Brief an eine Mama, die ihr Kind ferbert und schreien lässt

Wir sind Freunde, wir kennen uns nun schon seit vielen Jahren. Zumindest dachte ich das wir uns kennen, doch zur Zeit erkenne ich dich nicht wieder. Es macht mich traurig was gerade los ist bei euch deswegen schreibe ich dies, in der Hoffnung Du liest es und nimmst es dir vielleicht doch zu Herzen.

 

 

Es ist genau 7 Tage her da riefst Du mich an. 

Fast euphorisch klangst du am Telefon. "Wir sind zurück von der Beratung, na du weißt schon wegen Linus (Name geändert) Schlafverhalten". Und wie war es frage ich dich. "Eigentlich echt gut, wir werden jetzt ferbern mit Linus". Stille, ich weiß nicht was ich antworten soll, ich schlucke und frage sie ob sie weiß was das bedeutet. Ja das weiß sie antwortet sie mir. Sie kennt meine Meinung dazu und hat mir immer zugestimmt und jetzt auf einmal so eine Wende ich verstehe es nicht. Ich rede auf sie ein am Telefon und bringe alle Argumente hervor die ich habe, doch sie sagt nur ganz trocken "du das weiß ich doch alles, aber Fakt ist er schläft nicht und ich mag so nicht mehr", dann legt sie auf. Ich sitze auf dem Sofa schaue meine Kinder an die mich angrinsen und kann irgendwie überhaupt nicht fassen was da gerade passiert ist.

Abends gegen neun Uhr klingelt mein Handy, eine aufgelöste Stimme am anderen Ende fragt mich was sie nur tun soll er würde sich nicht beruhigen. Ich sage ihr sie soll zu ihm gehen, ihn um Entschuldigung bitten, in den Arm nehmen und ihn ganz fest halten, aber mir wird das Wort im Mund rumgedreht und ich bekomme Anfeindungen entgegengebracht.

 

Der 1. Abend, so sieht es in deinem Linus aus:

"Wow was bin ich vollgegessen und müde, ich freue mich auf mein Bett und das kuscheln mit Mama gleich. Irgendwas liegt heute in der Luft, ich bemerke es, Mama telefoniert mit Papa und ist ganz schön nervös, warum nur? Sie macht mich fertig fürs Bett, erst stillen dann bekomme ich meinen Schlafanzug an und dann noch schnell Zähne putzen und schwups liege ich im Bett. Aber halt Moment mal warum liege ich heute in diesem Käfig, darin musste ich noch nie schlafen, bisher durfte ich immer zu meiner Mama. Komisch. Dann zieht Mama meine Spieluhr auf, ich muss gähnen aber ich bin unruhig weil alles so anders ist als sonst.

Mama steht an diesem Bett ich kann sie sehen und sie streichelt mich. Die Musik ist aus, Mama macht mein Nachtlicht aus gibt mir einen Kuss und geht. Ich schaue mich um aber ich sehe nichts. Alles ist dunkel, alles ist so anders. Ich fange an zu weinen, ich will zu meiner Mama, ich habe Angst und ich brauche sie zum Einschlafen. Mama wo bist du? Ich weine immer lauter, aua jetzt stoße ich mich auch noch an diesem komischen Bett das tat weh. Endlich die Tür geht auf da ist sie meine Mama, gleich wird sie mich rausnehmen und küssen. Aber nein was tut sie denn da, sie steckt mir einen Schnuller in den Mund und fährt mir kurz durch mein Haar und geht wieder.

Was habe ich denn nur gemacht, das sie sauer ist auf mich und mich alleine lässt? Ich bekomme Panik, der Schnuller fällt aus dem Bett, ich fange an zu schwitzen und schreie. Ich weiß nicht mehr viel, alles um mich herum verschwimmt und das einzige was ich möchte ist zu meiner Mama. Wo ist sie nur? Da, ich höre ihre Stimme sie kommt wieder zu mir, endlich. Sie hebt den Schnuller auf und gibt ihn mir, ich verstehe die Welt nicht mehr was ist denn nur los? Ich habe so Angst und meine Mama hilft mir nicht. Ich weiß nicht mehr wie lange ich schreien musste aber irgendwann schlief ich ein vor lauter Erschöpfung, Mama war nicht da, sie hat mich ein alleine gelassen."

 

Linus schrie an diesem Abend vom 19.00 bis 20.40 Uhr, schlief ein und wachte gegen 23 Uhr wieder auf - schreiend.

Am nächsten Tag sahen wir uns. Ich war mir sicher dieser Horrorabend hat dich von deinem Vorhaben abgebracht und du würdest es einsehen und akzeptieren das du das Schlafverhalten deines Kindes so nicht ändern kannst. Du erzählst mir das du dir jetzt JKKSL ("Jedes Kind kann schlafen lernen" von Annette Kast - Zahn) gekauft hast und das es dir zwar schwer fällt aber ja auch dein Mann und deine Mama sagen das schreien lassen noch niemandem geschadet hat. Ich will nicht aufgeben und erzähle dir von anderen Wegen wie Linus vielleicht mal ein wenig länger schläft und erkläre dir das er mit gerade mal 8 Monaten noch viel zu klein ist um durchzuschlafen. Mir scheint es ist dir total egal.

 

Der 2. Abend, so sieht es in deinem Linus aus: 

"Ich bin ganz schön müde heute, der Tag war anstrengend und ich war nicht wirklich ausgeschlafen. Meine Nacht war nicht schön. Ich hatte einen ganz leichten Schlaf, musste sehr oft weinen und immer wenn ich aufwachte dachte ich nun sei meine Mama für immer weg. Aber meine Mama liebt mich und heute wird alles anders. Wir gehen ins Schlafzimmer und da steht wieder dieses komische Bett. Es steht so abseits und ich kann nichtmal meine Mama riechen wenn ich darin liege. Ich hasse es. Oh nein Mama geht wieder auf dieses Bett zu und legt mich hinein, ich muss weinen, ich will das nicht, ich will zu dir Mama. Aber sie versteht mich nicht. Ich werde hysterisch weil ich Angst habe das sie gleich wieder geht.

Die Musik meiner Spieluhr bekomme ich nicht mehr mit aus lauter Verzweifelung. Dann geht das Licht aus und alles ist dunkel um mich herum, überall Schatten, nichts was mir vertraut ist, ist in meiner Nähe. Da die Tür geht wieder auf und da ist sie meine Mama. Ich schreie ganz schrecklich, warum nimmt sie mich denn nicht hoch? Sie geht wieder, dann kommt sie nach Ewigkeiten wieder aber das ist kein Trost für mich, sie ist nur anwesend aber nicht da für mich. Ich habe so Angst und ich kann nicht verstehen warum meine Mama das macht. Irgendwann schlafe ich ein, ich bin komplett durchgeschwitzt und mein Kissen ist nass vom Schweiß und den Tränen.

 

An diesem Abend schrie Linus von 19.00 bis 21.12 Uhr, dann schlief er ein und wachte um 22.00 Uhr weinend und heiser wieder auf.

Ich kann dich einfach nicht verstehen. Es ist so offensichtlich das es deinem Kind nicht gut geht und du ignorierst es. Du rufst an und berichtest mir, ich sage dir das ich das nicht wissen will weil es mir weh tut wenn ich daran denke. Du argumentierst dass Freunde füreinander da sind auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind. Ja du hast Recht also höre ich weiter zu und versuche meine Wut zu unterdrücken.

 

Der 3. Abend, so sieht es in deinem Linus aus:

"Heute war ein toller Tag, Mama hat mich in der Trage gehabt und ich habe jede Sekunde bei ihr genossen. Sie fehlt mir so auch wenn sie da ist, erklären kann ich das nicht. Die Nacht war nicht schön Angst, Trauer und Resignation haben mich begleitet. Als ich aufwachte und es war endlich hell da war ich so so froh. Ich habe Angst vor heute Abend, ich hoffe es dauert noch ganz lange bis ich ins Bett muss. Ich klammere an Mama, sie ist genervt von mir, denn setzt sie mich wohin oder gibt mich jemand anderem bekomme ich totale Angst, das hatte ich sonst nie. Es ist Abend und jetzt werde ich gestillt, die Rollos werden herunter gelassen und Mama gibt mir ganz viele Küsse. Manchmal denke ich das auch sie irgendwie Angst hat aber ich weiß nicht wovor.

Wir gehen ins Schlafzimmer, ich sehe das Bett und muss weinen. Ich hasse dieses Bett so sehr. So einsam und verlassen fühle ich mich darin. Mama macht meine Spieluhr an, doch die Musik die ich mal sehr schön fand läutet jetzt eine schreckliche Zeit ein deshalb mag ich sie nicht mehr. Das Licht geht aus ich muss weinen. Heute habe ich so Panik und muss so schreien das mir ganz komisch wird im Bauch. Mir ist ganz schlecht und ich will zu meiner Mama aber sie kommt wieder nur kurz und gibt mir meinen Schnuller, dann muss ich brechen. Alles ist voll mit Milch und Brei und stinkt, ich liege lange da und Mama hilft mir nicht. Als sie endlich kommt sehe ich das sie auch weint, ach Mama nicht weinen ich bin doch da siehst du. Sie macht mich sauber und ich dachte sie bleibt jetzt bei mir aber sie geht wieder.

Ich muss soviel weinen das ich schon keine Tränen mehr habe. Jetzt habe ich mir auch noch meinen Kopf ganz feste angehauen und das macht mich wütend, weil dieses Bett so doof ist und mich trennt von allem was ich kenne und liebe.

 

Nach dieser Nacht schreibst du mir eine Nachricht mit den Worten:

"Oh ne jetzt hat er heute Nacht Kotzen müssen vor lauter Weinen, ich zweifel doch gerade aber jetzt haben wir den Anfang gemacht ich ziehe das jetzt durch. Heute waren wir bei der Oma, seit wir das Training machen hat er Angst wenn ich den Raum verlasse, komisch oder?". Ich wusste nicht was ich schreiben soll also schrieb ich nur das es mir leid tut, das ich denke das eure Beziehung darunter leidet schrieb ich nicht aus Angst dass du dann sagst dass ich endlich deine Sachen die du machst respektieren soll. Ich versuche es aber es fällt mir wirklich schwer.

 

Der 4. Abend, so sieht es in deinem Linus aus:

"Draussen wird es dunkel und ich weiß schon was jetzt kommt. Allein der Gang ins Schlafzimmer macht mir schon Angst. Ich weine und trotzdem legt Mama mich ins Bett. Ich weiß nicht was ich getan habe, warum ich da jetzt schlafen muss und warum niemand da ist der mir hilft. Das Licht geht aus und ich muss weinen. Ich weine nach Mama aber ich weiß sie wird mir nicht helfen. Ich zittere vor lauter Panik, ich nehme mir meinen Teddy, der Einzige der noch da ist bei mir und drücke ihn. Irgendwann schlafe ich ein, wimmere vor mich hin, träume ganz schlimme Sachen. Dann wache ich auf. Alles dunkel, keine Mama da. Ich kann nicht mehr weinen alles tut weh vom vielen weinen. Ich drehe mich um suche verzweifelt nach etwas was ich kenne. Nichts. Nur Dunkelheit. Ich gebe auf. Es nutzt nichts niemand kommt und hilft mir also warum soll ich weinen...?

 

Eine Nachricht kam von dir nach diesem Abend:

"Ha na was habe ich gesagt er ist nach nur einer Stunde weinen eingeschlafen mit seinem Teddy im Arm und hat bis 4 Uhr geschlafen ohne weinen. Es funktioniert also doch!". Ich antworte dir nicht weil ich nicht weiß was ich dazu sagen soll. Keine vier Stunden später kommt eine weitere Nachricht von dir. Linus sei so komisch und abweisend, ob ich denke das käme davon das er jetzt endlich schlafen kann? Ratlosigkeit macht sich breit bei mir. Ich würde nun gerne gehässig sein und sagen ich habe es dir doch gesagt! Aber ich kann nicht.

 

Du riefst an gestern. 

Er habe jetzt zwei Nächte so toll geschlafen und nun fängt er schon wieder das Schreien an und wacht nachts noch öfter auf als vorher. Bitte nimm ihn wieder zu dir ins Bett, er ist so klein, er braucht dich! Er leidet, genauso wie du. Lass dir nicht einreden schreien lassen sei eine gute Methode. Bitte fang endlich an auf dein Herz zu hören, ich verspreche dir er wird schlafen irgendwann und das wird er von ganz alleine lernen, JKKSL braucht er dazu nicht!

 

Sind die pflegeleichten Kinder fair verteilt auf E...
Ist das noch mein Kind? Ich verstehe sie einfach n...

Ähnliche Beiträge


Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting