Miri und ihr Steinzeit - Kind

Als Erstes möchte ich schreiben, wie sehr ich mich über den Blog 2KindChaos freue und wie sehr ich den Autoren, allen voran Frida und Mo, dankbar bin. Ihr schreibt mir zu 99% aus der Seele und es hält mich seit Monaten bei der Stange.
 
 
Quelle: privat
 

 

Mein Name ist Miri, ich befinde mich am Ende meines Studiums und habe mit meinem arbeitenden Mann ein 15 Monate altes Söhnchen namens Wusel.

Es hatte nach einer schwierigen Geburt (mit Saugglocke wegen Sauerstoffmangel) einen schlechten Start (obwohl wir am nächsten Tag nach Hause durften und das Stillen gut klappte), war ein Schreibaby, egal was wir versucht haben. Ich habe keine Sekunde gezögert, ihn von Anfang an mit ins Familienbett zu nehmen, auch wenn er ein pflegeleichtes Kind gewesen wäre. Er trank wunderbar an der Brust und holte sein leichtes Gewicht sehr schnell raus, gern auch mit Dauernuckeln. Wir trugen ihn viel im Tragetuch, die einzige Möglichkeit, ihn tagsüber in den Schlaf zu bekommen.
 
Jeder einzelne 30-Minuten-Schlaf war hart erkämpft gegen Schreien und Winden, mit schnellem Schritt, Hopsen, Schuckeln und möglichst ohne ein Geräusch in der Nähe und während des gesamten Schlafes. Sein Tag-Nacht-Rhythmus war total verschoben. Wenn er 16 Uhr erschöpft vom Geschrei endlich an der Brust in den Nachtschlaf erlöst wurde, endete die Nacht (im gesamten ersten halben Jahr) wirklich ausnahmslos jeden Morgen zwischen 3 und 4 Uhr. Danach wurde er wieder schnell müde und Schlaf ging wieder nur im Tuch.
 
Ein halbes Jahr danach nahm er eine Verschiebung Stück für Stück an und verlegte die Nacht in moderatere Zeiten, blieb natürlich eine Lerche. In der Schreizeit, die ersten 12 Wochen, füllte er oft 10 Windeln am Tag mit Stuhl. Die dritte Osteopathin, die wir aufsuchten, eine Empfehlung der lieben Schreiambulanzschwester, brachte seinen Körper wieder zu sich, und er hörte binnen Tagen auf zu schreien und musste sich nicht mehr so oft am Tag mit seinem Bauch quälen.
 
 

Schnell nach der Geburt hatte mein kleiner Wusel einen wachen Blick, sog Eindrücke fasziniert auf, überlud sich und musste weinen.

Auch war ihm sehr wichtig, schnell eigene Mobilität zu erlangen, was die Unzufriedenheit aus Schreibabytagen deutlich verbesserte. Sitzen, krabbeln, auf Knien gehen und die Hände frei haben, schließlich laufen, alles ging schnell. Pekip hat ihm Spaß gemacht, auch schon ab 2,5 Monaten. Immer in Bewegung, niemals der Schwerkraft folgend den Kopf ablegen, wenn er mal wieder versuchsweise in den Kinderwagen gelegt wurde, weil ich mal wieder krank war, der Mann arbeitete und ich nicht tragen wollte... Geschrei! Er ging nie in dieses blöde Ding und erst jetzt, hin und wieder, kurz, im wachen Zustand, wenn man schnell fährt, aber bloß nicht schlafen. Tragen!
 
Seit Geburt an war er sehr an anderen Kindern interessiert, und es harmonisierte uns mehr, ein bis zwei Treffen mit anderen Mamas im Babyjahr in unseren Tag zu bauen, als allein zu Hause zu bleiben. Später besuchten wir Spielplätze, meist zweimal täglich, und trafen uns oft dort. Dadurch fingen wir uns allerdings zig Infekte ein, welche ich durch meinen Schlafmangel leider auch nicht gut bekämpfen konnte, und jedes Mal mit erkrankte. Ich kann die Schnupfen im ersten Jahr nicht mehr zählen, die vielen Fiebertage mit bis zu 40 Grad, vier Mal Magen-Darm in einem Jahr... Aber das Schlimmste waren die beiden Nierenbeckenentzündungen, für die wir ins Krankenhaus mussten. Einmal 4 Tage, einmal zwei Wochen intravenöse Antibiotikatherapie und Schlaf mit Wusel auf der 70cm breiten Elternmatratze bei ständigem Gerätepiepen und fast täglich neuem Stechen, weil der Zugang wieder zu war, trotz permanenter Infusion. Diese Erlebnisse müssen wir noch aufarbeiten.
 

 

Die Besonderheit, dass er beim kleinsten Geräusch erwacht, besteht bis heute.

Wir schleichen durch die Wohnung, mit Trage weiche ich jedem Bekannten aus, komme immer richtig ins Schwitzen in der Zeit, wenn die blöden Laubbläser wieder unterwegs sind. Innerlich bekomme ich Wutanfälle, wenn ich Ratschläge höre wie: wenn die Kinder von Anfang an nicht in Stille schlafen sind sie dran gewöhnt und wachen nicht auf. Wusel war von Geburt an hellhörig, und es liegt nicht immer alles an Fehlern der unerfahrenen Erstlingseltern. Manche Kinder sind einfach so!
 
Immer noch sind die Schläfe sehr erkämpft, auch wenn ich mich inzwischen nach dem Einschlafstillen aus dem Bett schleichen kann, wenn er schläft. Sonst habe ich, auch mangels Nachtschlaf, immer komplett Nachtruhe gehalten mit ihm. Auch heute, mit 15 Monaten, vergeht keine Nacht, in der er sich nicht gern mal stündlich zurück in den Schlaf nuckelt. Oft propellert er sich alle 10 Minuten durch das große Familienbett. Immer in Bewegung - auch nachts! Da kommt wieder ein Schnupfen, der Zahn drückt, es wird sprechen gelernt ... Es findet sich immer ein Grund für Unruhe, Dauernuckelbedürfnis oder nächtliches Weinen.
 
 

Wusel ist ein Mamakind.

Das ganze erste Jahr stand Mama ganz oben auf der Liste und der Papa hatte es oft sehr schwer, wenngleich er es immer wieder geduldigst probierte. Ich konnte keinen Happen in Ruhe essen, ohne dass er nach mir rief, und die Situation ließ sich nicht durch bloße Anwesenheit auf meinem Schoß lösen! Auch Tragen war oft mein Job, mein Beckenboden hat sich nicht wirklich erholen können. Zu anderen Personen, über den Papa hinaus, hatte er lange Zeit keinen Bezug. Bis vor ein paar Wochen war er nie ohne einen seiner Eltern allein, was mir jedoch völlig normal vorkommt, wie bei den meisten Kindern.
 
Ältere Menschen waren seit Geburt überhaupt nicht sein Ding. Die kommen immer direkt auf ihn zu ohne Warmwerden, wackeln am Beinchen, knuffen irgendwo rein, reden laut auf ihn ein und so künstlich... Eher gehen noch andere Eltern von Kindern, die auch noch nicht so alt sind und wissen, „wie man in seinem Alter tickt“. Seit ein paar Monaten wird es lockerer, leichter. Die Großeltern werden auch mal angelächelt, wenn wir dabei sind und auch mal ein Spaß gemacht, vorher eher Geschrei und Klammern ohne Ende.
 
 

Durch die Eingewöhnung mit 14 Monaten bei der Tagesmutter (seit ein paar Wochen) eröffnen sich ihm gerade neue Horizonte.

Er liebt andere Kinder und ist nicht ängstlich und nicht sensibler als andere. Schnell hat er Vertrauen zur Tagesmutter geknüpft, auch wenn er bei jeder Trennung noch deutlich macht, dass er es vorziehen würde mit den anderen zu spielen, wenn ich mit in der Nähe bleibe. Er lässt sich aber binnen Sekunden trösten, geht auf die anderen zu und verbringt nun seit ein paar Wochen den Vormittag dort. Schlafen und den Nachmittag verbringen muss er noch lange nicht woanders. Allein ein Vormittag mit so vielen Spielangeboten durch andere Kinder, der Geräuschkulisse und den ganzen Interaktionen reicht völlig und ist sehr anstrengend, wie ich selbst in der Eingewöhnung an mir gemerkt habe.
 
 

Als er vier Monate wurde, begann er sich deutlich für unser Essen zu interessieren.

Alles wurde gründlich belutscht, später bekaut und ausgespuckt. So geht es bis jetzt. Kalorisch bleibt Erwachsenennahrung einfach kein Stück in ihm, er häckselt alles liebend gern, will alles testen - und spuckt es wieder aus. Aber wenn er mit den anderen Kindern bei der Tagesmutter isst, schluckt er seit Beginn problemlos auch mal einiges herunter. Bis auf dauernd nachts stillen wir beide eigentlich sehr gern und es wird wohl noch eine Weile so gehen.
 

 

Wir Eltern haben unseren Wusel Tag für Tag kennengelernt, schnell gemerkt, was ihm wichtig ist und dass er sehr genau weiß, was er will und was nicht.

Annehmen war immer der intuitiv beste Weg für uns. Er ist vor allem durch seine autonome Mobilität zu einem fröhlichen, offenen, herzlichen Kind geworden, auf das wir sehr stolz sind. Natürlich verlangt diese ausgeglichene Stimmung auch eine ausgeprägte elterliche Moderation (Kümmern um Schlaf, genau hinschauen, braucht er eine Pause ? Bewegung? Freiheit? Nähe? Autonomie? Was ist im Moment das Problem?). Es bedeutete und bedeutet nach wie vor mehr Aufwand für uns Eltern, als für andere um uns herum. Zum Glück haben wir zwei enge Kontakte mit ebenfalls nicht pflegeleichten Kindern.
 
Trotzdem bleiben bei mir immer noch oft Gedanke wie: Ich hätte gern eine Art Belohnung für die Extrastrapazen, für die Nächte, in denen ich nichts anderes mache, als minutenweise um Schlaf zu kämpfen, wo eigentlich Entspannung und Nähe von selbst zu Schlaf führt. Oder eine Erklärung für den Extraaufwand, in die Richtung: mein Kind muss mit seinen besonderen Fähigkeiten fertig werden. Aber das glaube ich nicht. Ich halte meinen Sohn schon immer für einen ganz normalen, tollen Jungen. Es gibt nichts, was es rechtfertigt/erklärt/aufwiegt. Er ist sicher gebunden wie so manches pflegeleichte Kind auch. Nicht mehr. Seine Eltern zu sein bedeutet einfach bis an die Grenzen zu gehen und täglich darüber hinaus.
 
Trotzdem spüre ich neben der absolut tiefen Liebe und Verbundenheit jederzeit diese magische Begeisterung für ihn. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, jemals ein Geschwisterchen von ihm so sehr zu lieben wie ihn. Er erfüllt sein steinzeitliches Erbe ausgezeichnet - je mehr Aufwand die Mutter in das Kind stecken muss, desto mehr hängt ihr Herz an ihm.
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