Alleinerziehend mit Zwillingen die erste Zeit überleben - ein Mama Interview

Ela Popela hat nicht nur einen lustigen Spitznamen, sie ist auch eine ziemlich lustige Person. Ich habe sie auf Twitter entdeckt und bin schnell auf den Trichter gekommen, dass sie ein ziemlich krasses Leben hat: alleinerziehend, mit Zwillingen, einen Ex der nicht wirklich präsent ist, mal eben umziehen und dann auch noch am Rande des Nervenzusammenbruchs. Mit der Frau musste ich einfach ein Interview machen... lest selbst!

 

Bildrechte: Ela Popela

 

Du bist alleinerziehend mit Zwillingen – wie und wann kam es denn zur Trennung vom Papa und wie präsent ist er jetzt in eurem Leben?

Im Zuge der Schwangerschaft erfolgte die Trennung nachdem absehbar war das wir Probleme haben die wir nicht überwinden können, auch angesichts der Tatsache das wir dann 3 Kinder haben würden, denn Twinpapa hat noch einen Sohn aus einer früheren Beziehung der mittlerweile 13 Jahre alt ist. Twinpapa kommt zwischen 1 und 3 mal im Monat, wenn er möchte kann er auf Grund der Entfernung bei uns übernachten damit er wirkliche Quality-Time mit den Twins hat. Andere AE-Mamis kritisieren dieses Vorgehen da sie denken das ich dem Papa gegenüber zu gutmütig bin. ( Merke: der Vater eurer Kinder ist nicht euer Feind, er ist der Vater eurer Kinder und der beste Vater der er sein kann oder sein will, egal was ihr erwartet, in einer gemeinsamen Beziehung ist der Ex-Partner ja auch nicht perfekt, warum sollte er es hinterher sein?)

 

Wie organisierst du euren Alltag? Wer hilft dir und wann hast du mal Zeit für dich?

Puh, auch nach 11 Monaten hat sich noch nicht wirklich ein Alltag eingependelt, dafür verändert sich einfach ständig zu viel bei den Kleinen und auch bei mir, dazu kommt das ich vor 2 Monaten einen größeren Zusammenbruch erlitt und mich selber erst einmal neu organisieren musste. Aber im Groben läuft es so ab das wir morgens zunächst ein kleines Frühstück abhalten und ich nebenbei erledige was am Vorabend liegen blieb, wenn wir keine Termine haben steht haushalten und dergleichen auf dem Programm, nachmittags ist immer für die Kleinen reserviert und es wird gemeinsam das Abendessen vorbereitet. Danach wird gebadet und gespielt bis Mädchenbaby und Männerbaby müde sind und Zeit zum Schlafen ist. Meist fühle ich mich wie Sisyphus mit seinem Stein.

Meine Familie ist mir nach meinem Umzug eigentlich die größte Hilfe wenn gleich die Hilfe schmaler ausfällt als erwartet. Meine Eltern und mein Bruder sind berufstätig, Mama und Papa gesundheitlich etwas angeschlagen, aber allein die Tatsache sie in meiner Nähe zu wissen tut mir unglaublich gut, und auch das Wissen darüber das sie im Notfall jederzeit erreichbar sind und kommen können entspannt mich sehr. Zeit für mich kenne ich aktuell nicht, ich denke das Kinder gemessen an ihrer, meiner und unserer gemeinsamen Lebenszeit nur sehr kurz so bedürftig und abhängig sind, so das ich das ganz gut verkraften kann. Es hilft sich kleine Inseln zu schaffen.

 

Was sind die größten Probleme für dich? Wie gehst du mit ihnen um?

Mein größtes Problem ist mein Perfektionismus und mein Wunsch immer alles zu Planen und nach Plan laufen zu lassen. Das funktioniert nicht und das einzusehen fällt mir schwer, auch der Umgang mit nicht erfüllten Erwartungen ist ein Problem für mich. Ich werde dann reizbar, bin genervt und extrem wütend. Wenn nix mehr geht, verlasse ich die Situation, rufe meine Mutter an und schrei sie an (Sry Mom ich liebe dich trotzdem) meistens geht’s dann wieder.

 

Du bist ehemaliges Partygirl – um wieviel Grad hat sich dein Leben gedreht? Vermisst du es oder kannst du noch ab und an Partymachen?

Mein Leben hat sich extrem verändert, weil auch ich mich verändert habe und auch meine Ansichten zum Leben allgemein. Ich denke oft mit ein bisschen Wehmut zurück, und manchmal wünsche ich mich auch zurück und dann sehe ich Bilder und frage mich ob das wirklich so wichtig ist und fühle mich teilweise regelrecht abgestoßen von dem was mir einst so wichtig war.

Da ich noch sehr viel stille ist nicht viel mit Partymachen, aber das ist ok. Meine Zeit kommt wieder. Und dafür steht schon ein kaltes Bier im Kühlschrank ( ich bekam es zur Geburt geschenkt)

 

Was sind deine beruflichen Pläne und wie wird es mit der Vereinbarkeit aussehen nach deiner Elternzeit?

Keine konkreten Pläne, da ich nicht weiß wie es gesundheitlich weiter geht, aber verschiedene Ideen was möglich ist. Vereinbarkeit und der Beruf der Krankenschwester schließen sich meiner Meinung nach aus, wenn man nicht möchte das die eigenen Kinder überwiegend fremd betreut werden.

 

Was sind die besonderen Dinge im Leben mit Zwillingen? Wie unterscheiden sich Männer- und Mädchenbaby?

Hmmm besonderen Dinge mit Zwillingen? Keine Ahnung, ich weiß ja nicht wie es mit nur einem Kind wäre. Man wird oft angesprochen und angestarrt. Es gibt doofe Kommentare (und doofe Antworten) aber auch sehr nette und freundliche Kommentare. Sehr unterschiedlich.

Mädchenbaby ist ein Energiebündel, sehr neugierig und immer auf zack, aber sie ist auch sehr fordernd und macht sich oft sehr lautstark bemerkbar. Sie ist ohne Rücksicht auf Verluste unterwegs und nietet alles um, Kater, Männerbaby, Wäschekörbe. Sie ist ne kleine Rampensau, sehr wild und weiß sehr genau was sie will und was nicht. Männerbaby ist viel ruhiger, er beobachtet genau und denkt nach (er legt dann die Stirn so richtig in Falten), er ist sehr nähebedürftig, viel mehr als seine Schwester, und er liebt Musik, er tanzt und quiescht wenn er Musik hört die ihm gefällt. Und er lacht so gern und so Herz erweichend. Haaaach ich könnte ihn stundenlang knutschen.

Wenn ich sagen müßte wer das einfachere Kind ist, könnte ich das nicht entscheiden. Beide sind auf ihre Art schwierig, wenn auch völlig unterschiedlich und beide haben ganz spezielle Eigenschaften die sie unverwechselbar machen. Äußerlich unterscheiden sie sich so: Mädchenbaby hat Haare, Männerbaby trägt offen...

 

Gibt es einen neuen Mann in deinem Leben oder wie kannst du dir eine künftige Beziehung vorstellen?

Nein, kein Mann weil keine Zeit. Ich kann mir auch keine konventionelle Beziehung mehr vorstellen. Dafür habe ich einfach zu viele schlechte Erfahrungen gemacht und die würde ich meinen Kindern gern ersparen. Ansonsten: Kommt Zeit, kommt Mann ( wobei meine Ansprüche angeblich zu hoch sind und unerfüllbar → Zitat mein Ex)

 

Wie zur Hölle hast du die fiese Anfangs – Baby – Zeit ganz alleine überstanden?

Hä?

Nein Spaß bei Seite, ich habe es schon oft gesagt: mit der richtigen Dosis Wahnsinn geht alles. Wenn man dann noch leidensfähig ist rutscht man da auf einer Arschbacke durch. Die ersten 3 Monate hatte ich zusätzlich eine Haushaltshilfe da mein Allgemeinzustand nach der Schwangerschaft und Höllenentbindung zu schlecht waren um allein für uns zu sorgen, doch danach habe ich bis vor 7 Wochen zu 98% alles allein gemacht.

 

Welche Tipps würdest du speziell alleinerziehenden Eltern mit auf den Weg geben?

Sucht euch Hilfe! Zieht um wenn nötig! Baut euch ein Netzwerk auf das funktioniert wenn es drauf ankommt und erkennt früh genug eure Grenzen bevor eure Gesundheit leidet und ihr nicht mehr könnt.

Und das Wichtigste: ihr müßt den fehlenden Elternteil nicht ersetzen. Bringt nix außer Frust.

 

Mehr von Ela könnt ihr auf ihrem Blog lesen: Keins bestellt, 2 bekommen

#DarmstadtElternblogger die Infos für die Teilnehm...
Warum wir kein stinknormaler Familienblog sind

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