Gedanken über das neue Jahr: Sorgen über das Weltgeschehen

Die große Silvesternacht ist rum - und es gab keinen Beitrag bei uns, wie sich der Blog so gemacht hat. Oder was wir so gemacht haben. Was vor allem daran lag, dass ich die meiste Zeit die ich habe mit irgendeinem Kind auf dem Arm verbringe und nicht oft dazu komme, zu schreiben. Jetzt sitze ich hier, übermüdet, und würde so gern einen fluffigen Beitrag darüber schreiben, wie wohl das nächste Jahr wird, aber irgendwie habe ich nur einen Klumpen Angst im Magen...

 

 

Schöner Schein im Internet

Sind wir mal ehrlich, wir Blogger stellen meist eine verzerrte Realtät dar. Die meisten bloggen über die schönen Dinge des Alltags, egal ob Eltern-, Beauty-, Food- oder Lifestyle- Blogger und wie auch immer sie sich alle nennen. Vielleicht ist die selektive Auswahl der Themen bei uns Eltern am "Schlimmsten", denn wir präsentieren einen Teil unseres Lebens in der Öffentlichkeit und so erwecken wir ähnlich wie die ganzen drolligen rosagefärbten Zeitschriften das Bild der heilen Welt. Mama glücklich, Papa super, Kinder top entwickelt und modisch gekleidet. Es könnte ja so schön sein. Ein paar Ausreißer gibt es natürlich, ab und an werden die Töne etwas grauer, und immer mehr Blogger/innen schreiben auch über die Probleme. Vor allem die Beiträge der Alleinerziehenden finde ich an der Stelle super wichtig, vor allem auch für das öffentliche Bild und auch ein wenig für den Feminismus. Da muss man hinschauen.

Aber wie ist das für mich als Leserin, wenn ich hauptsächlich diese schöne Welt erblicke? Kommt natürlich drauf an, wer ich bin. Vielleicht fühle ich mich bestätigt, vielleicht beschämt weil es bei mir nicht so gut läuft, vielleicht klicke ich für immer weg weil ich mich langweile. Aber die Blogs, die ganz viel Trauriges berichten, wo es ehrlich zugeht, die über Themen schreiben, die nicht so populär und hübsch anzuschauen sind, die werden nicht so oft geklickt. Ich merke das auch, wenn ich Beiträge teile. Klar, die witzigen Dinge lese ich selbst auch gern, aber trotzdem habe ich die anderen im Blick, die gehen mir mehr zu Herzen. Was ich damit sagen will; ich bin mir relativ sicher, dass ihr den Beitrag hier vermutlich nicht lesen werdet oder wollt, aber ich kann mich was dieses Thema angeht nicht anschließen im Ponyhofland.

 

Neues Jahr, ganz viel mulmiges Gefühl

Ich bin wie die meisten von euch Mutter (oder Vater), und ich habe meine Kinder bekommen, weil ich sie haben wollte, weil ich davon ausging, dass sie ein schönes Leben haben können. Dass sie eine Wahl haben werden, wie sie ihr Leben gestalten können. Etwas aufbauen. Und jetzt? Ich weiß nicht wie es euch geht, aber mir machen die ganzen neuen Entwicklungen Angst. Nicht vor den Flüchtlingen, ich finde es ist unsere menschliche Pflicht, sie aufzunehmen, und ich denke auch dass unsere Gesellschaft davon profitieren wird. Ich habe Angst vor dem Terror, und noch mehr Angst habe ich davor, was unser Staat (und die anderen) dagegen tun werden. Und ich habe Angst vor diesen ganzen Vollidioten, die nach Bürgerkrieg schreien. Vieleicht habe ich zu viele Gesellschaftsutopien gelesen, aber an dieser Stelle wird mir ganz schlecht.

Manchmal habe ich das Gefühl, das ganze Böse dieser Welt klatscht über mir zusammen, so wie die Kelten Angst davor hatten, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Ich liege nachts wach und kann nicht einschlafen. Dann habe ich Kopfkino, von zerschredderten Küken, die für unsere Eier sterben. Von weinenden Kuhmamas und an vor Sehnsucht an Eisenstangen lutschenden Kuhbabys. Von schreienden Schweinen im Tiertransporter. Von Kindern, die auf der Erde schlafen müssen. Von all den Menschen, die auf der Flucht sterben. Von Terroristen, die in die Menge ballern. Und es gibt nichts, was ich tun kann. Nichts, um die Welt für meine Kinder besser zu machen. 

 

Jeder kann es ein Stückchen besser machen

Naürlich kann jeder einen kleinen Beitrag leisten und wenn das jeder machen würde, wäre die Welt vielleicht ein Stückchen besser. Vegan leben zum Beispiel. Oder sich ehrenamtlich engagieren. Bei Ungerechtigkeiten dazwischen gehen. Nächstenliebe zeigen, egal bei wem. Dem Penner auch mal nen Euro geben ohne ihm zu sagen, dass er sich keinen Alkohol davon kaufen soll. Der alten Frau die Tüten hochtragen oder die Polizei rufen, wenn jemand zusammengeschlagen wird. 

Aber da kommt wieder mein schlechtes Gefühl hoch. Ich glaube zwar, dass es viele gute Menschen gibt, aber ich weiß nicht, ob die ausreichen. Think global, heißt es ja immer. Und dann muss man an den Klimawandel denken, die sterbenden Tierarten, die Verseuchungen, die Kriege. Die Liste ist unendlich. Und da jetzt der Terror auch in Europa angekommen ist, können wir nicht mehr so tun, als wären wir die auf dem Sofa, die sich das nur im Fernsehen anschauen. Wir sind mittendrin, und unsere Kinder sind mittendrin. Wir sind nicht im Wonderland, und wir haben viel größere Probleme als die Streitthemen, wie wir unsere Kinder erziehen und wer die bessere Bentobox gepackt hat. Leider.

An dieser Stelle möchte ich noch mal betonen, dass ich an das Gute im Menschen glaube, in jedem Menschen. Jeder kann einen kleinen Teil beitragen, dass die Welt besser wird. Und wenn bei uns das große Chaos ausbricht, dann hoffe ich, dass die Nächstenliebe unter uns überwiegt und wir uns gegenseitig unterstützen werden. Und wenn wir das große Glück haben, dass das Chaos nicht direkt in unserem Vorgarten tobt, dann hoffe ich, dass wir nicht nur an unseren Tellerrand denken, sondern dass wir aufstehen und die Hand ausstrecken. Es gibt viele Kinder da draußen, deren Eltern es nicht geschafft haben, ihnen die Welt sicherer zu machen.

Und um noch mal den Rückschluss zu den Blogs zu ziehen: deshalb ist es durchaus gut, auch oberflächlich zu sein und sich über die vermeintlichen Nichtigkeiten zu streiten. Wir brauchen das, um uns abzulenken. Und den Alltag gibt es schließlich auch noch. Wenn ihr also ganz viel Lustiges von mir lest, dann wisst ihr, dass ich gerade dabei bin, mich abzulenken. Ich hoffe, ihr habt auch einen Weg gefunden, wie euch das gelingt.

In diesem Sinne: ein frohes neues Jahr für euch!

Leserinterview #11 - Sarah stand mal auf Konzerte ...
Ernten Eltern tatsächlich immer das, was sie säen?...

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