Leserinterview #16 - Jenny wurde in der 13. Klasse schwanger, ihr Sohn ist schwerbehindert

Ich liebe die Leserinterviews, denn da lerne ich euch kennen. Ihr seid ein großer Teil von 2KindChaos, denn nur mit euch macht es so viel Spaß, zu Bloggen. Heute stellt sich Jenny meinen Fragen und was soll ich sagen, es ist sehr spannend geworden. Jenny ist alleinerziehende Mama eines schwerbehinderten Sohnes und außerdem ist sie Studentin. Eine starke Frau, die ihren Weg geht.

 

 

1. Hey Jenny, schön dass du mitmachen möchtest! Stelle dich doch kurz vor. Wer bist du, wie lebst du, wo kommst du her, was machst du so?

Hey, mein Name ist Jenny ich bin 27 Jahre jung und wohne mit meinem Sohn (7), welcher Atypischer Autist ist, im schönen Trier. Hier studiere ich im 3. Fachsemester Sozial- und Organisationspädagogik und absolviere parallel dazu mein Pflichtpraktikum studienbegleitend. Ich hab das Glück, dass mein Sohn eine ganz normale Schule besuchen kann. An seiner Seite ist ein Schulbegleiter und die Schule ist auch ganz offen für die Thematik. Ebenfalls haben wir einen Platz in einem integrativen Hort für ihn. Er hat zwar noch ein zwei andere Besonderheiten, aber das lässt sich gut Händeln.

 

2. Wieso liest du 2KindChaos? Was findest du gut, was nicht so?

Was ich an 2KindChaos liebe ist das ihr einfach diesen schönen bunten chaotischen Mix habt, aber liebend gerne blicke ich auch in die Lieblinks der Woche, denn da entdecke ich immer wieder Neues und Schönes. Sehr gut finde ich ebenso, dass ihr mal ernste Themen ansprecht. Themen die berühren und zum Nachdenken anregen. 

 

3. Bist du selbst Mama? (...) Wenn ja, was ist für dich das Krasseste am Elterndasein? Wie hat es dich verändert, Mama zu werden? 

Das Mama da sein hat mein Leben so ziemlich auf den Kopf gestellt. Als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, war ich in der 13. Klasse und es brach für mich eine kleine Welt zusammen, aber ich habe mich bewusst für meinen Sohn entschieden und bereue es an keinem Tag. In unserem Leben ist schon viel passiert. Vieles wozu ich auch noch keinen Mut habe es mal offen zu erzählen, aber wir haben die ersten Jahre ein ziemliches Chaos und einige Lebenskrisen zu meistern gehabt.

Hinzu kam, dass ich nach und nach erfuhr, dass mein Sohn schwerbehindert ist. Er ist Träger eines Schwerbehindertenausweises seit April 2014 mit 90 GdB und den Merkzeichen G, B und H. Das war die ersten Jahre gar nicht abzusehen. Aber ich muss sagen es hat mich weiterentwickelt und dazu geführt, dass ich die Augen für den Themenbereich Behinderung und Inklusion geöffnet habe. Es hat mich gelehrt zu kämpfen und für unsere Rechte einzustehen. Nicht immer leicht, da es immer mal wieder Menschen gibt, die glauben, dass es ausnutzen des Staates ist, wenn man Leistungen für sein behindertes Kind beantragt. Andere Glauben man würde die Beeinträchtigung erfinden, weil man nicht auf dem ersten Blick sieht, dass er schwerbehindert ist. Aber ich kämpfe gerne.

In unserer Stadt wird gerade an einem Aktionsplan Inklusion gearbeitet. Eine gute Idee, die mir leider nicht weit genug geht, da er sich wirklich auf Menschen mit Beeinträchtigung beschränkt. Hier habe ich die Sprecherinnenrolle für die Arbeitsgruppe Erziehung und außerschulische Bildung. Eine sehr gute Sache, die mir sehr wichtig ist.

Wie ich einleitend schon erzählte studiere ich auch und es ist für mich meine Mutprobe. Ich habe 2 Ausbildungen abbrechen müssen und das Studieren funktioniert. Ich bin glücklich und werde es auch durchziehen, denn das ist mein Beweis, dass man als Mutter eines behinderten Kindes nicht an zu Hause gefesselt ist. Ich kämpfe dafür auch eine eigene Zukunft zu haben und selber für uns Geld zu verdienen irgendwann, denn was ich nicht möchte ist Aufgeben und mich auf den Staat verlassen. Das alles passiert mit meinem Freund an der Seite. Mit dem ich aber in getrennten Wohnungen lebe. Sonstige Familie gibt es bei uns nicht.

 

Bildrechte: Jenny

 

4. Was klickst du täglich im Internet an? Welche Blogs liest du gern und was denkst du über Blogger im Allgemeinen?

Neben 2 KindChaos ist es zum einen der Blog von Mama Schulze und auch die Seite von der guten Tollabea. Auf beiden Seiten fühle ich mich immer wohl. Mama Schulze finde ich einfach faszinierend wie offen sie mit ihrem Leben mit MS umgeht und Bea, ja die gute Bea, hat seit der Tollabox einen Stein bei mir im Herzen, denn als es uns nicht gut ging sorgte sie dafür, dass wir die tolle Box weiter erhalten konnten.

 

5. Welche aktuellen Themen sind dir total wichtig? Was regt dich richtig auf, positiv oder negativ? Hier kannst du mal ansprechen worauf du Bock hast!

Puh, was mich so richtig aufregt? Das ist das man in Deutschland für alles kämpfen muss. Immer wieder muss man schauen, dass man seine Rechte durchgesetzt bekommt und seinem eigenen Kind geholfen wird. Diagnosen werden angezweifelt und andere Ärzte kommen auf die Idee einen bemühte Mutter als Gefahr für das Kind darzustellen, weil man nicht den gleichen Weg wie sie gehen möchte. Wir haben so einiges hinter uns und über 3 Jahre hat es gedauert bis mein Sohn die Autismus Diagnose bekam. Keiner fühlte sich verantwortlich. Auch die Infantile Cerebralparese meines Sohnes wurde zu spät erkannt. Viel zu viel Bürokratie, zu wenig Herz. Man muss leider oft Glück haben mit den Ärzten und Menschen die einem stützen und helfen. Genau so sieht es leider auch mit den Betreuungseinrichtungen oft aus. Man muss Glück haben eine gute Kita zu erwischen.

Hier komm ich aber auch zum schönen, denn die Bloggergemeinde (okay eigentlich Punkt 4) ist sehr offen und freundlich. Ich bin glücklich, dass man sich mal Gegenseitig austauschen und Mut zu sprechen kann und ich sehe in ihr auch großes Potential für manche Themen :)

 

Mehr von Jenny

... findet ihr auf ihrem Blog Kind und Studium sowie der dazugehörigen Facebook Seite.

 

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