Führt eine (zu) liebevolle Erziehung zu Arschlochkindern? Meine Frage, eure Meinung

Immer wieder stosse ich auf Kommentare solcher Art und langsam wird es mal Zeit für einen Artikel. Vor etwas mehr als einem Monat habe ich auch mal bei Facebook und Twitter nach eurer Meinung gefragt und war nicht allzu überrascht, viel positives Feedback zu bekommen (bin ja immerhin überzeugt von meinen Ansichten). Aber wieso hält sich dann die Meinung weiterhin hartnäckig? Ich habe euch mal meine sehr subjektive Umfrage vorbereitet und einen Abschlusskomentar verfasst.

 

 

Die Frage an die Community: führt eine (zu) kinderorientierte Erziehung zu Kackbratzen*?

*Kackbratzen stellt by the way nicht meine Meinung dar sondern die der Kommentatoren. Eine Kackbratze sei demnach ein Kind, das nicht genug Grenzen gesetzt bekommen hat und deshalb frech und unerzogen ist.

 

These 1: Ja - man schaufelt sich sein eigenes Grab wenn man nicht konsequent genug ist

 

These 2: Nein - alle Kinder sind manchmal Kackbratzen und das hat nichts mit Erziehung sondern Entwicklung zu tun

 

These 3: Nein - Kinder lernen am positiven Vorbild und werden ebenfalls liebevolle und respektvolle Menschen

 

Die Auswertung - und meine Meinung zu dem Ganzen

Also wie ihr sehen könnt hat sich eigentlich alles ganz gut die Waage gehalten. Was ich wichtig finde zu sagen: jeder soll und darf seine eigene Meinung haben und sicherlich gibt es auch unumstößliche Wahrheiten vonwegen Kinder müssen gewaltfrei erzogen werden. Trotzdem finde ich es heftig, dass man als Eltern ständig unter Beobachtung und Beurteilung steht, sei es durch das Bloggen (ok, selber Schuld), die Familie, Nachbarn, Staat oder gar Fremde auf der Straße. Kindererziehung interessiert scheinbar (fast) jeden und (fast) jeder hat auch eine Meinung dazu. Ist auch in Ordnung, aber nicht in Ordnung finde ich es, anderen immer ein "Du machst alles falsch du Depp" reinzudrücken, wenn nicht alles flockig läuft. Glashaus und Steine und so.

Ich persönlich bin übrigens Anhängerin von These 3, wobei ich auch These 2 nicht ganz unlogisch finde: gerade die Autonomiephase ist normal und wichtig für die Entwicklung eines Kindes und dann kommt es eben darauf an, wie man damit umgeht. Ich sehe bei meiner Tochter, dass sie sehr emotional ist und auch sehr heftige Stimmungen durchlebt, aber ich sehe auch, dass sie eine ganz liebevolle und selbstbewusste Pippi geworden ist - und keine angepasste Annika. Genau das ist, was ich mir für sie gewünscht habe und das freut mich auch unwahrscheinlich. 

Meinem Partner und mir ist es wichtig, unsere Tochter nicht zu unterdrücken, sondern sie zu stärken und ihr wo es geht einen gewissen Freiraum zuzugestehen, in dem sie über sich selbst bestimmen kann. Ihr zuzutrauen, etwas zu schaffen, sie nicht zu bremsen und dabei zuzusehen, wie sie etwas ganz alleine schaffen kann. Ihr aber auch Halt und Schutz zu geben, wo sie Angst hat und sie nicht zu drängen, wo sie es partout nicht möchte. Und ja, auch mal ihre Wutanfälle auszuhalten, ohne sie zu unterdrücken. Die scheinbar unsinnigen Dinge mitzumachen, die ihr Halt geben, wenn sie für uns machbar sind. Wir glauben nicht nur daran, sondern sehen auch, dass es ihr gut tut - auch und vor allem in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

 

In Fachkreisen nennt man das übrigens Attachement Parenting, und wer gern mehr über die Hintergründe erfahren möchte, kann sich gern mal den Text bei Geborgen Wachsen reinziehen: Wie Kinder mit Attachement Parenting zu unabhängigen Teenagern werden.

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