Und dann stehst du da, allein. Die neue Einsamkeit als (high need Kind) Mama

Man stellt sich das in der Schwangerschaft oder auch davor schon so schön vor. Man macht eine Menge Kurse mit, lernt andere Eltern kennen, vor allem natürlich andere Mütter, mit denen man diese ganzen Phasen gemeinsam durchstehen kann und die alle beste Freundinnen werden. Die Kinder wachsen zusammen auf, spielen miteinander, man kann sie abwechselnd betreuen, man kann immer jemanden um Rat fragen. Leider ist das oft nicht die Realität, denn als Mama steht man noch einsamer da als zuvor... Erfahrungen aus meiner ersten Schwangerschaft und Neu - Mama - Zeit.

 

 

Schwanger - die Freunde verabschieden sich so langsam

"Waaas, du bist schwanger? Juhuuuuuu!" So reagieren zwar viele, aber wenn man dann mittendrin steckt, will doch keiner die ganzen Details wissen. Es passiert so viel mit dem Körper, dass man ständig darüber reden möchte und damit die Freunde langweilt. Ausnahmen sind natürlich die total kinderlieben Menschen oder welche, die schon Kinder haben - wobei in letzterem Fall bekommt man dann auch gern mal unaufgefordert Ratschläge erteilt oder Sprüche à la "Ich hab mich nicht so angestellt" reingedrückt. Einfach nur zuhören und mitfreuen ist eher selten. Und ich habe leider auch die Erfahrung gemacht, dass die Freunde sich verabschieden, sobald man nicht mehr die glücklich strahlende Schwangere ist, die immer noch fit ist und alles mitmacht. Wer sitzt schon gern Händchen haltend auf dem Sofa, während die sorgenvolle Mom - to - be herumschnieft, weil sie einfach nur eine Scheißangst hat? Oder wer telefoniert gern mit so einer Schwangeren, die plötzlich wenig Interesse an dem letzten Drogeriemarkt - Haul hat? Ist ja auch echt egoistisch sich nicht mehr für das "normale Leben" zu interessieren, gell... In den ganzen Schwangerschaftskursen waren auch eben diese glücklichen Schwangeren, die prahlten, welche Berge und Spaziergänge sie noch erklimmen konnten, während ich froh war, die Treppe herunter gekommen zu sein, ohne zu heulen vor Schmerzen. Und so saß ich da und fühlte mich fremd...

 

Das Baby ist da - Und ich bin auf einmal weg

Was habe ich mich auf mein Baby gefreut. Nachdem ich lange liegen musste, waren die letzten Schwangerschaftswochen sehr chillig und ich verbrachte sie in einer Art Nestbau - Zen - Meditation. Kochen, Backen, Dekorieren, Schlafen, Lesen, Serien schauen. Ich war so faul und müde und glücklich. Mittlerweile hatte ich mich an die Einsamkeit gewöhnt und dachte, dass es eben eine Phase sei und ich ja nach der Geburt wieder mobil sein würde. Stattdessen fühlte ich mich nach der Geburt einfach nur wund, innerlich und äußerlich. Alles tat weh und ich war so verletzlich und empfindsam, dass mich jeder blöde Kommentar wie ein Peitschenschlag traf. Natürlich fühlte sich auch fast jeder dazu berufen, mir mit Kommentaren "behilflich" zu sein, und da ich ein high need Baby hatte, war ja offensichtlich, das sich alles falsch machte. Meine Tochter ließ sich monatelang nicht ablegen, schlief nie alleine, weinte viel, wollte nur am Busen hängen, schlief nur kurz und nie zusammen hängend.

Es war eine total verrückte Zeit, und ich bin glaube ich erst nach zwei Wochen das erste Mal an die frische Luft gegangen und auch Monate nach der Geburt hab ich es oft erst nachmittags geschafft, Zähne zu putzen. Wie auch, wenn ich alleine war und das Gebrüll sofort los ging, wenn ich die Kleine in die Wippe setzen wollte? Ich schafft es auch nicht, sie weinen zu lassen, es schnitt mir direkt in die Seele, so schrecklich war das. Auch wenn der Papa sie hatte und sie friedlich schlief, hörte ich ihr Gebrüll wie ein Dauertinnitus.

Depressiv war ich nicht, denn ich war trotzdem glücklich - aber massiv überfordert mit der Umstellung. Und massiv überfordert von den ganzen Menschen, die von mir erwarteten, vorbei zu kommen (aber mein Baby brüllte doch von Sekunde 1 im Maxi Cosi, wie sollte ich da eine Stunde oder länger fahren können?), das Baby herumzureichen (es fühlte sich an als ob ich meine Seele hergeben sollte, und die Seele das Baby schrie auch oft direkt los, man gab es mir nicht zurück und ich traute mich nicht, es einzufordern) oder einfach die geballte Power der Ratschläge und Vorwürfe, die mitschwangen. Meine Ernährung sei gefährlich, wie kannst du denn im Familienbett schlafen, das Kind erstickt, geh doch mal da hin, mach mal das, mach mal jenes, also ich habe ja immer trotzdem.

 

Baby Kurse - nur weil man Mama ist, gehört man noch lange nicht dazu

Als ich dann irgendwann mal bereit war, in einen Kurs zu gehen, war mein Baby drei Monate alt, ließ sich gerade mal kurz ablegen und brüllte trotzdem den halben Kurs durch. Ich erinnere mich gut an die Kursleiterin der Babymassage, die mir die Schuld gab (natürlich super freundlich formuliert) - ich müsse einfach entspannter werden. Is klar. Ich war der chilligste und coolste Mensch, bevor ich Mutter wurde. Ich war und wollte nie die Klammermama sein. Ich habe mich auf mein Baby eingestellt, denn es hat mich gebraucht. Und es war die härteste Challenge meines Lebens.

Ich saß in diversen Gruppen im Laufe der nächsten Monate - Krabbelgruppen, DELFI Gruppen, sogar ein Babyturnen war dabei. Meist ging ich nur ein oder zwei Mal hin, denn mein Kind signalisierte mir überdeutlich, dass ihm alles zu viel war. Wenn es nicht direkt vor Ort alles zusammen brüllte, so brüllte es genügend auf Hin- und Rückfahrt, um mir alles noch mal genau zu überlegen. Auch den restlichen Tag und oft auch die folgende Nacht war es dermaßen durch den Wind, dass es nur brüllte und wenig schlief.

Die anderen Mütter reagierten mit Unverständnis (bei ihnen sah es aber auch immer so einfach aus), den üblichen Ratschlägen (Ich kenn sie alle! Und nein, sie haben nie geholfen) und auch mit Rückzug. Ich war die komische Mama mit dem komischen Kind, das nur brüllte. Und als es größer war, war es das ängstliche, uncoole Kind, das immer auf dem Arm sein und nie mit den anderen spielen wollte. Wobei das so nicht stimmt, sie hatte ein anderes Mädchen gefunden, das auch sehr zurückhaltend war, mit dem klappte das hervorragend. Bis heute sind sie best friends, sehr sehr süß.

 

Aber so kam es, dass ich nie dazu gehörte. Dass ich mir aber auch selbst immer dachte, wie einfach die es doch haben und mich einfach nie verstehen werden. Deshalb begann ich irgendwann mit dem Bloggen. Und dann lernte ich auch einige tolle Menschen kennen. Mo zum Beispiel. Und Ami. Andere high need Kind - Mamas, die wissen - manchmal muss man einfach nur zuhören, Verständnis haben und den anderen in den Arm nehmen. Mehr braucht es meistens nämlich nicht.

Freibad mit (high need) Kind und Baby - eine kalte...
Setzt euch ein für gesundes Essen in KiTa und Schu...

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