Mo steht auf Assi - Slang und auf Nutellabrot mit Banane. Ansonsten ist sie Inhaberin der Schwarzen - Humor - Platincard, denn sie hat seit der Geburt ihrer ersten Tochter Maple (4) so richtig das volle Programm mit Schreikind und intoleranter Umwelt. Verheiratet ist sie mit dem Weltbesten Ehemann Karl Rotten und außerdem ist da noch Coco (2), geboren im Zeichen des Glückskeks. Mo twittert übrigens leidenschaftlich gern.

Gegen die Geborgenheit.

Gegen die Geborgenheit.
Nach der Geburt ist es geschafft, und die Geburt ist der härteste Teil? Bei mir war bei beiden Kindern die Geburt der leichtere Teil. Nach meinen Krankenhauserfahrungen werde ich definitiv kein Kind mehr in einem Krankenhaus auf die Welt bringen. Aber lest selbst …
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How I miss you much, altes Leben

How I miss you much, altes Leben
Da ich ja bekannt bin als diese etwas überemotionale Mama, die sich für ihre Kinder immer wieder aufopfert, manchmal nicht in jeder Hinsicht klug, darf ich guten Gewissens sagen: Früher gab es ihn auch, diesen Flow. Zwar bin ich nicht mehr die Alte, die Vor-Kinder-Mo, und doch bin ich sie so sehr. Hab ich mich wiedergefunden oder macht es diese radikale-Akzeptable-Sache noch schwieriger?

 
 
Krimidinner Klingelschild
Hier hab ich mal einen Abend gewohnt.
 
 
 
Inspiriert zu diesem Text bin ich von Fridas Blogparade „So hab ich mich als Mama verändert“, aber dieser Text passt nicht rein. Inspiriert bin ich auch davon, dass gestern das Wort „Krimidinner“ fiel. Zack, angepiekst, mein altes Leben in einem einzigen Wort komprimiert.
 

Alles für den Moment

Denn was mir als Mama fehlt, ist nicht nur die Selbstbestimmung. Die natürlich auch. Was mir fehlt, ist dieses Alles-für-einen-Moment, und zwar für meinen, nicht für den der Kinder. Keine Kosten und Mühen scheuen, völlig irrational, einfach weil es schön ist. Als Mama hab ich eine Fähigkeit so was von optimiert, gezwungenermaßen, und das ist Optimieren. Wenn ich nicht ständig optimieren würde, würden wir bereits auf einer Müllhalde leben und ich könnte nur wenig Zeit mit meinen Kindern verbringen.
 
Ohne Optimieren schaffe ich es nicht, innerhalb von 5 Minuten die Spülmaschine auszuräumen, mit dem Kindergarten zu telefonieren, Wechselsachen zu packen und zu frühstücken.
 
Ohne Optimieren könnte ich eine Sache auf der Arbeit noch in Ruhe zu Ende machen, dann gehen und den nächsten Zug nehmen, statt am Ende doch wieder zur Straßenbahn zu rennen, um meine Kinder wenigstens noch beim Abendessen zu sehen.
 
Ohne Optimieren würde ich es an keinem Tag schaffen, trotz zu der Tageszeit tiefmittagsschlafmüder Coco Maple rechtzeitig vom Kindergarten abzuholen.
Und so weiter, Ihr kennt das alle.
 
Aber Krimidinner. Früher. Was haben wir für einen Aufwand betrieben, schönen Aufwand. Einfach für einen schönen Abend. Die improvisierten Kostüme. Die Umdekorierung der Wohnung. Kein elektrisches Licht. Da wurden Tische und Stühle aus dem Keller geschleppt, Klingelschilder ausgetauscht, themenbezogene Essen zubereitet, aufwändig gedeckt, passendes Geschirr zusammengeliehen, Schminktutorials studiert, Wortwahl und Aussprache gelernt. Da wurde sich wochenlang einfach vorgefreut, um einen ausschweifenden, einfach wunderbaren Abend zu haben und am nächsten Tag Muskelkater vor Lachen.
 
 

Karl: der Typ aus der Boygroup

Ich kenne zum Beispiel meinen Arbeitskollegen (hierarchisch ziemlich weit oben) als lüsternes Schneewittchen, als alternden Partylöwen, als braven Sohn einer Elitefamilie. Karl kenne ich etwa als strategisches tapferes Schneiderlein, als Mafiaboss, als Boygroupbestandteil oder als Zwerg. Menschen erst als prolligen Boxer und danach als Pater zu sehen, erst als Bordellbesitzerin und dann als schüchternes Zimmermädchen, erst als lispelnde Sprechstundenhilfe beim Schönheitschirurgen (von Körbchengröße A mittels 4 Push-Up-Bhs übereinander voll in die Rolle gefunden), dann als hinderhältig-intrigante Adlige … das macht einfach Spaß. Und die größte Selbstverständlichkeit, mit der alle spielen, als wären sie immer in dieser Rolle gewesen. I love it.
 
Gegessen haben wir von Kaviar über Hühnerbollen, Karotten und Kartoffeln mit den Händen, Köstlichkeiten aus dem alten Prag und Mulligatawny Soup des englischen Adels bis hin zu Fischstäbchen und Rahmspinat beim Piratendinner ungefähr alles.
 
Kaviar
Cracker mit Kaviar für die Youngster der Upper Class
 
Umzugskisten gepackt, das habe ich mit Baby (damals Maple, 4 Monate alt und zum Himmel schreiend geplagt) gemacht. Man kann vieles einhändig, sogar Eier trennen. Ihr macht das alle täglich (also vielleicht nicht das mit den Eiern). Aber was schlecht geht mit kleinen Kindern dabei, ist, sich voll und ganz in eine Sache fallen zu lassen, die Zeit zu vergessen, sich in Details zu verschwenden, immer und immer neue Ideen zu haben, ganz bei sich selbst zu sein. Nicht zu optimieren, einfach nur im Flow zu sein.
 
 

Vergiss es! Nicht?

Denn Kinder bedeuten immer Aufmerksamkeit. Kinder bedeuten fast immer multitasken. Da kann man höchsten zuvor geschriebene Listen abarbeiten, damit man nichts vergisst. Und dann hat es aber auch mit Freude und Flow nichts mehr zu tun.
 
Ein Krimidinner noch mal. Abends. Acht Personen, die alle am selben Tag können. (Allein das ist ja inzwischen ein Ding der Unmöglichkeit.) Alles für den Moment. Was würde ich darum geben. Hier stehen noch drei ungenutzte im Schrank: eines auf einer Yacht, eines zu einer Castingshow und eines im Irrenhaus.
 
Sollte ich diese Gedanken lieber ganz schnell vergessen? Wo ich doch gerade anfange anzukommen im Familienleben, und darin nicht nur glücklich zu sein, sondern auch zurechtzukommen, nicht mehr Respekt vor jedem Tag zu haben und den Anspruch, irgendwie ohne Überforderung den Tag zu überstehen? Vieles spricht dafür.
 
Aber ich ende mit einem Zitat von P.-T. Schulz:
 
Was ist schlimmer als nichts zu trinken?
Kein Durst.
 
Eure Mo
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Essen gehen mit Kindern: Wird nicht langweilig ...

Essen gehen mit Kindern: Wird nicht langweilig ...
Mo: Als Kinderlose spielte mir jemand ein Lied vor, in dem es darum ging, wie eine Familie essen geht. Ich fand es so irre lustig, weil da alles aufgesagt wurde, was angeblich so passiert. Es war total überzogen. Heute weiß ich: Das war gar nix oder zumindest sehr moderat. Meine Lieblingsstelle ist: „Und eine kleine fettige Pranke legt zärtlich mir ein Stück Thunfisch aufs Knie.“* Karl berichtet aus unserer Realität.
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Was wollt Ihr alle von mir? Gedanken zu meiner Eingewöhnung

Was wollt Ihr alle von mir? Gedanken zu meiner Eingewöhnung
Hallo, ich bin Coco, und ich bin 1. Also noch. Bald bin ich 2. Mama und Papa sagen „Schnips“ zu mir, weil ich im Grunde meines Herzens, ein schnipsiges Wesen bin. Seit heute kann ich „Maple“ sagen, das ist meine große, tolle Schwester, die ich sehr bewundere und lieb habe. 
 
 
 
 
Maple darf schon in den Kindergarten gehen, und da ist es toll. Da kann man sehr viel spielen, und immer ist Zeit zum Spielen. Wenn wir da ankommen, hau ich immer sofort ab in Maples Gruppe. Wenn wir Maple nachmittags aus dem Kindergarten abholen, sind die Kinder meist draußen. Ich renne sofort zum Spielhaus oder in den riesigen Sandkasten. Oder will balancieren. Und es ist viel Platz. Und die „Mamas“, die da arbeiten*, haben immer Zeit zum Spielen. Die müssen nie irgendwelche Sachen aufräumen, Wäsche waschen, kochen oder in ihre doofen tollen doofen Handys gucken. Aber im Kindergarten sind auch ganz schön viele Kinder, und es ist ganz schön laut. Manche Kinder spielen da mit mir wie mit einer Puppe. Das ist komisch, und ich mag das nicht. Wenn ich nicht will, das jemand etwas mit mir macht, sage ich „Nein!“. Das hat Mama mir beigebracht. Mama hat gesagt, ich brauche nicht zu schreien. Ich könne nein sagen, wenn ich etwas nicht möchte, dann versteht sie besser, was ich meine. 
 
*Arbeiten, das ist das, was macht, dass Papa nicht da ist. Oder Mama. Ich weiß nicht genau, was sie da machen, aber es ist doof, dass sie deswegen nicht da sind.
 

Karin? „Nein!“

Ich gehe jetzt mit Papa Mama morgens zu Karin spielen. Karin ist auch eine Mama. Und da ist Mickey. Mickey ist nur ein bisschen kleiner als ich und kann noch nicht sprechen, aber er kann gut spielen, vor allem mit Autos.
Ich will da aber nicht hin. Ich weiß nicht warum. Irgendwas ist da komisch. Maple hat früher auch bei Karin gespielt und erzählt immer, wie schön das war. Maple möchte auch mit zu Karin, wenn ich mit Mama da hin fahre. Das geht aber nicht. Mama hat gefragt, aber Karin sagt, nicht während der Eingewöhnung. 
 
Wenn wir zu Karins Haus fahren, sage ich „Nein!“. Wenn Mama sagt, wir gehen jetzt spielen, und sie sei dabei, sage ich „Nein!“. Wir gehen dann dahin, ich bin auf dem Arm, und ich darf den Klingelknopf alleine drücken, das mache ich nämlich super. Ich strahle. Die Tür geht auf, wir gehen in den Hausflur, sehen Karin, und ich sage „Nein!“. Ich bin auf Mamas Arm. Wir sehen Mickey, und ich freue mich. Ich sage: „Mickey!“. Wir ziehen Schuhe, Jacke und Mütze aus. Dann gehen wir ins Kinderzimmer.
 
Da steht die Parkgarage, auf der die Autos so schnell runtersausen können. Ich freu mich, ich will mit Mama da spielen. Wir spielen eine Weile. Dann sagt Mama, sie holt sich den Tee aus der Küche. Ich bin mit Karin und Mickey alleine. Ich rufe „Mama!“ -  Karin sagt, Mama holt sich nur den Tee aus der Küche. Ich laufe ihr hinterher. Mir ist das nicht geheuer. Mama hat die Teetasse schon in der Hand und kommt zurück. 
 
 

Meine Fortschritte ...

Ich spiele mit Mama und mit Mickey, und ich spüre, Karin passt irgendwas daran nicht. Ich glaube, sie möchte Mama lieber nicht dabei haben. Warum? Mama ist doch lieb. Mama hat coole Ideen. Am Freitag meinte Mama, vielleicht möchte ich ja mal das Licht hinter den Bildern im Flur, was ich so toll finde, anmachen. Ja!, hab ich gerufen. Mama meinte, dann solle ich mal Karin fragen, wie das geht, denn Mama wisse das nicht. Karin hat mich auf den Arm genommen, denn die Bilder hängen hoch, und hat mir den geheimen Schalter gezeigt. Ich hab das Licht angeknipst und das war toll. Beim anderen Bild auch. Karin und ich haben abgeklatscht und ich hab sie angestrahlt. Dann hat Karins Handy in der Küche gepiepst und wir sind gucken gegangen, ich auf Karins Arm. War aber nix. Ich durfte auf der Arbeitsplatte sitzen. Voll cool! Mama meinte im Flur, sie müsse mal kurz zum Auto (das steht gegenüber), hat sich die Schuhe angezogen und ist rausgelaufen. Ich glaube, es muss was Wichtiges gewesen sein, denn sie ist ganz schnell raus. Ich sah Mama gehen und hab natürlich geweint! Karin meinte, Mama geht nur schnell zum Auto und kommt sofort wieder und ob ich das Kaffeepulver reintun wolle. Au ja! Irgendwie hatte ich auf einmal sofort vergessen, dass Mama weg war. Kaum hatte ich ALLEINE das Kaffeepulver reingetan, klingelte es, und die Mama war wieder da. War aber wohl alles ok mit dem Auto. Hab dann weitergespielt, mit Karin und Mama und Mickey.
 
 

… und meine Grenzen

Irgendwann später meinte Mama, sie müsse mal kurz pieseln, und ob das OK sei. Da hab ich natürlich „Nein!“ gesagt. Das hat sie mir ja so beigebracht. Wenn ich was nicht will, nein sagen. Das hab ich bisher immer so gemacht. Wenn Mama mich gefragt hat, ob es ok ist, wenn sie mal kurz in die Küche oder so geht, hab ich immer nein gesagt. Natürlich! Spielen ist einfach schöner, wenn die Mama dabei ist, als wenn sie nicht dabei ist. Karin meinte, ich soll ruhig mitgehen. Und ich hätte das vorhin ganz toll gemacht.
 
Ich glaube, wenn die Mama mir sagt, sie geht jetzt mal nach draußen für zehn Minuten, und ich würde sehen, wie sie rausgeht, dann würde ich so sehr schreien und weinen, ich wüsste gar nicht wohin mit meinen Gefühlen. Ich wäre plötzlich ganz allein. Ich meine, natürlich wären Mickey und Karin da und zwei Hasen und zwei Sofas und drei Küchenstühle und die Spielsachen und so. Aber Ihr wisst schon: alleine. Mein „Nein!“ würde ja nicht reichen, denn „Nein!“ sage ich ja ständig. Was bedeutet eigentlich dieses „Nein heißt Nein“? 
 
Ich bin dann halt mitgegangen pieseln. Manchmal hab ich gespielt mit so total spannenden Sachen, und dann hab ich gemerkt, dass die Mama wohl rausgegangen war. Da hab ich „Mama!“ gerufen, so wie manche Leute ihren Hund rufen. Ich hatte keine Angst, ich wollte nur, dass sie wieder herkommt. Ich bin gucken gegangen, in welchem Zimmer sie ist, bin hingegangen, habe „Mit!“ gesagt, und Mama ist mitgekommen. Ich hab mich aber vorsichtshalber beim Laufen immer umgeguckt, ob sie auch wirklich mitkommt. Ich glaube, die Mama würde lieber mal im Wohnzimmer bleiben, aber das will ich nicht.

 

Schwierige Pause

Heute ist Montag, und am Wochenende waren zwei Tage, wo Papa UND Mama nicht arbeiten mussten, und wir haben schöne Sachen zusammen gemacht. Ich hatte schon fast vergessen, dass ich ja heute, am Montag, mit Mama zu Karin spielen gehe. Ich wollte nicht. Ich bin lieber nah bei Mama geblieben. Karin hat irgendwie genervt geguckt. Mama hat irgendwann gesagt, sie macht jetzt mal eine Spielpause und dass sie gerade keine Lust zum Spielen hat und dass ich ja mit Karin spielen könne. Mir ist das aber irgendwie nicht geheuer. Ich bin zu Mama gegangen und hab „Bru(s)t!“ gesagt. Mama hat mich gestillt, und das war schön. Danach bin ich zu Mickey spielen gegangen. Vorher hatte ich mehr so ein bisschen abseits bei Mama gesessen. 
 
Ich weiß auch nicht. Irgendwie ist es schön, mit Mickey zu spielen. Aber mich stört, dass Karin nicht will, dass Mama dabei ist. Und Mama möchte, dass es anders ist, das spüre ich auch. 
 
Heute hat Karin auf einmal ganz viele Plastik-Esssachen ausgepackt. Das ist mein Spezialgebiet. In meinem tollen Buch zu Hause mit den vielen Bildern kann ich auf der Seite mit Sachen aus dem Wald nix und auf der Ess-Seite alles. Ich hab bestimmt 10 Minuten mit den Esssachen gespielt, ohne die Mama zu vermissen. Die saß nämlich im Wohnzimmer, und das wusste ich. Ich bin dann ab und zu rüber gerannt und hab ihr erzählt, was ich spiele. Da hat Mama sich gefreut und ich bin wieder zurückgerannt und hab weitergespielt. Die Abstände wurden immer kürzer. Irgendwann war ich dann mehr bei Mama, die mir dann Sachen vorgeschlagen hat, die ich ja mal machen könnte. Ich bin dann immer rüber ins Kinderzimmer gerannt, hab das gemacht und bin zurück zu Mama gerannt.
 
 

Rückblick

Ich war ja schon mal bei Karin, vor einem Jahr. Da waren zwei größere Kinder. Aber da war mir das alles noch zu früh. Das haben Mama und Papa dann auch schnell verstanden.
 
Und dieses Mal haben Papa und ich neu gestartet. Das war vor vier Wochen. Im Vorfeld hatte ich ganz schön Stress. Wir haben Besuch bekommen und sind so viel rumgefahren, zu Freunden von Mama und Papa, mit dem Auto. Ich kenne auch die Kinder, und es ist auch schön, mit Kindern zu spielen, aber es ist auch anstrengend, vor allem, wenn die Kinder mächtiger sind als ich. Viele Erwachsene vertreten ja die Auffassung, dass Kinder solche Kräfteunterschiede untereinander ausmachen sollen. Ich wundere mich nur immer, dass im Fernsehen zum Beispiel nie ein Dorfverein gegen sagen wir mal Bayern München Fußball spielt. Da spielen immer nur die Starken gegen die Starken und die Schwächeren gegen die Schwächeren. Und es gibt einen Schiedsrichter, der aufpasst, dass es gerecht zugeht. 
 
 

Das Recht des Stärkeren ...

Aber bei Kindern ist das anders. Da hat der Fußballspieler von Hintertuxingen halt Pech gehabt, wenn er ständig unterlegen ist. Ich hab gehört, das Unterlegensein gehört dazu, und dass auch manchmal, so alle 10 Jahre mal, Profis gegen andere Profis 7:1 spielen. Ich hab aber noch von keinem Fußballspiel gehört, dass 53:0 ausging. Aber in meinem Leben ist das so. Und das ist anstrengend. Das ist für mich Psychostress pur.
 
Könnt Ihr nicht verstehen? Dann stellt Euch mal vor: Du willst morgens aus dem Haus gehen, da kommt jemand und nimmt Euch den Autoschlüssel weg. Einfach so. Weil er stärker ist. Dann müsst Ihr Euch den erst mal wiederholen. Bekommt Ihr natürlich nicht. Ihr müsst Euch von Eurem Ärger ablenken und dann noch eine andere Lösung ausdenken. Ihr geht zum Bus. Wollt einsteigen, da drückt Euch jemand von innen raus, sodass Ihr draußen stehen bleibt und der Bus weiterfährt. Von links kommt jemand und nimmt Euch Eure Tasche weg. So geht das den ganzen Tag. Findet Ihr das toll? Nein? Ich auch nicht. Aber ich kann ja nix Anderes machen als „Nein!“ rufen, weinen und bei Mama Schutz suchen. Das hab ich dann auch gemacht. Mama und Papa schwankten zwischen Irritation, wo ihr freches, selbstbewusstes Schnips geblieben ist, und einer leisen Ahnung. Den ganzen Tag „Nein!“ zu allem, schon wenn ich manche Kinder nur gesehen habe (weil ich wusste, was auf mich zukommt), den ganzen Tag immer wieder weinen und klammern.
 
Ich meine, ich will mich ja verteidigen, aber das ist schwer, wenn man immer die Schwächere ist. Und es ist verdammt frustrierend. Und soll ich Euch noch was sagen? Es ist sehr viel verlangt, wenn man dabei noch sein Selbstvertrauen aufrechterhalten soll. Und wollt Ihr noch was wissen? Das verrate ich Euch als Geheimnis: Um einer fremden Person Vertrauen zu schenken und die, die man über alles liebt und braucht, gehen zu lassen, dafür braucht man – richtig: Selbstvertrauen.
 
 

… war zu viel für mich

Ich hatte also schon sehr viel weggesteckt und sehr viel geleistet, als meine Eingewöhnung bei Karin begann. Aber die Zeit war eigentlich schön. Oder die ersten Tage waren schön. Papa war da, und es war alles toll, all die Sachen zu spielen und so. Papa blieb erst und ging dann auch mal weg, ohne mir Bescheid zu sagen. Ich hab dann gemerkt, dass Papa weg ist und hab nach ihm gefragt. Da meinte Karin, Papa kommt gleich wieder. Ach so, hab ich gedacht, na gut, dann spiel ich mal in der Zeit einfach weiter. Manchmal war ich auch ein bisschen traurig, dass Papa nicht da war, aber Karin hatte immer so tolle Ideen, und da hab ich das immer gleich wieder vergessen. Ich bin da auch im Buggy gefahren und irgendwie aus Versehen eingeschlafen. Das war eine schöne Zeit. Das war zwei Wochen lang. Mama und Papa wussten von Karin, dass immer alles gut war. Nachmittags, wenn ich zu Hause war, hab ich dann gezeigt, dass ich aber mehr einfach nicht leisten kann und dass meine Grenzen erreicht sind. Ich hab eigentlich weiterhin ständig „Nein!“ gerufen und „Mama!“ oder „Mama, Arm!“, was ungefähr dasselbe bedeutet. 
 
 

Traurige Erkenntnis    

Mama holte mich in der dritten Woche Montag mittags ab, ich war gut drauf, hab lecker gegessen und schön gespielt. Karin meinte, morgens sei es immer etwas schwierig, aber man könne mir das ja schon gut erklären, dass Papa arbeiten müsse. Dann würde ich, immer noch schluchzend „ja“ weinen und dann gehe es. Ja, da hab ich mich immer ganz doll zusammengerissen. Denn was sollte ich denn machen? Papa war weg. Und ich kann ihn mit dem Hörer an der Spielkasse auch nicht anrufen. Ich merkte, dass mit Mama in dem Moment, als Karin das so erwachsen-locker erzählte, etwas passierte. Ich war auf ihrem Arm, und sie drückte mich auf einmal fester an sich, und es fühlte sich an wie wenn ich an ihrer Brust trinke. Es kam wie so ein pinkfarbener Liebes-Nebel um mich rum, der strömte mir so direkt ins Herz. Ich glaube, das hat auch irgendso einen Namen, aber den hab ich vergessen.
 
In dem Moment hab ich gespürt, dass die Mama mich sofort verstanden hat. Da wusste ich, ich muss mich nicht zusammenreißen und dass die Welt so nicht ist. Ich hab der Mama vertraut und hab gefühlt, dass ich so sein darf, wie ich bin. Am nächsten Tag bei Karin hab ich das dann auch gemacht: Ich hab mich am Papa festgehalten und hab seinen Arm nicht mehr verlassen. Papa ist dann wieder nach Hause gefahren – mit mir. Mama und Papa hatten am Tag zuvor viel geredet und auch geweint (also Mama natürlich). Papa ging mit mir nach Hause, und ich wusste, etwas ist anders. Ich wusste, alles ist wieder gut. Ich war so fröhlich und gelöst wie seit Wochen nicht mehr. Ich war wie ausgewechselt, von jetzt auf gleich. Ich war wieder das alte Schnips. Das war ein Dienstag, Woche 3. Den Rest der Woche haben wir Pause von Karin gemacht, und die tat mir supergut. Uns allen!

 

Unter null

In der vierten Woche ging ich wieder am Montag mit Papa zu Karin. Ich wusste, meine Stimme wird gehört. Ich hab mich an Papa gehalten und hab ganz auf meine Instinkte gehört. Karin und Mickey saßen in der Küche. Ich wollte nicht frühstücken und ging erst mal mit Papa ins Wohnzimmer kuscheln. Als Karin und Mickey im Kinderzimmer waren, sagte ich deutlich: „Essen!“. Die Luft war rein. Danach wieder mit Papa ins Wohnzimmer. Als Karin reinkam, hab ich „Nein!“ gerufen und bin rausgerannt. So haben wir ein paarmal die Zimmer gewechselt. Ich konnte nicht mit ihr in einem Zimmer sein. Papa meinte, die Atmosphäre sei eisig gewesen.
 
Karin hat Papa an dem Abend gesagt, dass sie schon resigniert habe. Und dass sie sich zurückgestoßen fühle. Sie bemühe sich, das nicht zu zeigen, aber sie sei auch nur ein Mensch. Und dass das vom Vorjahr wieder hochkomme: Auch da habe es ja nicht geklappt.
 
Aber Mama kennt mich und weiß: Ich bin reif, mit anderen zu spielen. Ich spiele auch super mit Oma. Wenn man mir Sicherheit gibt in meinem Tempo, dann bin ich ein selbstbewusstes, freches kleines Wesen. Man darf mich nur nicht überfordern. Deshalb wusste Mama felsenfest, dass ich für eine liebe Tagesmutterbetreuung bei Karin absolut reif bin. Und deshalb bin ich ab dem nächsten Tag, nämlich letzte Woche Dienstag lieber mit Mama hingegangen. Bei Mama bin ich richtig sicher.
 
 

Die Karin von früher

Aber ich weiß nicht, ob Mama eine andere Karin meint. Vielleicht die von früher, die auch Maple kennt. Die, die so eine Art zweite Mama für Maple war. Und Maple war viel schüchterner als ich. Ich hab zwar auch Sachen erlebt, die mir sehr viel Angst gemacht haben und die mich gelehrt haben, dass das einzig Sichere ist, mich an Mama oder Papa zu klammern, wie zum Beispiel mein Besuch im Krankenhaus, wo ich in meiner Not und Angst vor den bösen Röntgenschwestern, die Mama verbieten wollten, mit rein zu kommen während der 45-minütigen Tortur, meine Überlebensstärke gezeigt habe und unter den festen, breiten Fixierbändern hindurch, die mich zum Röntgen mit dem ganzen Körper an die Liege geschnürt haben, unter Aufbietung aller Kräfte und größter seelischer Not zu Mama gerobbt bin, weil ich solche schreckliche Angst hatte. Oder wo ich nie schlafen durfte, weil immer irgendeine andere fiese Untersuchung war und wo man mich geweckt hat, um mir spezielle Augentropfen einzuträufeln, die machen, dass die Pupille immer so groß ist, wie wenn es ganz dunkel ist, um mir dann mit der grellsten Taschenlampe der Welt in die Augen zu leuchten. 
 
Ich weiß nicht, ob Ihr so was mal erfahren habt. Mama schon. Die wurde mit 8 Jahren mal von vier Leuten brutal festgehalten, um ihr Blut abzunehmen, wovor sie solche Angst hatte, wie man nur Angst haben kann. Das hat sie nachhaltig in ihrer Angst bestärkt. Diese Angst hat 25 Jahre lang so sehr ihr Leben bestimmt, dass sie fast nicht schwanger werden konnte (weil sie wusste, das geht nicht ohne Blutabnahme). Mama versteht mich. Warum ich das schreibe ist, um zu sagen, dass Maple viel, viel Schlimmeres erlebt hat als ich und dass Mama und Papa sie nie im Leben irgendwo hin eingewöhnt hätten, wo sie nicht ihre Hand, ihr Herz und ihr Leben für ins Feuer gelegt hätten. Karin war Herz, Hand und Leben für Maple, und deswegen habe ich Mama natürlich geglaubt, dass Karin wirklich ein ganz, ganz lieber und toller Mensch ist. 
 
Aber ich bin ja nicht blöd. Ich fühle ja, dass da kein offenes Herz ist, wie es bei Maple vielleicht da war. Und da ich noch klein bin, denke ich nicht „Ich bin falsch, es muss an mir liegen“, sondern ich denke (und sage) „Nein!“. Das liegt an Karin. Und ich bin mir auch nicht mehr so sicher, was Mama denkt. Sie unterhalten sich nicht mehr ganz so herzlich wie letzte Woche. Es ist irgendwie kühler.
 
Ich will Karin ja nicht belehren, aber bildet Euch selbst ein Urteil über folgenden Dialog heute: 
Bausteine. 
Karin: „Möchtest Du was bauen, Coco?“
Ich: „Ja. Tu(r)m. Mama.“
Mama: „Du kannst auch mit Karin einen Turm bauen.“
Ich: „Mama!!“
Karin: „Guck mal Coco, bau mal mit mir einen Turm. Guck mal, hier ist ein Stein...“
Ich: „Mama!!!“
Mama kommt näher und fängt an, mit mir zu bauen. Ich lache und baue.
Karin: „Da ist die Karin aber traurig, wenn Du mit mir keinen Turm bauen willst.“
 
 

Ich arbeite an dem Satz: „Ist mir doch scheißegal!“

Ach Leute. Ich weiß doch auch nicht. Letzte Woche hatte ich das Gefühl, es ist ok, wenn ich erst mal langsam gucke. Jeden Tag hab ich mich mehr für Karin interessiert. Ich verlor erst die Angst, dann die Skepsis, dann den körperlichen Sicherheitsabstand. Wir lachten zusammen. Wir freuten uns gemeinsam. Und niemand fand doof, dass Mama da war. Heute wollte ich halt nicht. Vier Tage haben Mama und ich die Eingewöhnung nun zusammen gemacht. Vier Tage plus heute. 
 
In zwei Wochen wird Kind Nummer 3 eingewöhnt.
 
 

Sahnehäubchen Arbeitsdruck

Ich glaube, Mama möchte auch sehr gerne, dass es klappt. Aber Mama möchte mich in guten Händen wissen und weiß nicht, was sie tun soll. Mama muss ab Oktober wieder mehr arbeiten, und Papa auch. Mama macht im Moment immer Minusstunden (und sie hat kein Polster), damit wir zu Karin gehen können. Mama hat darum gebettelt. Mama hat zu Papa gesagt, sie möchte nicht immer in der Situation sein, betteln zu müssen. Und nie, nie, nie ist es genug, was sie erbettelt hat. Bei Papa dasselbe. Nur dass auf Mamas Arbeit niemand Kinder hat außer einem, dessen Tochter nach 2 Monaten durchgeschlafen hat und für die Eingewöhnung in der Kita im Alter 1,5 Jahren zwei Tage gebraucht hat (und zwar weil sie an ihren Eltern kein Interesse mehr hatt).
 
Auf Papas Arbeit hingegen hat zumindest sein Chef Kinder. Und erzählt offen, dass das Schlaflernprogramm gut funktioniert hat. Ich verstehe das alles nicht. Aber was ich verstehe ist, dass Mama heute geweint hat. Und dass sie sich auch nicht mehr so sehr freut, morgens zu Karin zu fahren. Und so soll ich Vertrauen fassen? Entweder die Stimmung ändert sich gründlich, oder wir können das sein lassen. Scheiß auf die Parkgarage.
 
Aber soll ich jetzt dann plötzlich nochmal woanders hingehen? Wieder zu jemand Neuem, wieder neues Vertrauen aufbauen? Und in drei Wochen muss alles über die Bühne sein – neue Tagesmutter finden und eingewöhnen? Warum muss ich so viel leisten? Ich bin doch noch nicht mal zwei. Ich verstehe diese ganze doofe Sache mit dem Arbeiten nicht und was Mama und Papa da für Probleme haben. 
 
Ich will doch nur spielen.
 
Eure Coco
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Und jetzt alle kloppen! Alternative Heilmethoden - Oder: Wann Coco Geburtstag hat

Und jetzt alle kloppen! Alternative Heilmethoden - Oder: Wann Coco Geburtstag hat

Ein Reizthema für viele. Warum, erschließt sich mir nicht so recht im Geringsten. Lasst doch jeden die Heilmethode wählen, die ihn heil macht. Und was hat das mit Cocos Geburtstag zu tun?

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