Übelste Beschimpfungen, die endlich mal rausmüssen oder: Kinderarztguide im Klartext

Das hier ist für Euch vielen Flachpfeifen von Kinderärztinnen und Kinderärzten, die so gar keine Ahnung von kindlicher Entwicklung haben, ja, noch nicht einmal fundiert von Schulmedizin jenseits vom ersten Semester. Von Homöopathie nicht statt, sondern ergänzend zur Schulmedizin rede ich ja erst gar nicht! Homöo-was? Ach, das mit wenn zwei Kerle sich lieben. Genau.

 


Ey ganz ehrlich, da hab ich ja mehr Ahnung als Ihr alle zusammen, und die hatte ich schon, bevor die ganze Scheiße, die Ihr uns eingebrockt habt, bevor das Verbrechen, das Ihr an meiner Tochter begangen habt, begann. Einfach mittels gesundem Menschenverstand, um den Ihr mich fast gebracht hättet.

Um Euch besser zu verstehen, habe ich für mich, nur für mich natürlich, mal ein paar Regeln aufgestellt, die es mir ermöglichen sollen, Euch ultraüberschätzten Flachwichser besser zu verstehen.

  1. Bloß nicht das Gehirn einschalten! Kommt irgendwer daher mit irgendwelchen Behauptungen, die nicht im Schülerlexikon für Medizin stehen? Immer abstreiten. Kann ja gar nicht sein.
  2. Werden die Eltern frech, ist das ein Zeichen für ihre Überforderung und für die Richtigkeit Eurer These: Wenn ich keine Ahnung habe, muss es an der Psyche liegen. Da kann man ja schließlich nix beweisen. Psychosomatik ist die Antwort auf alles! 
  3. Niemals hinterfragen, was Ihr vor 30 Jahren gelernt habt. Koliken gibt es nicht. Die Blagen schreien halt, weil sie frech sind, und beim Schreien schluckt man Luft (von der Speiseröhre direkt in den Darm), und das macht Bauchweh. Quod erat demonstarndum. Und außerdem habt Ihr ja nen Doktortitel, das ist Beweis genug. Quatsch, geschluckte Luft (etwa auch bei kohlensäurehaltigen Getränken) entweicht nicht durch Rülpsen aus dem Magen. Das ist noch nie beobachtet worden. Das geht alles in den Darm und macht dort Bauchweh.
  4. Wichtiger Tipp: Sich empathisch geben. Wenn man nicht weiß, was das ist, ein bisschen„Britt – Der Talk am Mittag“ gucken. So ungefähr geht das. Beispiel: Mutter kommt mit Baby, das angeblich (Mutter wirkt allerdings nicht besonders unterwürfig Weißkitteln gegenüber, allgemeine Skepsis ist also angebracht!) ständig furchtbares Bauchweh hat. (Anmerkung: Was ist schon furchtbar? Hat wohl nen Pups quer sitzen und Mutter ne Anpassungsstörung – oder da gibt es doch dieses … ähh… PMS? Nee, das andere, so ähnlich … PND… postnatale Depression, das passt sowieso immer). Empathisch wäre, sich der Familie zuzuwenden, in etwa so: „Das ist immer ein Problem des Systems Familie.“ (Zum Mitschreiben: Diese Antwort passt immer!) Dann messerscharf das Problem analysieren: Mutter hält brüllendes Kind auf dem Arm. Diagnose des Problems: „Da ist ja offenbar viel Nähe bei Ihnen …“ (kritisch dabei gucken). Alles richtig gemacht!
  5. Immer nur vom punktuellen Jetzt-Zustand ausgehen und keinesfalls den Eltern glauben, was die so über die Zeit außerhalb Ihrer Arztpraxis behaupten (entzieht sich schließlich Ihrer Kontrolle). Schreit das Kind nicht, sagen Sie: „Wie ein Schreikind wirkt es nicht.“ Ergo: Was wollen die Eltern hier? Stehlen nur Ihre Zeit für die wirklich wichtigen Dinge wie ne ordentliche Mittelohrentzündung oder Dinge, die sich eben klar diagnostizieren lassen. RICHTIGE Kinderkrankheiten eben!
  6. Konsequent Punkt 5.) anwenden. Schreit das Kind beim nächsten Besuch der nervigen, verzweifelten Eltern, schicken Sie sie in die Schreiambulanz, damit die endlich mal lernen zu akzeptieren, dass Babys nun mal brüllen. Ist ja schließlich ihre Aufgabe.
  7. In Ausnahmefällen auch mal elterlichen Untersuchungswünschen entsprechen, wenn sie sich gut abrechnen lassen (z. B. Ultraschall). Das ist dieses Verfahren mit den Schwarz-Weiß-Bildern, auf denen man nur Verschwommenes erkennt. Hat man das Kind angemessen lange gequält und brüllt es dabei so laut, wie Sie es in ihrem Leben noch niemals gehört haben, sodass sich Ihre Praxis schlagartig um die Hälfte der Patienten geleert hat, überweisen Sie das Kind mit der Diagnose „Ungeklärte Schreizustände“ ins nächst gelegene Wald- und Wiesenkrankenhaus (warum zum Spezialisten? Der weiß doch auch nicht mehr als Sie!) und dann aber endlich raus hier mit dieser unerträglichen Familie!
  8. Sollten Sie im Krankenhaus arbeiten, denken Sie dran: Nirgends fühlen sich Kinder und Eltern wohler als in sterilen, unfreundlichen Umgebungen, die sämtliche Rituale, Tages- und Schlaf-Rhythmen verhindern. Die Krankenhausumgebung ist jeder wie auch immer gearteten Störung die perfekt geeignete Umgebung zur Genesung. Tun Sie also ALLES, um Patienten einzuweisen (Achtung: Auch wichtig für Statistik und Krankenhausfinanzierung!). Wenn Sie keinen medizinischen Grund dafür haben, denken Sie sich einen aus. Beispiel: „Vielleicht hat die Schwester ja noch einen guten Tipp, wie Sie Ihr Kind beruhigen können.“ Ansonsten reicht als Begründung zur stationären Aufnahme: „Zur Beobachtung“.
  9. Wenn eine Familie beispielsweise über schreckliche Bauchschmerzen ihres 3 Monate alten Säuglings klagt, sollten Sie es sorgfältig untersuchen, also: 1. In die Ohren gucken, 2. In die Augen gucken, 3. Fiebermessen. An alles gedacht? Super! Jetzt noch sagen:„Ich bin zufrieden mit ihr.“
  10. Der Einfachheit halber über alle Babys in der „Er“-Form reden. Einzige Ausnahme: Wenn das Kind von oben bis unten in pink gekleidet ist.
  11. Keinesfalls versuchen, zum Baby vor der Untersuchung freundlichen Kontakt aufzunehmen. Das kostet nur Zeit und ist unerheblich für die Untersuchung.
  12. Kommt eine (wegen allgemeiner Überforderung) aufgelöste Mutter mit ihrem Baby, das schreit, als würde es gerade abgestochen, zu Ihnen, erklären Sie ihr in ruhigem Tonfall, dass sie sich beruhigen solle, dann werde sich auch das Baby beruhigen. Schlägt die Mutter Ihnen frecherweise vor, es selbst mal zu versuchen, weil Sie ein Abbild der Ruhe sind, und das Kind schreit noch schlimmer – dann, und ich betone: erst dann bemühen Sie sich um Hilfe der nächst höheren Ebene. Denn:
  13. Geben Sie niemals und unter keinen Umständen zu, dass Sie keine Ahnung haben! 
  14. Wenn eine Mutter Sie im Krankenhaus unter Tränen anfleht, ein Schmerzzäpfchen für ihr sich vor Schmerzen krümmendes Baby zu bekommen, bleiben Sie standhaft und sagen Sie nein. Medikamente dürfen nicht leichtfertig verabreicht werden!
  15. Vergessen Sie nie den Joker: Abstillen! Handelt es sich um ein Stillkind und gibt es irgendein Problem, das nicht im Schülerlexikon Medizin aufgeführt ist, raten Sie der Mutter zum Abstillen. Schlechter als vorher kann es schließlich auch nicht sein, und vielleicht ist es ja der Glückstreffer. By the way: Heute Abend Lotto spielen. Wohin sonst mit der ganzen Kohle?
  16. Kommt eine Familie, die nicht mehr weiter weiß und behauptet, es sei so schlimm, dass keinen Tag länger mehr gewartet werden könne, zu Ihnen in die Notfallsprechstunde, prüfen Sie, ob etwas sehr offensichtlich gebrochen ist. Wenn nicht, schicken Sie die Eltern samt Baby wieder nach Hause. Aus den Augen, aus dem Sinn.
  17. Lassen Sie auch ein bisschen Ehrlichkeit zu. Verschreiben Sie bei angeblichem Bauchweh den Allzeitschlager Lefax und von mir aus auch ominöse Bigaia-Tropfen, über die Sie zwar nichts wissen, aber schon mal gehört haben, dass irgendwer damit gute Erfahrungen gemacht hat. Verraten Sie aber nichts zu Wirkweise, Dosierung oder Dauer der Anwendung. Kommen die Eltern wieder und berichten, die Medizin bringe nichts, sagen Sie ehrlich: „Das war auch mehr für Sie gedacht, zu Ihrer Beruhigung.“
  18. Versuchen Sie, das Kind aktiv in den Heilungsprozess miteinzubeziehen. Sagen Sie zum 4 Wochen alten, turbobrüllenden Säugling: „Jetzt musst Du nur noch Deine Eltern in Ruhe lassen.“

Diese Liste ist natürlich nicht komplett, nur was mir so spontan eingefallen ist. Die Zeit neulich im Krankenhaus ist da noch nicht mit drin. Zu lange Blogtexte langweilen ja auch nur. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Den hab ich nur für mich geschrieben. Und natürlich für die angehenden Kinderärztinnen und Kinderärzte unter Euch. Nicht!

Eure Mo

 

Herzlichen Dank an alle, die mich zu diesem Ratgeber inspiriert haben:

1., 2., 3., 13., 17.: Dr. M. aus B.

1., 2., 3., 4.: Dr. H. aus B.

1., 2., 3., 13.: Frau Dr. F. aus W.

1., 2., 3., 5., 6., 7, 13.: Frau Dr. tD aus W.

1., 3., 8., 9., 13.: Assistenzärztin in V.

1., 3., 8., 9., 13.: weitere Assistenzärztin in V.

10., 11., 15.: Chefarzt Dr. S. aus V.

1., 2., 3., 12., 13., 14., 15: Oberarzt Dr. B. aus V.

1., 2., 3., 13., 16.: Frau Dr. K. aus W.

1., 3., 13., 18.: Kinderorthopäde Dr. M. aus B.

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