Glückliche Patchworkfamilie mit der Ex und den Liebhabern? Der Sextalk mit Bernd

Nach dem eher humoristischen Sex Interview mit Eddie fragte ich auf Twitter herum, ob es noch einen Freiwilligen gäbe - denn was ist interessanter, als andere Leute über ihr (Sex) Leben auszufragen? Bernd heißt eigentlich gar nicht Bernd und mit den richtig interessanten Dingen ist er auch nicht gleich herausgerückt: er lebt mit der Ex und den gemeinsamen Kindern zusammen und beide haben ihre Liebhaber. Wieso und wie das klappt, hat er mir verraten.

 

 

Frida: Hey Bernd, freut mich dass du Interesse an einem Interview hast! Wie stehst du denn zum Thema Sex generell?
 

Bernd: Das Thema ist eines der lustigsten, und ich werde nicht müde darüber zotige Witze zu reißen. Leider ist das Zielpublikum eher klein.

 

Frida: Das stimmt, das ist bei Fäkalwitzen leider auch so. Mit wem redest du denn über Sex? Oder bleibt das zwischen dir und deiner Partnerin?

 

Bernd: Hauptsächlich mit meinen Ex-Freundinnen. Wir kennen uns, aber der Druck ist weg. Das erleichtert es.

 

Frida: Echt jetzt? Als aktuelle Partnerin würde ich dir dafür die Hölle heiß machen...

 

Bernd: Diskretion ist die Mutter des Dialogs - wobei es kein Geheimnis ist, dass ich mit ihnen rede, und auch nicht worüber. Nur eben keine Einzelheiten, das wäre sicher nicht schlau.

 

Frida: Wie war es denn bei euch mit dem Sex nach der Geburt? Hatte die Geburt etwas mit dir "gemacht", also abgeturnt? Gab es sowas wie weibliche Hormone dass du weniger Lust hattest?

 

Bernd: Das Gefühl hatte und habe ich durchaus. Dazu kam, dass wir mit der ersten Geburt in eine dauerhafte Krise geraten sind. Kurz gesagt war fünf Jahre lang tote Hose. Wir haben uns dann ein zweites Kind gewünscht und ein paar Wochen lang sehr unsexy Sex gehabt, aber immerhin mit dem gewünschten Erfolg.

 

Frida: Oh wow, fünf Jahre klingt lang. Kannst du sagen woran es lag? Von wem ging es aus?
 

Bernd: Ziemlich beiderseitig. Wir konnten uns quasi kaum mehr ertragen. Dazu kam, dass Sie bald einen Liebhaber hatte. Das alles klingt vermutlich merkwürdig angesichts der Tatsache, dass wir nicht nur weiter zusammen sind sondern sogar noch ein Kind bekommen haben. Aber es war uns klar, dass wir ein ziemlich gutes Team für unsere Kinder sind. Wir haben uns sozusagen um diese Priorität herum arrangiert.

 

Frida: Seid ihr noch ein Paar oder nur Eltern? Und wie klappt das alles mit Affären? Organisatorisch und emotional? Und wieso noch ein Kind?

 

Bernd: Weil das erste so toll ist. Es war nahe liegend sich den geteilten Wunsch nach einem zweiten Kind gemeinsam zu erfüllen. Organisatorisch ist das recht einfach - viel getrennte Zeit wo einer auf die Kinder aufpasst und der andere unterwegs ist, Abendessen und Wochenenden oft gemeinsam. Ein Urlaub im Jahr im Team, je einer getrennt. Emotional war das nicht so einfach; Szenen und Krawall inklusive, und manchmal waren wir auch knapp davor es zum Wohl der Kinder eben doch bleiben zu lassen. Ich persönlich konnte gut damit umgehen, ich bin nicht eifersüchtig und mag den Kerl sogar ganz gern.

 

Frida: Klingt ja nach happy Patchwork. Macht ihr auch alle zusammen was? Wissen die Kinder bescheid bzw werdet ihr später offen damit umgehen?

 

Bernd: Nur wenn seine beiden Kinder mit dabei sind. Das ist in der Tat sehr lustig. Die Kinder wissen es noch nicht, aber es wird bald nötig werden mit ihnen darüber zu reden - je älter sie werden desto weniger wird es möglich sein, das Thema zu verschweigen.

 

Frida: Ist die Mutter deiner Kinder denn eine Ex mit der du über Sex reden kannst? Und sorry wenn die Frage zu intim ist aber hattet ihr schon andre Partner als ihr Kind 2 gezeugt habt?

 

Bernd: Sie ja, ich nicht. Ich hatte ernsthafte Zweifel ob ich jemals wieder ein Sexleben hätte, nachdem das so schlecht lief. Aber seit dem Sommer habe ich jemanden gefunden mit dem ich das für mich wieder entdeckt habe. Aber die Ex-en zum reden sind andere, sind tatsächlich komplett-Ex-en mit eigener Familie, ihren eigenen Sorgen und Erfahrungen.

 

Frida: Erzähl doch mal genauer, wie das damals bei euch war. Fing es in der Schwangerschaft an oder erst nach der Geburt? Was waren eure / deine Probleme?

 

Bernd: Naja, man kriegt nicht wirklich einen hoch wenn man mit jemandem schlafen will, den man nicht mehr sehr mag. In der Schwangerschaft hatten wir noch ein, zweimal Sex, und das war auch schön, aber mit der Geburt fand ich meine Frau wie ausgewechselt. Das hat sich seitdem nie wieder eingerenkt, und deswegen sind wir auch bis zum Projekt Kind 2.0 nicht mehr miteinander ins Bett gegangen. Dass ich eine Schilddrüsenunterfunktion hatte, die ich erst vor kurzem diagnostiziert bekommen habe, mag auch eine Rolle gespielt haben. Man hat keine Lust, aber man regt sich auch nicht mehr über Dinge auf. Ideal eigentlich für die Situation wie sie war.

 

Frida: Was war denn so anders an ihr? Hatte das auch etwas mit ihrem Körper zu tun? Soll heißen: war die Veränderung auch ein Stück weit von dir ausgehend?

 

Bernd: Ich bin sicher jede Veränderung war immer eine, die zwei Teile hatte; bei jedem Partner einen. Aber das Problem war kein körperliches. Mir schien als hätte sie von einer Sekunde auf die nächste nur noch Hass und Vorwürfe für mich übrig. Und ich zog mich zurück, eben auch körperlich.

 

Frida: Kannst du retrospektiv sagen worum es da ging? Bei vielen Paaren gibt es ja Streit nach der Geburt und keiner weiß so genau was los ist...

 

Bernd: Dass ich sie nicht genug unterstützt hätte. Eigentlich der Klassiker.

 

Frida: Wie lebt ihr jetzt eigentlich, hat jeder seinen Bereich? Wie kann man sich euren Alltag vorstellen - auch mit euren Lovern?

 

Bernd: Wir haben normalen Familienalltag. Abends hat je einer Ausgang. Wir treffen unsere Lover auswärts oder laden sie ein. Ohne "öffentliche" Zurschaustellung natürlich. Es ist gerade ein bisschen spannend weil es sich ändert - ich bin erst seit drei Monaten erstmals wieder liiert.

 

Frida: Und wie tretet ihr in der Öffentlichkeit auf - denken alle, ihr wärt ein Paar? Was sagt die weitere Familie dazu?

 

Bernd: Im Bekanntenkreis ist es ein offenes Geheimnis, und wird nicht angesprochen. Aber die Familien sind weitgehend d'accord damit. Allerdings gegenüber Nachbarn, Kindergartenbekannten und so sind wir ein Ehepaar wie jedes andere.

 

Frida: Ok, dann die abschließende Frage: würdest du eure alternative Familienform weiterempfehlen? Welche Tipps gibst du anderen, die kurz vor der Trennung sind und nicht wissen, wie es weitergehen soll?

 

Bernd: Nein, ich würde es nicht empfehlen. Es ist kein Spaß, und wir machen es nur als langfristige Übergangslösung. Ich kann das nur, weil mir die Kinder so viel zurück geben, und ich meine es ist für sie am besten ein klassisches Zuhause zu haben. Wer vor der Frage der Trennung steht, muss selber entscheiden was ihm wichtig ist, wo er für sein eigenes Herz oder für seine Kinder Verantwortung trägt. Und dann nichts übers Knie brechen.

 

Frida: Danke dir für das tolle Interview und das Vertrauen!

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