Essen kann ich, kochen nicht. Seelenessen mit Topinambur

Seelenessen. So wichtig. So wichtig, wie ich es gar nicht beschreiben kann. Es klingt vielleicht etwas oberflächlich, aber in der allerschlimmsten Zeit blieben als Krafttankstellen nur Essen und Schönes kaufen als die Dinge, die wir selbst steuern konnten. Dinge wie Schlafen, Hoffen, Ausruhen, Therapie, Pause oder gar schöne Babyzeit tanken waren völlig utopisch.

 

Seelenfutter - Variante mit (wenig) Zwiebeln und Kürbis

 

Pure Nahrungsaufnahme

Essen bedeutet allerdings nicht, dass man (gerade in so einer Situation) das Essen auch zubereiten kann. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wie wir das gemacht haben (hat Karl nachts vorgekocht?). Sicher ist nur: ICH habe gewiss nichts gekocht. Erinnern kann ich mich allerdings gut daran, wie ich vor dem Wickeltisch stehe, einen riesigen Teller Gemüsereis in der Hand und diesen in 2 Minuten runterschlinge. Mehr Zeit ist nicht. Entspannung gab's nur immer in dem Moment, in dem die Pavlik-Bandage gelöst wird (zwecks wickeln) und das verkrampfte Baby endlich entspannt pieselt, während ich es (natürlich vorsichtig) beföhne.

 

Meine kleinen Fressmaschinen

Mit Genuss hatte das natürlich nichts zu tun. Ich mache jetzt einen Zeitsprung und muss sagen, dass es umso erstaunlicher ist (vielleicht auch nicht), was für genussvolle Esserinnen meine beiden bauchempfindlichen Töchter sind. Es ist wirklich zum Heulen schön mitanzusehen. Wie die Kleine sich ne Erwachsenenportion Risotto reinschaufelt, mit dem ganzen Körper vor Freude strampelnd. Wie die Große angesichts der Reibekuchen verkündet: „Die hau ich mir gleich voll rein!“ Obwohl sie so lange kaum was essen dufte, kein Gluten, keine Milchprodukte, kein Fett.

 

Viel Arbeit, viel Genuss

Jetzt gibt es sie wieder, die totalen Genussmomente, und es gab sie immer in meinem Leben. Karl und ich sind absolute Genießer. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Bei den Aprikosenknödeln (nicht zu verwechseln mit Marillenknödeln) in Quark-Teig, bei denen ich mir jedes Mal bei der Zubereitung schwöre, sie ein letztes Mal gemacht zu haben, und beim Essen denke: Eigentlich könnte ich die morgen wieder machen? 

Oder kennt Ihr die wunderbaren Tiroler Kaspressknödel? Am besten in einer fabelhaften Rindssuppe serviert? Ich habe ein Rezept von meiner ehemaligen Schwiegermutter in spe, aber natürlich noch nie gemacht. Danach stinkt die Wohnung erst mal zwei Wochen. 

 

 

3 Zutaten und idiotensicher

Ich hab mal in einem megatollen Restaurant, wo wir früher oft waren, ohne Kinder, eine Suppe von der Erdbirne gegessen. Das war so ein unglaublich leckerer, feiner, würziger, unvergleichlicher Geschmack, dass die Erdbirne, auch Topinambur, es in meine absolute Lieblingsessen-Liste geschafft hat. Und abgesehen von der nervigen Art, die seltsam geformten, kartoffelartigen Dinger zu schälen, auch echt einfach, machbar und vor allem ohne 723 ausgefallenen frischen Kräuter und andere Zutaten usw., die man sonst in aller Regel für schweineleckeres Essen braucht. Und außerem ist es absolut idiotensicher.

 

Man braucht nämlich (für 4 nicht wahnsinnig hungrige) Personen (oder 2 von unserer Sorte) nur

500 g Topinambur*

250 g grünen Spargel**

Salz

2 Frühlingszwiebeln ***

4 EL Butter****

schwarzen Pfeffer aus der Mühle

 

*gibt's meist nur im Bioladen, selten mal auf dem Markt – in der Karlsruher Gegend wird Topinambur auch heute noch angebaut, da sicher gut zu bekommen

** haben wir auch schon mal mit Möhre gemacht, schmeckt auch (allerdings nicht ganz so gut) oder mit Spargel aus dem Glas (frisch ist natürlich am leckersten, um nicht zu sagen: kein Vergleich)

*** geht auch ohne (ich glaube, wir haben es bisher wegen der Megabauchempfindlichkeit meiner Kinder, selbst über Muttermilch, bisher immer ohne gemacht, geht also auch gut)

**** oder Alsan (die schweineleckere vegane Buttervariante)

 

Ihr seid doch auch zu faul zum Zwiebeln hacken, oder?

 

Und so geht’s:

  1. Geduld parat? Nein? Dann entweder delegieren oder das Gericht auf morgen verschieben. Wenn doch: Topinambur nach dem Waschen schälen (etwa eine halbe Stunde einplanen – ohne Kinder), in Scheiben schneiden und in Wasser legen, damit sie nicht braun werden (finde ich allerdings nicht so dramatisch).
  2. Spargel waschen, unteres Drittel schälen, Enden abschneiden und die Stangen in etwa 3 cm lange Stücke schneiden. Etwa 5 Minuten in Salzwasser kochen.
  3. Frühlingszwiebeln putzen, waschen und hacken. Butter in einer Pfanne zerlassen und Topinamburscheiben etwa 6 Minuten darin braten. Rausnehmen.
  4. Frühlingszwiebeln ab in die Pfane und nach 3 Minuten den Spargel hinzu („Mamaaaaa! Ich muss Pipiiiii!“ - Zeitangaben sind eher relativ zu verstehen.). Braten. Dann wieder Topinambur mit dazu und noch mal 2 Minuten braten. Mit Salz und Pfeffer würzen.
  5. Tobsuchtsanfall über sich ergehen lassen, dass es nicht Fischstäbchen und Kartoffelpürree gibt, Kind zur Hölle schicken und alles alleine aufessen. Kerze dabei anmachen.

 

Appetithemmend? Na ja ...

Die appetithemmende Wirkung der Topinamburknolle hat sich bei mir noch nicht niedergeschlagen. Wär auch schade drum… Auch dass sie ähnlich wie Artischocke oder wie eine Mischung aus Kartoffel und Karotte schmecken soll (was einander schon ausschließt), kann ich nicht bestätigen. Die Pflanze hat einen hohen Gehalt an Inulin und ist daher für DiabetikerInnen ein wertvolles Nahrungsmittel. 

Das Rezept und die Infos sind übrigens aus dem wunderbaren Kochbuch (mit Hinweisen zum Selbstanbauen) „Vergessene Gemüse“ von Gabriele Redden. Wer Eintopf wie ich hasst und Gemüse liebt, findet hier auch tolle Sachen von Pastinake über Rote Bete bis hin zu Schwarzwurzel und Sauerampfer.

Übrigens stelle ich gerade fest, dass das Gericht vegan ist (falls ohne Butter). Ist mir bisher nie aufgefallen.

 

Guten Hunger!

Eure Mo

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade Seelenfutter Rezepte von Papa mit Hut

 

 

 

Was ist denn hier los? 2KindChaos sieht ja ganz an...
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