Alleinerziehend mit Wut im Bauch - ein Mama Interview

Mamamotzt bleibt auf ihrem Blog lieber anonym - denn was sie zu sagen hat, ist echt eine krasse Geschichte. Der Vater der Kinder ist unzuverlässig, zahlt nicht und tut so ziemlich alles, um ihr das Leben schwer und sich einfacher zu machen. Dazu gehört auch, sich jahrelang nicht scheiden zu lassen, um Rentenpunkte zu kassieren. Welche Rolle das Jugendamt gespielt hat und mehr nahezu Unglaubliches könnt ihr in dem folgenden Interview nachlesen...

 

Bildrechte: Mamamotzt

 

Hey Mamamotzt – deinen Namen behältst du lieber für dich also frag ich direkt mal, ob du wirklich so viel motzt, mit und oder über wen du motzt und ob es irgendwie befreiend ist, das zu tun ;)

Als ich vor etwa 1,5 Jahren begann mit dem Blog Mamamotzt war mein Anliegen eine Mischung aus Riesenstinkewut auf den Ex und dem Bedürfnis, mich darüber auszulassen. Die privaten Ohren waren verbraucht, sozusagen, keiner konnte es mehr hören. An unserem Dilemma mit Ex änderte sich aber nichts, er lieferte einen Eiertanz und ärgerte uns mal um mal mit neuen Fiesematenten. Meine Wut musste raus. Das Ohnmachtsgefühl. Die Hilflosigkeit.

Ganz wichtig ist mir, und deshalb bleibe ich auch weiterhin anonym, dass die Kinder von meinen negativen Gefühlen ihrem Vater gegenüber möglichst wenig mitbekommen. Wenn ich mich im Blog ausgemotzt habe, kann ich ihnen gegenüber wieder neutral auftreten. Das Rauslassen dort ist also wirklich mein Ventil, um nicht zu platzen.

Spannend finde ich, was ich in der Zeit alles mitbekommen habe. Wie vielen Alleinerziehenden es doch recht ähnlich geht. Oder auch, dass das Verhalten meines Ex eine Masche ist: den Nachwuchs mit extrem wenig Aufwand zu binden, um später davon zu profitieren.

 

Du bist alleinerziehend – seit wann ist das so und wie ist die Trennung verlaufen, für euch als Elternpaar und auch für die Kinder?

Ganz knapp würde ich zusammenfassen, wir haben uns auseinandergelebt. Etwas ausführlicher: mit jedem der drei Kinder wuchs die familiäre Verantwortung, von der ich natürlich meinen Anteil spätestens mit dem Zeitpunkt der Geburt übernommen habe. Dem Ex fiel es aber ziemlich schwer, seine Pläne bezüglich Familienfürsorge umzusetzen, und wider alle Versprechen führte er weiter das Leben eines Junggesellen, der ganz gelegentlich gnädigerweise mal ein Stündchen auf die Kinder aufpasste. Alles andere, aber wirklich alles andere, war mein Job. Dieses Missverhältnis habe ich irgendwann nicht mehr ausgehalten.

Für mich war der Ofen schon aus, da habe ich trotzdem noch eine Eheberatung organisiert. Ich wollte wissen, warum er total konträr zu seinen Aussagen handelt und uns so im Stich lässt. Sah und sieht er sich doch als ganz besonders guten Vater.

Außerdem war mir klar, dass es alleine mit drei sehr kleinen Kindern sicher kein Zuckerschlecken wird. Als Teil eines „Versorgerteams“ hätte ich meine eigenen Bedürfnisse durchaus noch ein paar Jährchen zurückgenommen, - hatte ich ja ohnehin Übung drin. Arbeiten, um maßgeblich das Familieneinkommen zu bestreiten, Ehrenämter in den Kitas, drei Kinder unter 5 Jahren, davon ein sehr extremes Schreikind, voll gestillt, ich konnte Prioritäten setzen! Und die lagen in der Zeit nun mal nicht bei meinen Interessen. ;)

Aber seit mehr als sieben Jahren ist damit Schluss! Geschieden bin ich noch nicht so lange, das hat sich dann leider nochmal hingezogen. Auch eine Taktik des Ex. Er bekam ja von mir so mehr Rentenpunkte.

 

Haben dein Ex und du Absprachen getroffen vor / während der Trennung und wie hat es geklappt? Welche Tipps würdest du rückblickend anderen in der Trennungssituation geben?

Leider (oder zum Glück?!) hat er schon lange gar nicht mehr auf irgendwas reagiert, was von mir kommt. Er kommuniziert nicht mit mir, hat nur klar gemacht, dass man von ihm nie geschieden werden könne und ich für ihn immer seine Frau bleiben würde und er die Situation nicht akzeptiere.  :-/ Er hat auch die Kinder belogen und damit sehr durcheinander gebracht, hat ihnen gegenüber die Trennung geleugnet und jahrelang behauptet, er ziehe bald wieder bei uns ein.

Bis heute ist es ihm nicht gelungen, die Elternebene von der Paarebene zu trennen. Er ist überhaupt nicht am Wohlergehen der Kinder interessiert, sondern nur daran, mir in welcher Art auch immer, Schwierigkeiten zu machen und vor allem mir gegenüber Vorteile zu gewinnen. Er stellt sich häufig als alleinerziehender Superdaddy dar, sei es, um Anerkennung zu bekommen, finanzielle Vorteile als angeblich alleinerziehender Vater, Prestige zu gewinnen oder Mitleid zu heischen und so.

Einmal ist es bereits aufgeflogen, da war er sehr sauer auf uns, weil ihm der Alleinerziehendenstatus aberkannt wurde. Doch bei aller Liebe, wer seine Kinder nur ein paar Stunden pro Jahr sieht, ist wirklich nicht alleinerziehend!

Hm, ein Tipp? Irgendwie sind alle Trennungen anders. Sehr viel von dem, was ich las, passte bei uns nicht. Vieles half nicht, die Gesetze griffen auch nicht. Sehr viel verläuft also individuell. Aber ganz, ganz wichtig: nicht das Kindeswohl aus den Augen verlieren und sich lieber einmal öfter als einmal zu wenig fragen, ob es bei irgendwelchen Trennungsthemen wirklich um die Kinder geht, oder ob man nicht noch Ärger mit dem/der Ex aufarbeitet.

 

Was waren für dich die größten Umstellungen und Einschränkungen als alleinerziehende Mutter?

Ganz ehrlich: es gab keine! War mir ein wenig peinlich, denn das bedeutet ja, dass es vorher doch schon genauso war. Ich war ganz alleine mit den Kindern. Und ich hatte es tatsächlich (in meiner Überlastung) nicht mal gemerkt.

Umstellung? Nur seine Wäsche war nicht mehr in der Waschmaschine. 

 

Bei euch ist einiges über das Jugendamt gelaufen – wie kam es und was sind deine Erfahrungen? Hilfreich oder hat es den schlechten Ruf verdient? Ist das Jugendamt eher pro oder contra Mütter?

Bis vor kurzem habe ich keine wünschenswerten Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht. Es gab keine Unterstützung für die Kinder und mich, sondern wir mussten dem Vater immer zur Verfügung stehen, der einfach seine Rechte mit Hilfe des Amts durchzusetzen wusste. Dass das so möglich war und lange wirklich gegen die Interessen der Kinder lief, liegt in meinen Augen am starken Männerüberschuss in Legislative und Judikative in Deutschland. Die Väterlobby hat sehr effektiv gearbeitet und macht etlichen Trennungskindern das Leben nicht leicht.

In unserem Fall: der Vater, den ich jahrelang ergebnislos zu Vermittlungen an den Jugendamtstisch holen wollte (mit mir allein sprach er ja nicht), damit der Umgang (den er angeblich durchaus wollte) geregelt würde, weigerte sich. Ohne jede Konsequenz. Als Elternteil, bei dem die Kinder leben, wäre ich dafür erheblich sanktioniert worden.

Als er erkannte, dass es für ihn diverse Vorteile hat, wenn er an gewissen Stellen angeben kann, dass er „alleinerziehender Vater“ ist, erschien er und stellte merkwürdige Umgangsforderungen. Die ich zu erfüllen hatte. Sei es parat zu stehen zu den ihm gefälligen Umgangsterminen, die er jederzeit ausfallen lassen durfte, sei es, um regelmäßige Telefontermine zwischen Kindern und Vater zu ermöglichen, von denen er keine 10 Prozent wahr nahm.

Bei den in längeren Abständen regelmäßigen Vermittlungsgesprächen stellte er immer neue Forderungen. Meine Einwände, dass die Kinder unter seiner Unzuverlässigkeit litten wurden als nichtig abgetan und der Vater sollte Chance um Chance bekommen. „Nach vorne schauen, was gewesen ist, interessiert hier nicht!“ Kennen andere, tatsächlich Alleinerziehende bestimmt auch. Bis vor kurzem war das Jugendamt für uns ausschließlich eine Vater-zufriedenstell-Maschine.

Ebenso eine andere Abteilung dort, die Beistandschaft, die die Beitreibung des Kindesunterhalts übernehmen sollte: sehr lange passierte nichts. Direkt nach der Trennung hat der Vater seine Arbeitsstelle gekündigt und sich jahrelang fortgebildet. Damit konnte er keinen Unterhalt zahlen, er wollte im Gegenteil Unterhalt von mir. Die Beistandschaft war nicht unbedingt schlecht, aber das Recht des Vaters auf Fortbildung (natürlich damit begründet, dass er so später mehr Unterhalt zahlen würde …) ging vor dem Recht der Kinder auf Unterhalt.

Durch seine nicht zähmbare Unzuverlässigkeit hat er mich letztlich beruflich recht ruiniert. Früher machte ich viele Wochenenddienste (Journalistin und Kleingewerbe), gut bezahlt und finanziell wesentlich attraktiver als kleine Einzelaufträge unter der Woche. Da konnte ich auch nichts mehr mit Babysitter auffangen, weil ich ja auch nie wusste, ob er zum Umgang kommt oder nicht, ob der teure Babysitter gebraucht wird oder nicht. Ich muss die Wochenenden jetzt immer zu Hause bleiben.

 

Wie sieht die Beziehung des Papas zu seinen Kindern aus? Wie geht es dein Kindern mit der aktuellen Situation?

Ganz aktuell geht es den Kindern gerade richtig gut, denn es ist Ruhe eingekehrt. Es gibt aktuell keinen Kontakt, auf Wunsch der Kinder!

In diesem Jahr hat der Vater sie gar nicht mehr zum Umgang abgeholt, ohne jede Ansage oder Entschuldigung. Allerdings versuchte er mir das beim Jugendamt in die Schuhe zu schieben. Da war ich an dem Punkt, wo ich drauf und dran war, den Glauben an das Gute zu verlieren.

Ich bin zum Beispiel gesetzlich verpflichtet, die Kinder positiv auf den Umgang einzustimmen und habe das immer gemacht, bis jetzt! Egal, wie doof sie den finden. Egal, wie sie sich beschweren. Grundsätzlich wird angenommen, dass ein Kontakt zum getrennten Elternteil besser ist, als kein Kontakt. Wahrscheinlich auch, damit sich die Kinder selbst ein Bild vom anderen machen können. Hatten meine aber längst. Seit Jahren!

Vor einigen Wochen wurden erstmals in all den Jahren meine Kinder selbst befragt, was sie eigentlich zu der ganzen Geschichte meinen. Sie wurden einzeln vom uns betreuenden Mitarbeiter des Jugendamts befragt und äußerten, dass ihnen die Unzuverlässigkeit des Vaters momentan zu sehr auf die Nerven gehe und sie momentan keinen Kontakt wünschen.

Damit war es dann auch in Ordnung, der Mitarbeiter stufte die Kinder als glaubwürdig ein und wird gegen ihren Willen wohl keinen Umgang mehr empfehlen. Zum Glück wurde hier nicht erneut gegen ihren ausdrücklichen Willen entschieden. Das Amt hat die Kindesentscheidung dem Vater mitgeteilt und seitdem ist alles wie immer: wir hören nichts von ihm. Neu ist: wir müssen nun nicht mehr seinen Wünschen nachkommen, wenn er sich mal melden sollte.

 

Gibt es MeTime für dich? Wie schaffst du deinen Alltag? Wo sind deine größten Hindernisse, was findest du hilfreich?

MeTime ist meine Arbeit, Kopfarbeit, das genieße ich unendlich, und Sport, wenn ich es schaffe. Den Alltag schaffen …, lach, das ist so eine Sache. Haushaltsqueen bin ich ohnehin keine, da bin ich recht schmerzfrei. Irgendwer müsste aber mal wieder meine Wohnung putzen. Hindernis oder Hürde ist definitiv, dass ich auch noch pflege und das unberechenbar zeitaufwändig ist und vor allem nervlich oft über den Anschlag geht. Einer von beiden ist ein Schwerpflegefall, seit Jahren. Wenn meine Nerven allzu blank liegen, schicken die Kinder mich in den Wald, weil sie wissen, wie mich das erdet. Wohltuend und hilfreich ist außerdem die Vernetzung über Twitter und das Luftrauslassen im Blog. Und als Sahnehäubchen besuche ich besonders im Winter möglichst alle paar Woche die Sauna.

Etliche Ehrenämter (!) habe ich momentan auf Eis gelegt, weil die Pflege gerade sehr anstrengend ist. Also: reduzieren ist ein Tipp.

Ich versuche, jeden Tag bewusst Zeit mit den Kindern zu verbringen, wenn das gelingt, ist es toll. Denn unser Alltag ist so trubelig, dass wir selten entspannte Momente haben, in denen nicht gleich für irgendwen der nächste Termin ansteht und ich alles im Blick behalten muss.

 

Wie kann gelungene Erziehung aussehen wenn der Vater nicht nur nicht präsent ist sondern auch Steine in den Weg legt wo er kann? Wie schaffst du es, deinen Weg weiter zu gehen und was könnte anderen in einer ähnlichen Situation helfen?

Ich kann gar nicht sagen, wann Erziehung für mich gelungen ist. Eine Ratgeberlese-Mutter bin ich nicht, ich erziehe intuitiv. Förderwahn ist mir total fremd, ich veranstalte selten bis nie Lernspiele oder pädagogisch wertvolles irgendwas und so weiter. Ich gebe den Kindern Zeit und Raum, Erfahrungen selbst zu machen. Dann passiert Entwicklung nach meiner Überzeugung alters- und persönlichkeitsgerecht. Weil, klar, so ist es immer, ich viele Erfahrungen selbst nicht machen durfte, da meine Eltern meinten, wenn sie mir von ihren berichten, reicht das. Also mache ich das bei meinen Kindern anders. 

Ich freue mich über jeden Mann, der in unserem Alltag auftaucht, sei es als Lehrer, Trainer, Onkel oder Bekannter, weil die Kinder dort erleben, wie Männer sind. Vielleicht sind sie gar nicht anders als Frauen, vielleicht doch. Definitiv sind sie in unserem Alltag aber zu wenig Männer präsent, um als role model zu taugen. Das Kind in Klasse 8 hat jetzt erstmals einen Lehrer. Vorher hat es nie Männer erlebt, außer im Vorbeigehen und eben Verwandte.

Langfristig wird sich dieser Aspekt übrigens, nicht nur bei meinen Kindern, sondern gesellschaftlich sehr negativ auswirken. Lauter verunsicherte Menschen, die aus freier Wildbahn beziehungsweise eigener Erfahrung nicht wissen, was Männer sind, überspitzt formuliert.

Für mich persönlich sind die finanziellen Schwierigkeiten die schlimmsten. Ich beziehe keine Sozialleistungen und bleibe lieber unabhängig. Es ist mir unvorstellbar, als junger, gesunder und geistig fähiger Mensch nicht selbst für meinen beziehungsweise unseren Lebensunterhalt aufzukommen. Dass das dank ungenügender Kinderbetreuung immer noch schwierig ist, kann nicht zufrieden stellen! Die Frage nach der Finanzierung der Krankenversicherung als Selbständige kostet mich seit Jahren viele Nerven, aber: es läuft.

Insgesamt bin ich schon sehr zufrieden. Nach vielen Jahren, in denen bei allem immer nur eine Hand frei hatte, weil auf der anderen ein Kind nach dem anderen saß, kann ich schon eine ganze Weile wieder beidhändig zupacken. Damit kann man das meiste ganz gut schaffen. ;)    

 

Mehr von Mamamotzt findet ihr auf dem gleichnamigen Blog.

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