Berufseinstieg wie aus dem Bilderbuch

So, das war es also. Mein „Hausfrauen-Dasein“ ist vorbei! *schluck* Wie ich das finde kann ich gar nicht so genau sagen. Ein tränendes und ein lachendes Auge gleichzeitig. Völlig gegensätzliche Gefühle. Wie es die letzten zwei Jahre war. Wie das ganze Mama Ding an sich.

 

 

Eine richtige Entscheidung?

Ich habe meine Elternzeit verkürzen müssen, da ich im Januar keinen Platz mehr bei Tagesmutter oder Kita bekommen hätte. Aber um solche Insider Kleinigkeiten macht man sich ja zum Zeitpunkt der Antragsstellung (Schwangerschaft!!!) noch keine Gedanken. „Wie?! Sie nehmen neue Kinder immer nur zum August auf? Häääh?“

Die Tage vor der Eingewöhnung zogen sich wie Kaugummi. Das Wetter war schlecht. Mein Sohn genervt. Ich genervt und konnte es kaum erwarten endlich rauszukommen aus der Gefangenschaft des Elterndaseins. Endlich wieder unter Menschen! Andere Gesprächsthemen! Mal alleine aufs Klo! Warmer Kaffee! Süßes nicht heimlich runterschlingen müssen! Ihr kennt das... Und dann war es soweit und mir war nur noch zum heulen zumute... Mein Baby allein da draußen?! Mit fremden Menschen, mit fremden Kindern! Können die das? Dürfen die das? Hält meiner das aus?

Die Eingewöhnung von meinem geräuschempfindlichen Sensibelchen lief tatsächlich relativ reibungslos. Also dafür das mein Sohn sein erstes Lebensjahr auf mir und meinem Mann gewohnt hat. Ablegen war nicht möglich. Ein Dasein ohne Körperkontakt war für ihn nicht erträglich. Kinderwagen? Autositz? Ein no go! Arm, Bauch oder Brust und sonst nix anderes. Es war schwierig das erste Jahr. Und auch heute schläft er nur an der Brust ein.

Ich habe in meinem Innern ja nicht daran geglaubt das das funktioniert mit der Fremdbetreuung. Aber schau an. Als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Mittagsschlaf im Reisebett ohne Brust? Kein Problem! Ich war wahrlich platt und hätte ihn am liebsten gefragt, warum er das bei uns nie gemacht hat.

 

Plötzlich alleine

Der erste Tag alleine zu Hause war total gruselig. Ich habe mich dabei ertappt wie ich vor mich hin geredet habe als wenn mein Sohn da gewesen wäre. Wie wenn man alleine einkaufen geht und aus Reflex den Einkaufswagen schuckelt... Der Tiefpunkt kam nach ca einer Woche. Da hatte ich angefangen ihn zum Frühstück und Mittagschlaf bei der Tagesmutter zu lassen. Da war die Heulerei beim Abgeben groß. Sowohl bei ihm als auch bei mir. Es wurde dann Gott sei Dank aber von Tag zu Tag besser. Mit allem. Hinbringen, Schlafen, Abholen. Jeden Tag mehr Fortschritt. Puh! Glück gehabt!

Ansonsten waren die Tage zu Hause echt produktiv. Ich habe die Ablage (einen Karton voll mit reingeworfenem Papier von 2 Jahren) endlich in Ordner geheftet, Steuererklärung gemacht, Keller aufgeräumt, bissl Unkraut gerupft. Was man halt so tut um sich von fiesen Gedanken abzulenken.

Nach 2 Wochen war die Eingewöhnung durch und mein erster Arbeitstag stand an. Da stand ich also in meinem Röckchen und fühlte mich wie verkleidet. Früher hab ich gern mal Röcke und Stiefel angezogen aber nach 2 Jahren Jogginghose und Rotzeflecken aufm Schlabberpulli war das Outfit doch etwas ungewohnt. Ich hatte tatsächlich an alles gedacht und kam einigermaßen pünktlich ausm Haus.

Da öffnete mir eine total verrotzte Tagesmutter die Tür. WTF?! Mir endglitten wohl die Gesichtszüge denn sie stammelte direkt los dass sie heute arbeiten würde. Ich sah dass es ihr schlecht ging und dass sie eindeutig ins Bett gehörte. Aber ich wollte auch nicht direkt meinen ersten Arbeitstag blau machen... Nachdem ich halbherzig angeboten hatte meinen Sohn wieder einzupacken und sie mir versicherte dass sie arbeiten könne, fuhr ich dann doch zur Arbeit.

 

Auf der Arbeit

Dort angekommen war meine Chefin natürlich nicht da, obwohl wir einen Termin hatten um darüber zu sprechen in welchem Bereich ich jetzt arbeite. Auch gut. Trink ich Kaffee bei den Kollegen und peil mal die Lage. Es war wirklich nett und ich war froh dass sich alle freuten mich wiederzusehen. Schnell wurde klar wo es brennt, was ich mir aber durch die Medienberichte schon gedacht hatte: Flüchtlingsunterbringung. Na klar. Da bin ich dabei. Den armen Menschen eine würdige Unterbringung zu ermöglichen ist genau mein Ding!

Als meine Chefin wieder da ist meld ich mich also freiwillig ins Team zur Flüchtlingsunterbringung einzusteigen. Sie strahlt über beide Ohren und stellt mich dem Herren vor der sich bisher als einziger (!!!) darum gekümmert hat. Nun hab ich erstmal alle Großprojekte aufm Tisch, zig Begehungen, Abbruch, Neubau, Anträge, Ausschreibungen etc...
Ich muss meine Chefin nochmal dran erinnern, dass ich einen 20 Stunden Vertrag habe und keinen für 50 Wochenstunden…

 

Und direkt wieder Abwesend

Aber da die Tagesmutter für den Rest der Woche krank war, kam ich auch nicht in Verlegenheit mich zu überarbeiten. Ich habe dann mal direkt ne Woche Minusstunden gemacht. Werd ich ja dann eh schnell wieder rein holen! Und es kam wie es kommen musste. Den Montag drauf hatte mein Sohn dann ne Erkältung und ich war dann noch drei Tage mit Kind krank zu Hause. Was zur Hölle ist das denn für nen Verwaltungsaufwand das Kind krank zu melden?! Kein Wunder das das niemand macht! Werd ich auch nicht mehr tun… 

Yeah! Direkt was zum Ruf der unflexiblen Teilzeitmutti beigetragen! Unzuverlässigkeit war schon immer mein Markenzeichen! *kreisch* Nachdem mein Mann nun auch krank zu Hause war, warte ich jetzt nur noch auf meine Erkältung und hoffe, dass es meinen Sohn nicht gleichzeitig mit mir erwischt…


Und die Moral von der Geschicht:

Zur fiesesten Erkältungszeit,
plane den Berufseinstieg NICHT!

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