Trotz Startschwierigkeiten: meine Traumgeburt im Geburtshaus

Ich hatte mir so viele Gedanken gemacht; wie soll das alles nur klappen, wohin mit meinem Kind oder soll ich doch gleich allein gebären, damit der Papa für unsere Große sorgen kann? Dazu kam ja noch, dass ich so einigen Streß hatte, wegen dem ich mich nicht wirklich freuen konnte... der Entbindungstermin verstrich und ich wartete ängstlich - und dann bekam ich doch noch mein Happy End!

 

Die Wehen setzen ein - und erstmal läuft alles wie erwartet: mega schräg!

Schon in der Nacht konnte ich nicht gut schlafen und dachte, es ginge endlich los. Leider hielten sich die Wehen nicht - wäre ja auch zu perfekt gewesen, wenn ich sozusagen morgens ins Geburtshaus fahren und Peanut dann von meiner Freundin betreuen lassen könnte. Der Papa und ich waren uns nämlich einig, dass wir nachts lieber niemand anderen anrufen, da unsere Große schon die ganze Zeit nachts panisch reagiert hat und wir ihr Vertrauen nicht mißbrauchen wollten. Wie auch immer fuhr ich dann zur Hebamme und ließ mich ein weiteres Mal akupunktieren und moxen und fuhr mit dem unguten Gefühl zurück, dass es jetzt nur noch vier Tage wären, in denen ich im Geburtshaus gebären dürfte - Krankenhaus war von Anfang an mein absoluter Alptraum! Kein Bock mehr auf Fremdbestimmt - Sein oder tagelang dortbleiben müssen...

Nachmittags ging es dann wehentechnisch wieder voll zur Sache und ich war froh, dass meine Freundin mit Tochter bei uns war, um Peanut abzulenken. Die hatte mal wieder nicht geschlafen und war die ganzen letzten Tage schon ziemlich fies drauf, provokant ohne Ende und für eine Hochschwangere mit blauangelaufenen Wasserfüßen und Nervenschmerzen kaum zu bändigen. Beim Abendessen musste ich dann schon gut veratmen und immer mal wieder heulen, weil mein Kind mich fragte, wieso ich Schmerzen hätte. Ehrlich gesagt war meine größte Angst, dass es ihr nicht gut geht und ich sie im Stich lassen muss... Auch beim Badewannen - Check stand sie die ganze Zeit neben mir, beklebte meine Haare mit Masking Tape während ich mich vor Schmerzen krümmte und heulte mit mir im Akkord vor Müdigkeit und Überforderung. 

Kurzum: mein Alptraum wurde erstmal wahr! Auch beim Einschlafstillen fiel es mir scheiße schwer, still zu liegen und ich dachte nur eines: wie soll ich diese Geburt nur schaffen wenn mein kleines Mädchen zuhause liegt und nach mir schreit? Denn immer, wenn sie so früh einschläft, wacht sie mehrmals auf und ruft nach mir - die ich noch nie über Nacht weg gewesen bin... Die ganzen Sprüche von wegen "Das wird sie schon überleben" fand ich da echt daneben, denn natürlich überlebt sie es, aber ich wollte den Auftakt zum Geschwisterstart nicht mit einem Vertrauensbruch beginnen...

 

Die Entbindung im Geburtshaus: ein Mal ohne alles bitte!

Meine Freundin fuhr mich mit Bleifuß ins Geburtshaus, das gut eine halbe Stunde entfernt von uns liegt und ich konnte ihr kaum noch antworten, so stark waren die Wehen schon. Eigentlich wollte ich ja die Game Of Thrones Folge noch fertig schauen, aber wenn selbst das nicht mehr geht wird es ja wirklich Zeit loszufahren. Der Papa hatte sich zwischenzeitlich hingelegt "für die anstrengende Nacht" (Männer ey) aber Hauptsache er war zuhause und griffbereit für die Große. Meine Hebamme stellte dann fest, dass ich die Hälfte schon geschafft hätte und so schickte ich meine Freundin heim und sah mich noch mal kurz im Entbindungszimmer um... schon komisch, wenn man vor zwei Tagen dort CTG gemacht hat und panische Angst hat, NICHT hier entbinden zu können... und dann kommt der Gedanke: scheiße, jetzt muss ich da alleine durch.

Zwischen mega heftigen Wehen, blöden Darth Vader Witzen mit der Lachgas - Maske und Gesprächen mit der Hebamme über Hundeerziehung musste ich wieder mehrfach heulen, weil ich nicht wusste, wie es Peanut geht und war total geplagt von dem Gedanken, sie im Stich zu lassen - mit Logik hat das nichts zu tun, ist aber einfach schwierig loszulassen. Wie andere noch fröhlich aus dem Kreißsaal twittern, ist mir echt ein Rätsel... vor allem als mir dann aufging, dass die PDA bei der letzten Geburt doch einen gewaltigen Unterschied gemacht hat... holy f****ing s*hit!

Aber ganz ehrlich, ich fand es nicht komisch, das alleine durchzuziehen, irgendwie war es ohne Mann einfacher, mich fallenzulassen (man denkt ja doch immer drüber nach, ob dies oder jenes peinlich sein könnte) und als dann die Presswehen losgingen, hatte ich dann zwei nette junge Hebammen an meiner Seite, die das richtige Maß an "Jetzt schmeiß sie endlich raus!" und "Du schaffst das schon!" hatten.

 

Wunderbar gemütliche Bonding Zeit im Geburtshaus

Wie anders doch der Ablauf im Geburtshaus ist - das muss man wirklich selbst erlebt haben! Erst durfte die Nabelschnur auspulsieren und ich hatte meine kleine Erbse direkt auf den Bauch bekommen. Sie schrie nicht, schaute nur ein wenig verwirrt zu mir nach oben und ich konnte sie ausgiebig bekuscheln, ganz allein und ohne Streß. Auch nach der ärztlichen Kontrolle hieß es erst einmal Bonding: ich bekam Snacks und mindestens eine Stunde ganz allein auf dem Bett und während das Baby zufrieden nuckelte stand die Welt still... all die schlechten Erfahrungen heilten in dem Moment und auch die Tatsache, dass ich in der Schwangerschaft nicht genügend Zeit hatte für mein Baby... das war auf einmal alles unwichtig, denn es war einfach nur wunderschön und vor allem ungestört. Der beste Start ins Mama Dasein den man sich nur denken kann...

 

Meanwhile: Papa und Peanut allein zuhaus

Der Papa hatte nach eigener Aussage kaum Zeit zum Schlafen, denn schon kurz nachdem ich weg war, ging das erste Brüllkonzert los. Schock, Mama ist nicht da!?! Aber er war überrascht, dass sie sich auf seine Erklärungen einlassen konnte; offenbar haben wir oft genug darüber gesprochen dass Mama auch mal weg sein kann wenn das Baby kommt. (Da war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher ob sie das wirklich verstanden hat, aber zum Glück war es wohl der Fall.) Überraschenderweise schlief sie also bald wieder ein und der Papa schrieb mir auch noch eine SMS, was mich erst richtig abfuckte, aber dann beruhigte - klar es war schwierig aber es würde wohl funktionieren. Beim zweiten Mal aufwachen blieben die beiden länger wach und lasen gemeinsam noch mal eines der Bücher, die das Baby thematisierten. Hat er gut gemacht, der Papa!

Nachdem ich dann mitten in der Nacht anrief, entschied der Papa, gemeinsam mit Peanut loszufahren, denn er wollte das gute Vertrauensverhältnis nicht aufs Spiel setzen und so hatten wir dann eine total aufgedrehte und glückliche Zweijährige, die ständig das Baby streicheln wollte und erst in den späteren Morgenstunden einschlief... aber immerhin, der Anfang war gemacht und er war positiv!

 

Vom Vollproleten zum alleinerziehenden Mädchen Pap...
Einen! Moment! Ruhe!

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