Wir wollen ein drittes Kind

Ein drittes Kind? Wir? Gerade wir? Wo bitte sollen wir die Kraft dazu hernehmen? Ist das vernünftig? Was sagt der Arbeitgeber dazu? Fragen, für die sich unser Herz nicht interessiert.

 

Karl mit Maple im Wochenbett

 

Wenn mein Chef das hören würde, würde er mich schütteln. Zumindest hat er mir bei meinem Mitarbeiterjahresgespräch dringend davon abgeraten. Warum das da überhaupt Thema war? Na ja, ich habe aus familiären Gründen schon öfter mal gefehlt im letzten halben Jahr, wegen der schwierigen oder fehlgeschlagenen Eingewöhnungen unserer Töchter zum Beispiel, wegen Krankheiten oder Krankenhausaufenthalten auch. Und dann noch auf 30 Stunden reduziert als Elternzeit und dazu noch Home-Office-Zeiten. Alles nicht so prall für einen Arbeitgeber. Verstehe. Und er hat ja bisher auch viel Verständnis gezeigt. Aber das gehört eben dazu, wenn man familienfreundlich sein und Fachkräfte halten will. Aber zwei Kinder reichen dann, meinte wohl der Chef (Vater von – genau: zwei Kindern). „Wird mit zunehmenden Alter auch nicht einfacher“, fügte er mit Augenzwinkern und Hinweis auf seine zwei pubertierenden Kinder hinzu. Aber es lag schon viel Ernst in seiner Aussage. Ich hörte: „Wir haben jetzt viel mitgemacht. Aber das muss ja jetzt nicht jahrelang so weitergehen.“


Gerade wir?!

Als hätte er gewusst, was bei Mo und mir gerade im Kopf so passiert. Denn irgendwie sind wir uns sicher: Wir wollen ein drittes Kind. Gerade wir. Gerade wir, die wir zwei High-Need-Kinder haben, von denen das eine das erste Jahr vor Schmerzen nur geschrien und eine chronische Schmerzstörung davongetragen hat, und das andere gerne auch mit eineinhalb Jahren große Teile das Tages auf dem Arm verbringt und abends mehrere Stunden zum Einschlafen braucht. Gerade wir, die wir mehrmals vor Nervenzusammenbrüchen oder gar dem Selbstmord standen (nicht übertrieben), die wir jeden Abend entweder vor Erschöpfung direkt mit den Kindern einschlafen oder kurz danach auf dem Sofa. Gerade wir, die wir alle zwei Tage auf Twitter um Hilfe schreien, weil uns eine andere Katastrophe wieder an den Rand der Zurechnungsfähigkeit gebracht hat. Gerade wir wollen ein drittes Kind? Ja.


Die pure Vernunft darf niemals siegen

Es ist nicht vernünftig. Vernünftig wäre, langsam wieder ein Stück Normalität aufzubauen, zu versuchen, Kraft zu schöpfen, einen Rhythmus mit den Kindern zu bekommen, uns irgendwann wieder ein wenig Zeit für uns zu erkämpfen, vielleicht sogar (welch weit entfernter Traum) regelmäßig Zeit zu zwei zu haben, Hobbys wieder aufleben zu lassen, Freunde zu treffen, Sport zu machen. Vernünftig wäre, zu warten, bis die anderen beiden etwas größer und selbstständiger sind, dass sie Mama und Papa nicht mehr in der Intensität brauchen wie jetzt, dass sie schon mithelfen können. Vernünftig wäre, dann zu schauen, ob der Wunsch immer noch da ist oder sich schon erledigt hat, dann zu schauen, ob es klappt, und wenn nicht, einfach froh zu sein mit den zweien, die man hat. Vernünftig wäre, sich erst einmal finanziell zu konsolidieren, warten, bis beide wieder voll arbeiten, um möglichst viel Elterngeld zu bekommen.

Aber Vernunft war nie unsere größte Stärke. Und, ehrlich gesagt, die besten Entscheidungen haben wir in unserem Leben nicht aus der Vernunft heraus getroffen. Ich habe Mo acht Wochen nach unserem Kennenlernen einen Heiratsantrag gemacht. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Und ich bin sicher, dass wir die Entscheidung für ein drittes Kind ebenso wenig bereuen werden wie die Entscheidung für uns. Und es gibt ja durchaus auch Argumente dafür: Wir haben beide eine feste, unbefristete Stelle in Jobs, die uns Spaß machen. Wir führen eine stabile Beziehung und wurden durch den Horror der letzten Jahre eher noch fester zusammengeschweißt. Wir wollen es beide. Und nicht zuletzt: Wir sind bei allen Grenzen, an die uns das Elternsein gebracht hat, ziemlich gut darin, Eltern zu sein (mal ganz unbescheiden formuliert).

Natürlich muss das auch erst noch klappen mit dem Schwangerwerden. Auch dafür gibt es ja keine Garantie. Und wenn man eigentlich getrennt schläft (bei jedem Kind einer von uns), macht es das auch nicht einfacher. Aber es geht ja auch nicht darum, jetzt einen Schnelligkeitswettbewerb zu gewinnen. Sondern darum, dass wir fest in unserem Herzen wissen: Es ist noch Platz und ganz viel Liebe zu verschenken. Und, lieber Chef, das ist einfach wichtiger als Deine Pläne. Sorry.

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