Freitag bis Montag: Mein Darmstadt-Wochenende in Bildern

Nein, es war kein Wochenende, an dem man die ganze Zeit nur hofft, dass es endlich wieder Montag ist und der Kindergarten wartet. Ich sehne das Wochenende eigentlich immer herbei, weil Karl dann den ganzen Tag da ist, egal, ob es ein (kindermäßig gesehen, also faktisch) superätzender Scheißtag wird (wie Karls Geburtstag neulich) oder so Traumtage wie an diesem WE.

 

 

Wir fahren nämlich zur Frida

(Ihr wisst ja, ich muss meinen verlorenen Schlüssel vom Bloggertreffen vor zwei Wochen unbedingt persönlich im Hotel abholen – reicht doch, wenn man sich das selbst einredet, oder? Autosuggestion. Kann ich.). Da Coco derzeit überhaupt nicht autofahrtauglich ist und ich deshalb schon vor zwei Wochen kurzentschlossen mit ihr mit dem Zug aus Darmstadt zurückfuhr, machten wir es diesmal gleich so: Karl und Maple mit dem Auto (geht auch schneller, als dauernd wegen exzessiv schreiendem Baby anhalten zu müssen, und kaum fährt man weiter, geht das Gebrüll weiter – auch für Maple nur Stress), Coco und ich mit dem Zug. 

Tadaaaa, wir bekamen sogar Plätze in einem Kleinkindabteil. Freuten uns also schon auf die sicher total entspannte Zugfahrt. Ankunft am Abfahrtsbahnhof: Zug ca. 180 Minuten verspätet. Gott sei Dank kam ein Ersatzzug, Reservierungen waren natürlich hinfällig. Wir blockierten erst mal ein freies Abteil, in dem wir unseren Kram möglichst weitläufig verteilten, damit kein Erwachsener auf die Idee käme, sich zu uns zu gesellen. Coco handelte in vorauseilendem Gehorsam.

 

 

Da letzte Woche Weltwoche des Stillens oder so war, aber nicht nur deshalb, gehört ein Stillfoto natürlich auch dazu. In Zügen nicht so gern gesehen, ich weiß, aber es ließ sich einfach nicht unterbinden. (Die Stillhäufigkeit in der Bahn wich etwas von der aktuellen Norm ab, so um das Zehnfache.)

 

 

Na ja, ehrlich gesagt, wird Coco von meiner Milch entweder nicht mehr so richtig satt, oder sie findet es irgendwie eine schöne Ergänzung, auch mal was zwischen die Kiemen zu kriegen (sonst nimmt sie dafür nämlich die Brust). „Bitte beachten Sie, dass dieser Ersatzzug leider nicht bewirtschaftet wird.“ Schade, dabei war das einzig Essbare fürs Baby letztes Mal ein echtes Schnäppchen. („Ich brauch nur die Nudeln, ohne alles. Die Carbonara-Sauce brauche ich nicht.“ - „Ich kann das nicht anders bonieren. 8,90 Euro.“)  Na gut, wir sind vorbereitet. Süßkartoffel-Pommes, Obstgläschen, Hirse-, Hafer- und Dinkelflocken, Maisstangen, Kekse und natürlich Rapsöl im Schnapsfläschchen.

 

 

Ankunft Darmstadt. Wir laufen zum Hotel, wovon uns nach dem Weg gefragte Einheimische dringend abraten. Aber das Baby schläft sonst nicht ein, das hab ich schon den ganzen Tag. Keine weiteren Fragen. Traumhaftes Wetter. Coco schläft mit Erreichen des Hotels ein, ich checke ein, wir sind inzwischen Stammgäste, beziehen die zwei Zimmer, legen uns aufs Bett. Ich niese Coco wach. Karl und Maple kommen an, ich sehe Maple hinten im Kindersitz bei meinem Anblick mit Armen und Beinen vor Freude strampeln. Mein schönster Moment des Tages, zusammen mit dem Moment des Einschlafens von Coco.

Nebenan ist ein australisches Lokal. Na ja, Känguruhfleisch muss jetzt nicht unbedingt sein, also gibt es den Allrounder, den alle Restaurants können: Pommes. Ich denke, ich sehe nicht richtig, als Coco wie wild auf meinen Wrap ist. Gerade auf die Salatblätter da drin. Tja, wenn man mit Kindern essen geht, fliegt auch der volle 0,5-Liter-Beeren-Smoothie quer über den Tisch. Aber ich bin unschuldig, ich war nur gerade etwas abgelenkt von meinen tollen Kindern … und ups …

Maple ist etwas irritiert, dass sich an den Toilettentüren lebensgroße Fotos von heißen Surfern und Surfgirls befinden, vor allem, warum nun auf der Mädchentoilette Jungs drauf sind. Aber sie pieselt vorbildlich, Höschen war trocken, und ich beschließe, sie nicht mehr ganz so ausgiebig zu loben, denn im Anschluss will sie noch zweimal pieseln gehen, natürlich jeweils ohne Erfolg („Ich muss pieseln!“ - „Du warst doch gerade erst.“ - „Aber ich muss ganz dringend!“ - eine Etage höher: „Kommt nix.“).

Wir machen denselben Fehler wie immer – es ist schon zu spät, die Kinder sind müde, aber wir müssen noch Bettbegrenzungen aufbauen etc., beide Kinder wollen auf meinen Arm, sind untröstlich usw … Irgendwann ist es dann geschafft. Maple schläft, und bei Coco dasselbe wie seit ein paar Wochen: Sie kann noch so müde sein, sie schläft erst, wenn sie endlich krabbeln gelernt hat, denke ich jedes Mal. Todmüde versucht sie es wieder und wieder, klettert über mich drüber, … schließlich schläft sie auf Karls Arm ein, und wir sind ziemlich fertig.

 

Samstag

Am nächsten Morgen schlafen alle herrlich lang, bestimmt bis halb 8 oder 8, aber bis wir alle geduscht und angezogen sind, ist es zehn vor 10, bis 10 gibt’s Frühstück. Na ja, keinen Stress. Coco ist mal wieder etwas nölig anspruchsvoll, aber Maple klettert über Tische und Bänke, und ich genieße das sehr. Wir sind in nem Billighotel einfach besser aufgehoben als mit so weißen Tischdecken, wo man noch nicht mal mit Eigelb schmeißen darf. Ich muss dazu sagen, selbst wenn ich Maple übelst regelementiere, isst sie immer noch wie ein Schwein. Sie ist es ja gewohnt, dass sie selbst lernen darf. Mein Standpunkt: Baby darf rumschweinsen, ich mach hinterher sauber. Und so sitzen wir da locker bis 11, kriegen noch frische Olivenbrötchen gebacken und ich werde endlich sitt. (Ihr holt Euch doch auch immer 4 Heißgetränke?) Mit Frida ist derweil ausgemacht. „Wollt Ihr wieder zum Mittagessen kommen, so ab 11?“ Juhu!

Nach dem Mittagessen (mal wieder ultra) geht’s bei Sommertemperaturen zum Oberwaldhaus in Darmstadt, einem Spielplatzparadies zum Klettern, Toben, Pantschen, Rutschen und Eisessen. Peanut und Maple im Bollerwagen erinnern arg an Bullerbü. Maple zeigt Coco noch mal, wie das mit dem Krabbeln geht.

 

 

Nach so viel Anstrengung gibt’s erst mal Milch und/oder Eis und eine kleine Verschnaufpause.

 

 

Langsam wird es früher Abend, für die großen Kinder gibt’s zur Abwechslung Pommes, und Coco braucht mal wieder Hilfe beim Kacken (wir sind natürlich ausgerüstet). Auf die Idee, im Kofferraum zu wickeln, bin ich noch nie gekommen (warum sollte ein Biergarten bei einem Riesenspielplatz auch eine Wickelstation haben?), aber sie ist genial! (Nur etwas aufwändig, erst mal den Kofferraum leerzuräumen, aber irgendwas ist ja immer.)

Der wirklich fantastische Nachmittag wurde gebührend beschlossen. Danke dafür:

 

 

Wer jetzt meint, man könne friedlich einschlafen, hat nicht bedacht, dass das Baby die Lichtknöpfe am Bett entdeckt hat.

 

 

Die Nacht war harmonisch, soweit das möglich ist, wenn man das Kind dauernd wachhustet und sich das Kind daraufhin eine halbe Stunde quer und im Uhrzeigersinn im Bett rumwälzt und dabei ordentlich um sich schlägt und tritt. Zum Glück schläft man dann irgendwann trotzdem wieder ein, damit es sich lohnt, vom ununterdrückbaren Hustenreiz wieder wachzuwerden und das Programm von Neuem zu starten.

 

Sonntag

Am nächsten Morgen sind wir schnell fertig und freuen uns schon auf die Bloggerinnen, ihre Kinder und die Heuburg am Hofgut Oberfeld. Leider macht das Hofcafe erst um 10 Uhr auf, unzumutbar für unsere hungrigen Kinder, die schon mal ein Vorab-Picknick auf dem Linoleumboden machen.

 

 

Der Blick aus dem Fenster zeigt: Mit diesen 22 Grad und Sonne ist das offenbar eine Auslegungssache. Ich glaube, es regnete den ganzen Tag, aber hey, wir sind ja nicht aus Zucker. Bevor wir zum Hof fahren, bekomme ich noch beim größeren Schwesterhotel meinen Schlüssel zurück, und los geht’s. Meine Tochter hat zwar immer noch Angst vor Hühnern und es ging eine Welt unter, als sie auch noch in Hühnerkacke packte, aber der Spaß im Heu lässt alles vergessen.

 

 

Schön ist, dass hier alle auf ihre Kosten kommen, nicht nur die Kinder. Es gibt wieder tolle Gespräche mit bereits vertrauten Menschen und solchen, die es direkt geworden sind. Wieder mal eine Lektion in puncto „Nur mir geht’s so schlecht, und alle anderen haben's leicht“. Wir sitzen alle in einem Boot. Ich kann nur alle ermutigen, die ganze Scheiße, die man tragen und schultern und aushalten muss, rauszulassen, so wie die Cosmopolimam das sehr lesenswert getan hat. Es tut wirklich gut! Es ist so wunderbar zu erfahren, dass es diese Verbundenheit nicht nur am Bildschirm gibt, sondern dass sie wirklich Bestandteil des realen Lebens (wobei mein virtuelles Leben auch sehr real ist) werden kann. Von wegen „wie asozial, sich nur im Internet auszutauschen, hat wohl keine Freunde oder was“ - Doch, jetzt schon.

 

 

Nach ein paar Stunden machten sich Karl und Maple dann auf den Heimweg per Auto, und ich war noch mit Coco bei der wunderbaren Familie Mercury. Frida und ich haben nach einem wohltuenden Schlammspaziergang die ersten beiden Videos zusammen aufgenommen, völlig planlos, aber mit viel Spaß. Die Skimaske, die Papa Mercury extra für mich bereitgelegt hatte, hat Frida mir ausgeredet. Sie wollte mich im Thelma- und Louise-Style – die verblüffende Ähnlichkeit ist Euch doch nicht entgangen?!

 

 

Nach Pommes und Gemüse und einer Autofahrt des Grauens kamen wir, liebevoll von Peanut und ihrem Papa chauffiert, am Hotel an, wir beide klatschnass geschwitzt, Coco vom Schreien, ich vom Mitleiden und der verfluchten Hilflosigkeit. Es brauchte lange, bis sie sich beruhigt hatte. Es ist auch schwer zu sagen, was Autofahren derzeit so zur Katastrophe macht. Wahrscheinlich eine Mischung aus Eingesperrtsein und Bauchweh? Jedenfalls dauerte es, bis ich sie so weit hatte:

 

 

Endlich war alles wieder gut, und sie schlief relativ problemlos ein. Leider wachte sie eine halbe Stunde später schreiend wieder auf, und die folgende Stunde habe ich zwar im Kopf penibel dokumentiert, konnte aber aus Gründen leider keine Fotos machen. Nur so viel: Es sind ganz eigene, unsere, erfahrungsbezogene Maßstäbe des Glücks, wenn man von der Brust bis zu den Oberschenkeln nachthemdbedeckend mit warmheißem Babypipi vollgepieselt wird und man in dem Moment weiß: Alles wird gut.

Vielleicht arbeitete diese kurzweilige Ohnmacht und Hilflosigkeit, die sich dank Therapie und meiner inzwischen erworbenen situationsbezogenen Kompetenz in Zuversicht wandelte, noch in mir. Warum ich sonst stundenlang wach lag später, weiß ich nicht. Ist auch egal.

 

Montag

Am nächsten Morgen war ich vor Coco wach, eine Art Luxus. Ich rollte mich in der letzten verbleibenden Ecke des Betts zusammen und wartete twitternd auf ihr Aufwachen. Das ist jeden Morgen wie Welturaufführung. 

Wir machten uns für zwei Vormittagsstündchen noch mal auf zu Frida, lieber mit dem Bus, und es entstand das dritte Video sowie ganz viel Zuversicht beim Thema Wohnungssuche der Familie Mercury. Gleich zwei Besichtigungstermine, und nun heißt es Daumendrücken, dass die vier in eine wohlverdiente, menschliche Umgebung ziehen können. Das Umzugsteam steht ja bereits. 

Wie reagiert Ihr, wenn der Gast in 20 Minuten gehen muss? Noch mal drücken, zehnmal verabschieden? Nein, Frida setzt Nudelwasser auf. Auch eine simple Tomatensauce mag sie nicht dazu machen. Frisches Gemüse wird im Akkord geschnippelt. 3 Minuten bevor wir gehen müssen, steht das duftende Essen auf dem Tisch. Coco, die Fressmaschine, nimmt mit, was sie kriegen kann, während ich sie schon anziehe und aufschnalle. Der Rest kommt in inzwischen ratzeputze leere Tupperdosen zwecks späterer Vertilgung.

Frisch gestärkt und etwas müde schläft Coco an der Bushaltestelle Richtung Darmstadt Hbf ein, und wie immer denke ich: So fühlt sich Frieden an.

 

 

Mehr vom Projekt Wochenende in Bildern #WIB findet ihr bei Susanne Mierau von Geborgen Wachsen

 

Bildrechte alle Bilder: 2KindChaos / Mo Zart

 

Ein Shopping Trip wie ausm Bilderbuch. Nicht.
Du bist 'n Monstaaa! Schwiegermonstaaa...

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting