Modernes Familienleben - so kann Vereinbarkeit auch aussehen. Interview mit Jochen König

Jochen König fällt auf - er ist in vielerlei Hinsicht eine Art Vorreiter. Er ist alleinerziehender Vater von zwei Töchtern, und für seine zweite Tochter gibt es zwei Mütter. Warum er das als ganz selbstverständlich sieht und wie so eine Patchworkfamilie ihren Alltag regelt, hat er mir verraten. Ein interessantes Interview und vielleicht auch ein Lebensmodell, das Zukunft hat. 

 

Bildrechte: Jochen König

 

Lieber Jochen, danke dass ich dich mit Fragen löchern darf! Du hast eine interessante Familienkonstellation - vielleicht magst du kurz erzählen wie deine Patchwork Familie aussieht?

Ich habe zwei Kinder mit drei Müttern. Meine große Tochter kommt aus einer Heterobeziehung und ist mittlerweile 7 Jahre alt. Weil das mit der Vereinbarkeit von Liebesbeziehung und Elternsein oft nicht so einfach ist, habe ich mich entschlossen, ein weiteres Kind außerhalb einer Liebesbeziehung zu bekommen. Meine kleine Tochter (1 ½) hat nun drei Eltern, mich und zwei weitere Mütter, die wiederum als Paar zusammenleben. Meine große Tochter lebt seit ihrer Geburt überwiegend bei mir – im Moment ist sie etwas mehr als die Hälfte der Zeit bei mir und ansonsten bei ihrer Mutter, die Kleine ist knapp die Hälfte der Woche bei mir und den Rest der Zeit bei ihren Müttern.

 

Wie klappt das denn mit den Absprachen zwischen dir und den drei Mamas - ist das immer easy oder gibt es auch mal Konflikte? Und was ist mit Absprachen, die beide Kinder betreffen, setzt ihr euch dann alle an einen Tisch? Wer hat das letzte Wort, wenn ihr euch mal nicht einig sein solltet?

Die Absprachen laufen so wie in vielen anderen Familien auch. Kleinere Sachen werden zwischendurch in unserer Whatsapp-Gruppe oder am Telefon besprochen. Für größere Fragen setzen wir uns zusammen an einen Tisch. Wenn wir uns nicht einig sind, diskutieren wir so lange, bis wir eine Lösung finden, die für alle passt. Zu dritt ist das manchmal sogar einfacher als nur zu zweit. Wenn bei drei Personen zwei scheinbar nicht miteinander zu vereinbarende Positionen aufeinandertreffen, ist noch eine weitere Person da, die dazwischen vermitteln kann.

 

Wie kommt deine Familiensituation denn bei den potentiellen Partnerinnen an? Gibt es da welche, die abgeschreckt und überfordert sind oder wirst du eher als moderner Feminist gefeiert?

Meine Familienkonstellation und meine Herangehensweise an meine Vaterschaft sind für viele erst einmal spannend. Ständig klopft mir auch irgendwer auf die Schulter, weil ich mich so toll um meine Kinder kümmere. Dabei mache ich nichts anderes als hunderttausende andere Mütter auch – und ich habe (anders als viele Mütter) dabei noch Unterstützung von drei weiteren Personen. Trotzdem ist es für mich logistisch und auch emotional nicht so einfach, potentielle neue Partner_innen kennenzulernen und zu treffen, weil ich viel Zeit und Nerven investiere, um für meine Kinder da zu sein. Das geht aber den meisten Single-Müttern auch nicht anders. Wer Zeit mit mir verbringen möchte, muss sich darauf einstellen, dass da zwei Kinder Teil meines Lebens sind und oft morgens mit am Frühstückstisch sitzen.

 

Wie gehen andere Männer / Väter auf dich zu? Welche Erfahrungen machst du, wenn du erzählst, das du gleichberechtigt erziehst, dich Mama nennen lässt?

Den meisten Vätern, die ich treffe, fallen immer wieder die gleichen Ausreden ein, warum sie sich nicht so sehr um ihre Kinder kümmern können. Sie würden ja so gerne, aber der Arbeitgeber, das Familieneinkommen, die Mutter, die vermeintlich alles an sich reißt… Gähn. Ich kann es nicht mehr hören. Ich treffe sehr wenige Väter, mit denen ich etwas anfangen kann.

 

Was würdest du dir für die Väter in unserer Gesellschaft wünschen, was soll sich deiner Meinung nach ändern?

In erster Linie müssten sich die Väter ändern. Statt immer wieder die gleichen Ausreden hervorzubringen, könnten sie sich entscheiden, einfach mal Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen. Von der Gesellschaft wünsche ich mir, dass nicht jeder Vater, der sein Kind einmal in der Woche von der Kita abholt, jubelnd durch die Stadt getragen wird.

 

Siehst du dich als Vorreiter für eine neue Art der Elternschaft? Woran können sich andere ein Beispiel an euch drei Eltern nehmen?

Ich glaube schon, dass meine Familienkonstellation auch für andere passen könnte. Das Leben mit Kindern kann ganz schön anstrengend sein und da könnte es auch für andere hilfreich sein, die Verantwortung auf mehreren Schultern zu verteilen. Letztendlich müssen aber alle selbst wissen, wie sie Familie leben wollen und welche Konstellation am besten zu ihnen passt.

 

Mehr von Jochen und seinem Leben könnt ihr auf seinem Blog Jochen König nachlesen.

 
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