Hallo Mama, weg mit der Würde. Die 5 Steps in Richtung Untergang der Privatsphäre

Wer braucht schon seine Würde, wenn er Mama wird? Es ist doch so: bereits in der Schwangerschaft macht man einige unangenehme Begegnungen mit den unschöneren Dingen des Lebens, und das Beste: man wird auch damit konfrontiert, seine Privatsphäre zu verlieren. Die Geburt ist dann so etwas wie das Ende der Selbstbestimmung, und so geht es dann weiter...

 

"Frida's Frust Tweet über Intim - Konversation" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Step 1: Der Frauenarzt

Wer gerne den werdenden Vater beim Doc mit dabeihat, stellt sich früher oder später die Frage: soll / darf er zuschauen, wie eine andere Person auf dem Gynstuhl in mir herumstochert? Oder so einen netten vaginalen Ultraschall macht? Einen Abstrich vom Schleim hier, eine Frage nach der Verdauung da, der Spaß ist perfekt. Für wen das Peanuts sind, der ist vermutlich schon seit einer Weile Mama oder Papa geworden...

 

Step 2: Die Geburt

Unvergesslich ist für mich ja das Erlebnis, wie ich kurz vor der Geburt dachte, ich hätte einen Blasensprung gehabt und die Hebamme nicht nur vor meinem Partner, sondern auch auf dem gesamten Flur mit der Binde herumwedelte, um allen zu erklären, um welche Körperflüssigkeit es sich gehandelt habe. Aber auch das: nur Peanuts im Vergleich zur Geburt selbst. Yaaaay! Im Krankenhaus ist man oft nur ein Stück Fleisch: ständig wechselndes Personal rammt eine Handbreit in den Muttermund, gern auch ohne mal Hallo zu dem im Gesicht liegenden Mund zu sagen. Wenn man nicht aufpasst, bekommt man den Katheter vor seinem Partner gelegt und am Besten spricht man sich vorher ab, wieviele Meter der sich dann vom Kopfende der Gebärenden wegbewegen darf oder ob man kein Problem damit hat, sich zwischen die Beine schielen zu lassen. (Könnte sich ja eventuell auch um ein folgenschweres Männertrauma handeln im Nachhinein.)

 

Step 3: Das Wochenbett

Wer vaginal entbunden hat, kennt sie: die XXL Windeleinlagen, die frau die ersten Tage (und eventuell Wochen) benötigt. Und glaubt mir, die braucht man nicht ohne Grund. Es bietet sich also an, keine durchsichtigen Müllsäcke zu verwenden, wenn man nicht nur den Papa, sondern auch die gesammelte Nachbarschaft an dem Vergnügen teilhaben lassen möchte. Auch drängen sich gerne Themen auf bezüglich Damm- und Scheidenrisse, wunden Brustwarzen und anderen Ausscheidungen, die man je nach persönlichem Gusto mehr oder weniger ausdiskutieren kann. Allerdings möchte ich hier den Papas, die ich kennengelernt habe, zugute halten, dass sie eigentlich alle brav Brustwarzencreme gekauft haben und auch sonst immer versucht haben, ihren Teil beizutragen.

 

Step 4: Verwandten- und Bekannten- Talk

Glaubt ihr nicht, dass das ein Step ist? Na aber hallo! Plötzlich entwickeln sich die Babybesucher zu freudigen Grenzüberschreitern in Sachen persönlicher Würde. Unvergessen in meinen Erinnerungen die ständigen Fragen nach dem Milchfluss, Vergleiche mit "der Quelle" und penetrantem Nachaken nach Menge, Konsistenz, Qualität sowie Geschichten zum Abpumpen und anderen Späßen. Vielleicht bin ich auch etwas empfindlich, aber ich möchte eigentlich nicht mit Menschen, denen ich nicht allzu nahe stehe und nicht mal eine Furzgeschichte erzählen würde, exakte Auskunft über den Zustand meiner Brustwarzen geben. Schon gar nicht am Kaffeetisch mit mehreren Verwandten. Und erst recht nicht, wenn ich mich bereits rot angelaufen und stumm vor Scham an meine Tasse klammere. Übrigens gilt das Privatsphärending auch für die Neupapas, die es plötzlich gar nicht erwarten können, ihren Chefs von blutigen Brustwarzen und anderen Wehwehchen ihrer Partnerinnen zu erzählen, als gäbe es plötzlich keine Schamgrenze mehr. Männers! Lasst es! Bitte!

 

Step 5: Nie wieder allein im Bad

Erst hat man einen Säugling, der immer genau dann nach Mama schreit, wenn die gerade gemütlich unter die Dusche gehen will. Dann hat man ein unleidliches Baby, das immer auf dem Arm sitzen muss und man zum Zähneputzen oder Klogang plötzlich zum Zirkusartisten mutiert. Besonderer Schwierigkeitsgrad ist übrigens in der Nacht mit brüllendem Kind, geht alles. Ja und kann das Kleinkind dann laufen, ist eh alles vorbei. Maaaaamaaaaaa! Alles ist ja so interessant und will genauestens erforscht werden, auch der plätschernde Urinstrahl. Ja, da heißt es schnell sein. Besonderen Fun macht dann auch die Phase, wenn das Kind selbst die Tür öffnen kann und dann ständig hereinplatzt und freudestrahlend Mama mit heruntergelassener Hose allen präsentiert, die sich gerade auf dem Flur herumtreiben.

Aber auch der Papa, mittlerweile selbst ein wenig abgestumpft von all den früheren Erfahrungen, hat weniger Achtung vor verschlossenen Türen, und so hat man oft das Bad voll, wenn man sich mal in Ruhe die Beine rasieren möchte. Oder in der Wanne ein Buch lesen möchte, während das Kleinkind einen mit der Gießkanne abduscht und der Papa nebendran sitzt und schwadroniert. Bei anderen Paaren habe ich auch schon oft gehört, dass sie ihre "Geschäfte" voreinander erledigen und "keine Geheimnisse" mehr haben. Aha. Ich hoffe so weit kommt das bei uns nicht, irgendwo hört es für mich zumindest auf.

 

Tja, und so gräbt sie sich voran, die Entmystifizierung der Beziehung. Ich bin ja gespannt, welche Steps noch folgen werden. Wie sind eure Erfahrungen - konntet ihr erfolgreich dagegen ankämpfen oder ist das für euch alles total normal?

Hauptsache, dem Kind geht es gut!
2KC verlost 2 Bücher und 6 Ebooks am Welttag des B...

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting