Mit Kind unter 3 zum Arbeitsplatz - in Zukunft kein Traum mehr!? Ein Interview mit Coworking Toddler

Was erst einmal wie ein unrealistischer Traum klingt, soll bald als Projekt in Berlin etabliert werden (und hoffentlich bald auch in ganz Deutschland): Babys und Kleinkinder zwischen 6 Monaten und 3 Jahren werden bedürfnisorientiert betreut, während ihre Eltern nebenan arbeiten können - ganz entspannt und vor allem direkt greifbar wenn es ein Problem geben sollte. Ich freue mich sehr, dass Sandra Runge vom Coworking Toddler Team mir ein Interview gegeben hat denn ich finde das Projekt unglaublich toll...

 

"Arbeiten mit Kind - Coworking Toddler macht es möglich" - Bildrechte: Malina Ebert

 

Die Fragen an Coworking Toddler wurden beantwortet von Sandra Runge, Gründerin von Coworking Toddler und im Team verantwortlich für die Themen Recht, Personal und Kita-Behörden

Was genau ist Coworking Toddler?

Ein Unternehmen von Eltern für Familien, die echte Vereinbarkeit leben möchten: Wir verbinden einen Coworking Space mit professioneller Kinderbetreuung. Eltern mieten bei uns einen Schreibtisch im Bürobereich. Ihre Kinder werden nebenan in eigenen Räumen von ausgebildeten Erziehern betreut, die unserem pädagogischen Konzept entsprechend speziell geschult wurden. Und dazwischen, im Gemeinschaftsbereich, können sich Eltern und Kinder den Tag über treffen und zum Beispiel gemeinsam Mittag essen.

 

Was hat euch zu dem Projekt inspiriert, wie ist es entstanden?

Vorbild ist das Konzept Rockzipfel, das es zum Beispiel in Leipzig und Hamburg gibt: Dort betreuen die Eltern selbst oder Ehrenamtliche die Kinder. Hier in Berlin haben sich dann vor gut einem Jahr Väter und Mütter zusammengefunden, die die Idee erweitert haben und sie für sich und ihre Kinder umsetzen wollten. Daraus ist das heutige Team von Coworking Toddler entstanden.


Wie genau könnte so ein Arbeitsalltag mit Coworking Toddler aussehen?

Man kommt morgens mit seinem Kind zu Coworking Toddler: Das spart schon mal eine Menge Zeit und auch Nerven, weil ein extra Weg zur Kita und der schnelle Abschied vom Kind dort oft Stress bedeutet. Bei uns kommen Eltern und Kinder gemeinsam an und alle sind entspannter. Alle, vor allem auch die Kinder, empfinden es als eine Gemeinschaft, in der trotzdem jeder seinen Freiraum hat. Die Eltern gehen an ihren Schreibtisch und haben Zeit und Ruhe zum Arbeiten. Die Kinder erleben den Vormittag in der Gruppe mit den anderen Toddlern - mit Morgenkreis, freiem Spiel und kreativem Basteln und Malen.

Sollte zwischendurch ein Kind dringend seine Eltern brauchen, können die Erzieher Mama oder Papa  verständigen. Im Gemeinschaftsraum übernehmen die Eltern ihre Kinder  – zum Stillen, Kuscheln oder Trösten.  Die Kinder unternehmen natürlich auch kleine Ausflüge nach draußen. Und wenn die Eltern auswärts Termine haben, können sie die jederzeit wahrnehmen – sie sollten es nur mit den Erziehern abgesprochen haben. In der Mittagspause können sich dann alle gemeinsam an einem Tisch treffen – hier bleibt auch mehr Zeit für Gespräche mit den Erziehern.

 

Welche pädagogischen Ideen stecken hinter dem Projekt und was unterscheidet sie von regulären Kindertagesstätten?

Uns ist ein bindungs- und bedürfnisorientiertes Aufwachsen in der Nähe der Eltern sehr wichtig. Die Erziehung der Kinder soll bei Coworking Toddler Hand in Hand mit den Eltern und Erziehern passieren. Die Eingewöhnung passiert nach den neuesten Erkenntnissen der Bildungs- und Bindungsforschung. Außerdem sollen die Toddler im freien Spiel möglichst oft den „Flow“-Effekt erleben können: Was auch Erwachsene als einen Zustand kennen, indem sie völlig in einer Aktivität aufgehen, das gibt es bei Kindern auch und bei ihnen ermöglicht es eine ideale Förderung durch altersgerechtes Lernen.

 

"Altersgemäße Förderung gleich neben den Arbeitsräumen von Mama oder Papa" - Bildrechte: Malina Ebert

 

Für welche Eltern ist Coworking Toddler geeignet?

Für alle, die ihren Job und ihr Familienleben besser und entspannter vereinbaren wollen. Die selbstständig arbeiten, Freiberufler sind oder deren Arbeitgeber ihnen das Arbeiten außerhalb erlaubt – wenn auch nur auf Zeit, also bis die Kinder 3 Jahre alt sind. Denn unser Konzept richtet sich erst mal nur an Kinder von 6 Monaten bis 3 Jahre, - sie profitieren am meisten von unserem Ansatz.

 

Welche Kosten kämen auf die Eltern zu?

Die Kinderbetreuung soll über das öffentlich geförderte System laufen: In Berlin braucht man dazu einen Kitagutschein vom Senat. Was eine Familie dabei zuzahlt, hängt individuell vom Einkommen ab. Das ist also genau wie bei jeder öffentlichen Kita. Wir befinden uns da gerade im Antragsprozess und hoffen, dass wir die Förderung erhalten. Mit den Behörden stehen wir diesbezüglich in sehr gutem Kontakt. Dazu kommt bei uns der Coworking Space – die Kosten dafür werden sich an den üblichen Preisen für einen gemeinschaftlichen Arbeitsplatz orientieren .

 

Ist es möglich oder gar vorgesehen, künftig mit Betrieben zu kooperieren?

Ja, das haben wir auf jeden Fall vor! Wir möchten Unternehmen eine Möglichkeit bieten, ihren Mitarbeitern ein innovatives Angebot für Familienfreundlichkeit zu machen. Wir stehen auch bereits mit Unternehmen in Kontakt, die Interesse daran haben.

 

Wie realistisch ist es, in den nächsten Jahren Standorte in ganz Deutschland zu eröffnen?

Das ist ein ambitioniertes Ziel, dem wir uns gerne stellen. Wir werden dafür Partner ins Boot holen, die das gemeinsam mit uns umsetzen können. Es ist uns einfach eine echte Herzensangelegenheit, dass möglichst viele Familien in Deutschland sich für ein Arbeiten mit Kind entscheiden können.

 

Vielen Dank an Sandra Runge für das nette Interview!

Und wer das Projekt gern unterstützen möchte, das sich über Crowdfunding finanziert, kann dies hier tun: klick

 
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