(K)Eine von Euch. Meine Tochter ist ein Engel

Alles scheint gut! Ich bin mit meinem Sohn auf dem Spielplatz. Er hat Spaß, rutscht und läuft umher. Überall Kinderlachen. Und doch hab ich Angst, Angst aufzufallen…Ich bin eine von Euch Müttern und doch bin ich keine.

 

 

Ich treffe eine bekannte Mutter mit ihren zwei Kindern. Sie ist genervt von den sich streitenden Jungs, brüllt sie an und sagt mir: Sei froh, dass Du nur ein Kind hast. Sie kann es nicht wissen. Sie kann es nicht wissen, dass meine Tochter ein Engel ist. Nach fast 3 Jahren auf dieser Erde und nach unendlich viel Leid ist sie gegangen, ist zuhause in ihrem Bettchen eingeschlafen. Ohnmacht und Verzweiflung als ich sie fand. Und doch Erlösung für den so kranken Körper. Ich war kurz vorm Durchdrehen und Verrücktwerden. Aber da wartete mein gerade ein paar Wochen alter Sohn auf mich. Brauchte mich. Zum Trauern keine Zeit. Zum Glücklich sein zu traurig. Verkehrte Welt.

Ich habe hinter die Kulissen blicken dürfen. Eine Welt, die vorher im Verborgenen lag. Natürlich wusste ich, dass es sowas gibt. Schwerkranke Kinder ohne Hoffnung auf Heilung. Kinderhospize, Kindergräber. Nun aber bin ich Expertin auf diesem Gebiet, ohne es je gewollt zu haben. In meinen Gedanken werde ich manchmal ungerecht, wenn ich „diese unbeschwerten“ Mütter sehe. Natürlich weiß ich, dass nichts so ist, wie es scheint. Auch diese Mütter haben ihr Päckchen zu tragen, jede auf ihre Weise. Aber manchmal fühle ich mich betrogen. Betrogen um meine Unbeschwertheit. Ich bin unsicher geworden, das macht mir Angst. Meine innere Sicherheit ist weg. „Habt ihr noch weitere Kinder?“ Eine normale Frage, mir aber macht sie Angst. Eine Scheißangst! Bereitet mir Bauchschmerzen. Was sagt man? Was wollen die Leute wirklich hören? Können und wollen sie eine ehrliche Antwort überhaupt ertragen?

Ich verurteile niemanden! Mir steht es auch gar nicht zu, andere zu verurteilen oder zu richten. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie ich in der umgekehrten Situation reagiert hätte. Aber deutlich zu machen, dass manchmal eine ganz andere Wahrheit hinter den Dingen steckt, ist mir ein Anliegen. Die ersten Male auf dem Spielplatz hatte ich stets das Gefühl, gleich ertappt zu werden. Ich gehöre doch nicht hier her. Gerade noch auf dem Friedhof, jetzt an der Schaukel stehend. Lächeln. Stark sein. Für meinen Sohn. Für mich. Es kostet so viel Kraft… immer noch… aber es wird besser, jeden Tag ein bisschen mehr.

 

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Ami - unsere neue Autorin für 2KindChaos
Warum die zweiten Kinder so schnell groß werden

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