Regretting motherhood? Die Suche nach dem Glück

Es ist wie ein Stein, der ins Rollen gebracht wurde und nun nicht mehr aufhört: Regretting motherhood heißt die Bewegung, die in der Süddeutschen Zeitung begann und die nicht nur viele Diskussionen losgelöst hat, sondern auch viele Bloggerinnen zu ehrlichen Statements hinreißt. Es geht um die "verbotenen Gefühle, die Mutterschaft zu bereuen"... Ich mache mir auch Gedanken darüber und möchte euch teilhaben lassen.

 

"Unendliche Liebe für meine Tochter" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Muss man als Mutter glücklich sein?

Das impliziert einem die Gesellschaft und das sind vor allem auch die eigenen Erwartungen, die man hat. Am Anfang ist da die Erwartung, wie es mal sein wird als Mutter, gespeist von Erfahrungen aus zweiter Hand, Erzählungen anderer (die wie wir ja alle wissen meist nur in homöopathischen Dosen authentisch sind) und den Bildern, die einem die Medien vermitteln. Oft spielt auch die Biologie eine große Rolle - diese unbändige, nicht logisch erklärbare Sehnsucht nach einem eigenen Kind, die einen zerreißt und die einen zerstören kann, wenn man sie nicht erfüllt oder erfüllen kann aus welchen Gründen auch immer. Kinder sind mittlerweile seltener geworden, viele entscheiden sich auch gegen sie, sei es aus Karrieregründen oder weil der richtige Partner fehlt. Es gibt solch polarisierende Erfindungen wie Social Freezing, die es Frau ermöglichen, auch in oder nach den Wechseljahren auf optimale Eizellen zugreifen zu können, manchmal sogar vom Arbeitgeber unterstützt.

Kinder sind ein Luxusgut geworden, das man sich leisten können muss und will, und wenn sie da sind, wird man von allen Seiten beäugt und begutachtet. Gleichzeitig sind sie Mangelware - wer kann schon von sich behaupten, nahen Kontakt zu Babys oder Kindern zu haben im Erwachsenenalter? (Damit meine ich nicht den "Baby Boom" im Freundeskreis, sondern generell das Aufwachsen und das Leben als junger Erwachsener.) Mein einziger Kontakt war Mitte 20, als eine ältere Freundin ein Baby bekam, das ich ab und an mal auf den Arm nehmen durfte und die den Eindruck erweckte, alles sei ein einziger Traum und die Mutterschaft "heilig". Wie einsam ich mich da fühlte, frisch getrennt und am vermeintlichen toten Punkt meines Lebens angekommen, kann man sich da wohl vorstellen. Mutterschaft ist etwas ganz Besonderes, hebt einen auf eine neue Erfahrungsebene, erfüllt einen mit Lebenssinn und Zufriedenheit, so meinte ich.

 

Wenn der Traum an der Realität zerbricht

Wieviele Kinder gäbe es, wenn jeder Frau so klar wäre, worauf sie sich eingelassen hat? Ich könnte mir schon vorstellen, dass der Realitätsschock bei einigen noch mal zum Umdenken geführt haben könnte, andererseits ist die Frage wohl auch müßig. Hätte ich es mir anders überlegt? Bereue ich es, Mutter zu sein? Ein klares NEIN an dieser Stelle. Aber es gibt ein ABER, wie bei so vielen anderen Frauen auch. Ich liebe meine Tochter mehr als alles andere auf der Welt und ich wäre dazu bereit, alles für sie zu tun. Allerdings war mir nie klar, wie viel ich bereits vom ersten Tag an für sie tun musste, nämlich mein komplettes Ich aufgeben und das Leben eines Babys führen; meine Bedürfnisse waren für lange Monate nahezu egal und ich konnte froh sein, wenn ich das Allernötigste irgendwie hinbekam.

Ich hatte ein so genanntes "high need Kind", das mehr Nähe und mehr Schutz brauchte als andere, und es brachte nicht nur mich an meine Grenzen, sondern auch meinen Partner und damit auch unsere Beziehung. Schließlich gehört nicht nur die komplette Lebensumstellung zu so einem Baby dazu, sondern auch eine gewaltige Veränderung im Familiensystem - nicht nur, dass man Eltern wird, man hat auf einmal auch Großeltern, Onkel, Tanten, Schwiegerleute und wie sie alle heißen "geschaffen", die plötzlich ihren Anspruch anmelden auf die junge Familie und sich je nach Persönlichkeit mehr oder weniger einmischen. Auch das ist eine massive Belastung für die Partnerschaft.

Was mich ebenfalls wirklich bitter enttäuscht hat, ist die Aussicht auf mein weiteres berufliches Leben - nie hätte ich für möglich gehalten, dass es mir so schwer fallen könnte, mich von meinem Kind zu trennen, das mich ja auch tatsächlich so sehr gebraucht hat und immer noch braucht. Nie hätte ich gedacht, dass es ein Problem sein könnte, selbst in Teilzeit zu arbeiten. Emanzipiert und erfolgreich wollte ich sein. Einen beruflichen Traum hatte ich bereits für die Schwangerschaft aufgegeben, den ich jetzt wohl sicher nicht mehr nachholen kann. Aber ich kann mir nicht einmal mehr vorstellen, Wochenendseminare zu besuchen oder mich abends fortzubilden - ich kann schon froh sein, den Tag zu überstehen und einen Beruf in Teilzeit auszuüben, der mir etwas weniger einbringt als einer Hartz IV Empfängerin. Wenn ich nur an meine Rente denke, wird mir ganz schlecht (und ich hoffe, es gibt bis dahin die TAFEL noch - traurig eigentlich für jemanden mit Hochschulstudium.)

 

Regretting motherhood - oder regretting the f****** system?

Ich bin mir sicher, viele halten das für Gejammer, können diese Problematik auch gar nicht verstehen. Try walking in my shoes. Urteilt nicht über Menschen, die ganz andere Leben haben als ihr selbst. Nicht alle Kinder sind gleich. Und demzufolge auch die Erwachsenen nicht. Jeder hat andere Ressourcen und Handicaps, mit denen er sich durchs Leben schlagen muss. Ja, man könnte natürlich sagen, wenn ich nie Mutter geworden wäre, hätte ich all diese Probleme nicht, aber sicherlich einen Haufen anderer. Ich möchte und kann mir diese Option aber nicht vorstellen, denn ich bereue ganz sicher nicht, Mutter geworden zu sein. Was ich bereue sind viele kleine Fehler. Ich bedaure vielleicht verpasste Gelegenheiten aber ich könnte niemals die Schuld auf mein Kind (oder meine Kinder) schieben, denn ich bin diejenige, die Entscheidungen getroffen hat und nun das Beste aus allem zu machen hat. Es ist meine Entscheidung, meine berufliche Zukunft aufzugeben oder so zu erziehen und zu leben, wie ich es für richtig halte. Ich bedaure, dass es in unserer Gesellschaft keine bessere Lösung gibt in Sachen Vereinbarkeit - aber deshalb ist es für mich nicht die Option, keine Kinder zu haben...

 

Wer gern mehr zu dem Thema lesen möchte, kann ich folgende Blogbeiträge empfehlen

Regretting Motherhood – Nein. Aber. von Mama arbeitet

#regrettingmotherhood: Sehnsucht nach Freiheit. Manchmal. von Mutterseelenalleinerziehend

Von der Ambivalenz des Mutterseins von Herzgespinst

Mutter-un-Glück. Ein Geständnis von Phoenixfrauen

Leben im Käfig #regrettingmotherhood von Die Störenfriedas

Regretting Motherhood - Die Sehnsucht nach Unabhängigkeit von Herz und Liebe

#regrettingmotherhood - Lesesammlung (die Zusammenfassung) vom Vereinbareitsblog 

 
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