Nach Maples Geburt: Wie die Klinik ein Ankommen verhindert

Freitagmorgen, 20 nach 8. Maple ist geboren. Ich habe sie zur Welt gebracht. Ich fühle mich toll. Gleichzeitig bin ich etwas wackelig auf den Beinen, hab mich wohl doch sehr verausgabt. Gott sei Dank werden wir jetzt ins Familienzimmer umziehen, Karl ist bei mir. Und außerdem sind da ja auch so Schwestern, die einem alles zeigen. Meine Naivität kennt keine Grenzen.

 

Bildrechte: 2KindChaos

 

Wenn ich das jetzt alles wieder chronologisch schreibe, werden das 14 Seiten. Deshalb habe ich Euch mal ein paar Rahmendaten zusammengestellt.

  • Zeit, innerhalb der wir unser Familienzimmer beziehen können: ---
  • Anzahl der Auskünfte, ob wir denn nun unser Familienzimmer haben können: ---
  • Uhrzeit, zu der ich endlich eine Auskunft erzwingen kann, was denn jetzt, 14 Stunden nach Geburt, mit unserem Familienzimmer ist: 23 Uhr.
  • Antwort: Es ist keines frei.
  • Anzahl der unbenutzten Betten in meinem Zimmer: 1.
  • Karls Körpertemperatur am Tag der Geburt: 41 Grad Celsius, Schüttelfrost
  • Zugewiesener Platz für den frisch gebackenen Vater im frühzeitig angemeldeten und gewünschten Familienzimmer: Besucherstuhl
  • Reaktion der erstaunlich fitten Kaiserschnitt-Mutter im Nebenbett, als sie hörte, dass wir so gern ein Familienzimmer hätten, aber kein Bett dafür frei sei: Selbstentlassung nach Hause, ergo freies Bett
  • Konsequenz für Familienzimmer: null
  • Grund dafür, warum ich mein neugeborenes Baby während der Nacht nicht auf meinem Zimmer (wohlgemerkt in eigenem rundum mit Glaswänden geschlossenem Babybett) behalten darf: Ich kann nicht versprechen, dass ich nicht eine Minute einschlafe
  • Grad des nächtlichen Vermissens meines Babys: maximal
  • Grad des Schlafbedürfnisses: maximal
  • Zeitpunkt, zu dem ich zum Stillen gerufen werde: jeweils genau 3 Stunden nach Ende des letzten Stillens
  • Art der Bitte, ich möge zum Stillen ins Kinderzimmer (Zimmer, in dem mindestens nachts alle Neugeborenen liegen): schrilles Telefonklingeln, maximale Lautstärke
  • Begrüßung durch die Nachtschwester, als ich zum Stillen im Kinderzimmer erscheine: „Hysterische Kleine, da freuen sich die Nachbarn!“
  • Art der Unterstützung bei nicht klappendem Stillen: „Ihrem Kind ist es wohl zu gemütlich, wir müssen es mal wacher machen“ → Ausziehen meines Neugeborenen
  • Art des Umgangs mit dem Hinweis, dass die andere Kinderkrankenschwester aber eine andere Auskunft gegeben hatte: „Das haben Sie wohl falsch verstanden“
  • Art des Umgangs mit Zweitgebärenden: „Sind Sie zufrieden damit, wie Sie die Windel angelegt haben?“ Mutter: „Ja!“ Schwester: „Ich nicht.“
  • Verordnete Standard-Tabletten: Eisen und Jod
  • Eisenwert direkt nach der Geburt: top
  • Verhältnis von Regel und Ausnahme: Das Kind ist im Kinderzimmer, darf aber auch aufs eigene Zimmer ausgeliehen werden
  • Geplante Verweildauer im Krankenhaus: drei Tage
  • Diagnose bei meiner Abschlussuntersuchung: erhöhte Entzündungswerte

Wir kämpfen uns trotzdem nach Hause. Denken, alles wird gut. In der Nacht machen wir kein Auge zu, Maple brüllt nur, ich versuche die ganze Nacht verzweifelt, sie zu stillen, was nicht gelingt.

Im Nachhinein ist mit klar: Sie schrie vor Hunger, bekam aber aus meiner Brust fast nichts heraus, weil ihre ganze Achse, damit auch ganz massiv der Gaumen, seitlich verschoben und schräg war. Deshalb konnte Maple die Brustwarze nicht halten, nur ein paar Millimeter, was schrecklich weh tut und ein richtiges „Melken“ unmöglich macht. Sie schrie außerdem natürlich vor Müdigkeit, konnte aber vor Hunger nicht schlafen. Sie lag zwischendurch immer wieder auf Karls Brust, dessen Körper vor Schüttelfrost nur so zuckte.

Am nächsten Morgen ging Karl zum Arzt, ihm wurde Influenza, die echte Grippe, diagnostiziert. Er bekam Kontaktverbot. Dabei hätte ich seine Unterstützung so dringend gebraucht. Und ihm brach es das Herz. Er griff zum Mundschutz. Maple hat sich nicht angesteckt, auch im Krankenhaus nicht und nicht in der Nacht, als sie auf ihm lag. Nur ich bekam ebenfalls Fieber und Schüttelfrost, musste aber Maple versorgen, die nicht trinken konnte. Niemand wusste, warum es ihr so schwer fiel, wieso es einfach nicht klappte, obwohl ich alles richtig machte (Kommentar im Krankenhaus: „Stillen tut halt weh.“)

Dass so eine schiefe Nase nicht nur lustig aussieht, sondern vielleicht auch etwas zu bedeuten hat, darauf kam im Krankenhaus unter den Schulmedizinern niemand. Meine Hebamme Maya aber hat mich nach zwei Tagen zur Osteopathin geschickt. Nach ein paar Wochen, in denen ich vor jedem Stillen vor Angst und während des Stillens vor Schmerzen weinte, wurde es langsam, weil Maple dann zentriert ausgerichtet war.

Schwerer Start, dachten wir. Aber kann ja nur besser werden.

Kleiderschrank Crossover mit Johnny Cash
Papa kann's besser: Das mit dem Haushalt

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting