Über Mut. In Germany we call it a „Schisser“…

Max / Die gute Kinderstube

Ich bin ja schon ziemlich cool. Jung, Dynamisch, Mutig! Weiß alles, aber nix so richtig. So einfach macht mir niemand was vor. Aber was ich vor kurzem gelesen habe, hat meinen Mund offen stehen lassen und auf einmal fühlte ich mich gar nicht mehr so mutig.

 
 
 

Dicke Eier als Familie

Vor kurzem habe ich in einen Rutsch den Blog von Thor und Hanne Maries Sechspaarschuhe gelesen. Ich habe bis tief in die Nacht mit offenem Mund die verschiedenen Einträge gelesen. Es geht darum das die beiden mit ihren 4(!) Kindern mal einfach so alles in Deutschland vertickert haben und nun auf einer Weltreise sind. Diese dauert erstmal ein Jahr und wie es danach mit der Familie weitergeht wissen die beiden noch nicht so Recht. Und ich muß sagen, die beiden haben die dicksten Eier die ich seit langem gesehen habe. Ich spreche jetzt nur von mir und habe mit den beiden persönlich nicht gesprochen aber es erfordert in meinen Augen sehr, sehr viel Mut so eine Entscheidung zu treffen und auch noch durchzuziehen! Aber nach so einen Trip hat man Erfahrungen und Impressionen gewonnen, die einen durch sein gesamtes weiteres Leben begleiten werden. Ich denke das so eine Tour einen anderen Menschen hervorbringt als der, der die Reise zu Beginn angetreten hat.

Ich für meinen Teil überlege ja schon lange vor einer Reise (also Urlaub) in ein anderes Land ob alles gut geht. Haste an die Flüge, die Unterkunft, das Klima, die sanitären Zustände, etc. gedacht? Haste genug Kohle? Mit einem Rückflug oder einem im Vorfeld gebuchten Hotel gibt es mir einen „sicheren Rahmen“ in dem ich mich dann beruhig bewegen kann.

Aber Thor und Hanne Marie hatten irgendwie nichts von dem. Die hatten One-Way-Tickets und eine grobe Idee wo es hingehen sollte. Das finde ich ultra krass. Und verdammte scheiße, die haben Cojones! 

Diese Geschichte hat mich so tief beeindruckt, ich denke die ganzen letzten Tage daran! Auch weil ich schon fast im Flugzeug sitze um ein fernes Land zu bereisen. Mein erster Impuls war: „Das will ich auch mal machen!“ (also das „Um die Welt reisen“). Doch direkt danach kam: „Kann ich das überhaupt?“ „Will ich das überhaupt“? „Wäre ich mutig genug“? Ist Mut überhaupt das richtige Wort dafür? Ich denke schon…

 

Es gibt eine witzige Anekdote in meinem Leben.

Ich war mit meiner Perle vor ein paar Jahren in Asien, genauer gesagt in Thailand, Laos und Kambodscha, meinen Vater besuchen der dort für einige Zeit lebte und arbeitete. Wir wollten für ein paar Tage Strandurlaub an der Ostküste Thailands machen. Wir hatten Tickets nach Bangkok und hatten ein nettes Hotel in einem kleinen Fischerdorf Namens „Pranburi“ in der Nähe von „Hau Hin“ gebucht. Am Bangkoker Flughafen setzten wir uns in ein Taxi und wollten eigentlich nur zum Busbahnhof gebracht werden. Der Fahrer machten uns ein „unschlagbares Angebot“ (welches NATÜRLICH viel zu teuer war) und fuhr uns direkt nach Hua Hin. Dort schmiss er uns einfach raus, dreht und fuhr wieder zurück. Nun standen wir dort. Keine Ahnung wohin wir mussten. Mir wurde schon hier sehr mulmig und ich begann sehr nervös zu werden. In der Touristen-Information sagte man uns das wir mit einem bestimmten Bus in die Nähe dieses besagte Fischerdorf fahren sollten.

Wir warteten also an irgendeiner Ecke, denn Bushaltestelle nach deutschem Maßstab gibt es dort nicht. Genau genommen gab es keinen Maßstab für Bushaltestellen, denn es gab keine.. also Bushaltestellen. Einfach Arm raus und der nächste Bus hielt vor unserer Schnauze. Wir stiegen ein, der Fahrer verstaute unsere Koffer und ab ging die Reise. Als ich so im Gang stand und in all die asiatischen Gesichter starten, dachte ich mir: „Wir erreichen das Scheiß Hotel NIEMALS“. Wir werden verloren gehen. Einfach weg. Ich fragte panisch ob hier jemand Englisch sprechen würde und zaghaft ging die Hand einer Dame in die Höhe. Wir erklärten ihr mit Händen und Füßen wohin wir wollten, sie erkläre es dem Busfahrer. Wir fuhren los. An der nächsten Haltestelle stieg die Dame aus und ich sah den Strohhalm, an dem ich mich panisch festhielt, um die Ecke gehen. Sie war weg. Was soll das? Einfach weg. Keiner sprach mehr Englisch. Der Busfahrer grinste. Wir waren verloren.

Wir fuhren also weiter und während ich Todesängste überstehen musste, lachte Madame Perle leise in sich hinein. Sie fand es amüsant. Sie hatte den Ernst der Lage nicht erfasst, dacht ich. Irgendwann hielt der Bus in einem kleinen Örtchen, der Fahrer zeigte auf uns und gab uns zu verstehen das hier für uns Endstation sein würde. Wir also raus und schon kamen lauter Einheimische auf uns zu und boten uns ihre Hilfe bzw. Dienste an. Einer wollte uns tatsächlich zu zweit, mit zwei großen Koffern auf seinem Motorroller in das Hotel an den Strand fahren. Wir lehnten dankend ab und bestiegen den Pick-Up des nächsten Anbieters. Er fuhr uns sicher zu Hotel. Erst als das Hotel in Sichtweite war ließ meine Anspannung locker und ich konnte sogar anfangen über mein Verhalten lachen.

 

Was ich aber mit dieser Anekdote sagen will: 

Ich weiß wirklich nicht ob ich den Mut und die Eier hätte alle Zelte abzubrechen und eine Weltreise mit meiner Familie zu machen. Einfach so ins Ungewisse. Ich finde es toll das es Menschen gibt die das für sich beschlossen haben und ganz tief in meinem Herzen wäre ich auch gerne so eine Person.

Das mit dem Mut bezieht sich natürlich nicht nur auf Reisen. So komisch es auch klingen mag, ich brauchte auch Mut mich auf die Diskussion mit meiner Frau einzulassen wie wir uns die Zukunft unserer Kinder vorstellen. Meine Frau möchte die Blagen in einer freie Schule, also außerhalb des bildungsideologischen Mainstreams, sehen. Ob es was für die Kids ist oder nicht sehen wir wenn es soweit ist.

Ich brauche ja schon viel Mut um innerhalb Deutschlands in eine fremde Stadt zu ziehen!

Ich brauche Mut mich von meiner derzeitigen Arbeitsstelle zu lösen und nach einem neuen Job zu schauen, denn „eigentlich“ gefällt es mir dort. Doch „eigentlich“ ist eigentlich ein scheiß Wort und wenn es dazu kommt liegt etwas im Argen. Veränderungen liegen mir also nicht. Ich brauche irgendwie eine gewisse Vorhersehbarkeit. Und irgendwie ist das Schade, denn ich denke, wie es Thor auch schon in seinem Blog geschrieben hat, „Das Leben bietet so viele Möglichkeiten, man muss sie nur ergreifen“.

Das soll jetzt aber nicht heißen das alle, die solch einen großen Schritt nicht wagen, nicht mutig sein können, denn irgendwie haben wir alle schon einen der mutigsten Schritte überhaupt hinter uns gebracht: Wir sind Eltern geworden und stellen uns jeden Tag auf’s Neue den Herausforderungen. Mal im Großen, mal im Kleinen. Aber Alter.. eine verdammte Weltreise?? Ich verneige mich…! „Reisen bildet“, sagte mein Großvater oft. Und wir wissen alle das Großeltern weise Menschen sind oder waren. Und ich weiß das die kommenden 4 Wochen mich auch als Mensch weiter prägen werden.

Ich habe mir also geschworen mutiger zu werden! In allem. Für mich und meine Familie einzustehen (was ich schon tue) aber auch tatsächlich den Blick für das Weite zu öffnen und einfach auch mal mehr Möglichkeiten als die am nächsten liegenden im Kopf kreisen zu lassen. Raus aus der Komfort-Zone, rein ins Abenteuer leben (<- supercheezy!)

 

Also, habt Mut! Geht doch schon mal vor, ich komme dann nach.. wenn ihr mir erzählt habt was vor mir liegt ;-)

 

Lasst et krachen,

SK.

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