Mo steht auf Assi - Slang und auf Nutellabrot mit Banane. Ansonsten ist sie Inhaberin der Schwarzen - Humor - Platincard, denn sie hat seit der Geburt ihrer ersten Tochter Maple (4) so richtig das volle Programm mit Schreikind und intoleranter Umwelt. Verheiratet ist sie mit dem Weltbesten Ehemann Karl Rotten und außerdem ist da noch Coco (2), geboren im Zeichen des Glückskeks. Mo twittert übrigens leidenschaftlich gern.

Momente festhalten mit den Fotobüchern von Kleine Prints (Anzeige)

kleineprints1
Rezensionsexemplar
Momente des Glücks. Auf Fotos festgehalten, gerne auch in Fotobüchern. Damit die in Kinderhände können, ohne nachher so auszusehen wie unsere, stelle ich Euch ein echt tolles Produkt vor: ein Fotobuch für Kinder.
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Mos Flauschwelt – Meine Kritik an Eurer Kritik

flauschwelt
Ihr habt eine Lanze für den Jungen mit dem derben Spruch gebrochen und gesagt: Moooment, so schnell entstehen keine schlechten Väter. Wollt Ihr eine Antwort? Dann lest weiter.
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Impulsgebloggt: Rant auf Rücksichtslosigkeit

unglueckliches_kind
Ich rante über Kinder. Ja, das ist scheiße. Ich korrigiere: Ich rante über Eltern, die ihren Kindern offenbar vermitteln, dass man auf seinen Mitmenschen ruhig rücksichtslos herumtrampeln darf.
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Kinder ernst nehmen

Kinder ernst nehmen
Eine kleine Lektion im Kinder ernst nehmen für mich. Für die einen so einfach, für andere ein Fall von „Stell dich nicht so an“. Ich entscheide mich für ersteres.
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Meine Eltern können mir gestohlen bleiben

Meine Eltern können mir gestohlen bleiben
Geht es Euch auch so, dass Ihr den Mist, den Ihr als Kind erlebt habt, funktional und zuverlässig verdrängt hattet? Und kaum ist man schwanger oder bekommt Kinder, spätestens dann, trifft einen das sorgsam Verdrängte mit voller Wucht. Hier erzähle ich Euch, warum ich den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen habe.

 
 
Solche Bilder kann ich kaum aushalten: ich in den Armen meines Vaters
 
 
 
Dieser Beitrag ist Bestandteil der Blogparade, den Tante Emma auf ihrem Blog Gemischtwarenladen zum Thema gestartet hat. Meine Therapeutin hält das für eine überaus gute Idee. Und ich auch.
 
Puh. Ein glückserfüllter Tag liegt hinter mir, und ich bin nicht sicher, ob ich ihn mir versauen will. Andererseits brauche ich vielleicht genau die Kraft, die ich gerade habe, um das überhaupt anzugehen. Die Beziehung zu meinen Eltern. Schon allein, diese Worte zu schreiben, mit den Assoziationen an die konkreten Personen, ist für mich, wie in eine Kiste voller Würmer zu greifen. Mehr Aversion geht fast nicht. Und es sind – meine Eltern. Wie konnte das passieren?

 

Rückblick: Frieden geschlossen

Vor ein paar Jahren war noch „alles gut“. Meine Mutter ist ein Fall für sich. Ihre eingebildete Unabhängigkeit steht im krassen Kontrast zum faktischen Gegenteil, und ich ertrage das alles nur mit jemandem an meiner Seite und einer guten Portion Humor, den ich allein nicht aufbringe. Mein Vater war in meiner Kindheit ein unfassbar autoritäres Arschloch, den ich hasste und vor dem ich Angst hatte. Später gelang es uns, mit viel Distanz auf schriftlichem Weg auf der intellektuellen Ebene eine sonderbare Art von Nähe herzustellen, während ich mich von meiner Mutter immer weiter entfernte. Es gab überhaupt keine Basis.
 
Es gelang mir, meine von außen betrachtet behütete Kindheit und Jugend mit ordentlichem Elternhaus zu verdrängen und die Treffen mit meinen Eltern, besonders zu Weihnachten, als friedlich und geborgen zu erleben. Ungeachtet der Tatsache, dass meine Eltern es schafften, jedes zarte Pflänzchen eines aufkeimenden Selbstvertrauens nachhaltig niederzutrampeln. Sie pflanzten stattdessen in mir die bis heute wirksamen Botschaften „Du bist falsch so, wie Du bist – sei anders!“ und „Du bist nicht ernst zu nehmen!“ Rückblickend weiß ich, dass ich mich dabei vor allem davon leiten ließ, ihnen zu gefallen (vielleicht eine ungestillte Sehnsucht). Was andere über einen denken – auch das ist einer der wichtigsten Dinge, die mich meine Kindheit und Jugend gelehrt hatte. Solange ich in diesem Schema blieb, funktionierte das System.
 

 

Wenn Erwartungen enttäuscht werden

Dann wurde ich schwanger, und diese Schwangerschaft war ganz anders, als meine Eltern sich das vorgestellt hatten. Und das konnte doch nicht sein. Es ging mir gesundheitlich so schlecht wie noch nie in meinem Leben. Auch danach ging es mir körperlich nie wieder so mies. Ich litt unter Hyperemesis gravidarum, unterstrichen und mit Ausrufezeichen laut Mutterpass, und alles, einfach alles, war undenkbar. Es war beispielsweise unmöglich, zu meinem Gynäkologen zu kommen, um mich krankschreiben zu lassen. Ich wusste nicht einmal, wie ich vom Schlafzimmer in die Küche kommen sollte. Beim kleinsten Wimpernschlag (und das meine ich nicht bildlich) wurde die allgegenwärtige, alles bestimmende Übelkeit so übermächtig, dass ich keine Worte dafür finde. Meine Mutter kam eines Tages, um mich zum Arzt zu begleiten (einer der erfolglosen damaligen Versuche: Infusionen). Unter Aufwendung all meiner Kräfte versuchte ich, mich fortzubewegen, ohne irgend etwas an mir zu bewegen. Im Fahrstuhl hockte ich mich hin. Andere Menschen stiegen zu, und meine Mutter starb fast vor Scham. Sie schämte sich so sehr für mich, machte verlegene Witze über mich, weil sie den Gedanke, was wohl die Leute denken könnten, kaum aushalten konnte.
 
Sie ermahnte mich, mich im Ton zu mäßigen. Sie sagte, das könne doch alles gar nicht sein. Die Schwangerschaft sei doch eine Zeit der Freude. „Das ist doch alles eine Kopfsache.“
 
Von solchen Situationen gab es unzählige. Ich war maximal verletzbar. Ich lag physisch und psychisch am Boden, und meine Eltern schlugen zu, vor allem meine Mutter.
 
Ich bekam Alpträume, immer wieder dieselbe Situation. Ich fuhr im Auto, meine Mutter neben mir, ich verlor in der Wüste die Kontrolle über den Wagen, denn egal, wie ich lenkte, das Auto fuhr, wohin es wollte, es gab keine Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern. Meine Mutter schrie mich im Traum die ganze Zeit an, ich solle doch lenken, verdammt! Und ich lenkte und lenkte, ohne irgendeine Wirkung. Ohnmacht. Ohnmacht, das bestimmende Gefühl unserer „Beziehung“. Und alles kam wieder hoch.
 

 

Das Urtrauma

All die Situationen in meiner Kindheit, in der ich, völlig unterlegen, versuchte, mein Handeln zu begründen, und keine Chance dazu bekam. Nur das drohende Gesicht meines Vaters ganz nah vor meinem, der schrie: „Haben wir uns verstanden?!“ und die erhobene Hand, zum Schlag auf den Hinterkopf bereit. Ich, die ich tränenüberströmt und panisch vor Angst ansetze zu erklären: „Ich wollte -“, Schlag auf den Hinterkopf, mein Vater: „HABEN WIR UNS VERSTANDEN?!“ und ich, verängstigt und weinend, noch ein Versuch: „Ich wollte ...“ Nächster Schlag. „OB WIR UNS VERSTANDEN HABEN?!“ Eine andere Antwort als ein blind gehorsames, kleinlautes „ja“ war nicht erlaubt. Es war das Einzige, was weitere schmerzende und entwürdigende Schläge verhindern konnte. Das Schlimmste daran war die Ungerechtigkeit, die Ohnmacht. Die Unmöglichkeit zu erklären. Gezwungen zu sein, sich selbst zu verleugnen. Nicht die Wahrheit sagen zu können, etwas sagen zu müssen gegen jede Überzeugung und Wahrheit. Das einzige, was mir, unterlegen und entwürdigt, blieb, war, die Zimmertür zuzuknallen, was ich natürlich umgehend bitterlich bereute.
 
Das war die eine Seite. Das war mein Vater.
 

 

Du bist falsch“

Meine Mutter war nicht gewalttätig. Aber sie hat sich auch nicht vor uns gestellt. Und das oben beschriebene Verhalten meines Vaters gab es ebenso, wenn mein Bruder bei der Klavierstunde zu Hause (mein Vater brachte ihm auf die ihm eigene pädagogische Weise Klavierspielen bei) „nicht gut genug geübt“ hatte und sich beim Vorspielen verspielte, die falschen Tasten traf, zu schlecht spielte. Zack, Schlag auf den Hinterkopf. Nochmal. Wieder nicht geklappt? Zack, Schlag auf den Hinterkopf. Natürlich kann man unter solcher Behandlung sein Können am besten unter Beweis stellen. Nicht. Meine Mutter ließ ihn gewähren, mit allem. Auch mit Verhauen, wenn wir wirklich etwas angestellt hatten, etwas kaputt gemacht hatten oder so. Von den milderen Entwürdigungen wie „Stell dich in die Ecke und schäm dich“ (was auch genau so umzusetzen war) mal gar nicht zu reden.

Und, was meine Mutter auch sehr gut konnte, war, deutlich zu zeigen, wenn wir nicht ihren Erwartungen entsprachen, besonders ich, das Mädchen.
 
1. Meine Mutter wollte eine Tochter, die raus ging, auf Bäume kletterte, vor Mut strotzte, sich dreckig machte, robust war. Leider war ich das nicht. Mit 14 schrieb ich mein erstes kleines Buch, was meine ganze Klasse las. Ich malte, ich zeichnete, ich las viel und schrieb viel und tanzte und sang für mein Leben gern. Kommentar: „Immer bist Du nur drinnen und bist am Lesen oder am Schreiben. Geh doch mal raus, auf Bäume klettern!“
 
Ich war in einer Musikgruppe, wo wir unter anderem ein Musical aufführten, Tabaluga oder die Reise zur Vernunft. Wir hatten auch tolle Kostüme und tanzten. Ich LIEBTE es, ich blühte auf, ich gab alles. Und ich war gut. Ein anderes, superbegabtes Mädchen dort, hatte Eltern, die zu jedem Auftritt in der ersten Reihe standen vor Stolz auf ihre Tochter platzten. Meine Eltern kamen nicht.
 
2. Ich hatte nicht die Sanduhr-Figur wie meine Freundin, sondern ironischerweise die Figur meiner Mutter geerbt: eher gerade, schmale Hüften, lange Beine, keine Taille. Als wir mal zusammen Anziehsachen kaufen wollten (ich mochte immer schon extrovertierte Sachen, knallige Farben, viel Schwarz, sehr kurze Röcke etc., wohingegen sie den Modestil „Kannste nix mit falsch machen“ favorisierte – möglichst wenig anecken), sagte sie nach reiflicher Überlegung: „Das sieht ALLES nicht aus an Dir, das steht Dir alles nicht. Bei Dir stimmen die Proportionen einfach nicht.“
 
3. Meine Mutter hatte sich selbst sehr früh gebunden, Kinder bekommen und dafür ihren Traumberuf aufgegeben. Sie vermittelte mir in ihren Bewertungen, Warnungen, Vorhaltungen und mit ihrem Verhalten, dass ich möglichst alles anders machen sollte. Aber das tat ich nicht. Ich verliebe mich schnell und heftig. Ich lebe in engen, symbiotischen Paarbeziehungen auf und werde zur besten Version meiner selbst. Ich tue Dinge aus Leidenschaft und Überzeugung, nicht aus Vernunft. Und alle, in ihren Augen unvernünftigen, Bauchentscheidungen, die ich getroffen habe, stellten sich als richtig heraus und waren Türöffner für weitere wichtige Schritte in meinem Leben. Sogenannte Vernunftentscheidungen entpuppten sich oft als Sackgasse.
 
Bereits mit 14 liebte ich heftig und echt, kämpfte um einen Jungen, der sich nach wenigen Tagen Glück doch gegen mich entschied. Meine Welt brach zusammen. Ich saß im Hochhaus auf dem Fensterbrett in meinem Zimmer. Ich hatte ihm versprochen, ihn anzurufen, wenn ich jemals solche Gedanken hätte. Ich rief ihn an, sagte meiner Mutter, ich wolle nicht gestört werden, legte „Bist Du taub“ von Grönemeyer in Dauerschleife ein, setzte mich aufs Fensterbrett, Beine nach draußen, den Sprung vor Augen, und weinte und weinte und weinte. Er kam. Er war durch die ganze Stadt mit dem Fahrrad gerast und fix und fertig. Denn er hielt, was er versprach. Es war ihm nicht egal, wie ich mich fühlte. Ich glaube, diese Erfahrung war ein Schlüsselerlebnis für mich, auch wenn ich nach wie vor natürlich furchtbar traurig war. E r k a m. Meine Mutter öffnete ihm meine Zimmertür, sah mich da auf dem Fensgterbrett sitzen, und ihr einziger Kommentar war: „Du guckst zu viel Fernsehen!“ und schickte ihn weg.

 

Der Schwur an meine ungeborenen Kinder

All diese ganzen sorgfältig verdrängten Erinnerungen kamen wieder hoch, als meine Mutter in meiner ersten Schwangerschaft, ich darf sagen: Horrorschwangerschaft, diese Ohnmacht wieder erzeugte.
 
Ich wusste: Ich wollte ALLES anders machen. Ich wusste, ich WÜRDE alles anders machen, egal, was es mich kosten würde (aber so weit habe ich damals noch nicht gedacht). Ich schwor mir, ich würde meine Kinder ernst nehmen, egal wie klein sie waren. Ich schwor mir, ihnen positives Feedback zu geben und sie zu selbstbewussten Kindern zu machen. Ich wollte, dass sie ein positives Selbstbild haben. Dass sie Selbstwert haben, unabhängig von irgendwelchem Können oder Eigenschaften.
 
Und gleichzeitig stieg meine Verachtung für meine Eltern ins Unermessliche. Ich verlor jeden Respekt vor ihnen. Sie hatten, Startbedingungen hin oder her, gründlich versagt. Alles in mir trauerte um mich, über das, was sie mir angetan hatten. Und da sie selbst der Meinung sind, sie hätten ihren Job ganz gut gemacht, hatte ich keine Basis mehr. Keinen Respekt mehr, keine Achtung. Wenn ich mich mit ihnen traf, dann nie, weil ich es schön fand, sondern um ihnen einen Gefallen zu tun, um Erwartungen und Konventionen zu erfüllen. Und ich hatte immer dieses Gefühl: „Kannste doch nicht bringen, sind ja deine Eltern.“ Ich konnte sie nicht so krass enttäuschen. Eine Freundin meinte mal: Vielleicht, weil ich selbst so oft enttäuscht worden war? Weil ich weiß, wie sich das anfühlt?
 
Aber ich brauchte lange, um den Schritt zu gehen, sie aus meinem Leben zu entlassen. Ich tat das, weil ich mich von allen Menschen, die mir nicht gut tun, oder ja mehr noch, die mir schaden, verabschieden will. Ich habe lange und viel echt Heftiges ertragen in einer Zeit, in der ich sämtliche verfügbaren Kräfte, und die mit 1.000 multipliziert, brauchte, um durchzuhalten.
 
Da war erst die Schwangerschaft. Dann kam der Horror mit Maple, die ein neun Monate langes Martyrium hinter sich bringen musste, anders ist das nicht zu nennen. Weil sie, kaum geboren, unvorstellbare Schmerzen hatte, die kein Kinderarzt und keine Kinderärztin ernst nahm. Weil sie keine Ahnung hatten und weil es doch nichts geben kann, was sie nicht kennen. Erst nach endlosen 6 Monaten fanden wir nach Recherche jeder einzelnen Seite des weltweiten Internets, so kommt es mir vor, über Umwege und Zufälle einen Kinderarzt, Dr. Rüdiger Posth R. I. P., der uns glaubte, der wusste, was sie hatte, und der versuchte zu helfen (aber es war längst viel zu eskaliert) und der vor allem mit Maple mitfühlte, und auch mit uns.
 
Nach neun Monaten war es vorbei – aber dass es ein Ende haben würde und wann, das wussten wir ja nicht. Wir hatten alles, wirklich alles versucht, und alles blieb ohne Wirkung. Es war schlicht perspektivlos und dabei unaushaltbar. Diese Kombination ist tödlich.
 
Angesichts der Aussichtslosigkeit der Situation, jeglicher fehlenden Perspektive, dass es jemals aufhören würde, einer unbeschreiblichen körperlichen Anstrengung ohne Pause und der seelischen Höllenqual, täglich von morgens bis abends in das Hilfe suchende, schmerzverzerrte, brüllende Gesicht meines Säuglings schauen zu müssen, konnte ich nicht mehr. Es ist mehr, als man aushalten kann, und ganz ehrlich, seitdem verstehe ich, dass Menschen, die ansehen müssen, wie ihre Kinder gefoltert werden, sehenden Auges Diktatoren unterstützen. Karl sagte in der Zeit einmal heulend: „Ich würde alles tun, ALLES! Ich würde auch die NPD wählen, wenn es dann aufhören würde.“ Ihr könnt Euch meine Verzweiflung vielleicht vorstellen, und ich stand zweimal sehr knapp vor dem Suizid. Ich überlegte nur noch, ob ich mit oder ohne Maple von der Brücke springen sollte. Einerseits würde ich sie ihres Lebens berauben. Aber andererseits konnte ich doch mein Baby, das ich über alles liebte, das ich mehr liebte als mein Leben, nicht loslassen.
 
In diese Situation hinein, während dieser vielen Monate Horror, taten sich meine Eltern wieder mit ihrer Aussage „Das ist doch alles nur eine Kopfsache“ hervor. Auch sie glaubten uns nicht, dass es wirklich so schlimm sein sollte. Klar, Babys schreien schon mal. Sie bliesen ins selbe Horn wie die Ärzte. Das liege alles nur an uns unentspannten Eltern. Entspannte Eltern, entspannte Kinder, you know. Nur kurz, zur Aufklärung, Maples Darm war derart krank, dass die chronische Darmentzündung – untherapiert!! und ohne Schmerzmittel!!, die man uns verbot – nur noch als i-Tüpfelchen oben drauf kam.
 
Und meine Eltern fanden es ganz schön rücksichtslos von mir, nicht zu regelmäßigen Besuchen anzutanzen (sie könnten dann ja auch mal ein bisschen mit Maple im Kinderwagen spazieren gehen und uns entlasten. Ich lache im nächsten Jahrhundert über die Absurdität ihrer Vorstellung. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht). Allen gegenüber sei ich empathisch, nur meinen Eltern gegenüber nicht.
 

 

Erster Kontaktabbruch: im Affekt

Auch schriftlich ließ mich mein Vater wissen, meine Mutter hätte doch solche Sehnsucht nach dem Baby. (Ich versuchte derweil, nicht von der Brücke zu springen.) Ich hatte die Nacht nicht geschlafen, ich hatte weder gegessen noch getrunken, noch Zähne geputzt oder mich gewaschen oder angezogen. Aber gut, dass die Oma ihre Babysehnsucht stillen kann, war schließlich wichtiger als mein Leben! In einem letzten Akt der Verzweiflung packte ich im Nachthemd mein brüllendes Baby ins Auto, fuhr die halbe Stunde unter einem Gebrüll, als ginge es um Leben und Tod, zu meiner Mutter, drückte ihr den Maxi Cosi in die Hand und sagte: „Hier. Jetzt kannst Du Deine Sehnsucht stillen!“ und ging. Meine Mutter freute sich. Davon, wie es mir ging, bekam sie nichts mit. Gar nichts. Meinem Vater schrieb ich eine SMS, ich hätte Maple zum Sehnsucht stillen vorbeigebracht, es sei ja auch egal, ob ich davor oder danach von der Brücke springe. Eisiges Schweigen, das war natürlich eine Unverschämtheit von mir. Meine Therapeutin bezeichnete es später hingegen mal als unterlassene Hilfeleistung, dieses Schweigen.
 
Als ich eine halbe Stunde später wiederkam, klärte mich meine Mutter auf: „Die schreit nicht, die knöttert.“ Sie hatte Maple auf dem Arm und – haltet Euch fest – weigerte sich, sie mir zurückzugeben. Auch nicht nach mehrmaliger Aufforderung. Es war wie in vertauschten Rollen, absurdes Theater. Als sei ich das Kind, sei ungezogen gewesen und bekäme deshalb nicht, was ich wollte. Ich war fassungslos. Es war MEINE Tochter! Ich war ihre MUTTER! Und sie gab mir mein Kind nicht zurück! Irgendwann sagte ich: „Du gibst mir jetzt sofort mein Kind zurück, oder ich hole ein Messer!“. Da gab sie mir die brüllende Maple, und ich verließ die Wohnung, sagte noch, dass ich mich nicht mehr melden würde und auch sie es unterlassen sollten.
 
Das war Kontaktabbruch Nr. 1. Ich weiß schon nicht mehr, in welcher geistigen Umnachtung ich mich befunden haben muss, den Kontakt wieder aufzunehmen, aber es war sicher irgendwas in Form von „Meine armen Eltern vermissen doch das Enkelkind so“. Also ihnen zuliebe. Immer mit Scheißgefühl und immer mit „Verhalte Dich so, dass es ihnen eine Freude macht“.

 

Selbstreflexion? Fehlanzeige

Ich begann, das erste Buch von Posth zu lesen: Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen. Posth vertritt einen hochempathischen, beziehungsorientierten Erziehungsstil. Er hat vieles von dem, was Bindungsexperten predigen, anhand von bildgebenden Verfahren verifiziert, also neurowissenschaftlich unterlegt. Alles das, was mir die ganze Zeit über mein Mutterinstinkt gesagt hatte, stand da drin, von jemandem bewiesen, der einen Doktortitel hat. Und zwar nicht in Psychologie (das ist in den Augen meines Vaters sowieso alles Quatsch), sondern in Medizin. Ich dachte, endlich hab ich das Richtige, um meinen Eltern fundiert klarzumachen, wie falsch sie alles gemacht haben. Ich schickte ihnen das Buch als Lektüreempfehlung. Der Knaller: Sie fühlten sich in ihrem Handeln von früher bestätigt. Da komme ich immer noch nicht drüber. Aber es zeigt ungefähr das Reflexionsniveau meiner Eltern. Wobei das in Bezug auf meine Mutter schon zu viel der Ehre wäre, da ihre gängige Antwort auf handfeste Gegenargumente lautet: „Ich mein ja nur.“ Noch schlimmer ist aber eigentlich bei meinem Vater, der ein intellektuell nicht blöder, analytischer Mensch ist. Aber da versagt jede Reflexion.
 
Irgendwann kam dann Maples Übernachtung bei ihnen, da war sie zwei, und danach regredierte sie aufs Heftigste ins Säuglingsalter. Sie konnte einen Zustand ohne Körperkontakt, nein, ohne auf meinem Arm zu sein, nicht ertragen, schrie sofort panisch los. Mein Gynäkologe schrieb mich 3 Wochen krank, weil ich schlicht nicht arbeiten gehen konnte. Ihre geliebte Tagesmutter und selbst Karl als Bezugsperson waren über Nacht undenkbar geworden. Angeblich ist in dieser Nacht nichts vorgefallen. Aber unser damaliger Kinderarzt, Dr. Posth, leider inzwischen verstorben, der auch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Entwicklungspsychologe sehr ähnlich zu Renz-Polster war, sagte: „Irgendwas hat ihr Angst gemacht.“
 
Ab da sagten wir die übrigen sporadischen Treffen mit meinen Eltern unter irgendwelchen Vorwänden ab, denn es dauerte sowieso nur noch wenige Wochen bis zu Cocos Geburt. Und dann wollten wir erst mal Ruhe im Wochenbett.

 

Zweiter Kontaktabbruch: wohlüberlegt

Cocos Geburtsbedingungen und die sich anschließende Woche auf der Intensivstation waren traumatisch. Wieder dasselbe Muster von Ohmacht, Ungerechtigkeit und Leid des Neugeborenen mitansehen müssen, während man sich in einer Höhle von Löwen befindet, die einen nach Strich und Faden fertigzumachen versuchen und es auch schaffen. Wir kämpften wie die Irren, um endlich nach Hause zu kommen, denn wir wussten: Dann wird endlich alles gut. Nach einer gefühlt furchtbar langen Zeit und weiterer Verletzungen, die eine Traumatherapie nach sich zogen, hatten wir es geschafft und betraten endlich die heimische Wohnung. Ich heulte, heulte, heulte vor Erleichterung. SMS von meinen Eltern: Jetzt sei es aber nun endlich mal an der Zeit, dass die Großeltern Coco sehen dürften. Sie hätten lange genug gewartet. (Übrigens, auf der Intensivstation waren nur die Eltern des Babys und die Geschwister erlaubt). Von uns noch länger hingehalten zu werden, empfänden sie als eine Zumutung.
 
Ich kollabierte emotional fast. Wir erbaten uns ein paar Tage Zeit zum Ankommen. Und dann haben wir, nicht im Affekt, sondern nachdem wir die Entscheidung eine Woche lang gewälzt und zig mal drüber geschlafen hatten, beschlossen, dass wir bis auf Weiteres keinen Kontakt mehr zu ihnen haben wollen.
 
Maple hat nie, nicht ein einziges Mal, nach ihnen gefragt.
 
Ich habe das Bedürfnis, meine Kinder zu beschützen. Und auch mich selbst. Ich will für mich sorgen. Ich habe eine Verantwortung für meine Kinder und vor allem auch mir selbst gegenüber. Ich entscheide das. Und es ist die richtige Entscheidung, jeden Tag neu.
 
Zwei Schlussbemerkungen: Unser Leben mit Kindern ist ein High-Level-Leben, was viele Gründe hat. Es ist anstrengend. Ich brauche meine Ressourcen genau dafür. Ich habe keine Kraft übrig, um mich mit Hinkelsteinen zu beladen, die ich schleppen möchte, weil mir sonst langweilig würde. Ich erwarte ja gar nicht, dass sie mit ihrem Kind, mir, mitfühlen, wenn es mir schlecht geht, wie ich mit meinen Kindern mitfühle, wenn es ihnen schlecht geht. (Obwohl ich mich schon frage, warum das nicht so ist.) Aber eine Minimalbereitschaft zur kritischen Reflexion wäre in meinen Augen schon erforderlich, damit der Hinkelstein jemals zu einem Sandsack oder gar einem Ziegelstein schrumpfen könnte.
 
Zweitens: Das Argument mit der Generation. Auch in der Generation meiner Eltern konnte man sich (zumindest im Privaten!) gefahrlos gegen Konventionen und fürs eigene Gefühl entscheiden. Ich kenne auch einige, die solche Eltern hatten. Auch mein Gynäkologe ist gleich alt wie meine Eltern. Er las die damals gängige Literatur, die vorschrieb, wie man Kinder behandeln sollte. Er sagte mir: „Damals gab's ja gar nicht verschiedene Richtungen. Da haben alle dasselbe geschrieben. Nur – was nutzt mir das, wenn ich das nicht kann? Selbst wenn ich es geglaubt hätte – ich konnte es einfach nicht. Ich konnte meine Kinder nicht so behandeln.“
 
Es ist kein Naturgesetz.
 
Eure Mo
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