Zwei Jahre getrennt - wie geht es dem alleinerziehenden Elternteil? Ein Mama - Interview

Nach dem ersten Mama - Interview meldete sich Jennifer bei mir - sie ist seit etwa zwei Jahren alleinerziehend und wollte gern erzählen, wie sie ihr Leben nach und nach gemeistert hat. Dieses Interview ist sozusagen Alleinerziehend 2.0. Jennifer gibt vor allem viele Einblicke in ihr Beziehungsleben und will anderen Mut machen...

 

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Hallo Jennifer, schön dass du auch bei dem Thema Alleinerziehend etwas beisteuern möchtest. Wie fandest du das Interview mit Dani, was hast du wieder erkannt und was fandest du nicht so gut dargestellt?

Hallo liebe Frida, vielen Dank, dass ich auch meine Erfahrungen zu diesem Thema äußern darf. Das ist übrigens mein aller erstes Interview, ich freue mich sehr es mit dir zu machen! Das Interview mit Dani hat mir sehr gut gefallen, ich habe mich in vielen Aspekten selber gesehen. 

Ich bin 27 Jahre alt und jetzt seit etwas über 2 Jahren Single. Ich arbeite auch Teilzeit als Verkehrspädagogin. In meinen Job bin ich wieder eingestiegen, als meine Tochter 1 Jahr alt wurde! In der Zeit hat meine Mama oder meine Großeltern auf meine Maus aufgepasst. Dann als meine Tochter 2 Jahre alt wurde, kam sie in den Kindergarten. Mir ging es ähnlich wie Dani, ich hatte das Gefühl nicht allem gerecht zu werden (Kind und Job) und ein sehr großes schlechtes Gewissen, dass ich nicht selber bei meiner Tochter sein konnte. Ich hatte das Gefühl etwas von ihrer Kindheit zu verpassen. Ich musste wirklich erst lernen los zu lassen. Ich hatte das Gefühl etwas von ihrer Kindheit zu verpassen. Ich musste wirklich erst lernen los zu lassen. Das hat einige Zeit gedauert, bis ich mit der Situation besser zurecht kam.
 
Jetzt muss ich sagen, dass ich weiß, dass meine Tochter egal wo sie ist, ob im Kindergarten, bei meiner Mama oder bei meinen Großeltern, sie in guten Händen ist. Das ist was zählt! Ohne meine Familie würde ich es nicht alles unter einen Hut bringen können. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung! Auch die finanzielle Situation kenne ich sehr gut. Es ist mit nur einem Einkommen wirklich schwerer. Man schaut mehr aufs Geld als vorher und man hat wirklich keine Chance sich Rücklagen zu bilden. Natürlich hat man, auch so wie Dani sagt, weniger Zeit für sich selbst! Und man darf auch nicht vergessen, dass man alles alleine mit Kind macht, von Friseurbesuchen über Einkaufen ect.. Das kann wenn die Kleinen in der Trotzphase sind schon sehr anstrengend sein. Da bleibt kaum Erholung! 
 

Welche Probleme siehst du vor allem in deiner aktuellen Situation? Und hättest du sie auch, wenn du noch mit dem Vater zusammen wärst?

Das ist eine gute Frage. Probleme würde ich es nicht nennen. Aber vieles wäre vielleicht entspannter, wenn man wieder einen Partner an seiner Seite hätte. Über etwas Entlastung würde ich mich oft sehr freuen. Man ist oft unter Zeitdruck, weil man nach der Arbeit zum Kindergarten hetzt oder schnell zu meiner Mama um dort meine Tochter abzuholen, weil diese ja auch arbeiten muss. Alles muss genauestens organisiert werden, das wäre evtl. mit einem Partner natürlich entspannter.

Ein Problem oder besseres Wort Herausforderung ist vielleicht wieder einen neuen Partner kennenzulernen oder sich auf jemand neues einzulassen. Den ein oder anderen Versuch habe ich schon hinter mir und ich muss sagen, es ist schwerer. Man ist wesentlich vorsichtiger mit Kind bevor man in eine Beziehung geht, natürlich weil man dem Kind Kummer ersparen möchte. Das Kennenlernen alleine kann schon schwierig sein, weil man kaum Zeit hat sich erst mal in Ruhe kennen zu lernen, bevor man merkt ob der Partner zu einem passen könnte oder nicht. Meine Tochter war auch etwas eifersüchtig und sagt dann gleich "meine Mama". Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, das ich auch noch den passenden Deckel finde, der dann natürlich das Gesamtpaket nehmen muss.

Der Vater hat auch eine neue Lebensgefährten. Da entstehen leider auch ab und an "Reibungen", die nicht sein müssten. Jeder möchte ja nur das Beste für das Kind!  Man muss schließlich weiterhin als Eltern zusammen agieren. Ansonsten komme ich gut mit der aktuellen Situation zurecht, auch wenn es manchmal alles etwas stressig ist. Man weiß ja, wofür man es macht.
 

Wie ist denn bei euch die Trennung verlaufen, welche Absprachen habt ihr getroffen und klappt das so weit? Und wie kommt deine Tochter mit der neuen Partnerin des Vaters zusammen?

Die Trennung ist bei uns im Guten verlaufen und wir versuchen auch immer harmonisch vor meiner Tochter mit einander umzugehen. Meine Tochter hat es den Umständen entsprechend gut überstanden. Sie hat die Trennung schon bewusst mit erlebt, obwohl sie erst knapp 1 Jahr alt war. Sie war danach noch anhänglicher/ kuscheliger und wollte gar nicht mehr alleine schlafen. Auch heute schläft sie noch mit in meinem Bett und möchte nicht alleine schlafen. Ich denke sie braucht das einfach noch und ich werde das Alleine-Schlafen auch nicht erzwingen, bis sie soweit ist. Sie fragt jetzt, mit knapp 3 Jahren, ab und an wo ihr Papa ist und freut sich auch, wenn er sie besucht.
 
Wir hatten uns so geeignet, da sie ja jetzt erst 3 Jahre alt wird, dass der Papa sie bisher immer wöchentlich besucht hat. Wenn sie jetzt 3 Jahre alt wird, werden wir versuchen, dass sie auch mal stundenweise mit dem Papa mitkommt. Anfangs aber ohne seine neue Partnerin, da meine Tochter so schon Schwierigkeiten hat, dass Mama und Papa nicht mehr zusammen sind. Das möchte ich langsam angehen, damit sich meine Tochter auch wohl fühlt.
 

Wie fühlst du dich denn mit der Situation neue Partnerin deines Ex? 

Es ist schon sehr komisch ihn mit einer anderen zu sehen, ich musste mich allerdings damit arrangieren. Aber man weiß ja nie, was noch wird ....

 

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Welche Antwort würdest du jemandem geben, der sagt, du wärst nicht allein-, sondern getrennt - erziehend weil sich dein Ex an der Betreuung beteiligt?

Das ist eine gute Frage! Ich würde wohl sagen, dass stimmt so nicht ganz. Auch wenn der Papa das Kind regelmäßig besucht oder ab einem gewissen Alter auch mal stundenweise oder auch ein Wochenende zu sich nimmt, bleibt dennoch die Hauptverantwortung bei dem, wo das Kind lebt. Man ist dennoch allein. Man geht alleine zum Arzt, sitzt nachts alleine neben dem Kind wenn es krank ist und meistert auch sonst alles alleine! Dennoch braucht das Kind beide Elternteile und es ist wichtig, dass man sich mit dem anderen Elternteil, für das Kind, gut versteht! Allen Mamas oder vielleicht auch Papas die frisch alleinerziehend sind, kann ich nur sagen, dass sie alles auch "getrennt - erziehend" meistern können, auch wenn es am Anfang schwierig ist. 
 

Welche Tipps hast du abschließend für frisch getrennte Mamas? 

Als erstes, dass sie sich nicht immer von jedem rein reden lassen sollen, was das Beste für das Kind ist. Das weiß die Mama nämlich schon selber ganz gut... Das gilt übrigens nicht nur für frisch Getrennte... Entweder macht einem die Gesellschaft nämlich ein schlechtes Gewissen, weil man arbeiten geht und das Kind schon früh in eine Betreuungseinrichtung gibt oder aber sie macht einem einen Vorwurf, weil man eben nicht arbeiten geht und "nur" Zuhause ist. Jeder muss selber schauen, was für einen das Beste ist und wie man über die Runden kommt.
 
Wenn man sich dann dazu entschließt, die Kleinen unter drei in den Kindergarten zu geben, braucht man kein schlechtes Gewissen haben, den Kindern geht es gut da und es ist auch Wahnsinn, was für Fortschritte die Kleinen in kurzer Zeit machen, weil sie sich auch viel von den größeren Kindern abgucken. Meine Tochter freut sich jeden Tag riesig auf den Kindergarten. Ich habe es nicht bereut, dass die sie mit 2 in den Kindergarten gekommen ist. Man muss sich auch nicht genieren oder Angst haben, mal Hilfe oder Unterstützung von der Familie oder Freunden anzunehmen. Man muss nicht immer alles alleine schaffen.
 
Ansonsten immer schon ruhig bleiben und andere reden lassen. Vielleicht sollte man so am Rande auch die RTL-II-Serie "Alleinerziehend- ein 24 Stunden Job" bitte nicht ernst nehmen, Alleinerziehende sind bestimmt nicht unfähig ihr Leben in den Griff zu kriegen  und verdienen an der Stelle auch mehr Wertschätzung! Und was ganz wichtig ist: Die freie Zeit mit dem Kind bewusst genießen, denn der Alltag ist so schon stressig genug!
 
 
Jennifer bloggt übrigens auch auf familien4leben.
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