Mein Baby war immer unzufrieden. Interview mit Steffi, Mama von drei Jungen

Ich bin Steffi (38), Mama von 3 wunderbaren  Jungs -P.15 J., C.9 J.und T. (alias "der Würchel") 22 Monate. Wir wohnen in einem eigenen Häuschen in Thüringen.  
 
 
Bildquelle: privat
 
 
 

Wie war die Babyzeit mit deinem Kind? Welche Besonderheiten gab es im Vergleich zu anderen Babys? Was empfandest du besonders schwierig?

Unser Würchel war schon im Bauch sehr mobil (ich spürte ihn bereits ab der 15. Woche!), er war also von Anfang an ein sehr unruhiges kleines Wesen.
 
Alle meine Kids waren kleinerweise sehr mobil, fordernd und anstrengend,  aber der Würchel setzt echt nochmal eins drauf! Schon ein paar Stunden nach seiner Geburt schrie er und ließ sich ziemlich schwer beruhigen. Das setzte sich einige Monate so fort. Er war einfach immer unzufrieden (ist er immernoch) und konnte nicht so wie er gern wollte,  so hatte ich zumindest den Eindruck. Von Anfang an war er immer in Bewegung (daher der Name "Würchel"),  mit 8 Wochen drehte er sich vom Rücken auf den Bauch, mit 6 Monaten stellte er sich auf die Beine und zog sich an Gegenständen hoch und mit 8 Monaten machte er seine ersten Schritte allein! Irgendwie war er schon immer in seiner Entwicklung weiter als "normal".
 

 

Ließ sich dein Baby ablegen? Wenn nein, wie lange dauerte die Klammerphase? Konnte dein Baby sich auf andere Personen als „Träger“ einlassen?

T. ließ sich schwer ablegen und wollte nur von mir getragen werden, Papa war auch in Ordnung. Aber am liebsten Mama! Klammerphase? Die hat bisher nicht aufgehört ;)
 

 

Wie wollte dein Baby gestillt / gefüttert werden?

Ich habe ca 6 Wochen so sehr gekämpft fürs Stillen! Der Anfang war echt eine Zerreißprobe - blutige, wunde, offene Brustwarzen, die einfach nicht heilen wollten :( aber ich habe nicht aufgegeben und letztendlich stillen wir heute immer noch :) ! Darüber bin ich sehr froh, auch wenn es mir zwischenzeitlich echt auf die Nerven ging... dieses Dauerstillen... Nächtelang... heulen...
 
Mittlerweile stillen wir noch mittags, abends zum Einschlafen und nachts 2-3 mal. Absolute Ruhe ist notwendig beim Stillen, und relativ schnell wurde das Schlafzimmer zu unserem "stillem" Ort. Da waren wir ungestört.
 
Als wir feste Nahrung einführten, war das auch nicht so einfach. Er aß und ißt bis heute nur mit Ablenkung, und sitzen beim Essen ist auch so gut wie unmöglich. Maximal 3 Minuten bleibt er auf seinem Stuhl oder Schoß und dann hat er schon wieder andere Sachen im Kopf und ist weg.
 

 

Wie war es mit dem Einschlafen / Durchschlafen / allgemeine Schlafsituation?

Wir schlafen im Familienbett von Anfang an. Jedes kleine Geräusch stört ihn und er ist sofort wach! Einschlafen dauert in der Regel 1h +- und ich begleite ihn dabei. Papa hat es bisher vielleicht 10 mal geschafft T. im Bett zum Einschlafen zu bringen. Als Baby hat er auch gern tagsüber im Kinderwagen geschlafen, aber nur bei absoluter Ruhe. Jedes vorbeifahrende Auto war mir ein Dorn im Auge aus Angst das er wach wird.
 

 

Wie beurteilst du die Laune deines Babys? Gab es ein bestimmtes Temperament, das du erkennen konntest? Wie verhielt es sich zu anderen Menschen? Wer waren die engsten Bezugspersonen

Der Würchel hat große Probleme mit "fremden" Menschen. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass es hauptsächlich alte Menschen sind, aber auch Brillen- und Hutträger. Er fängt sofort an zu schreien, wenn er solchen begegnet... (z.B. beim einkaufen) und wenn er dann auch noch angesprochen wird, ist es ganz vorbei! In solchen Momenten kann ich ihn einfach nur im Arm halten und aus der Situation fliehen.
 
Auf deutsch gesagt: er hasst Menschen! ;)
 
Das Schlimme ist, dass dies niemand verstehen kann und selbst ich einige Zeit brauchte, um zu realisieren was mit ihm los ist. Was in diesem kleinen Köpfchen vorgeht möchte ich oft zu gern wissen. ...
 
 

Kannst du zum Thema Sensibilität / schnelle Überreizbarkeit etwas sagen? Inwieweit würdest du dein Baby als (hoch)sensibel beschreiben?  War dein Baby schnell „am Limit“ wenn du etwas mit ihm unternommen hast, Besuch da war usw.?

Ich würde mein Kind als hochsensibel bezeichnen. Zudem ist er sehr geräuschempfindlich und äußerst schreckhaft. Ich weiß noch als ich mal niesen musste (da war er ein paar Monate), er hatte sich so dermaßen erschrocken und konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Es tat mir so leid.... Er hört wirklich Stecknadeln fallen und nimmt einfach alles überdimensional wahr.
 
Besuch geht leider fast gar nicht und wenn dann max. 2 Personen, die er auch kennen sollte. Wobei es im Freien gar nicht so problematisch ist, aber geschlossene Räume und vor allem unser Zuhause sind da ein totales no go. "Eindringlinge" in sein schützendes Heim werden sozusagen nur schwer geduldet.
 
 

Wie hat dein Umfeld auf dein Baby reagiert?

Viele Menschen können nicht verstehen, wie er sich manchmal verhält. Ich hasse diese blöden Kommentare wie zb. "Was hat er denn? Ist er krank? Lass ihn einfach mal schreien!" usw... Ich sage dazu schon lange nichts mehr, mir ist egal was andere Leute denken. Ich möchte ihn einfach nur so lassen wie er ist!
 
 

Wo bist du an deine Grenzen gestoßen? Was hat dir den größten Stress  bereitet? Was waren deine Strategien, gut über den Tag zu kommen?

Strategien? Habe ich keine... In schlimmen Phasen habe ich einfach nur sehnlichst darauf gewartet, dass mein Freund Feierabend hat, nach Hause kommt und ihn übernimmt! Ich habe oft geweint, weil ich nicht wusste, was ich falsch mache, oder wie ich Dinge ändern kann, die ihn stören. Aber oft wusste ich gar nicht, was er für Probleme hat... Er war einfach immer nur unzufrieden. Ich habe mir in solchen Momenten immer versucht, vor Augen zu halten, dass wir so froh sein können ihn zu haben, dass wir nicht hungern müssen, und wir alle gesund sind - denn das ist es was wirklich zählt!
 
Nun ist unser Würchel bereits fast 2 Jahre bei uns und ich möchte keine Sekunde missen. Wir alle lieben ihn abgöttisch und ich habe das Gefühl es wird alles besser umso älter er wird. Wir versuchen auf alle seine Bedürfnisse einzugehen und lassen ihn weitestgehend selbst entscheiden. Ich freue mich ihm weiter beim Großwerden zuzuschauen! :)
Mit Kindern an der Armutsgrenze - wenn der Lebensr...
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