Gleiches Lob für alle!? Warum Väter die "besseren Mütter" sind

Am Anfang war es ja noch nett, ich gebs zu: Noch nie zuvor in meinem Leben haben mich so viele Frauen angelächelt, noch nie habe ich so viele Komplimente bekommen, noch nie haben mir Menschen die Tür aufgehalten oder mir Sachen vom Boden aufhoben. Aber auffällig war es schon: Ich war allein mit beiden Kindern unterwegs, Maple (fast 3) und Coco (3 Monate), und das schien extrem viele (vor allem weibliche) Menschen in Entzückung zu versetzen. Warum? Ja, meine Töchter sind schon extrem süß, finde ich ja auch, aber meine Frau erlebt solche Sachen nicht, wenn sie mit ihnen unterwegs ist.

 

"Papa allein unterwegs mit Kleinkind" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Und damit sind wir bei Thema 

Ja, es stimmt, für die gleiche Leistung in der Kindererziehung (und übrigens auch im Haushalt, man lässt ja kein Klischee aus) werden Männer deutlich mehr gelobt, teilweise sogar in den Himmel gehoben. Das ist vielleicht erklärbar – viele Männer scheinen sich ja immer noch gerne aus allem rauszuhalten, was nicht klassische Erwerbsarbeit ist, also wirken diejenigen Männer, die sich wirklich reinhängen, wie leuchtende Vorbilder. Fair ist das aber nicht, wenn sie deswegen für das, was hunderttausende Mütter jeden Tag leisten, über den grünen Klee gelobt werden. Das ist in etwa so, als ob ich jemandem einen Preis verleihe, weil er nicht klaut, nur weil es so viele andere gibt, die klauen.

Noch ein kleines Beispiel: Der Blogpost, in dem ich auf die „Anforderungen an (werdende) Väter“ meiner Frau geantwortet habe, hat in etwa doppelt so viele Aufrufe erhalten wie ihrer. Könnte viele Gründe haben. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es wieder daran liegt, dass ich als Mann die Sicht meiner Frau bestätigt habe.

Natürlich schmeichelt es mir, wenn mich die Leute für einen tollen Vater halten. Ich bin auch gar nicht so schlecht darin, Vater zu sein, sage ich mal ganz unbescheiden. Aber meine Frau ist eine mindestens ebenso gute Mutter. Und dann muss gelten: Gleiches Recht für alle. Und gleiches Lob für alle.

Nun könnte man sagen? Schadet doch nichts, wenn Du mal gelobt wirst. Doch, tut es wohl. Es sorgt für Unfrieden zwischen Frauen und Männern. Ich kann nichts dafür, stimmt, dass ich bevorzugt werde, aber wenn andere für die gleiche Leistung weniger gelobt werden, muss sich das Scheiße für sie anfühlen, das ist doch klar. Außerdem ist eine solche Ungleichbehandlung zutiefst ungerecht, und ich kann Ungerechtigkeit nicht ausstehen, auch wenn ich selbst durch diese Ungerechtigkeit profitiere. Ich kann es auch nicht ertragen, dass Kinder in Afrika an Hunger sterben, während wir hier im Überfluss leben.

Und schließlich ist es ein Zeichen dafür, dass wir anscheinend in Deutschland in Sachen Gleichberechtigung mehrere Jahrzehnte weiter zurück sind als ich dachte. Es ist nicht das einzige Anzeichen dafür, aber ein ganz deutliches. Erschreckend. 

 

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade "Von überragenden Vätern und normalen Müttern" vom Runzelfüßchen Blog

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