Hypnobirthing, Schreien und Wehensturm: Geburtsbericht Maple Teil 2

Nach dem wunderbaren Frühlingstag, den ich ausgekostet und mit meinen Aktivitäten zum Platzen der Fruchtblase beigetragen habe (nach schönen Tagen sind die Kreißsäle immer voll), befinde ich mich, so endete Teil 1, also nachts um halb vier mit geplatzter Fruchtblase im Bad. Ich kuschele mich wieder ins Bett und will ganz bei mir sein. Ich verfalle sofort in mein Inneres, in meine Bilder vom Hypnobirthing, denke an mein Mantra, wiederhole die immer und immer wieder wiederholten Mechanismen des Hypnobirthing.

 

 

Hypnobirthing

Ich glaube, ich habe eine ganz andere Art von Hypnobirthing-Ansatz gemacht als andere. Ich habe mich in der Vorbereitung auf eine Reise durch die gute Geburt begeben, dabei immer wieder veranschaulicht, dass eine Kontraktion (Wehe) kommt, meine Lippen völlig entspannt, mir vorgestellt, wie mein Muttermund gleichsam einer einer Blüte sich öffnet, habe die Hormone durch meinen Körper rauschen, ja, ihn wundervoll fluten sehen – Oxytocin in einem warmen, kräftigen Pink-Ton, verteilt ganz in mir, wie wenn eine Nebelmaschine weißen Nebel macht, und Endorphin als strahlend gelben FarbtonMich auf mein Kind gefreut. Gedacht: Komm zu mir! Mein Mantra.

In meinem Hypnobirthing sprachen wir nicht von Wellen, sondern von Kontraktion und Relaxation. Das mag sperrig klingen, aber ich habe dabei natürlich die Stimme meiner Hypno-Hebamme im Ohr, und wenn sie das Wort „Relaxation“ aussprach, klang es immer wie ein Seufzer der Leichtigkeit, als würde alles von einem fallen. Durchatmen. Tief Luft holen, zurückkommen. Bis zur nächsten Kontraktion, bei der in wieder völlig im Rausch der Farben, im Öffnungsbild und in der Vorfreude auf mein Kind versinke. Diese Verknüpfungen haben wir so oft geübt, dass sie mit den echten Wehen tatsächlich genauso funktionieren.

Ich bin die Ruhe selbst. Ich weiß, ich habe das Zeug dazu, ich weiß, was zu tun ist, ich bin sicher. Ich weiß, man fährt sowieso immer viel zu früh ins Krankenhaus. Ich will in der Geborgenheit meines eigenen Zuhauses bleiben. Wenn es an der Zeit ist, wird Karl Maya, meine Hebamme, anrufen, damit wir uns im Krankenhaus treffen. Im Krankenhaus, das einen so tollen, hebammengleiteten Kreißsaal haben und einen Chef, der so sehr in die Natur und in die Frauen vertraut, der Kaiserschnitte ablehnt, viel Erfolg mit sanften Wegen hat, der so toll ist, dass wir trotz sofortiger Überzeugung, dort zu gebären, dreimal beim Informationsabend waren, weil es einfach so schön dort war. Hundertprozentig nach meinem Gefühl. Die Wehen kommen so alle … keine Ahnung … alle zehn, dann alle acht Minuten vielleicht? Ich sehe auf keine Uhr, ich bin ganz in mir versunken.

 

Wo ist die Grenze zwischen atmen und schreien?

Irgendwann esse ich ein Müsli im Bett, denn ich weiß, zu einem geordneten Frühstück komme ich nicht mehr. Ich gehe dann auch duschen (völlig überflüssig, wie ich später feststelle), damit ich das noch in Ruhe erledigen kann. Aber irgendwie werden die Wehen immer heftiger (also das konnte ich ja nicht wissen :D), und ich stecke sie nicht mehr so locker weg.

Ich atme schon lauter. Das ist ja gut, das Atmen ist mein Ventil. Sanfte Wehen, leises Atmen, dollere Wehen, lauteres Atmen. Ich spüre, dass es gut ist, weil ich den Schmerz, der ja gut und sinnvoll ist, irgendwohinkompensieren kann. - Ich atme … ziemlich laut. Es steigert sich heftig. Ich ziehe mich unter zig Wehen an, kann mich aber nicht mehr auf den Beinen halten. Ich sitze auf dem Badewannenrand. Der beste Platz, weil er mich hält, aber gleichzeitig unter mir offen ist. Ich spüre deutlich, ich brauche Platz. Auf einem Stuhl zu sitzen, ist unerträglich. Ich weiß nicht, wie viele Wehen ich brauche, um mir die Schuhe anzuziehen. Das ist der Moment, in dem es kippt. Sie sind so heftig, ich muss mittlerweile schreien, um den Schmerz rauszulassen. Es hat sich einfach gesteigert, im Grunde atme ich immer noch die Wehen weg, aber sie sind so kräftig, dass auch mein Luft rauslassen ebenso kräftig ist.

 

Wehensturm, zu Hause

Das Problem ist, wo ist die Relaxation? Ich bin nur noch eine einzige Wehe. Ich denke, das kann nicht sein, wieso ist da keine Pause, keine Entspannung? Erst viel, viel später lese ich, was ein Wehensturm ist: Wehe an Wehe an Wehe – ohne Pause. So ist es bei mir, und ich versuche dabei, den Weg ins Auto zu schaffen. Wir haben etwa eine halbe Stunde Fahrt vor uns, vielleicht 25 Minuten. Karl kurbelt mir den Sitz ganz nach hinten – ich kann einfach nicht sitzen, das fühlt sich an, als komme noch mehr Druck hinzu, von unten halt.

Einerseits verschwimmen Zeit und Raum, andererseits nimmt diese Fahrt kein Ende. Ich schreie und schreie. Es musst klingen, als schreie ich um mein Leben, aber ich schreie halt so laut, wie die Wehen heftig sind. Ich spüre, wie etwas an etwas anderes ziemlich so ganz unten in mir anstößt – ich habe ja keine Ahnung! Ich kann Euch nur im Nachhinein sagen: Das ist der Punkt, an dem das Kind das Signal für Presswehen gibt. Ich habe Presswehen, aber ich sitze im Auto und schreie sie raus.

Karl parkt direkt vor dem Krankenhaus auf einem Storchenparkplatz. Die nächste Wehe kommt, und ich bin so froh über den Blumenkübel, der da steht. Ich brülle. Wie eine Löwin :)

Zu der Zeit ist es halb 8. Halb vier Blasensprung, ab etwa 6 Uhr so heftige Wehen, dass ich in geburtsunterstützende Hände gehören würde, aber es ist eben wegen dieser Wehen so mühsam, es dorthin zu schaffen.

 

Klinik erreicht

Nächste Challenge: Haupteingang erreichen. Innen stehen drei Hocker aus Metallgitter nebeneinander, wie an einer Bushaltestelle. Ich lege mich auf die Seite und schreie die Wehe raus. Sanitäter kommen gerade aus dem Krankenhaus, fragen mich besorgt, ob ich ok sei. Ich denke: Habt Ihr Blödis noch nie ne Geburt miterlebt? Gleichzeitig habe ich keine Ahnung, wie ich es in den Kreißsaal schaffen soll.

Fortsetzung folgt in der finalen Folge 3: Sanfte Hände, Jeans und himmlisches Pressen

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