Kann ich mein Kind nicht loslassen? Oder ist das doch ganz ok so?

Gestern war ich das erste Mal so richtig lange weg von meiner kleinen Tochter - für mich gar nicht so einfach, und manchmal frage ich mich ja, wieso ich da so ganz anders bin wie viele andere Mütter. Liegt es daran, dass ich eine Helikopter Mum bin? Oder habe ich einfach ein sehr enges Band zu meiner Tochter? Da ich ja nun schon das zweite Kind habe, kann ich zumindest sagen: dieses enge Band dehnt sich, und zwar in beide Richtungen. Es braucht nur alles seine Zeit, und die ist bei jedem unterschiedlich...
 
 
 
 
 

Einerseits will ich unbedingt etwas nur für mich machen, andererseits kann ich nur schwer gehen

Ihr wisst ja, dass ich zuhause arbeite, und meine Kinder quasi parallel dazu zuhause betreue. Eine ziemlich schwierige Kombination, denn ich komme oft erst dann zum arbeiten, wenn ich dringend eine Erholungspause für mich bräuchte. Ich schreibe Emails zwischendurch, meine Arbeitsaufträge erledige ich am Wochenende und oft blogge ich spät am Abend, während meine Kinder noch durch das Wohnzimmer hüpfen. Klar, es geht, irgendwie. Und wenn es mir nicht auch Spaß machen würde, könnte ich es nicht durchhalten. Wenn ich etwas liebe, dann habe ich verdammt viel Energie dafür übrig. Aber trotzdem wünsche ich mir oft, dass ich etwas nur für mich allein hätte. Also so etwas wie ein umfangreicheres Hobby oder ein Job, zu dem ich hingehen könnte. Oder auch Arbeitskollegen. Kurzum, etwas, bei dem ich nur ich sein kann, und nicht mehrere Rollen gleichzeitig zu erfüllen habe. Denn da verliert man sich auch schnell mal aus den Augen.
 
Tja und dennoch ist es so, dass ich auch oft ein ganz schlechtes Gewissen habe, wenn ich weggehe. Damit meine ich keine kleinen Exkursionen von ein, zwei Stunden, sondern längere Verabredungen. Was aber vor allem daran liegt, dass ich denke, meine Kleine braucht mich so dringend. Sie ist sowieso ein Mama Kind, wie ihre Schwester, und momentan sucht sie mich permanent, will alles nur mit mir gemeinsam machen. Zähneputzen, Wickeln, Waschen, Essen holen, Spielen, Malen, Kuscheln, Trösten, Lesen - alles mein Job. Manchmal klappt es ganz gut, wenn ich mich von ihr verabschiede, aber meistens weint sie dann, und zwar so, dass es mir das Herz zerreißt und ich sie dann eben doch meist mitnehme, wenn es irgendwie möglich ist.Wenn ich wüsste, dass es für sie gar kein Problem ist und es ihr gut geht, so wie meiner Großen, dann könnte ich auch gut verschwinden für einen Tag...
 
 

Das Band zwischen Mutter und Kind ist nicht immer gleich dehnbar

Mir wurde ja gerade auch als frisch gebackene Baby Mama oft vorgeworfen, ich müsse lernen, mein Kind loszulassen. Und als ich meine Große dann vergeblich versuchte, in den Kindergarten einzugewöhnen, hieß es dann, ich sei eine Helikopter Mutter und wegen mir würde mein Kind sich nicht frei entfalte können. Autsch. Dass es vielleicht an etwas anderem gelegen haben mag, war natürlich genauso unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass verschiedene Kinder verschiedene Bedürfnisse haben. Mittlerweile ist meine Große gar nicht mehr so mamafixiert - wenn wir mit der Spielgruppe unterwegs sind, kann ich auch gern mal was woanders machen, weil sie keine Lust hat, bei mir zu bleiben. Sie kann allein eine Freundin besuchen und sie sagt, sie vermisst mich nicht, wenn sie mal einen Tag mit ihrem Papa und ihrer Schwester verbringt. Ja, ich weiß, das sind alles Dinge, die für die meisten anderen Kinder zu einem deutlich früheren Zeitpunkt normal sind, aber wie gesagt - anderes Kind, anderes Temperament. Und so. Es gibt auch bei uns Fortschritte und ich bin sehr stolz auf meine Tochter.
 
Wenn ich also etwas gelernt habe, als Mutter von (phasenweise) sehr klammernden, ängstlichen Kindern, dann: es ist völlig richtig, auf das mütterliche Bauchgefühl zu hören. Wenn das Band (noch) nicht so flexibel ist, muss man sich nicht zwingen, von seinem Kind weg zu gehen*. Das ist nämlich kein Muskel, der durch eine Sportart trainiert werden muss, sondern eher etwas, das durch einen Reifeprozess von alleine kommt. Wenn das Kind wirklich spürt, dass die Mutter oder natürlich auch der Vater ihm die Entscheidung überlässt, ob es Schutz braucht oder etwas alleine explorieren möchte, dann wird es diesen Schritt gehen, wenn es so weit ist. Das ist übrigens die Basis der Bindungstheorie: wenn Kinder sicher gebunden sind, dann können sie (und das machen sie auch) sich von alleine lösen. Die Eltern sollten sie dann nur noch gehen lassen und willkommen heißen, wenn sie wieder zurück kommen. Alles ohne Druck und Maßband.
 
Love & Peace,
 
eure Frida
 
 
* PS. Ich weiß, es gibt jetzt einige, die sagen, dass ich es ja gut habe und meine Kinder nicht in die KiTa geben muss. Aber auch da besteht ja die Möglichkeit, einen Weg zu finden, nämlich wenn eine gute Bindung zu mindestens einer Erzieherin besteht (die regelmäßig da ist). Dann kann das Kind bei der Vertrauensperson bleiben und ankern, bis es sich dann traut, zu explorieren. Ich habe das auch selbst schon als Erzieherin begleitet; ein Kind hat ein halbes Jahr in meinem Schatten gelebt und auf einmal war es dann in der Gruppe verschwunden... Man sollte nur nicht auf Erzieher hören, die einem einreden, panisches Weinen sei völlig ok und gehört zu einer normalen Eingewöhnung dazu.
 
 
 
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