Kind kommt zu früh? Dann erst mal wegnehmen.

Eigentlich wollte ich an diese Stelle einen Bericht über Cocos Geburt schreiben. Allerdings haben es einige verf… Krankenhausärztinnen verhindert, dass ich mich an viel erinnere. Denn die meiste Kraft ging dafür drauf, mit ihnen völlig sinnlose Diskussionen zu führen, bevor Coco zur Welt kommen durfte. Und so begann das Ganze...

 

 

Ein Geburtsbericht und doch keiner. 1. Teil

„Die Fruchtblase ist geplatzt.“ Zuerst glaube ich an einen Scherz. Wir haben doch noch vier Wochen bis zum errechneten Geburtstermin. Und wir sind doch eigentlich auf dem Weg zurück in ein anderes Krankenhaus, da, wo wir Maple, die Große, die Zweieinhalbjährige, gerade wegen ihres Schmerztraumas behandeln lassen, und von wo wir nur an diesem Wochenende nach Hause beurlaubt wurden, weil doch unser Geburtsvorbereitungskurs anstand. Der war gestern, am Samstag, und jetzt ist Sonntagmorgen. Aber es ist kein Scherz. Wir bekommen unser zweites Kind. Und ich, ich laufe herum wie ein aufgeregtes Huhn.

Es ist ja auch gar nichts vorbereitet. Keine Tasche gepackt, Maple nicht wirklich darauf vorbereitet, dass sie jetzt gleich mit der Oma alleine bleiben muss, und wir selbst sind auch noch nicht wirklich auf die Geburt eingestimmt. Aber Coco, die Kleine, ist anscheinend soweit. Sie will zu uns. Wie schön.

Jetzt muss aber schnell meine Mutter herbei. Die wohnt leider in der Nachbarstadt, geht aber zum Glück gleich ans Handy und bestellt sich ein Taxi. Warum sie trotzdem über eine Stunde braucht, um sonntagsmorgens 30 Kilometer zu uns zu fahren, möchte ich im Nachhinein gar nicht mehr wissen. Ich werde nur langsam panisch, habe noch im Kopf, wie bei der Geburt von Maple meine Frau noch auf der Autofahrt ins Krankenhaus die ersten Presswehen bekam. Aber zum Glück bleibt Mo ruhig, gibt mir Anweisungen zum Packen der Krankenhaustasche und als die Oma da ist, brechen wir auf.

 

Panik statt ruhiger Geburt

Die Beleghebamme, nennen wir sie Maya, die wir schon von der ersten Geburt kennen und der Mo hundertprozentig vertraut, kam kurz nach uns im Krankenhaus an. Mo hatte noch keine Presswehen, alles schien so, wie wir uns es erhofft hatten: ruhig, mit vertrauten Menschen, der selbstbestimmten Geburt dürfte nichts mehr im Weg stehen. Und dann der Satz von Maya, der erst einmal alles auf den Kopf stellte: „36+3 – vor vollendeter 37ster Woche gibt es leider hier im Krankenhaus die Regel, dass die Kinder direkt nach der Geburt auf die Intensivstation kommen“. Ja, aber das entscheiden doch noch immer wir, richtig? Maya schüttelte nur den Kopf. Und die Panik in Mos Augen spiegelte mein Entsetzen wider. Man wird uns unser Kind wegnehmen nach der Geburt. Obwohl es keinerlei Anzeichen gibt, dass etwas nicht stimmt. Nur weil es da eine dumme Regel des Krankenhauses gibt. Das kann doch nicht sein! Ich weiß, so kann Mo das Kind nicht kriegen, und das sagt sie auch ziemlich deutlich. Vorbei die Entspannung, vorbei alle Vorfreude. Nur noch Angst.

Wir verlangen nach der Ärztin. Aber natürlich wiederholt die diensthabende Ärztin nur noch einmal, was uns Maya auch schon gesagt hatte. Nur sagte sie es mit deutlich weniger Einfühlungsvermögen als Maya. Warum auch irgendein Verständnis dafür heucheln, dass das eine belastende Situation für die Eltern ist. Dass man ein Neugeborenes direkt von der Mutter trennt, ist ja scheißegal, Hauptsache, man geht als Krankenhaus auf Nummer sicher und wird nicht hinterher verklagt. Mit den Bindungsstörungen, die die Kinder davon tragen, müssen sie sich ja nicht mehr beschäftigen.

 

Der Klassiker: Die verantwortungslosen Eltern

Mos Blick wird immer flehender. Ich weiß, das muss ich jetzt regeln. Mos Aufgabe ist die unvergleichlich schwerere: Ein Kind zur Welt zu bringen in einer solchen Situation. Also die Oberärztin kommen lassen. Sie klärt  mich im Nebenraum über meine absolute Verantwortungslosigkeit auf, Coco mit aufs Zimmer nehmen zu wollen und sie nicht in die viel sichere Obhut der Intensivstation übergeben zu wollen. „Sie gefährden Ihr Kind“, holt sie die Brechstange raus – wohlgemerkt, ohne medizinische Indikation, dass es unserem Kind in irgendeiner Weise schlecht ginge. Am Ende unterschreibe ich, dass ich über alle Risiken aufgeklärt wurde und dass wir Coco auf eigene Gefahr mit auf unser Familienzimmer nehmen wollten. Ich habe nie eine Unterschrift lieber geleistet. Und endlich darf ich in den Kreisssaal zurück und Mo die gute Nachricht überbringen: „Wir dürfen sie mit aufs Zimmer nehmen.“

Ich merke, dass von Mo eine zentnerschwere Last abfällt. Endlich kann es losgehen, denn natürlich ist in der Zwischenzeit die Geburt nicht weitergegangen. Wie auch. Den Rest der Geburt erlebe ich wie im Film und erinnere mich kaum daran. Meine wichtigste Aufgabe ist erledigt, jetzt darf ich nur noch dabei sein, meine Hand drücken lassen und Mo voll vertrauen. Und dann ist sie da, das kleine Bündel Coco. Ich darf die Nabelschnur durchschneiden, etwas, das mir schon bei Maple viel bedeutet hat. Ich weiß gar nicht, warum, vielleicht, weil man endlich als Vater etwas aktiv tun kann. Coco kommt auf Mos Brust, und einige Zeit später wir alle zusammen aufs Familienzimmer. Wenige Stunden dürfen wir glauben, dass alles gut ist. Aber dazu mehr im zweiten Teil.

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