Kindergarten für High Need Kinder? Bei uns ist jetzt erst mal KiTa Knick angesagt

Jetzt habe ich endlich einen guten Kindergarten für Peanut gefunden, die Eingewöhnung lief erst ganz gut und jetzt stehe ich vor der Herausforderung, dass mein High Need Kind mir sozusagen um die Ohren fliegt. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie explodiert ständig, brüllt einen Großteil des Tages und hat auch Nachts starke Alpträume und Ängste. Ja, sie klammert wieder so wie zu ihren besten Lebzeiten. Die Erzieher denken natürlich jetzt, ich wäre die Helicopter Mum... 

 

 

Kindergarteneingewöhnung - zu einfach um wahr zu sein

Etwa einen Monat nach unserer misslungenen Waldkindergarten Erfahrung hatte Peanut die Möglichkeit, in einen anderen Kindergarten zu kommen. In dem habe ich mal gearbeitet, ich verstehe mich mit den Erzieherinnen und weiß in etwa, was auf sie zukommt und wie der Ablauf für die Kinder ist. Die Gruppe ist eigentlich recht flauschig und die Erzieherinnen sehr bemüht. Und tatsächlich lief der Einstieg so gut, dass ich fast ab sofort abgemeldet war. Wir "besuchten" die Einrichtung erst drei Mal, also völlig ohne Druck, nur zum schauen. Und als es dann zur eigentlichen Eingewöhnung kam, war Peanut vom ersten Tag an so extrem cool, dass ich mich regelrecht wunderte. Sie blieb allein im Stuhlkreis, tanzte mit dem ganzen Kindergarten in der Turnhalle. Ich verbrachte einige kurze Tage auf dem Flur und ab dann ging es schnell nach hause, erst eine Stunde, dann zwei, dann drei. Nach zwei Wochen Krankheit war der Einstieg ebenfalls kein Problem...

 

Wenn das Kind anfängt, im Kindergarten zu weinen

Ich dachte, die Eingewöhnung wäre nun gelaufen und begann, mir andere Pläne für morgens zu machen. Einen Babykurs mit Little Pea zum Beispiel, die sonst immer die zweite Geige spielt. Dabei ließ ich außer Acht, dass Peanut seit einigen Tagen im Kindergarten geweint hatte. Die Erzieherinnen haben das nicht besonders ernst genommen, sind ja nur ein "paar Tränchen" gekommen und sie ließ sich auch "schnell beruhigen". Auch ich wollte nicht sehen, dass es ihr nicht so gut ging beim Abholen. Dass sie total verstört aussah und fast erstarrt. Zuhause wurde es auch immer schlimmer mit ihr. Ok, von Anfang an war sie sehr aufgedreht zuhause, oft aggressiv, nachts schlief sie beschissen. Aber das verbuchte ich unter "Gewöhnungseffekt".

Nachdem sie nun öfters weinte (also im Kindergarten vermutlich ein Mal täglich), war es zuhause für uns alle nur noch zum Kotzen, denn sie war regelrecht panisch am Klammern, Weinen, Brüllen. Jetzt ist es so, dass sie anfängt zu schreien, sobald ich auf die Toilette gehe, ohne ihr Bescheid zu sagen. Sie geht nicht mehr unsere Wohnungstreppe hinunter, wenn ich ihr nicht die Hand gebe. Sie will beim Essen auf meinem Schoß sitzen und brüllt weil ich das nicht möchte. Sie will wieder Baby sein, ganz extrem. Nachts schläft sie erst kaum ein, dann sitzt oder steht sie mehrfach von einer Sekunde auf die andre im Bett und schreit wie am Spieß. Oder sie springt direkt auf mich und weint "Mama lass mich nicht allein".

 

Ist das der berüchtigte KiTa Knick? Kommt der "einfach so"?

Natürlich habe ich mir einige Gedanken gemacht und eine kleine Problemanalyse betrieben. Ich habe mich mit den Erziehern unterhalten und mit meinem Partner und Freunden ausgetauscht. Aber so wirklich dahinter gekommen bin ich noch nicht, oder denke, erst jetzt so langsam zu verstehen. Zu Beginn gab es eine absolute deluxe Eingewöhnung, die Bezugserzieherin hat sich 1:1 um sie bemüht und so konnte sie sich ganz gut fallen lassen. Freunde hat sie im Kindergarten leider nicht gefunden, die meisten sind älter und die anderen kleinen Mädchen wollen nicht so recht, weil die schon feste Spielpartner haben.

Die Bezugserzieherin hat dann gesehen, dass es ganz easy läuft und begonnen, sich zurückzuziehen, Peanut sozusagen schwimmen lassen. Klar, es ist keine Leistung des Kindergartens, und Personal ist auch immer knapp. Aber für sie war es zu früh. Jetzt stand sie vermutlich zwei Stunden in der Gegend herum (nach Morgenkreis und Frühstück) und irgendwann vermisste sie die Mama, begann zu weinen - und eine der wechselnden Erzieherinnen kümmerte sich dann um sie. Ich hatte mit Peanut abgesprochen, dass man mich anruft, wenn sie weint, das ist an der Stelle leider nicht geschehen (weil es eben als "nicht schlimm" bewertet wurde und gleich aufgefangen werden konnte, zumindest auf den ersten Blick).

Und dann kam auch noch ihre beste Freundin zum Schnuppern, mit deren Mutter, die sie auch gut kennt, und das war dann der Einbruch, dass sie gar nicht mehr dort bleiben wollte, als sie wieder ging. Ab dann sagte sie zu mir, sie möchte gar nicht mehr hin und fände es ganz schlimm. Erst als ich versprach, dort zu bleiben, konnte ich sie hinlocken - mit babyhaftem Gebrüll, wenn ich fragte, ob ich nicht doch gehen könne. 

 

High Need Kind das nicht zurecht kommt oder schon wieder eine dieser übertriebenen Klammermamas?

Ich habe ja nun einige Kommentare zu hören bekommen, sowohl im realen Leben als auch im virtuellen. Ich freue mich immer über Feedback, und auch kritische Stimmen lasse ich mir erst mal durch den Kopf gehen, bevor ich etwas dazu sage. Aber wie immer, wenn es um Kinder und deren Selbstständigkeit geht (ich kenn das ja nun als Mama eines ängstlichen Kindes schon von Anfang an), ist es oft  meine Schuld oder mein Versagen.

Vermutlich übertrage ich meine Unsicherheit (ihr habt wohl nicht gesehen wie ich endlich an meinem geliebten PC Kaffee geschlürft habe ganz gemütlich oder endlich mit Kind 2 in Ruhe spielen konnte oder andre Dinge erledigt habe), vermutlich ist es sogar so, dass ich sie gar nicht in den Kindergarten geben möchte (äh, nee!?!? Das Kind ist so anstrengend ich bin froh wenn sie morgens mal gut beschäftigt ist. Ich bin keine Zuhause - Erzieherin da würde ich ausflippen!). Vertraue ich den Erzieherinnen etwa nicht? (Doch, ich fand sie ziemlich gut wie sie das gemacht haben und auch dass sie den Drive jetzt rausnehmen und mich wieder dabei bleiben lassen ohne massive Gegenwehr.) Hat Peanut irgendein einschneidendes Erlebnis zuhause, das sie aufwühlt? (Nein eigentlich ist alles wie immer.)

 

Alles hängt von der Erzieherin ab - und von den äußeren Umständen

Ganz ehrlich, je länger ich darüber nachdenke, desto plausibler wird mir der Gedankengang, dass es einfach (?) zu viel für sie ist, so wie es momentan läuft. Sie soll drei Stunden von mir getrennt sein, was sie bisher nur bei ihrer Oma war (1:1 Betreuung und absolute Zuverlässigkeit, z.B. bei mir anrufen wenn sie weint), und dann soll sie sich auch allein beschäftigen, die andren Kinder wollen nichts mit ihr zu tun haben und ihre Bezugserzieherin ist auch "raus". Schwimm, Peanut, schwimm. Das ist für jedes Kind eine verdammt harte Angelegenheit.

Wie ich eingangs erwähnte habe ich auch ein paar Monate als Erzieherin gearbeitet und auch einige Eingewöhnungen gemacht und einige beobachtet. Die meisten benehmen sich wie verstörte kleine Küken, die einer Erzieherin, die das zulässt (in dem Fall ich) hinterher laufen (ja auch bis aufs Klo) und bei allem zuschauen und mitmachen wollen, was sie macht. Irgendwann fühlen sie sich so sicher, dass sie auch mal irgendwo kurz alleine bleiben und nach ein paar Wochen oder im Härtefall Monaten schwimmen sie auch allein. Im Bestfall haben sie schnell ein oder mehrere Freunde gefunden, die diese Aufgabe übernehmen. Und im schlechtesten Fall werden sie von den Erziehern eben nicht aufgefangen und weinen, manchmal auch stundenlang. Oder sind wie kleine Gespenster, die orientierungslos herumstehen bis Mama kommt oder sie zu irgendetwas genötigt werden. 

 

High Need Kind im Kindergarten - und jetzt?

Für alle, die nicht so recht wissen, was ein High Need Kind sein soll, lege ich den Beitrag von Tifas Wunschkinder ans Herz, die die 12 Kriterien für High-Need-Babies zusammengefasst hat. Eine Definition für Kleinkinder habe ich noch nicht gefunden, freue mich aber über passende Links oder Buchtipps. Peanut erfüllte diese Kriterien und im Prinzip ist es immer noch ähnlich, nur eben auf ihren aktuellen Entwicklungsstand angepasst. Sie ist auf jeden Fall sehr sensibel, vielleicht auch hochsensibel, sie ist sehr empathisch, empfindlich, kommt auf Veränderungen nicht gut klar und braucht ein sicheres Band zu einer Person, um sich irgendwo frei zu entfalten. Dann kann sie auch sehr frech werden und aufdrehen.

Im Morgenkreis macht sie von Anfang an alle möglichen Spiele mit, was "normal ängstliche Kinder" zum Beispiel verweigern. Das passt nicht zusammen. Oder doch? Ganz sicher bin ich mir auf jeden Fall, dass sie keine Emotionsterroristin ist, die mit mir Schnick Schnack Schnuck spielt. Dieses Kind hat nackte Angst und Panik und ihr geht es gerade echt beschissen. Und ich weiß jetzt gerade auch nicht, wie es weitergeht. Aber wie so oft werde ich ein paar Schritte zurückgehen und warte darauf, dass sie mich überrascht - denn auch das hat sie schon sehr oft getan.

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