Trennungsfaktor Kind? Weg mit der rosaroten Brille

Heute wollte ich mal das Thema Partnerschaft aufgreifen, geht es doch sonst immer um Babys und Kinder geht es heute mal um diejenigen, die diese Wunder zeugten. Hat euch einer gesagt wie sehr sich zwischen euch und eurem Partner alles verändert wenn das Baby da ist? Nein? Gut mir nämlich auch nicht. 

 

 

Beim zweiten Kind konnte man es erahnen aber bei unserer ersten Tochter fiel ich wortwörtlich aus allen Wolken 

Klar man hat schon so seine Vorstellungen davon, zum Beispiel das man jetzt nicht mehr soviel Zeit zu zweit hat, die ruhigen Abende auf dem Sofa eher selten werden aber das sich alles so stark verändert das habe ich nicht erwartet. Und Hut ab vor denen die jetzt bei diesem Absatz inne halten und sich denken "von was redet die bloß", meinen Glückwunsch, ich beneide euch das ihr nicht wisst was ich meine. Ganz ehrlich. Vor Pepper hatten wir natürlich alle Zeit der Welt redeten immer viel und unsere Beziehung beschränkte sich auf ganz andere Dinge als jetzt mit Kind. Das Umdenken war nicht das Problem eher das was sich daraus gefühlsmäßig für unsere Beziehung ergab.

Pepper wurde geboren. Und so anstrengend hat es sich wohl niemand von uns vorgestellt. Was blieb uns noch...? Im Grunde nichts. Die ersten Monate beschränkten sich Unterhaltungen auf Zweiwortsätze wie "bin duschen" oder "geh wickeln". Zeit zu Zweit gab es circa 6 Monate lang genau zu 0%. Warum? Na weil Pepper an mir klebte, sie viel schrie und nicht alleine sein konnte (was auch keiner von uns von dem kleinen Wurm erwartete). Dass unsere Partnerschaft dadurch ganz schön auf eine Probe gestellt wurde das wurde uns erst im Nachhinein bewusst. Dass ein Kind vieles verändert war uns bewusst aber das es alles veränderte, die Basis, unsere Basis, damit haben wir ehrlich nicht gerechnet.

 

Die Monate liefen irgendwie, wir schafften es gute Eltern zu sein aber dem anderen dann auch noch ein guter Partner zu sein dazu fehlte jedem von uns die Kraft

Alle Energie wurde in das neue kleine Lebewesen gesteckt und füreinander bleib da einfach nichts mehr. Ich glaube durch Pepper haben wir beide erst erlebt was es ausmacht und wie wichtig es ist das eine Beziehung intakt ist. Innerhalb des ersten Lebensjahres passiert soviel und ist die Beziehung dann nicht stabil oder man wenigstens bereit aneinander zu arbeiten dann ist eine Trennung schon fast vorprogrammiert. Natürlich blieb diese Zeit und auch meine Gefühlsachterbahn nicht ohne Folgen.

Irgendwann waren wir nur noch Eltern und kein Paar mehr. Das was vorher selbstverständlich war das war jetzt ein Luxusgut welches wir nicht mehr kannten. Da wir Pepper auch niemandem anvertrauen konnten / wollten blieb uns manchmal abends eine halbe Stunde auf dem Sofa und das wars. Kaum schaltete man ein wenig ab meldete sie sich schon wieder über das Babyphone. Wenn man in der Situation drin steckt sieht man das alles gar nicht so eng, erst jetzt wo wir wieder einige Abende für uns haben fällt auf wie sehr wir doch voneinader entfernt waren während dieser Zeit.

 

Niemand aus unserem Freundeskreis erzählte uns das ein Kind so sehr an einer Partnerschaft rütteln kann 

Nicht mit dem was das Kind tut sondern dadurch das man als Paar keine Zeit mehr hat füreinander. Eine bestimmte Zeit mag das gut gehen aber auf Dauer ist das für jede Beziehung Gift. Wenn ich Freunde darauf anspreche dann sagen sie so Dinge wie "klar bei uns war das auch so" oder "das ist normal bei uns war es ähnlich", ja ich gestehe das beruhigt mich, aber dennoch glaube ich dass Eltern im Alltag versuchen sollten sich eine Auszeit zu verschaffen. Und wenn es nur Abends eine fünf minütige Kuschelzeit auf dem Sofa ist aber wenigstens einmal am Tag und wenn auch nur für ein paar Minuten sollte man einfach nur mal ein Paar sein, nicht mehr und nicht weniger.

Warum erzähle ich Euch das alles? Das Kind wird geboren, dass eine Geburt die Eltern erst mal völlig aus ihrem Alltag, aus allem was sie bis dato kannten rauswirft und das es eine enorme Belastung für eine Beziehung sein kann ein Kind versorgen und erziehen zu müssen ist denke ich unbestritten. Gerade das erste Lebensjahr eines Kindes ist nicht einfach, viele schlaflose Nächte und eine komplette Umstellung des familiären Gefüges. Doch kommt mir immer häufiger der Satz zu Ohren "wir haben uns auseinander gelebt, das hat nichts mit dem Kind zu tun".

 

Ich finde einige machen es sich ganz schön einfach

Liegt es daran das es so leicht geworden ist, sich scheiden zu lassen, dass es heutzutage ja fast schon normal ist, dass jede zweite Ehe scheitert. Die Ehen wo keine Kinder sind, die lasse ich mal außen vor, denn diese interessieren mich nicht, mir geht um Eltern, um Menschen die verheiratet sind und ein gemeinsames Kind haben. Ich selbst weiß, dass nicht immer alles einfach ist und das es manchmal zerrt an der Beziehung plötzlich einen kleinen Menschen mitversorgen zu müssen und zu akzeptieren das dieser kleine Mensch nun das Wichtigste ist und der Partner oft zurückstecken muss des Kindes wegen. Aber das weiß man schon vorher, oder nicht?

Es gibt soviele Anlaufstellen die man als Paar suchen kann um sich Hilfe zu holen. Familienberatung zum Beispiel. Wenn alles reden und auch Absprachen nichts helfen, dann kann man sich immer noch professionelle Hilfe suchen und dies ist kein Armutszeugnis für eine Ehe, sondern vielmehr ein Zeichen dafür das beide Partner versuchen, die Situation aufzuklären und bereit sind an sich zu arbeiten.

Und genau dieses an sich arbeiten wollen ist glaube ich verloren gegangen. Es ist doch viel einfacher sich scheiden zu lassen oder zu trennen, so habe ich den Eindruck. Ich will niemanden verurteilen, das steht mir überhaupt nicht zu, dies ist lediglich mein Eindruck. Ich kenne Beziehungen oder Ehen da verstehe ich eine Trennung, aber das sind Beziehungen wo viele Jahre versucht wurde das was kaputt ist zu retten. Ich kenne aber auch die andere Seite dieser Medaille. Scheidungen werden eingereicht ohne das auch nur im Ansatz versucht wurde etwas zu ändern oder gar zu kitten. Wenn zwei Menschen alleine sind, also ohne Kinder, müssen nur sie damit leben, doch sind Kinder da dann ist so etwas doppelt so schlimm.

 

Sind wir es nicht unseren Kindern schuldig nichts unversucht zu lassen?

Sie sind doch diejenigen die im Stillen leiden und nicht den Verstand eines Erwachsenen haben, um das Geschehene in Relation setzen zu können. Neulich wurde mir erzählt, dass es eben manchmal so ist, man sich auseinander lebt und das dann eben keine Gefühle mehr da sind und es ja niemand verlangen kann das man sein Leben in einer mittelmäßigen und langweiligen Beziehung verbringt. Richtig verlangen kann das niemand aber ist nicht jeder seines Glückes Schmied? Es ist nunmal eine Tatsache das man in eine Beziehung oder Ehe eben investieren muss an Liebe, Energie und Vertrauen. Von nichts kommt nichts. Habe nur ich den Eindruck ist, das dies einigen zuviel ist. Zuviel Arbeit, zuviel Aufwand.

Ich weiß sehr wohl das es Gründe gibt die eine Trennung unausweichlich machen. Wenn ein Partner fremdgeht beispielsweise oder es eine Beziehung ist in der häusliche Gewalt herrscht. Davon distanziere ich mich gänzlich, solche Beziehungen sollten dann wohl wirklich beendet werden. Ein Kind hat auch nichts davon wenn Mama und Papa nur pro Forma zusammen bleiben. Ich rede hier von Beziehungen die beendet werden weil es einfacher erscheint als das aneinander arbeiten oder miteinander reden.

"Mama und Papa sind noch gute Freunde, wir mögen uns auch aber wir wollen einfach nicht mehr zusammen leben". Würdet ihr als Kind einen solchen Satz verstehen? Also ich nicht. Ich bin kein Scheidungskind, deshalb kann ich die Gefühle, die in einem Kind dessen Eltern sich trennen, nur erahnen und ich bin mir bewusst das niemand sich einfach mal eben so und total unüberlegt trennt, das auf keinen Fall, aber es scheint als ob eben eine Trennung doch die viel einfachere Alternative ist als das Problem am Kragen zu packen und gemeinsam zu versuchen eine neue Basis zu schaffen. Irgendwie traurig.

Warum ist das so? Woran liegt das? Ich weiß es nicht. Schlussendlich bleibt mir nur zu sagen das es manchmal einfach gerechter ist mal Zeit und Energie und Liebe zu investieren als einen Schlussstrich zu ziehen. Nicht für sich selbst oder für den Partner, sondern um seinem eigenen Kind zu zeigen das man kaputte Dinge auch wieder reparieren kann, wenn man nur das nötige Geschick und die nötige Ausdauer dafür hat.

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