Ich esse keine Suppe. Nein! Meine Suppe ess ich nicht

Lange habe ich überlegt ob ich schreiben soll darüber, ob ich meine Tochter outen will, ihr Problem in den Vordergrund stellen möchte. Ich habe mich entschieden es zu tun, wer weiss vielleicht liest es ja jemand der einen Rat hat.

 


Wo fange ich an?

Schon immer war mein Kind ein schlechter Esser. Sie aß lange nichts und wollte nur die Brust, bis sie bei uns am Tisch mit uns aß dauerte es gut 18 Monate. Sie aß schon immer nur bestimmte Sachen, was ja normal ist, viele Kinder tun das. Auch gehört sie nicht zu den experimentierfreudigen Kindern, getreu dem Motto "was der Bauer nicht kennt, isst er nicht". Nicht schlimm, immerhin aß sie ja, wenn auch nicht die größte Menge aber sie aß.

Doch das änderte sich. Es gab Tage da beschlich mich schon lange vor ihrem zweiten Geburtstag das Gefühl, dass da etwas nicht stimmt. Irgendwann reduzierte sich die Anzahl an Lebensmitteln die sie aß, welche ja sowieso schon sehr gering war, um ein weiteres. Dinge die sie vorher immer aß wurden auf einmal abgelehnt. Heute stehen wir tagtäglich vor der Frage was wir ihr denn zu essen geben könnten. An einem Tag isst sie zum Beispiel ein Brot mit Butter, am nächsten Tag ekelt sie sich davor, alleine der Anblick bringt sie dann fast zum erbrechen. Womit wir auch schon beim Punkt sind. Ekel. Sie hat eine ganz merkwürdige Einstellung zu Konsistenzen. Flüssig bis breiig erzeugt Erbrechen bei ihr. Körnig oder fest kaut sie so lange bis ihr übel wird aber sie kann es nicht schlucken. Obst ist ihr zu sauer oder zu süß. Eis zu kalt, Kekse zu krümelig, Gummibärchen werden "komisch" im Mund. Und so weiter und so weiter. Es ist ein Teufelskreis. ...

Sie isst. Aber an manchen Tagen wenn wir sie nicht erinnern würden, würde sie es vergessen oder sie meldet sich bewusst nicht aus Angst dann wieder etwas zu sich nehmen zu "müssen". Fehlt ihr das Hungergefühl? Ich weiß es nicht. Es gibt Tage da kann sie sich nicht überwinden etwas zu essen, dann geht sie ins Bett mit einer Nudel und drei Löffeln Joghurt im Bauch. Ich höre so ziemlich jeden Abend ihren kleinen Bauch knurren und gurgeln wenn sie neben mir im Bett schläft.

Mein Kind isst nicht, was ist noch normal? 

Oft sprachen wir das an beim Arzt, aber noch wiegt sie soviel dass es zwar ein Grenzbereich ist aber noch akzeptabel. Sie ist dünn, ich kann ihre Rippen zählen aber "jedes Kind hat mal eine solche Phase" bekommen wir dann gesagt. ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN.

Diese "Phase" hat sie schon ihr Leben lang. Mein Kind hat ein Problem, ob organisch oder psychisch ich weiß es nicht und ich will, dass sie Hilfe bekommt.


Ein Anker

Nun war meine Tochter oft krank die letzten Wochen, sie ist blass und matt und antriebslos. Sie isst so gut wie nichts mehr. Wir reden mit ihr, wir betteln, wir kritisieren, wir bestechen, wir resignieren, wir machen den Hampelmann, wir bieten ihr alles an, wir lassen sie selbst aussuchen, wir lassen sie essen wann und wo sie will aber unser Kind isst nicht. Über den Punkt, >>wenn sie Hunger hat dann wird sie schon essen<<, und wir bleiben locker sind wir lange hinweg.

Es ist noch kein Kind am gedeckten Tisch verhungert? Ehrlich?

Wir suchen die Fehler bei uns, sie kann nichts dafür und dennoch kann ich ihr freiwilliges hungern nicht verstehen. Wir essen alle gerne und gut, also es ist nicht so dass wir ein schlechtes Vorbild abgeben in der Hinsicht. Wenn wir erzählen von unserem Kind welches nichts isst, neigen fast alle dazu das Problem runterzuspielen. Auch der Kinderarzt. Doch nun da es dem Kind auch augenscheinlich schlecht geht und sie auch sehr krank wirkt, ist endlich unsere wunderbare Hausärztin eingeschritten bei der wir unser Kind mit zig Infekten vorstellten.



Infantile Anorexie

Nun endlich haben wir einen Termin an dem ein großes Blutbild gemacht wird, sie körperlich untersucht wird und wir hoffentlich ein paar Ansatzpunkte bekommen. Ich weiß nicht was helfen kann, welche Hilfe sie braucht aber Fakt ist wir als Eltern können nichts mehr tun außer sie zu halten und zu unterstützen. Eine Diagnose steht im Raum, aber schwarz auf weiß haben wir sie nicht. Noch nicht vielleicht. Ich weiß nicht wie es weitergeht oder was auf uns zukommt, ich habe Angst. Aber so wie es jetzt ist kann es nicht weitergehen.



Gedanken einer Mutter

Mir fällt es enorm schwer zu akzeptieren dass ich dies nicht mehr in der Hand habe. Ich kann sie nicht zwingen zu essen und möchte das auch nicht, mein Wunsch ist ganz einfach. Ich möchte, dass mein Kind ein normales Verhalten zum Essen entwickelt, sie essen kann wenn sie Hunger verspürt und selbst wenn sie sich wochenlang nur von Nudeln ernähren würde, es ist mir egal solange sie nur isst. Dieses Thema hat ungewollt einen großen Platz eingenommen bei uns. Es gibt Mahlzeiten da bin ich so abgelenkt mit der Kleinen und bemerke nicht ob wie viel sie isst. Aber meistens ist es so, dass ich danach schaue und genau das setzt sie wiederum unter Druck, ich weiß das aber ich kann nicht anders.

Ich will ihr zwangloses Essen ermöglichen. Stelle Snacks auf wo sie sich bedienen kann. Aber das Angebot wird nicht wahrgenommen. Ich weiß gerade nicht was mir lieber ist, wenn sie organisch etwas hätte dann könnte man ihr sicher schnell helfen, aber was wenn sie wirklich krank ist? Wenn es etwas Psychisches ist, wovon ausgegangen wird, kann man ihr überhaupt helfen?

Es gibt Tage an denen sie einen ganzen Joghurt schafft oder sogar mal mehr als drei Nudeln. Diese Tage geben mir Hoffnung. Ich wünsche mir nichts mehr für meine Tochter als endlich Freude am Essen.

 

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