufschreckte. In dieser Zeit haben wir uns natürlich große Sorgen gemacht. Ich habe mir ständig Vorwürfe gemacht, irgendetwas falsch zu machen, schließlich klappte es bei allen anderen Müttern, die ich kannte, doch auch.
 
Und plötzlich mischten sich auch alle in mein Mamasein ein. "Du musst es so machen!" "Lass ihn doch mal schreien, er wird schon lernen auch mal ruhig zu sein!" "Lass ihn doch mal schreien, dann lernt er gleich alleine einzuschlafen!" "Das sind nur Koliken, das haben doch fast alle Kinder!" In dieser Zeit ging es mir wirklich nicht gut, und ich konnte sogar Mütter verstehen, die hier das Handtuch werfen. Ich wollte aber mein Kind nicht ablegen, und schon gar nicht wollte ich es schreien lassen, obwohl mir das wirklich jeder, außer meiner Hebamme, riet. Wir waren ständig beim Kinderarzt, einmal sogar beim Osteopathen, haben sämtliche Kolik-Mittelchen ausprobiert und ihn mit Bäuchleinöl eingerieben, nichts hat ihm geholfen.
 
Vier Monate ging das so, nonstop hat unser Sohn geschrien. Nachts bin ich unzählige Runden in der Wohnung gelaufen und habe ein Lied nach dem anderen gesungen. Staubsauger und Föhngeräusche habe ich mir auf mein Handy geladen, weil diese Geräusche ihn eine Weile beruhigten. Einige Tage hörten wir also nonstop irgendwelche rauschenden Geräusche.
 
Ich lernte alles in rasanter Geschwindigkeit zu erledigen, um möglichst schnell wieder bei meinem Kind zu sein, denn wie es schien, brauchte er nur mich, damit es ihm gut ging. Aber wenn ich ihn dann auf dem Arm hatte, konnte er sich oft nicht wirklich beruhigen. Irgendwann haben wir herausgefunden, dass es ihn beruhigt, wenn ich mit ihm auf einem Gymnastikball sitze und etwas wippe. Ab diesem Zeitpunkt saß ich also jeden Tag und jede Nacht auf dem Gymnastikball. Meine Eltern und meine Freundin haben auch einen Gymnastikball gekauft, damit ich dort ebenfalls wippen konnte, um Schnüpperle zu beruhigen und in die Restaurants unserer Nähe haben wir den Ball mitgenommen oder ich bin eben wippend durch die Gegend gelaufen. Und wieder gab es Sprüche: "Du trainierst das Deinem Kind doch an, er kann ja gar nicht selbst lernen, zur Ruhe zu kommen!"
 
Kraft haben uns in dieser Zeit nur sehr wenige Menschen gegeben. Meine Eltern und auch ein paar Freunde waren einfach immer für uns da und haben ihn genommen, wenn er geschlafen hat. Dann konnte ich ihn von meinem Arm auf deren legen, um auch mal eine Stunde zu schlafen, zu duschen oder den Haushalt zu erledigen, oder meine Mutter hat mal für mich geputzt.
 
Meine Hebamme war in dieser Zeit meine größte Stütze, sie war die Einzige, die mir immer gesagt hat "HALTE DURCH, DU MACHST DAS WIRKLICH GUT, DU BIST EINE GUTE MUTTER, IRGENDWANN WIRD ES BESSER!" Ich konnte zwar nicht wirklich daran glauben, aber es hat mir immer Mut gemacht und Kraft gegeben durchzuhalten. Abnehmen wollte mir das Kind wirklich jeder, denn alle glaubten, dann hätte ich mal Ruhe. Aber die hatte ich nicht. Sobald ich mein Kind nicht bei mir hatte, ging es mir nicht gut. Auch wenn er bei anderen auf dem Arm zufrieden schien, so war das Geschrei im Nachhinein noch viel größer, so als wollte er sich beschweren, warum er nicht bei mir bleiben konnte.
 
Andere Mütter haben sich mit ihren Babys auf Spielplätzen oder zum Spielen verabredet. Ich konnte bei solchen Treffen nur selten dabei sein. Zum einen war ich selbst immer so k.o., dass ich es gar nicht schaffte, irgendeine Uhrzeit einzuhalten, und zum anderen hatte ich das Gefühl, dass unser Kind diese Eindrücke überhaupt nicht verarbeiten konnte. Ich habe gemerkt, dass er auf laute Geräusche und Menschen mit Geschrei reagiert und da fiel mir erst einmal auf, wie laut diese Welt überhaupt ist. Das hatte ich zuvor nie bemerkt. Man ist eben einen gewissen Geräuschpegel gewohnt. In wirklich jedem Geschäft läuft ja heutzutage ewig laute Musik, viele Menschen sind super hektisch und auch laut. Andere Mütter langweilten sich Zuhause und mussten sich deshalb ständig verabreden, so sagten sie. Ich hatte aber das Gefühl, genau das Gegenteil zu müssen. Ich suchte immer nach Orten der Ruhe. Ganz normale Dinge wie Autofahren oder einkaufen gehen waren für uns unmöglich und immer mit Geschrei verbunden.
 

 

Ließ sich Dein Baby ablegen? Konnte Dein Baby sich auf andere Personen als "Träger" einlassen?

Nein, ablegen ließ er sich so gut wie nie. Mein Schatz und ich haben in dieser Zeit immer getrennt voneinander gegessen, ich meist zuletzt und dann kalt. Irgendwann habe ich Schnüpperle dann während des Essens gestillt, so war er wenigstens ruhig und wir konnten gemeinsam am Tisch sitzen. Andere Träger gingen nur kurzzeitig und auch da kam es darauf an, wer das war und wie lange das ganze dauern sollte. Wenn man diese Zeit zu lange ausdehnte, so war das Geschrei im Anschluss viel intensiver und langanhaltender, gerade nachts.
 

 

Wie wollte Dein Baby gestillt / gefüttert werden?

Das Stillen hat erstaunlicherweise von Anfang an gut geklappt. Allerdings hat er immer sehr hastig und unruhig getrunken. Er war einfach immer in Bewegung und hat mit seinen kleinen Ärmchen gezappelt. Auch in dieser Zeit haben sich viele Menschen versucht einzumischen und schoben das ganze Geschrei aufs Stillen. Als Mutter ist man ja in dieser Zeit ganz besonders sensibel. Wenn dann aber noch andere Menschen sagen, dass man dieses und jenes falsch macht, dann fängt man an, an sich selbst zu zweifeln. Ich habe ihn bis zum 9.Monat gestillt, allerdings hat er schon ab dem vierten Monat angefangen zu essen. Einschlafen ging nie ohne Stillen. Bis zum 8. Monat wurde er bis zu 12 mal in der Nacht wach und wollte an die Brust.
 
 

Wie war es mit dem Einschlafen / Durchschlafen / allgemeine Schlafsituation?

Eingeschlafen ist er nur auf mir und monatelang nur durch Stillen. Er schläft ziemlich genau seit seinem zweiten Lebensjahr durch, davor war er zwischen 6 und 12 mal wach. Als er nicht mehr gestillt wurde, braucht er immer meine Nähe oder einen Schnuller zum Weiterschlafen.
 
Mittlerweile bin ich zufrieden mit unserer Schlafsituation, aber auch da gibt es wieder andere Meinungen. Wir schlafen im Familienbett und Schnüpperle wird von uns einschlafbegleitet. Anders kann er nicht einschlafen. Er macht mit seinen dreieinhalb Jahren noch Mittagsschlaf, aber auch hier wird er einschlafbegleitet, oder er schläft eben nicht. Allerdings versuchen wir so oft es geht den Mittagsschlaf einzuhalten,  denn er braucht ihn wirklich noch, um all die Dinge, die um ihn passieren, zu verarbeiten.
 

 

Würdest Du sagen, dass Du ein "Schreibaby" hattest?

Ja, auf jeden Fall, denn dieses Schreien hat bei uns mehrere Monate gedauert. Siehe oben
 
 

Weißt Du, warum Dein Baby geschrien hat?

Damals wusste ich es nicht. Heute bin ich fest davon überzeugt, dass er oft überreizt war. Leider habe ich mich damals viel zu sehr von meiner Umwelt beeinflussen und verunsichern lassen.
 
 

Wie beurteilst Du die Laune Deines Babys? Gab es ein bestimmtes Temperament, das Du erkennen konntest? Wie verhielt es sich zu anderen Menschen? Wer waren die engsten Bezugspersonen?

Er war auf jeden Fall immer ziemlich unruhig, seine Arme und Beine waren einfach immer in Bewegung. Als er ein paar Monate alt war, zeigte er sich sehr neugierig und wollte alles ganz genau erkunden. Allerdings hat er sehr spät angefangen zu krabbeln und auch gelaufen ist er erst mit 1,5 Jahren.
 
Anderen Menschen gegenüber war er sehr zurückhaltend. Er hat sofort geweint, wenn ich mich aus seinem Sichtfeld bewegt habe, auch Zuhause. Ich hatte ihn so oft es eben ging auf dem Arm, oder im Tragetuch. Ich musste auch ständig die Position wechseln, er wurde sehr schnell unzufrieden wenn er zu lange im Tragetuch oder auf dem gleichen Arm war, es sei denn ich bewegte mich.
 
Seine engsten Bezugspersonen waren in den ersten Wochen vor allem wir als Eltern und seine Oma und Opa. Wenn jemand anderes ihn nehmen wollte, hat er schnell geweint oder wollte zurück auf meinen Arm.

 

 

Kannst du zum Thema Sensibilität / schnelle Überreizbarkeit etwas sagen? Inwieweit würdest Du Dein Baby als (hoch)sensibel beschreiben? War Dein Baby schnell "am Limit" wenn Du etwas mit ihm unternommen hast, Besuch da war usw.?

Unser Kind reagierte von Anfang an auf alle Reize, die um uns herum waren. Zuhause waren das die Türklingel, das Miauen unserer Katze, der Fernseher, die Feuerwehr, die vorbei fuhr. Heute würde ich sagen, wir hatten definitiv zu viel Besuch in der ersten Zeit und darauf reagierte unser Sohn immer mit sehr viel Geschrei und konnte nicht oder nur selten schlafen. Er ist sogar immer wieder aufgeschreckt und konnte sich dann überhaupt nicht mehr beruhigen. Das ging nur auf meinem Arm.
 
Ich würde nicht behaupten, dass er hochsensibel ist, aber sensibel ist er auf alle Fälle und damit meine ich nicht, dass er nah am Wasser gebaut ist, denn heute weint er nicht mehr viel und ist eher ein sehr fröhliches, aufgeschlossenes Kind. Und trotzdem ist er wesentlich feinfühliger als andere Kinder. Als Erzieherin habe ich ja täglich den Vergleich. Er hat extrem feine Antennen für alles, was um ihn geschieht. Er kann sich für sein Alter sehr sehr gut in andere einfühlen und Gefühle auch benennen. Wenn er jemanden in sein Herz geschlossen hat, so hat dieser für immer einen festen Platz darin. Streit kann er absolut nicht leiden und es lässt ihm keine Ruhe, wenn nicht alles restlos geklärt ist.
 

 

Wie hat Dein Umfeld auf Dein Baby reagiert?

Wahrscheinlich wollten uns alle nur gut, aber in dieser schwierigen Anfangszeit hätte ich mir gewünscht, nicht nur von meiner Hebamme zu hören, das ich einfach alles richtig mache. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand vorbei kommt, um mir im Haushalt zu helfen, für uns mal einkaufen geht oder kocht. Aber ich habe mich auch nicht getraut, das zu sagen, denn andere Mütter schafften das ja schließlich auch. Ich wünschte, ich hätte in dieser Zeit schon diese ganzen tollen Blogs gekannt, die sich mit Geborgenheit, Familienbett und High Need Kindern beschäftigen.

 

 

War Dein Kind ängstlicher als andere Kinder? Hat es geklammert, war anhänglich? Wie war das Zuhause, wenn Besuch da war, in Gruppen?

Auf jeden Fall war er ängstlicher und vor allem viel vorsichtiger als andere Kinder. Allerdings hat seine Neugierde ihm oft geholfen, sich auch mal etwas zu trauen. Aber er hat sich immer versichert, dass ich auch da bin. Auch wenn diese ganzen Besuche von Familie und Freunde ihn oft überreizt haben, so hat es ihm sicher auch geholfen, denn er war schon bald sehr offen für Neues und konnte Vertrauen in andere Menschen fassen. Das hat ihm sicher auch in der Eingewöhnung im Kindergarten geholfen. Da er sich von mir am schlechtesten trennen konnte/kann, wurde er von seinem Opa und der allerallerliebsten Erzieherin unter der Erde in die Krippe unseres Kindergartens eingewöhnt. Seine Erzieherinnen in der Krippe waren ständig mit mir im Gespräch und er ist von Anfang an immer gerne dort hin gegangen.

 

 

Wie war das mit dem Einschlafen? Wie schläft Dein Kind? Lässt es sich gut ins Bett bringen?

Wie ich schon oben geschrieben habe, schlafen wir im Familienbett und unser Sohn wird einschlafbegleitet. Er schläft nicht alleine ein, nie! Auch nicht beim Mittagsschlaf. Wir achten soweit es möglich ist, dass er seine Schlafenszeiten einhält, denn nur dann ist er ausgeglichen und bereit für den Tag.
 
Seit er zwei ist schläft er regelmäßig durch. Er lässt sich relativ einfach zu Bett bringen, allerdings eben immer in Begleitung von uns. Das ist oft auch mal anstrengend, weil man ja auch mal was erledigen möchte, aber es ist eben so. Das versuche ich mir immer wieder zu sagen „Es ist eben so“.
 
Unser Ritual am Abend sieht folgendermaßen aus:
*gemeinsames Abendessen
*manchmal trinkt er noch eine Milch (aus der Flasche)
*Zähne putzen und duschen oder baden
*Schlafanzug an und Buch aussuchen
*Vorlesen
*manchmal singen und Erlebnisse vom Tag erzählen. Hier merke ich auch genau, was ihn beschäftigt und je nachdem was das ist, kann dieses Erzählen bis zu einer Stunde dauern.
 

 

*Würdest Du den Charakter oder das Temperament Deines Kindes als eher schlecht gelaunt beschreiben? Was denkst Du, wenn Du es mit anderen Kindern vergleichst?

Durch meine Arbeit kann ich mein Kind ständig mit 100 anderen Kindern aus unserem Kindergarten vergleichen, aber das will ich gar nicht. Unsere Sternschnuppe ist eher positiv gelaunt würde ich sagen. Er ist größtenteils fröhlich, neugierig, aufgeschlossen, mehr als andere Kinder. Aber er ist eben feinfühliger. Streitigkeiten, die andere Kinder völlig kalt lassen, beschäftigen ihn tage- oder wochenlang. Wenn er etwas nicht zu 100 Prozent versteht, lässt es ihm keine Ruhe und er beschäftigt sich damit so lange, bis er es verstanden hat. Hierbei meine ich aber nicht nur technische Dinge, Spiele oder ähnliches, sondern vor allem Gefühle anderer Menschen. Warum hat jemand so reagiert? Wieso hat er das gesagt? Was meint er damit? Ein anders Kind weint? Warum weint es?
 
Andere Kinder spielen einfach weiter, Schnüpperle unterbricht sein Spiel und läuft im Notfall vom einen Ende des Kindergartens ins andere, um zu erfahren, was los ist. Ungerechtigkeiten oder Unwahrheiten akzeptiert er absolut nicht und er will, dass man ihm Gehör schenkt, am besten immer und überall. Manchmal habe ich das Gefühl, einen kleinen Erwachsenen vor mir zu haben. Er hat einen wirklich großen Wortschatz und er weiß sehr viel, allerdings ist er in seiner Bewegung eher vorsichtig und traut sich nur, wenn er sich ganz sicher ist, etwas zu können. Wo sich andere Kinder ins Abenteuer stürzen, versteckt er sich hinter mir oder nimmt meine Hand.
 

 

Wenn Du Dein Baby als sehr sensibel und schnell überreizt beschrieben hast, trifft das auch auf Dein Kleinkind zu? Wenn ja, wie würdest Du es beschreiben?

Auf jeden Fall ist er schnell überreizt, oder zumindest wesentlich schneller als andere. Oft ist das schwierig, da hier wieder das nötige Verständnis im Umfeld fehlt. Allerdings können wir mittlerweile ganz gut damit umgehen und sehen immer zu, dass er genügend Auszeit und Ruhepole hat. Das ist mit die größte Herausforderung in unserem Alltag momentan.
 

 

Wo bist Du an Deine Grenzen gestoßen? Was hat Dir den größten Stress bereitet? Was waren Deine Strategien, gut über den Tag zu kommen?

Wie schon beschrieben war das Schlimmste für mich diese "gut gemeinten Ratschläge", die mir eigentlich nicht wirklich weiter halfen. Als dann viele in unserem Umfeld noch am Stillen zweifelten und dieses für falsch oder schreifördernd hielten, war das für mich zeitweise sehr schwer auszuhalten. Und wieder war meine Hebamme meine Rettung. Sie gab mir den Tipp, meinen Tagesablauf einmal genauestens aufzuschreiben, um evtl. daraus zu erkennen, wann das Schreien mehr wird. Leider kam ich vor lauter Kind tragen und wippen überhaupt nicht dazu. Aber sie gab mir noch einen weiteren Tipp, nämlich meinen Tagesablauf bis auf die Minuten durch zu planen. Ok, bis auf die Minuten habe ich es nicht geschafft. Aber ich habe mich aufgerappelt, sodass ich jeden Morgen nach dem Frühstück raus gegangen bin, bis zum Mittagsschlaf und dann wieder raus.
 
Ich bin in dieser Zeit so unglaublich viel gelaufen. Wahrscheinlich musste ich mir allen Stress ablaufen. Zumindest tat mir das draußen sein sehr gut. Irgendwann habe ich dann auch wieder angefangen, mich mit anderen Mamas zu verabreden, allerdings nicht zum Kaffee-Spiel-Treff, sondern zum Spazieren gehen und von der Seele reden. Und ich habe angefangen meinen Blog zu schreiben und vor allem andere Blogs zu lesen. Immer wenn ich mal Zeit hatte, habe ich Blogbeiträge zu alternativen Erziehungsmethoden (was für ein schreckliches Wort) durchgelesen und nach und nach gemerkt, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht und dass doch irgendwo alles ok ist, so wie es ist.
 

 

Wie war die spätere Kinderzeit mit Deinem Kind? Welche Besonderheiten gab es im Vergleich zu anderen Kindern? Was empfandest Du als besonders schwierig?

Unser Sohn geht seit seinem zweiten Lebensjahr in den Kindergarten. Allerdings kam er zuerst in die Krippe. Ich hatte großes Glück, dass er bei uns im Kindergarten in der Krippe zu dieser Zeit einen Platz bekam. Mittlerweile ist es ja schon so, dass Zweijährige oder noch jüngere Kinder in eine große Kindergartengruppe eingewöhnt werden. Aber das schien mir noch viel zu früh und ich wusste, er kann diese Lautstärke nicht ertragen und die ganzen Reize überhaupt nicht filtern. Aber in der Krippe war das anders. 10 Kinder auf 4 Erwachsene, einen eigenen kleinen Garten für die Kleinen und den Bonus die Mama im Haus zu haben (manchmal war das aber auch schwierig), das konnte ich mir vorstellen und wir gaben dem Ganzen eine Chance. 

 
Er konnte sich gut in Krippe und Kindergarten eingewöhnen. Allerdings hatte ich auch immer ein ganz genaues Auge darauf (das habe ich auch heute noch), ich arbeite ja in der gleichen Einrichtung, und wenn ihm diese Umstellung nicht gut getan hätte, hätte ich ihn sofort wieder raus genommen. Im Nachhinein wäre ich wohl besser zwei oder drei Jahre Zuhause geblieben, aber damals war das keine Option für uns und es ist ja Gott sei dank alles gut gegangen. Allerdings graut mir schon heute vor der Schulzeit, denn dort müssen Kinder oft einfach nur noch funktionieren.
 
Im Januar 2016 sollte er dann in die große Kindergartengruppe wechseln. Und auch hier konnte man den Unterschied zu anderen Kindern erkennen. Zeitgleich mit ihm wechselte nämlich ein anderer Junge in die große Gruppe. Dieser Junge wechselte einfach so, die Umstellung machte ihm so gar nichts aus. Schnüpperle verstand nicht, was da auf ihn zukam, obwohl ich viel mit ihm darüber gesprochen habe und er den Kindergarten ja schon über ein Jahr kannte. Also war ich ständig mit seinen Krippen- und Gruppenerzieherinnen im Gespräch. Er durfte also immer wieder in die große Gruppe hinein "schnuppern", bis irgendwann der Tag gekommen war, an dem er dann endgültig wechseln sollte. Wir entschieden ein Abschiedsfrühstück in der Krippe zu machen, um mit dieser Zeit abzuschließen und genau diesen Abschied hat er auch gebraucht. Ab da war er ein Kindergartenkind und ist gerne in seine neue Gruppe gegangen. Aber Zuhause schlief er wieder wesentlich schlechter und es gab sehr viel, dass ihn beschäftigte.
 
Er ist immer sehr k.o. mittags, wenn wir Zuhause ankommen, und er kann erst am Abend erzählen, was ihn beschäftigt. Nach diesem Gruppenwechsel, wollte er allerdings einige Zeit seiner Krippenerzieherin nicht mehr Hallo sagen. Da merkte ich, dass es für ihn noch nicht erledigt war. Also habe ich ihm noch einmal erklärt, warum es so ist, wie es ist. Irgendwie hatte er das Gefühl, nicht mehr in die Krippe zu dürfen, ein bisschen "rausgeschmissen" zu sein. Auch heute fällt es ihm manchmal noch schwer seinen Krippenerzieherinnen von früher guten Morgen zu sagen. 
 
In den ersten Wochen sagte mir seine Erzieherin, dass es ihm sehr schwer falle, Anschluss zu finden und er immer einen Erwachsenen zum Spielen braucht. Trotzdem ist er aber nie weinend in den Kindergarten gegangen und er konnte mich nun auch im Garten wieder treffen, das ging ja davor nicht. Mittlerweile ist er wirklich gut angekommen in seiner Gruppe. Er meldet sich sogar im Morgenkreis und macht bei Spielen mit. Es macht mich immer sehr stolz, wenn er Zuhause erzählt, was er alles erlebt hat, oder wenn er mir ein neues Lied vorsingt. Das zeigt mir, dass er sich wohl fühlt.
 

 

Wie ist es heute?

Heute sind wir sehr glücklich und zufrieden, so wie es ist. Wir haben ein gesundes, fröhliches und glückliches Kind, welches so voller Liebe ist. Ich wünschte, ich hätte viel mehr Zeit für ihn, denn in unserer Freizeit ist ja oft auch Einkaufen und Haushalt angesagt. Aber wir sind nun mal beide berufstätig und das ist eben so. Deshalb versuchen wir, so viel Familienzeit wie möglich miteinander zu verbringen, was natürlich auch bedeutet, dass wir uns keinen Babysitter nehmen, um selbst Spaß zu haben. Unser Kind ist immer mit dabei. Ich bin froh, dass alles so ist, wie es ist. Früher oder später müssen Kinder lernen, in und mit diesem Leben zurecht zu kommen, und wir als Eltern können nicht immer jede Sekunde an ihrer Seite sein. Aber wir werden trotzdem immer für ihn da sein, wenn er uns braucht <3
 
 
 
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