Kindheit im Zeitraffer. Warum wird das zweite Kind schneller groß?

Am Freitag wurde mein Baby 1 Jahr alt - Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht. Gefühlt war ich doch eben erst im Geburtshaus, gefühlt habe ich doch den ganzen Tag auf dem Pezziball herumgehüpft, um ihre Bauchschmerzen zu lindern, gefühlt habe ich doch eben erst ihre ersten Krabbelversuche beobachtet. Und jetzt ist sie ein richtiges Kleinkind... Warum ist das beim zweiten Kind alles wie im Schnelldurchlauf? 

 

 

Im Schatten der großen Schwester

Etwas, das mich manchmal traurig stimmt. Ja, sie ist deshalb nicht unglücklicher, zumindest kennt sie es ja nicht anders. Aber ich weiß, wie es beim ersten Kind war, und deshalb habe ich immer das Gefühl, ich würde ihr viele wichtige Dinge vorenthalten. Meine ungeteilte Aufmerksamkeit zum Beispiel. Oder dass sie immer darum kämpfen muss, von mir auf den Arm genommen zu werden, denn ich habe ja immer irgend etwas zu tun. Die große Schwester ist auch fast immer dabei (special time zu zweit ist mit beiden sehr selten, da wir momentan auch mit dem Kindergarten pausieren...). Manchmal sagt auch irgendwer, dass Peanut in dem Alter aber mit irgendetwas weiter gewesen sei. Und dann denke ich - hätte ich sie besser fördern können, habe ich nicht genug mit ihr gesungen / gespielt / Bilderbücher angeschaut / PEKIP Kurse besucht und was weiß ich was noch alles. Eine Freundin sagt immer, Little Pea wäre so ein glückliches Baby, das viel vor sich hin spielt und auch zufrieden wirkt, aber trotzdem gibt es diese Stimme in mir, die permanent schlechtes Gewissen einflüstert...

 

Viel zu tun, viel gleichzeitig und wenig Achtsamkeit im Alltag

Ein Punkt, den wohl fast alle Mamas bestätigen können. Gerade wenn man mehrere Kinder hat (ich kenne es aber auch bei "nur" einem Kind, das kommt natürlich auf die individuelle Situation an). Es ist oft so, dass ich versuche, den Tag zu überstehen - je nach Müdigkeitslevel schaffe ich dann wirklich nicht allzu viel und bin froh, wenn die Kinder (spätabends) ins Bett gebracht sind und ich dann noch eine Stunde für mich habe. Und dann geht es wieder von vorne los. Wenn ich mal besser schlafen konnte, merke ich aber, wieviel Unterschied es macht, wieviel mehr an Kraft ich habe, für meine Kinder und auch für die Tagesgestaltung. Ich beneide alle, die drei, vier oder mehr Stunden am Stück schlafen können, bei mir sind es meist nicht mal zwei.

Aber es geht mir jetzt nicht um das Jammern, sondern mehr um die Feststellung, dass ich es so schade finde, dass die Momente, in denen ich die Zeit mit meinen Kindern wirklich genießen kann, so kurz sind. Meist sind es dann wirklich die, wenn ich mit ihnen in die Natur gehe - und mich ganz darauf einlasse, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Jeder Stock und jeder Käfer kann einen Moment ausdehnen und diese Zeit ist dann wirklich magisch...

 

Zeit ist kostbar, denn sie verrinnt im Alltag zwischen den Händen

Entschuldigt bitte, aber ihr erwischt mich gerade in sehr rührseliger Stimmung. Ich glaube, beim ersten Kind dachte ich immer, dass ich ja noch ein zweites haben werde und dann alles noch mal erleben kann. Vielleicht auch mehr genießen. Aber in Wirklichkeit habe ich es noch viel weniger genießen können, denn immer war irgendetwas anderes im Vordergrund. Die Bauchschmerzen, die Entthronung, die Entwicklungsschübe, das Zahnen, der Umzug, Streitereien mit Mitmenschen, schlicht und einfach Überlastung durch Müdigkeit. Es ist einfach, seine Kinder nicht wirklich zu sehen, wenn man kaum sich selber sehen kann. Und so entsteht dieser verdammte Zeitraffer Effekt beim zweiten Kind. Ehe man sich's versieht, kommt dieser erste Geburtstag und man fragt sich, was aus diesem zarten kleinen Bündel geworden ist, das man doch eben erst auf den Bauch gelegt bekommen hat. 

Ja, es ist ein sau cooles Kleinkind geworden und ja, ich werde es immer mein Baby nennen, egal wie alt es ist. Aber trotzdem - jeder Tag, den ich nicht richtig genießen konnte, schmerzt mich gerade und ich könnte heulen, weil ich ihn nicht wieder bekomme. Alles, was ich jetzt tun kann, ist mehr dieser magisch entschleunigten Momente herbei zu führen, mehr in die Welt meiner Kinder einzutauchen, mit beiden einzeln vor allem. Und diese Momente dann in eine Schneekugel in meinem Herzen zu konservieren und bei Bedarf herauszuholen. Bei rührseligen Stimmungen wie diesen zum Beispiel...

Hausfrau! Meine Entscheidung!
Hilfe mein Kleinkind will noch in den Buggy oder n...

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