Kinder und Tätowierungen passen gut zusammen

Ich liebe die Tätowierungen auf meiner Haut und ich liebe meine Kinder. Dennoch werde ich oftmals schief angeschaut wenn ich mich mit meinen Tattoos und meinen Töchtern zeige. Ich habe das Gefühl das aus Sicht der Gesellschaft und der breiten Masse diese zwei Dinge nicht zueinander passen: Elterndasein und bildlicher Körperschmuck.

 

Bildrechte: Elternkiste

 

Warum Eltern tätowiert sein dürfen

Es ist seltsam welche Erfahrungen ich mit anderen Menschen gemacht habe seit ich mich das erste Mal habe tätowieren lassen. Das erste Tattoo auf meiner Haut ließ ich mir stechen, als es meine Kinder noch gar nicht gab. Mittlerweile sind in den letzten 8 Jahren in über 60 Stunden Arbeit mehrere tausend Euro auf meiner Haut verarbeitet worden. Für mich handelt es sich bei dem Tätowieren um ein Stück Lebenskultur und eine Bühne meines persönlichen Ausdrucks. Daran kann ich nichts Falsches feststellen. Genug Tiefgang für eine Diskussion.

Bevor ich Kinder hatte wurde ich allenfalls schief angeschaut, je nach dem in welchen Kreisen ich mich bewegt habe. Mit der Geburt der ersten Tochter änderte sich das. Als ob Eltern keine Bilder auf der Haut haben dürfen. Kinder finden das aber klasse!

Diese Bilder auf meiner Haut machen mich in den Augen vieler Menschen zu jemand anderem. Und manchmal fühle ich mich als ob ich zwei Persönlichkeiten habe.

In meinem Arbeitsleben bin ich berufsbedingt zugeknöpft bis oben hin. Buntfaltenhose, lange Hemden und manchmal die Krawatte. Ab zum Kunden und los geht die Beratung. Niemand sieht meine Tattoos. Und Berater sind ja nicht tätowiert. Ärzte, Richter, Pfarrer, Erzieher, Politiker und Lehrer auch nicht.

Bullshit.

In meiner Freizeit trage ich diese Kleidung nicht. Warum auch… Dann sieht man meine Tattoos und ich werde anders wahrgenommen. Manchmal als asozial abgestempelt. Doch ich bin immer noch der gleiche Mensch.

Wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin bekomme ich meistens die eine Frage gestellt:

"Wie erklärst du das deinen Kindern?".

Und ich stelle die Frage zurück:

"Was soll ich jetzt erklären? Wann sich meine Kinder tätowieren lassen sollen oder welche Motive die besten für die Kids sind?".

Großes Staunen und Fassungslosigkeit sind die Reaktionen.

Meine Kinder finden die Bilder auf meinem Körper klasse und geben mir Feedback zu den Motiven. Ich habe für mich vor vielen Jahren entschieden, dass diese Art des Körperschmucks eine für mich persönliche Ausdrucksweise verschiedener Lebensabschnitte und Situationen darstellt. Manchmal reicht für den Ausdruck einer Sache zum Beispiel die Fläche der Schulter, manchmal muss etwas Größeres wie der Unterarm her. Völlig egal.

Auf Basis dieser Einstellung ist es auch nur logisch diesen Prozess ein Leben lang durchlaufen zu dürfen. Mit dem Alter werden sich weitere Verewigungen auf meiner Haut ansammeln. Und meine Kinder dürfen daran teilhaben weil sie zu mir gehören und einen wichtigen Lebensabschnitt aus meinem Leben darstellen.

Nichts Schöneres als der Gedanke auch einmal eine Kinderzeichnung auf dem eigenen Körper zu tragen. Denn das ist ein Teil meines Lebens! Tattoos sind persönliche Kunstwerke die keinen Anspruch auf Perfektion haben.

Die Motive die ich mir stechen lasse sind also etwas hoch persönliches. Ich erwarte von niemandem dass er den Hintergrund erahnen kann und verstehen wird. Aber diese Bühne des persönlichen  Ausdrucks hat auch nichts mit dem Elterndasein zu tun. Warum auch sollten Tattoos einen Menschen asozial werden lassen?

Ich behaupte das die Menschen die sich für diesen Schritt entscheiden einen Prozess des Nachdenkens durchlaufen haben. Diese Menschen stehen für etwas ein was sie der ganzen Welt auf ihrer Haut zeigen. Das ist Standing und hat nichts mit Oberflächlichkeit zu tun!

 

Der spaßige Erklärbär

Früher galt ein Tattoo als Körperschmuck der Armen. Wer sich heute ein Tattoo stechen lassen möchte brauch liquide Mittel. Ohne das nötige Kleingeld gibt’s auch kein Tattoo. Da kann man auch schon einmal weit über 100.-€ pro Stunde beim Stecher liegen lassen. Und in einer Stunde passiert nicht viel…

Das was man sich stechen lässt steht zunächst für einen selbst. Aber natürlich wird man auf seine Tattoos angesprochen. Und zumindest ich bin mir nicht zu schade dafür meinem fragenden Gegenüber auch die Geschichte hinter dem Motiv zu erzählen. Das betrifft auch meine Kinder.

Meine Kinder nennen meinen Stecher den Künstler. Der freut sich darüber weil dies seinem Anspruch Rechnung trägt. Dieser Mensch ist ein Künstler und kein Ersteller asozialer Körperaccessoires.

 

Meine zwei Gesichter

Ich finde die Aufteilung der tätowierten und nicht-tätowierten Menschen in unserer Gesellschaft traurig. Die Reaktionen auf mich sind für zwei Gesichter geschaffen. Der zugeknöpfte Berater hat einen akademischen Abschluss und wirkt akkurat. Der tätowierte Papa kommt scheinbar asozial daher und kann kein Vorbild sein. Wie oberflächlich und scheinbar unwahr.

Ein Mensch und zwei Gesichter.

Das ist asozial.

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