Darf Mann sich nicht über seine Familie beschweren? Teil 2 des umstrittenen Gastartikels

Natürlich habe ich die Kommentare verfolgt und durchaus aufmerksam gelesen. Teils mit einem Schmunzeln, teils mit Ärger, teils mit einem nachdenklichen Blick. Ich glaube, ich muss einiges klarstellen dazu, bzw. einige Dinge in ein anderes Licht rücken, bevor das Thema komplett in Vergessenheit gerät. Dabei muss ich mich bei einigen bedanken und bei anderen offensichtlich verstecken, so wie dieses Revue passieren lassen der letzten Zeit gefärbt war mit der unglaublich stressigen Woche im Vorfeld mit Überstunden, schlechtem Schlaf, vielen Änderungen zu Hause und natürlich dem an diesen Tagen dauernörgeligen Baby. 

 

 

Eines wirklich vorweg: Ich liebe mein Baby. 

Es ist großartig, es macht mich glücklich, es treibt mich in den Wahnsinn. Es - nicht er, nicht sie - um 50 % der alleinerziehenden Leserinnen nicht auf eine Fährte zu bringen. Neutrum aufgrund der angestrebten Anonymität. Mit „es“ kann man bereits kaum Gefühle durch das Netz darstellen, geschweige denn, wenn man sowieso schon am oberen Rand des eigenen Limits ist. Das Baby ist aber nur ein Teil des Artikels, somit geht es vielleicht etwas unter, vor allem, wenn ich mich darüber mit aufrege. Aber hier zu Hause rede ich nicht in der neutralen Form vom Baby, sondern mit Namen oder Kosenamen. Je nach Situation. Und durchaus ohne Wut, denn die habe ich im Netz geparkt. 

Mir ist durchaus bewusst, dass es Jammern auf hohem Niveau ist, wenn man sich über die Eigenschaften und Ambitionen eines gesunden Neugeborenen öffentlich beschwert, denn immerhin ist es ja gesund, das Kind. Oder dass man sich beschwert, dass man das 10 Mal an diesem Tag neue Klamotten angezogen hat. Sich und dem Baby. Denn immerhin kann man das Baby so oft umziehen, und sich auch. Und die Waschmaschine macht die Sachen auch wieder sauber, wenn man sie reinsteckt, also auch kein Grund zum beschweren. Stimmt. 

Mir ist auch bewusst, dass der Artikel sehr kalt klingt, denn ich habe mich selber zensiert. Zum Teil, weil ich sehr ärgerlich klang, zum anderen, um mich weiter zu anonymisieren, so dass, sollten Freunde, Bekannte und natürlich auch die Frau diesen Artikel lesen, sie nicht sofort auf uns schliessen kann. Auch deswegen heißt es immer nur das Baby, das Kind und ähnliches, ohne Namen, Geschlecht, exaktes Alter oder anderes, dass man verwenden kann, um mich direkt zu identifizieren. 

 

Ich finde es total interessant, wie sehr der Artikel polarisiert. 

Dabei bin ich mir sicher, dass ähnliches sich in vielen Familien zuträgt oder zugetragen hat. Sicher gibt es die absolut glückliche Familie, wo nicht mal jemand am Rande seiner Kräfte ist und alle Brocken hinwerfen will, aber ich glaube, die ist wirklich selten. Eher denke ich, dass oft genug mal der eine und mal der andere Partner am Ende ist, und die Umstände es dann hoffentlich zulassen, dass der jeweils andere Partner ausgleichend eingreift. Wenn nicht, dann passiert etwas wie hier: Einer der Partner ist am Rand der Möglichkeiten und findet im optimalen Fall dennoch ein Ventil, um schlimmeres zu verhindern. 

 

Aber nun mag ich mich zu einigen der Kommentare äußern. Sicher nicht alle, aber ein paar sind mir aufgefallen, auf die ich wirklich gerne antworten möchte:

Ulrike H. "Ich verstehe diesen Mann. Nichtsdestotrotz war mein erster Gedanke "Hoffentlich war seine Endgueltigkeit bereits Thema und seine Frau sieht das genauso..." Der Kinderwunsch flammt ja oft wieder auf wenn das Schlimmste geschafft ist."

Danke. Auch wenn es kalt klang. Zum Glück ist die Endgültigkeit bereits besprochen, mehr Kinder wollen wir beide nicht. Allerdings denke ich, dass ein Kinderwunsch von beiden Seiten kommen muss, um erfüllt zu werden. Wenn einer der Partner nicht will, dann bringt das nur Unglück ins Haus. 

 

Bianca P "Krass. Wie du weißt, bin ich ein großer Feund klarer Worte und ja, was er schreibt, kennen wir zur Genüge. Aber sein Kind als "kotzendes Etwas" zu bezeichnen... für mich ist der ganze Artikel einfach nur lieblos. Kein gutes Wort über das Baby, nicht mal ansatzweise. Etwas zu krass für meinen Geschmack."

"Mich würde interessieren, wie die Beziehung vorher war und ob er Gefühle für sein Baby hat - also, positive. Klingt für mich nämlich nicht so."

Wie ich weiter oben schrieb, ist der Beitrag etwas glattgebügelt. Zum Teil, um den Ärger und Stress nicht zu krass auf dem Kind abzuladen, zum anderen um etwas Anonymität zu erreichen, da der Schreibstil verfremdet wurde.  Und das Interesse: Ja. Es ging vielleicht unter, denn das Ziel des Beitrages war die Beziehung zur Frau, aber doch. Ja.

Die Beziehung war vorher gut, sonst hätte ich mich von Vornherein gegen ein Baby ausgesprochen, denn das gehört für mich zusammen. Das Gefühl zum Baby beschrieb ich oben. Also in Worten, die wenig sagen, denn sie treffen die Realität nicht. 

 

Bibi L. Wo ist die Ehrfurcht und Dankbarkeit dass seine frau ihm ein gesundes kind geboren hat?

Das war nicht Thema meines Rants, sondern simpel eine Momentaufnahme meiner Gedanken zu dem Zeitpunkt. Nach gefühlten 20 Überstunden in 3 Tagen, unglaublich viel Wäsche und Nerven kurz vorm Zerreißen. Man verzeihe mir, wenn man mag, oder nimmt es hin, wie es war. 

 

@e. "Diese Sicht wird der Mutter, die sich um das Kind kümmert, sich Gedanken macht, es als Lebensinhalt hat, ganz schön weh tun."

Diese Sicht tut ziemlich sicher jedem weh. Das ändert aber nichts daran, dass man durchaus mal echt ärgerlich sein kann und dann sind alle guten Benimmregeln über Board geworfen und man lässt sich mal gehen. Danach ist es besser. 

 

@t. "so nachvollziehbar die gedanken sind, so schlimm finde ich, die familienplanung mal eben einseitig zu beenden."

Sorry, aber Familienplanung hat etwas mit 2 Menschen zu tun, die gemeinsam etwas wollen. Wenn einer da rausfällt, hat die Planung ein Problem, denn 1 von 2 tragenden Pfeilern dieser Planung macht nicht mit. In meinen Augen ist das ein Grund für eine Familientherapie vielleicht, aber ziemlich sicher kein Grund, dann trotzdem ein weiteres Kind zu wollen. 

Drehen wir das mal um, sprich: Der Mann will noch ein Kind, die Frau nicht. Da hat die Frau dann sicher alles Recht der Welt, das zu verweigern, denn: Ihr Körper, … Der Mann aber macht etwas schlimmes bei dieser Entscheidung? Zum Glück ist die Familienplanung bei uns durch, somit stellt sich das Problem nur, wenn ein Unfall passieren sollte. 

 

@m. "und was wäre die Notbremse?"

Da gibt es viele. Weniger arbeiten, um mehr Zeit zu haben, damit es nicht so stresst. Wenn man das aufs Kind bezieht. Da der Post aber eigentlich ein anderes Thema hatte, nämlich die Beziehung, kann man reden. Klappt das nicht, muss es andere Wege geben. Denn wenn eine Beziehung nicht mehr als Beziehung wahrgenommen wird, bzw. den Weg in die Familie nicht mitmacht, dann ist das ein Fall für eine Paartherapie oder Trennung. Es wäre nicht die erste und sicher auch nicht die letzte Beziehung, die den Weg zu einer gemeinsamen Familie nicht überlebt. 

 

@_G: "Unglaublich traurig. Die Erschöpfung und Verzweiflung ist sehr spürbar, er tut mir leid. Ich kann es nachvollziehen"

Danke. Einmal länger schlafen und ein guter Tag machen das aber auch schon besser. 

 

@M: "ein ganz trauriger, destruktiver Beitrag, der einen schalen Beigeschmack zurück- und das Gefühl dalässt, dass dort keine Beziehung 

mehr annähernd gut ist - weder zur Frau, Stichwort: offenes Gespräch - noch zum Kind, wenn man es SO beschreibt!!!"

Eigentlich war es für mich und meinen Gemütszustand sehr konstruktiv, das einmal zu formulieren, denn danach war es glatt besser und ich bin nicht ärgerlich wieder an die Arbeit gegangen sondern recht entspannt und freier. 

Ich verstehe allerdings, was du meinst. Ja, ich sehe das Problem selber. Ich gehe aber davon aus, dass es sich normalisiert, sobald der Zwerg nicht mehr so viel intensive Aufmerksamkeit braucht. Also schon noch, aber dann vielleicht eher, damit er sich nicht kopfüber in die Dusche stürzt oder dem Hund das Wasser wegtrinkt oder zu viel Grad im Garten futtert.

 

Artikel von Zora auf 2KindChaos "Wenn sich unser Gastautor  drüber beschwert, dass die Frau über dem Stillen eingeschlafen ist, höre ich nur raus:

"Da liegt das kotzende Etwas in meinem Bett, zwischen mir und meiner! Frau und saugt an "meinen! Titten", während ich mir alleine! einen runterholen muss.
Unverschämtheit. Mein Leben ist sooo unbequem geworden. Mimimi!“"

Und was soll das mit der Notbremse? Trennung? Baby im Fluß ertränken?

Eine Notbremse wäre durchaus auch, die eigenen Grenzen zu akzeptieren und entweder das Arbeitsaufkommen zu verringern, eine Putzfrau anzustellen die die Wäsche erledigt und den Haushalt oder auch weniger arbeiten. Oder auch, da es um die Beziehung ging, und darum, dass sie so anders ist, dass es sich aktuell nicht richtig anfühlt, eben diese zu ändern bzw. zu beenden, wenn es nicht mehr funktioniert. Ich werde einen Teufel tun und ob eines Babies eine Beziehung über Jahre aufrecht zu halten. Das macht niemanden glücklich und niemanden zufrieden.

Insgesamt übrigens glaube ich, die Brüste gehören der Frau ganz allein. Sie darf entscheiden, was sie damit macht. Wenn es ein Baby ist, dass sich natürlicherweise daran ernährt, so what? Das Baby im Bett stört ebensowenig, wieso auch? Ich kann aktuell eh kaum was machen, da gestillt wird. Also lässt meine Frau mich schlafen. Praktisch für mich, schlecht aber total nett und lieb von ihr. Man stelle sich vor, dafür bin ich sogar dankbar, denn 37 Stunden Arbeit plus Pflichtpausen plus Wege plus Überstunden sind auch 47 Stunden die man unterwegs ist und nicht durchatmen kann.

Auch wenn sie durchaus leichter sind, als ein Kind zu versorgen, so kosten sie Zeit, ernähren die Familie und ich bin mir sicher, dass man der Firma auch meist 100% Arbeitsleistung schuldet. Anschliessend fährt man also heim, versucht noch eine Bindung zum Baby aufzubauen, die Frau zu unterstützen, denn Haushalt zu erledigen und auch noch selber so sehr den Arbeitstag hinter sich zu lassen, dass man am nächsten Tag wieder fit ist. 

Ich werde an dieser Stelle nicht auf Ungerechtigkeiten dieser Gesellschaft eingehen, nicht auf irgendeine Gender-Problematik, nicht auf Feministinnen-Sichtweisen oder anderes, denn die Umstände sind nun mal so. Auf den Boden werfen und trommeln und schreien ist sicher lustig bei einem ausgewachsenen Mann, aber sicher nicht hilfreich für irgendetwas. Also nimmt man die Sachen so hin und macht das Beste draus.

Insgesamt aber fällt mir auf, dass sehr wenig zur Beziehung meiner Frau und mir gesagt wurde. Der (für mich) eigentliche Kernpunkt des ersten Beitrages, denn die Beziehung zum Kind steht außer Frage, egal wie sehr ich mich ärgern mag. 

 

Ganz allgemein bedanke ich mich herzlich über so viel Kritik und auch Verständnis,

entschuldige mich aber auch gleichzeitig für die recht nüchterne Betrachtung zum Kind. Es stehen viele Gründe hier drin dafür. Überarbeitung, Übernächtigung, Stress als echte Ursachen, hingegen Anonymisierung und Selbstzensur als zweitrangige, wahrscheinlich aber wahrgenommen schlimmere Ursachen.

Insgesamt ist hier vieles gut, wenn man obige Gründe aussen vor lässt. Ein paar Stunden extra Schlaf, ein grenzdebiles Grinsen eines Babies, ein Lachen dazu und etwas qualitativ hochwertige Zeit heilen vieles. Davon hätte ich gerne mehr Tage, und ich bin mir sicher, dass diese auch mehr werden. 

Das Smart Kid's Phone von V-Tech
Wenn Väter auf hohem Niveau jammern. Ein Rant

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